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Versorgungslücken schliessen. Es ist Zeit für neue Pflegemodelle
Moret Isabelle · P-F · Nationalrat · Waadt · FDP-Liberale Fraktion
La présidente (Moret Isabelle, présidente): Le postulat est combattu par Mme Sauter.
Streiff-Feller Marianne · Mit-F · Nationalrat · Bern · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.
Die Zunahme des Anteils älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung, der Mangel an Hausärzten, die immer komplexere Patientenbetreuung, das alles zwingt uns, nach effizienten und kostengünstigen neuen Lösungen im Gesundheitswesen zu suchen. Bereits heute arbeiten über 400 Pflegeexpertinnen mit einem Master of Science in Pflege in der klinischen Praxis. Der MSc Pflege bereitet auf die Rolle der Pflegeexpertin respektive des Pflegeexperten in Advanced Practice Nursing (APN) vor. Pflegeexpertinnen APN haben grössere Kompetenzen in der klinischen Versorgung. Eine separate Reglementierung dieser Berufsgruppe ist notwendig, damit die Patientensicherheit und die Betreuungsqualität auch in komplexen Fällen gewährleistet werden können.
Studien zeigen, dass der Einsatz von APN-Pflegefachpersonen die Versorgungsqualität aufrechterhalten oder gar steigern kann. Sie sind aufgrund ihrer Fachausbildung fähig, in den unterschiedlichen Settings vertiefte und erweiterte Rollen zu übernehmen. Sie können innerhalb multidisziplinärer Teams die Fallführung in der Versorgung von chronisch oder mehrfach erkrankten Menschen übernehmen. Diverse Einsatzmöglichkeiten im stationären und ambulanten Bereich sind dokumentiert: in Arztpraxen, Spitälern, in der Langzeit- oder Palliativpflege. Sie können z. B. in der Hausarztpraxis Patienten gemeinsam mit dem Hausarzt im Tandem betreuen. Das heisst, sie können Hausbesuche, Visiten, Vorabklärungen, Betreuung bei chronischen Erkrankungen übernehmen. Dies führt zu einer direkten Entlastung von Fach- und Hausärzten in den eben beschriebenen Handlungsfeldern.
In diversen Kantonen gibt es verschiedene erfolgreiche Pilotprojekte. Die Leistungen können momentan sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich nur ungenügend abgerechnet werden. Es ist an der Zeit, diese Pflegemodelle angemessen zu regeln und ihre Finanzierung zu sichern.
Ich danke dem Bundesrat für die Bereitschaft, die Umsetzung der Forderung des Postulates zu prüfen, und ich danke Ihnen, wenn Sie sie mit Ihrer Zustimmung unterstützen.
Sauter Regine · Mit-F · Nationalrat · Zürich · FDP-Liberale Fraktion
Wir gehen mit der Postulantin einig, dass wir einem zunehmenden Bedarf an Pflegefachleuten gegenüberstehen. Aufgrund der demografischen Alterung ist vor allem im Bereich der Langzeitpflege von einer stärkeren Zunahme des Pflegepersonalbedarfs auszugehen. Eine Studie des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums zeigt dies deutlich auf und zeigt auch auf, welche Lücke sich abzeichnet. Grund für diese Lücke ist unter anderem die Tats ache, dass in der Schweiz heute zu wenig Pflegefachpersonen ausgebildet werden oder dass viele frühzeitig aus dem Beruf ausscheiden, weil aus ihrer Sicht die Rahmenbedingungen nicht ideal sind.
Sie merken es, genau mit diesen Themen befassen sich die Pflege-Initiative und der entsprechende Gegenvorschlag, den wir heute Morgen in diesem Rat diskutiert haben. In diesem Sinne sind die Fragen, die die Postulantin aufwirft, im Rahmen der dabei geführten Diskussionen ausführlich geprüft worden, so insbesondere jene der Abrechnung von direkt durch Pflegefachpersonen erbrachten Leistungen mit den Krankenversicherungen und ihre Tarifierung.
Aus Sicht der FDP/die Liberalen müssen Modelle, in denen eine direkte Abrechnung von Leistungserbringern zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung möglich sein soll, gewissen Restriktionen unterliegen. Insbesondere ist sicherzustellen, dass nur Leistungserbringer, die über eine Vereinbarung mit einem Versicherer verfügen, selbstständig abrechnen können. Andernfalls ist zu gewärtigen, dass es zu Leistungsausweitungen und, damit verbunden, zu Kostensteigerungen im Gesundheitswesen mit den bekannten Folgen in der Prämienentwicklung kommt. In der von der Postulantin skizzierten Form lehnen wir solche Modelle ab.
Wir beantragen Ihnen in diesem Sinne, das Postulat nicht anzunehmen.
Abstimmung
La présidente (Moret Isabelle, présidente): Le conseiller fédéral renonce à prendre la parole. Le Conseil fédéral propose d'adopter le postulat.
Abstimmung - Vote
Für Annahme des Postulates ... 108 Stimmen
Dagegen ... 74 Stimmen
(3 Enthaltungen)