15.3828
Unterstellung der Suva unter die Finanzaufsicht der Eidgenössischen Finanzkontrolle
Verfahrensbeitrag
Antrag der Mehrheit
Annahme der Motion
Antrag der Minderheit
(Gasche, Gilli, Gmür, Gössi, Gschwind, Kiener Nellen, Müller Leo, Schneeberger, Siegenthaler, Vischer Daniel)
Ablehnung der Motion
Proposition de la majorité
Adopter la motion
Proposition de la minorité
(Gasche, Gilli, Gmür, Gössi, Gschwind, Kiener Nellen, Müller Leo, Schneeberger, Siegenthaler, Vischer Daniel)
Rejeter la motion
Gysi Barbara · Mit-F · Nationalrat · St. Gallen · Sozialdemokratische Fraktion
Die Eidgenössische Finanzkontrolle ist das oberste Finanzaufsichtsorgan des Bundes. Sie ist unabhängig und unterstützt sowohl die Bundesversammlung bei der Ausübung ihrer verfassungsmässigen Finanzkompetenzen und bei ihrer Oberaufsicht als auch den Bundesrat bei seiner Aufsicht über die Bundesverwaltung.
Im Finanzkontrollgesetz ist in Artikel 8 geregelt, welche Bereiche die Aufsicht der Eidgenössischen Finanzkontrolle umfasst. Das sind die Verwaltungseinheiten, die Parlamentsdienste, die Empfänger von Abgeltungen und Finanzhilfen, die Körperschaften, Anstalten und Organisationen jeglicher Rechtsform, denen vom Bund die Erfüllung öffentlicher Aufgaben übertragen wurde, sowie Unternehmen, an deren Stamm-, Grund- oder Aktienkapital der Bund zu mehr als 50 Prozent beteiligt ist. In Artikel 19 sind zwei Ausnahmen definiert, die nicht der Finanzaufsicht der Eidgenössischen Finanzkontrolle unterstehen. Es sind dies die Schweizerische Nationalbank und die Suva: die Schweizerische Nationalbank aus Gründen ihrer Unabhängigkeit, die Suva vor allem aus historischen Gründen, die aufgrund der heutigen Corporate Governance nicht mehr gegeben sind. Die Ausnahme begründete sich in der besonderen Verwaltungsorganisation mit eigenem Verwaltungsrat. Andere eigenständige Bundesbetriebe, wie etwa die SBB und die Ruag, unterstehen der Eidgenössischen Finanzkontrolle, weil im Sinne der Public Corporate Governance eine einheitliche Finanzoberaufsicht richtig ist.
Die Finanzdelegation beantragte der Finanzkommission die ersatzlose Streichung von Artikel 19 Absatz 1 Buchstabe b. Damit soll die Sonderregelung für die Suva aufgehoben und die Suva den anderen autonomen Bundesbetrieben gleichgestellt werden.
Die Suva ist eine öffentlich-rechtliche Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit und verfügt über eine unabhängige interne und eine externe Kontrolle. Die Oberaufsicht wird durch den Bundesrat ausgeübt. Die Reglemente sowie die Jahresberichte und die Jahresrechnung der Suva bedürfen der Genehmigung durch den Bundesrat.
Bis Ende 2005 nahm der Direktor der Eidgenössischen Finanzkontrolle als einer der acht vom Bundesrat gewählten Vertreter Einsitz im 40-köpfigen Verwaltungsrat der Suva. Im Jahr 2005 übernahm dann die Suva die Militärversicherung, welche ebenfalls der Finanzaufsicht durch die Eidgenössische Finanzkontrolle untersteht. Folglich trat der Direktor der Eidgenössischen Finanzkontrolle aus dem Verwaltungsrat zurück.
Nach der Aufarbeitung des Insieme-Informatikdebakels hat die Finanzdelegation generelle Überlegungen zur Oberaufsicht angestellt und ist zum Schluss gekommen, dass es richtig sei, die Ausnahme für die Suva aufzuheben und auch die Suva der Finanzaufsicht der Eidgenössischen Finanzkontrolle zu unterstellen. So führte also nicht irgendein Anlass bei der Suva selber zu dieser Motion, sondern generelle Überlegungen zur Finanzoberaufsicht, nachdem die Arbeitsgruppe Insieme eine bessere Wahrnehmung der Oberaufsicht angeregt hatte.
