20.4044
Lücken bei der Vorleistungspflicht der Kostenträger schliessen
Prelicz-Huber Katharina · Mit-F · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion
In meiner Motion geht es darum, das Recht zu verankern, dass eine Behandlung oder eine Therapie bei Kindern und Jugendlichen begonnen werden kann - falls ein Arzt oder eine Ärztin dies indiziert hat -, bevor die Kostengutsprache erteilt wurde. So gäbe es keine Wartezeiten für kranke bzw. schwer kranke Kinder und Jugendliche. Auch das kenne ich leider aus meiner Praxis als Betriebssozialarbeiterin sehr gut.
Oft haben Betroffene mit den verschiedenen Versicherungen monatelange Streite auszufechten, bis eine Kostengutsprache da ist. Das löst bei den Betroffenen riesiges Leid aus, verschlimmert selbstverständlich die Krankheit, und Langzeitprognosen verschlechtern sich. Am Schluss wird das Ganze erst noch teurer.
Auch die Stellungnahme des Bundesrates zeigt, dass Lücken vorhanden sind. Es geht darum, genau diesen Vergütungsanspruch auszuweiten, damit es hinsichtlich des Beginns der Therapie keine zeitliche Lücke gibt, wenn die Kostengutsprache eben noch nicht erteilt wurde. Auch der Bundesgerichtsentscheid zeigt, dass wir in der Gesetzgebung eine Lücke haben - deshalb diese Motion.
Die Situation hat sich leider seit der Einreichung der Motion nicht verbessert, ich habe diesbezüglich nachgefragt. Es kostet ja nur zuerst, denn nachher kommt die Rückerstattung; es ist also eine vorübergehende Kostenübernahme.
Hier zwei Beispiele aus der Praxis: Ein Kind mit Autismus wohnt mit seiner Familie im Kanton X, wo es kein Angebot für eine Frühintervention gibt. Die Behandlung wäre aber möglich im Kanton Y. Gemäss den Richtlinien des Finanzausgleichs ist es so, dass die IV für die medizinischen Leistungen zahlen muss, der Wohnkanton aber für die "pädagogischen" Leistungen. Wenn dann die IV die Kostengutsprache für die medizinische Leistung erteilt, müsste der Wohnkanton den anderen Teil übernehmen. Wenn dieser Kanton aber - und das ist, wie gesagt, ein Praxisbeispiel - die Leistung verweigert, die Bezahlung verweigert, obwohl er kein Angebot hat, heisst das für das Kind: keine Behandlung.
Der zweite Fall: Einzelne Krankenkassen zahlen nur mit einer Vorleistung, wenn gleichzeitig ein Gesuch bei der IV um Kostenübernahme gestellt wurde, beispielsweise bei ADHS-Erkrankungen. Wenn dann aber die IV sagt, sie sei gar nicht zuständig, und damit die Prüfung des Gesuchs verweigert, übernehmen Krankenkassen die Leistungen nicht, und die Kinder haben wieder keine Behandlung.
Das Pilotprojekt Frühintervention bei Autismus ist wunderbar, Herr Bundesrat, aber es geht nicht nur um Autismus. Dieselbe Thematik haben wir bei anderen Krankheiten, wenn es darum geht, darüber zu streiten, wer die Kosten zu zahlen hat. Es kann nicht sein, dass Kinder und Jugendliche keine Behandlung bekommen, dass diese nicht sofort beginnen kann, wenn z. B. die Eltern das Geld nicht haben, um die Kosten vorzuschiessen.
Ich bitte Sie also, meine Motion anzunehmen, um genau diese Gesetzeslücke zu schliessen, damit die Vorleistung gesprochen wird, damit kranke und schwer kranke Kinder und Jugendliche sofort eine Behandlung bekommen, zugunsten ihrer Gesundheit, zugunsten der Kosteneinsparung. Denn langes Warten bedeutet späte Heilungsversuche und damit höhere Kosten. Auch das Bundesgericht hat gesagt, das sei nötig.
Ich bitte Sie, die Motion zu unterstützen.
