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Reduktion des Antibiotikaeinsatzes in der Kälbermast
Munz Martina · Mit-F · Nationalrat · Schaffhausen · Sozialdemokratische Fraktion
Stellen Sie sich vor, es ist ein kalter Wintertag, es hat frische Luft, die Sonne scheint. Wollen Sie auf der Terrasse einer Alphütte in einem nassen Liegestuhl liegen? Oder lassen Sie Ihre Kinder im kühlen Herbst ohne Regenhosen im nassen Sand spielen?
Kälte und Nässe machen auch Kälber krank und lassen den Antibiotikaverbrauch in die Höhe schnellen. Frische Luft ist auch für Kälber gut. Frische Luft reduziert die Konzentration von Schadgasen und verdünnt die Anzahl Viren und Bakterien, aber die Kälber müssen gut geschützt sein. Das Forschungsprojekt Freiluftkalb der Vetsuisse-Fakultät Bern wurde im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms 72 zur Reduktion der Antibiotikaresistenzen durchgeführt. In mehreren Studien konnten die Forschenden zeigen, dass Freiluftkälber 80 Prozent weniger Antibiotika brauchen als Mastkälber in herkömmlicher Haltung. Der Antibiotikaeinsatz betrug bei Freiluftkälbern im Vergleich zur herkömmlichen Haltung also nur einen Fünftel. Das ist ein riesiger Erfolg bei einem Thema, wo die Landwirtschaftspolitik schon lange hilflos an Ort tritt.
Dieser Erfolg muss sich in der Subventionspolitik des Bundes niederschlagen, wenn es dem Bundesrat mit der Reduktion des Antibiotikaeinsatzes tatsächlich ernst ist und wenn er eine Eindämmung will. Aussenflächen müssen bei den Kälbern zu hundert Prozent und nicht nur teilweise überdacht werden.
In der Rinder- und Kälbermast werden laut Statistik des BLV noch immer jährlich über 7000 Kilogramm Antibiotikawirkstoffe eingesetzt. Rinder und Kälber sind die Nutztierkategorie, die mit Abstand am meisten mit Antibiotika behandelt wird. Trotz der Antibiotikastrategie des Bundes hat die Anzahl der Behandlungen in der Rinderaufzucht und -mast von 2020 auf 2021 zugenommen und verbleibt damit auf sehr hohem Niveau.
Der hohe Antibiotikaeinsatz und die zunehmende Tendenz bei der Anzahl der behandelten Tiere bedeuten dringenden Handlungsbedarf. Freiluftkälber werden ganzjährig im Aussenbereich gehalten. Dazu steht ihnen nach einer kurzen Quarantänephase dauerhaft ein grosser Auslauf mit reichlich Stroh zur Verfügung; dieser Auslauf muss gedeckt sein. So sind die Kälber vor Regen und Hitze geschützt.
Wegen der hundertprozentig überdachten Aussenfläche erhält dieses tierfreundliche Produktionssystem keine Tierwohlbeiträge aus dem Programm RAUS. Für die Landwirtschaft ist die Umsetzung des Freiluftkalb-Konzeptes deshalb finanziell nicht interessant, und so wird es nicht eingesetzt. Das Produktionssystem Freiluftkalb zeigt nur seine volle Wirkung, wenn die ganze Aussenfläche überdacht ist. Man kann nicht einfach ein Stück des Daches entfernen, sonst saugt sich das Stroh voll, wird nass, und die Kälber legen sich nicht mehr drauf.
Das Nationale Forschungsprogramm "Antimikrobielle Resistenz" (NFP 72) wurde mit Forschungsgeldern in Millionenhöhe unterstützt, um den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren und die Resistenzbildung einzudämmen. Es ist nicht verständlich, warum Handlungsempfehlungen, die von diesem Forschungsprogramm ausgehen und relativ einfach umsetzbar sind, nicht umgesetzt werden. Der Bundesrat wollte sogar im Zusammenhang mit der Massentierhaltungs-Initiative entsprechende Fördermöglichkeiten im Rahmen der AP22+ vorschlagen. Jetzt haben wir die Möglichkeit, diese Massnahmen umzusetzen. Auch die Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) setzt sich für die Motion ein, denn aufgrund des hohen Antibiotikaeinsatzes in der Rinder- und Kälbermast sowie der zunehmenden Tendenz bei der Anzahl der behandelten Tiere besteht dringender Handlungsbedarf.