In der Finanzkommission des Nationalrates wurde der Antrag der Finanzdelegation anlässlich der Sitzung vom 4. September 2015 erläutert und breit diskutiert. Die Mehrheit der Kommission überzeugte die Argumentation, dass man von dieser Ausnahme absehen solle. Hauptargumente für die Unterstützung waren die Einheitlichkeit der Finanzoberaufsicht, der Wegfall der historischen Ausnahme und der Umstand, dass es wichtig ist, alle autonomen Bundesbetriebe der Finanzaufsicht der Eidgenössischen Finanzkontrolle zu unterstellen.
Eine Kommissionsminderheit sah diese Argumente als nicht stichhaltig an und argumentierte vor allem auch historisch. Gerade weil es keine Probleme gebe, sei es unverständlich, weshalb man jetzt am Status quo etwas ändern wolle. Sie berief sich auch auf eine Stellungnahme der Suva selber, die die Aufhebung von Artikel 19 Absatz 1 Buchstabe b ablehnt.
Der Kommissionsmehrheit ist es jedoch wichtig, die Oberaufsicht generell zu stärken. Ausnahmen bei der Unterstellung unter die Eidgenössische Finanzkontrolle sollen organisatorische und nicht historische Gründe haben. Die Mehrheit der Finanzkommission erachtet es als richtig und wichtig, dass alle autonomen Bundesbetriebe der Finanzoberaufsicht der Eidgenössischen Finanzkontrolle unterstellt sind.
Ich bitte Sie deshalb namens der Kommissionsmehrheit, die Motion zu unterstützen.
Feller Olivier · Mit-M · Nationalrat · Waadt · FDP-Liberale Fraktion
La motion proposée par la Commission des finances du Conseil national porte sur la question de la haute surveillance parlementaire de la Caisse nationale suisse d'assurance en cas d'accidents (CNA). Il se trouve qu'aujourd'hui, en vertu de l'article 8 alinéa 1 lettre d de la loi sur le Contrôle fédéral des finances, le Contrôle fédéral des finances ne peut pas surveiller l'activité de la CNA, à l'exclusion des activités qui concernent l'assurance militaire. Donc les activités de la CNA liées à l'assurance militaire peuvent être surveillées par le Contrôle fédéral des finances, ce qui n'est pas le cas des autres activités.
Voilà ce qui est ancré aujourd'hui dans la loi, et cela a une conséquence majeure puisque, en vertu de l'article 26 de la loi sur le Parlement, l'Assemblée fédérale est soumise aux mêmes restrictions que le Contrôle fédéral des finances. Comme ce dernier ne peut pas surveiller la CNA, sauf en ce qui concerne l'assurance militaire, nous, en tant que parlementaires, sommes dans le même cas et ne pouvons pas exercer la haute surveillance parlementaire sur cette institution importante qu'est la CNA, à l'exclusion des questions relevant de l'assurance militaire. Cela est en décalage avec les règles modernes de gouvernance qui s'appliquent à une collectivité publique.
Aujourd'hui, le Contrôle fédéral des finances est un outil essentiel au bon fonctionnement de la Confédération. Il peut surveiller non seulement l'administration, mais également les établissements et les organisations qui ont pour tâche d'exécuter des missions publiques, indépendamment de leur statut juridique. Et curieusement, très curieusement, la CNA est exclue de ce champ d'action du Contrôle fédéral des finances, alors que cela n'a aujourd'hui aucun sens sur le plan pratique.
Aujourd'hui, le Contrôle fédéral des finances peut exercer ses tâches de surveillance sur toute une série d'institutions qui ont également une certaine indépendance, par exemple la Poste ou les CFF, des institutions en quelque sorte comparables à la CNA. Si le Contrôle fédéral des finances - et par conséquent l'Assemblée fédérale - peut surveiller l'activité des CFF, pourquoi ne pourrait-il pas surveiller également la CNA?
Il y a un autre problème de délimitation: il est quand même un peu curieux que, pour des motifs historiques, tout ce qui relève de l'assurance militaire puisse être contrôlé par le Contrôle fédéral des finances alors que le reste de l'activité de la CNA ne peut être contrôlé ni par le Contrôle fédéral des finances, ni par l'Assemblée fédérale. Il existe ici aussi un décalage avec les principes modernes et rigoureux de gouvernance. C'est pour cela que la Commission des finances vous propose de remettre un peu d'ordre et de modifier l'article 8 de la loi sur le Contrôle fédéral des finances de manière à ce que l'Assemblée fédérale, d'une part, et le Contrôle fédéral des finances, d'autre part, puissent surveiller l'ensemble des activités de la CNA, au même titre que les deux institutions surveillent, par exemple, les CFF ou la Poste.