Berset Alain · VPBR-M · Bundesrat · Freiburg
Cette motion, comme vient de le rappeler Mme Prelicz-Huber, charge le Conseil fédéral de présenter un projet législatif - donc de modification de la loi, c'est ce que vous souhaitez avec la motion - pour garantir que le traitement des enfants et adolescents puisse commencer dès qu'il y a une indication médicale pour la thérapie, et ce même sans accord de l'assurance qui prendra en charge les coûts.
Le Conseil fédéral voit bien qu'il y a des situations dans lesquelles il y a des retards. Nous voyons bien le problème qu'il s'agit de régler, mais nous ne pensons pas que ce soit un problème de base légale. Nous pensons que c'est un problème de mise en oeuvre et qu'il y a lieu de chercher des solutions dans la mise en oeuvre des bases légales existantes de manière à ce que ces retards puissent être évités, parce que ce que vous proposez avec la modification de la base légale, alors qu'on doit pouvoir résoudre ce problème autrement, reviendrait à dire que, dès qu'il y a une indication médicale, il n'importe plus de savoir s'il y a une base légale et s'il y a une possibilité de le financer. Cela nous paraît relativement délicat et pourrait conduire, dans les domaines qui concernent les enfants et adolescents - où tout le monde a envie naturellement d'améliorer la situation - à un foisonnement de mesures et d'éléments qui se développent sans qu'il n'y ait plus de coordination, ce que doit précisément assurer le respect de la base légale et le travail avec les assurances. C'est ça qui a conduit le Conseil fédéral à proposer le rejet de la motion. Ce n'est pas que nous niions le fait qu'il y a des difficultés, mais nous pensons que c'est un problème de mise en oeuvre.
Je vous remercie pour les mots très positifs que vous avez dits à propos du plan qui a été mis en place dans le domaine de l'autisme. Peut-être que ce type de mesure permettra d'améliorer les choses dans la mise en oeuvre effective, et non en donnant l'impression, qui à notre sens serait erronée, qu'on réglerait le problème en modifiant simplement la loi.
Donc nous sommes prêts à agir. Il faudra examiner comment pratiquer. Il y a le projet pilote de l'Office fédéral des assurances sociales, dans ce contexte, qui vise justement à clarifier et à améliorer la collaboration entre l'assurance-invalidité et les cantons pour assurer la prise en charge des enfants concernés. C'est par des projets de ce type qu'on arrive au meilleur résultat dans la mise en oeuvre. En fonction du cadre légal en vigueur, il nous semble que c'est le meilleur moyen de progresser et de faire avancer les choses.
Prelicz-Huber Katharina · Mit-F · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion
Danke für Ihre Ausführungen, Herr Bundesrat. Ich sage es nun aber ganz konkret: Ich habe Fälle erlebt, in denen ein Jahr lang, teilweise sogar bis zwei Jahre lang gestritten wurde. Was sagen Sie den betroffenen Patientinnen und Patienten und ihren Eltern, wenn während dieser Zeit einfach nichts passiert?
Berset Alain · VPBR-M · Bundesrat · Freiburg
Wenn ein solcher Fall existiert - und es gibt sicher solche Fälle -, würde ich hier einfach antworten, dass sich einmal mehr zeigt, dass die Umsetzung der Regelung, die wir haben, uns vor Probleme stellt. Wir müssen das unbedingt verbessern. Es gibt schon einige Beispiele, die von einer Verbesserung zeugen. Es muss auf dieser Piste, die bis jetzt gute Resultate gebracht hat, auch so weitergehen. Es besteht eine klare gesetzliche Regelung. Es braucht aber eine Umsetzung, die es ohne Verzögerung ermöglicht, vorwärtszugehen. Es wird immer wieder traurige, schlimme und schwierige Fälle geben. Wir müssen das anerkennen und dafür sorgen, dass die Umsetzung besser erfolgt.
Abstimmung
Präsidentin (Kälin Irène, Präsidentin): Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
Abstimmung - Vote
Für Annahme der Motion ... 83 Stimmen
Dagegen ... 108 Stimmen
(0 Enthaltungen)