Lexipedia
HomeNewsEsploraRepertorio
Condizioni d’usoPrivacyAssistenza
Accedi

Fachkräfte-Initiative. Erhöhung des Frauenanteils in den ICT-Berufen

44401 · Amtliches Bulletin

Del 26 set 2018

https://lexipedia.io/it/docs/ch/ab-bo-bu/44401/de/fachkrafte-initiative-erhohung-des-frauenanteils-in-den-ict-berufen

Consultato il 11 set 2026

  1. Documenti
  2. Confederazione
  3. Bollettino ufficiale
Fonte

Oggetto parlamentare: Iniziativa sul personale qualificato. Aumentare la presenza femminile nelle professioni TIC (16.3730)

16.3730

Fachkräfte-Initiative. Erhöhung des Frauenanteils in den ICT-Berufen

Marti Min Li · Mit-F · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion

Sie kennen sicher diese Wimmelbilder, jene Bilder, auf denen ganz viel los ist und man beispielsweise versteckte Gegenstände oder Menschen suchen muss. Ein bisschen ähnlich ist das Prinzip, wenn man auf Bildern von Anlässen zur Digitalisierung die Frauen sucht: Dann muss man auch ein bisschen genauer hinschauen, bis man die eine oder andere entdeckt. Wenn man diese Bilder betrachtet, fragt man sich zumindest, ob die Zukunft nicht gar männlich aussieht.

Eine Studie des WEF ist zum Schluss gekommen, dass die Gefahr besteht, dass Frauen Digitalisierungsverliererinnen werden, weil sie gerade in diesen Zukunftsbranchen der ICT so untervertreten sind. Die Fachkräfte-Initiative - Frau Munz hat sie auch angesprochen - wurde lanciert, um das einheimische Fachkräftepotenzial besser auszuschöpfen. Beim einheimischen Fachkräftepotenzial geht es eben gerade auch um Frauen. Es liegt darum auf der Hand, im Rahmen der Fachkräfte-Initiative dieses Problem der Untervertretung der Frauen in ICT-Berufen anzugehen.

Ich wurde nach Einreichen meiner Motion auch von Vertreterinnen und Vertretern der Branche kontaktiert, die mir versicherten, dass sie meinen Vorstoss und meine Absicht sehr begrüssen und dass es auch ein grosses Anliegen der Branche sei, die Diversität zu erhöhen.

Der Bundesrat ist in seiner Stellungnahme der Meinung, die Motion sei, auch wenn er das Anliegen grundsätzlich teile, unnötig. Sie sei unnötig, weil bereits Programme vorhanden seien und weil die Branche und auch die Universitäten und Hochschulen bottom-up selber Massnahmen und Programme entwickeln sollen.

Auf die Frage, wie man denn den Frauenanteil in den ICT- und technischen Berufen erhöhen könne, sagte mir ein Mitglied der ETH-Leitung: Ich weiss es auch nicht - sagen Sie mir, was wir tun sollen! Es ist also nicht so, dass in den Universitäten und Hochschulen hier wirklich Patentrezepte vorhanden wären.

Die Tatsache, dass die Schweiz im internationalen Vergleich einen unterdurchschnittlichen Frauenanteil in den ICT-Berufen hat und dass auch Frauen, die eine entsprechende Ausbildung gemacht haben, nicht im Beruf bleiben, zeigt, dass Handlungsbedarf besteht und dass hier offensichtlich das Potenzial nicht ausgenützt wird. Sie zeigt auch, dass es eben nicht eine Frage der Biologie ist, wie gewisse Kreise vermuten, zumal auch der Frauenanteil in gewissen technischen Berufen und auch in gewissen IT-Berufen viel grösser ist.

Ich stelle manchmal mit Bedauern fest, dass wir in der Schweiz ein wenig selbstbezogen sind, dass wir immer meinen, wir wüssten alles besser. Wir müssen nicht immer das Rad neu erfinden, es gibt vielleicht in anderen Ländern Programme und Ansätze, die funktionieren. Ich habe Beispiele erwähnt; ich denke, es würde sich lohnen, diese zu studieren. Klar scheint mir: Der Handlungsbedarf ist da.

Wenn Sie wollen, dass die Zukunft auch ein wenig vielfältig sein wird, stimmen Sie meiner Motion zu.