Pour la majorité de la commission des finances, c'est une question de bon sens. La minorité de la commission aura l'occasion de présenter ses arguments tout à l'heure. Ce qui anime la minorité, c'est le caractère historique de la question. Pourquoi changer alors que cela a toujours été un peu comme cela, qu'une partie de l'activité de la CNA a toujours échappé au contrôle du Parlement et au Contrôle fédéral des finances? C'est en substance ainsi que se présente l'argument de la minorité de la commission.
La majorité de la Commission des finances vous invite à adopter la motion.
Quadranti Rosmarie · Mit-F · Nationalrat · Zürich · Fraktion BD
Ich bitte Sie um Zustimmung zum Antrag der Minderheit. Weshalb stellen wir diesen Antrag? Man hat die Suva bewusst verselbstständigt und mit eigenen Führungs- und Kontrollmechanismen ausgestattet. Es gibt keinerlei Indizien dafür, dass dieses System nicht funktioniert. Man soll funktionierende Systeme doch nicht wieder unter grösstmögliche staatliche Kontrolle bringen. Wir müssen nicht den Kontrollapparat ausbauen, sondern allfällige Mängel beheben. Wir müssen für ein Klima des Vertrauens sorgen, nicht die bestehenden Kontrollen ausbauen.
Das System Suva funktioniert. Wir wollen den Staatsapparat verschlanken, nicht ausbauen. Mit der Annahme des Antrages der Minderheit bleiben Sie beim Status quo, mit der Annahme der Motion bauen Sie den Staatsapparat aus.
Die Suva untersteht als öffentlich-rechtliche Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit der Oberaufsicht des Bundes, angeführt durch den Bundesrat. In den Augen der Minderheit reicht das aus. Eine zusätzliche Überprüfung durch die Eidgenössische Finanzkontrolle würde gegenüber heute zu Doppelspurigkeiten führen, nicht zu Vereinfachungen. Wir können nicht dauernd vom Bürokratieabbau sprechen und den Apparat trotzdem weiter ausbauen.
Aus diesen Gründen bitte ich Sie, der Minderheit zuzustimmen.
Widmer-Schlumpf Eveline · BR-F · Bundesrat · Graubünden
Der Bundesrat beantragt Ihnen, der Mehrheit der Finanzkommission nicht zu folgen und die Minderheit zu unterstützen. Es wurde gesagt: Die Suva untersteht als öffentlich-rechtliche Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit der Oberaufsicht des Bundes, die durch den Bundesrat ausgeübt wird. Der Bundesrat genehmigt die Reglemente der Organisation, den Jahresbericht und die Jahresrechnung. Weiter gibt es jährlich einen Bericht der Suva zum Risikomanagement, und es gibt externe Kontrollstellen, die die Jahresrechnungen überprüfen. Der Bundesrat ist folgender Auffassung: Wenn Sie bei der Suva noch mehr Kontrollen haben möchten - eben auch durch die Eidgenössische Finanzkontrolle -, würde es zu Doppelspurigkeiten kommen und wäre kein Mehrwert gegeben. Der Bundesrat schlägt aber vor, dass die Aufsicht über die ausgelagerten Träger von öffentlichen Aufgaben, z. B. eben die Suva, nach einheitlichen Kriterien vorzunehmen und dann auch sicherzustellen ist, dass keine Mehrfachprüfungen erfolgen.
Ich sage es noch einmal: Wenn Sie zur Kontrolle der Suva auch noch die Eidgenössische Finanzkontrolle einsetzen wollen, gibt es bei der Suva einfach eine Dreifachkontrolle. Das macht an sich keinen Sinn.
Markwalder Christa · P-F · Nationalrat · Bern · FDP-Liberale Fraktion
Präsidentin (Markwalder Christa, Präsidentin): Die Kommissionsmehrheit beantragt die Annahme der Motion. Eine Minderheit und der Bundesrat beantragen die Ablehnung der Motion.
Abstimmung
Abstimmung - Vote
Für Annahme der Motion ... 73 Stimmen
Dagegen ... 102 Stimmen
(5 Enthaltungen)