Schneider-Ammann Johann N. · BR-M · Bundesrat · Bern

Frau Nationalrätin Marti, darf ich Ihnen sagen, wie ich mich freue, dass wir eine Staatssekretärin für Bildung, Forschung und Innovation ins Amt führen konnten? Ich freue mich echt darüber. Ich sage Ihnen auch, wie das in der Schlussphase gegangen ist - in einem Satz. Das erste Kriterium lautete: Man muss das Bildungssystem beeinflussen können und beeinflussen wollen - im Sinne von "Im Bildungssystem gibt es noch Justierungsmöglichkeiten" -, und das ist vor allem eine Angelegenheit zwischen den Kantonen und dem Bund, da braucht es jemanden mit Fingerspitzengefühl. Das zweite Kriterium lautete: Der Staatssekretär oder die Staatssekretärin muss, wenn das Wort "Digitalisierung" fällt, "sofort" sagen, nicht "bitte später". Das dritte Kriterium - das mag Sie noch mehr erstaunen - hiess: Die Staatssekretärin oder der Staatssekretär muss KMU-affin sein. Wir verdienen unsere "Brötli" durch die KMU, die KMU-Volkswirtschaft, und die KMU müssen digitalisiert werden können, dann sind sie kompetitiv im Markt der Zukunft.

Dann hat sich eine Frau durchgesetzt, Frau Martina Hirayama. Ich habe wirklich die Hoffnung, und dieses Kriterium haben wir selbstverständlich erst im Nachgang so definiert, dass sie als Vorzeigefrau, als Vorbild den jungen Mädchen ein wenig zusätzliche Begeisterung herüberbringen kann, wenn es um ICT geht und wenn es um technisch-technologische Tätigkeiten geht. Für mich sind das die Tatbeweise: wenn wir versuchen, die Situation tatsächlich zu verbessern.

Der Bundesrat ist sich bewusst, dass ein Mangel an weiblichen ICT-Fachkräften besteht. Wir haben in der BFI-Botschaft 2017-2020 immerhin 140 Millionen Franken eingestellt, um die Mint-Kompetenzen zu verbessern und die Nachwuchsförderung voranzutreiben. Neues zu erkennen und Ansätze zu entwickeln ist primär aber auch Aufgabe der Bildung, der Forschung und der Institutionen und weniger der Politik.

In der Berufsbildung sind die Trägerschaften, die Berufsverbände für das Berufsmarketing verantwortlich. Der Verband der ICT ist meiner Einschätzung nach gut unterwegs. Die Frauen im Sekundar- und Gymnasialschulalter werden angesprochen. Der Bund kann unter bestimmten Bedingungen Projekte im Bereich des Berufsmarketings subventionieren, und das haben wir auch schon gemacht. Exemplarisch dafür steht das Projekt der ICT-Scouts und des ICT-Campus, das den Informatiknachwuchs gezielt fördern will und dabei auf den Frauenanteil achtet.

Die Hochschulen in der Schweiz sind im Hinblick auf Entwicklung und Gestaltung ihrer Schwerpunkte autonom. Die einzelnen Hochschulen sind jedoch bestrebt, Massnahmen zur Umsetzung der Chancengleichheit zu ergreifen.

Zusammenfassend ist der Bundesrat der Meinung, dass die Rahmenbedingungen, die die Deckung des Fachkräftebedarfs ermöglichen, grundsätzlich gegeben sind und es nicht weiter in seiner Verantwortung liegt, zusätzliche Massnahmen zu ergreifen. Ich habe schon vorhin zu sagen versucht, dass wir etwas tun. Wir tun das schon seit Jahren, wir tun es mit Stetigkeit und Hartnäckigkeit. Ein Effekt ist schwierig zu erzielen. Aber mit der Zeit haben sich doch erste Erfolge eingestellt. Hier bei Ihnen gilt genau das Gleiche, und deshalb brauchen wir keinen zusätzlichen Auftrag, aber eine gute Zusammenarbeit. Dann kommen wir voran.

Der Bundesrat beantragt also die Ablehnung der Motion.

Abstimmung

Le président (de Buman Dominique, président): Le Conseil fédéral propose de rejeter la motion.

Abstimmung - Vote

Für Annahme der Motion ... 66 Stimmen

Dagegen ... 119 Stimmen

(0 Enthaltungen)