Ich bitte Sie, meine Motion zur Reduktion des Antibiotikaeinsatzes in der Rinder- und Kälbermast anzunehmen und zu überweisen.
Aebi Andreas · Mit-M · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Geschätzte Frau Kollegin Munz, Fakt ist ja, dass der Antibiotikaeinsatz in der Humanmedizin massiv gestiegen ist und dass er in der Tierhaltung, über das Ganze gesehen, stetig zurückgeht. Zu meiner Frage: Können Sie bitte präzisieren, was Sie mit "Aussenwände überdacht" meinen? Ich habe das zum ersten Mal gehört. Bis anhin war es ja so, dass ein Teil offen sein musste, um unterstützt zu werden. Was sind das für Überdachungen?
Munz Martina · Mit-F · Nationalrat · Schaffhausen · Sozialdemokratische Fraktion
Ich spreche von einer kompletten Überdachung, nicht von Aussenwänden. Von Aussenwänden habe ich nie gesprochen. Ich habe von einer hundertprozentigen Überdachung der Aussenfläche gesprochen.
Zum Antibiotikaeinsatz: Die Anzahl der Tiere, die behandelt werden, steigt stetig. Das können Sie in der Statistik nachschauen.
Huber Alois · Mit-M · Nationalrat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Sehr geehrte Frau Munz, Sie haben "steigt ständig" gesagt. Genaue Aufzeichnungen gibt es erst seit 2020. Wie kommen Sie auf diese Zahl? Der Antibiotikaeinsatz sinkt ja seit 2010.
Munz Martina · Mit-F · Nationalrat · Schaffhausen · Sozialdemokratische Fraktion
Vielen Dank für diese Frage. Tatsächlich hat man erst seit 2020 eine Statistik, die so nachführbar ist. Seit dann steigt die Anzahl der Tiere, schauen Sie das nach. Die Menge an eingesetzten Antibiotika in Kilogramm sinkt hingegen, das gebe ich zu. Aber die Antibiotika werden konzentrierter und potenter. Sie können also nicht in Kilogramm messen, wie der Antibiotikaverbrauch wirklich ist, sondern Sie müssen die Anzahl der Tiere nehmen. Und diese ist in der Zeit, in der wir eine genaue Statistik haben, gestiegen.
Egger Mike · Mit-M · Nationalrat · St. Gallen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Frau Kollegin Munz, können Sie mir sagen, um wie viel der Antibiotikavertrieb seit 2010 in Prozent und in Kilogramm abgenommen hat?
Munz Martina · Mit-F · Nationalrat · Schaffhausen · Sozialdemokratische Fraktion
Nein, das kann ich Ihnen nicht sagen. Danke vielmals für diese Frage, die müssen Sie dem BLW stellen, da sind Sie bei mir an der falschen Adresse. Ich weiss, dass wir mit der Antibiotikastrategie den Antibiotikaeinsatz verringern wollen. Wir haben dazu das Forschungsprogramm NFP 72 in Auftrag gegeben und viel Geld investiert. Jetzt gibt es ganz einfache Empfehlungen dieses NFP 72, nämlich, dass man die ganze Fläche des Aussenbereiches der Kälber überdacht und damit den Antibiotikaeinsatz reduzieren kann. Es ist eine einfache Empfehlung, die der Landwirtschaft dient. Es kamen sehr viele Anfragen aus der Landwirtschaft. Die RAUS-Beiträge können abgeholt werden, wodurch das Konzept des Freiluftkalbs für die Landwirtschaft attraktiv wird.
Stimmen Sie bitte der Motion zu!
Nicolet Jacques · Mit-M · Nationalrat · Waadt · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Je déclare mes liens d'intérêts: je suis éleveur également. Je peux vous assurer qu'aucun agriculteur n'utilise d'antibiotiques par principe, par plaisir. Sachant que la distribution d'antibiotiques est réglementée en Suisse et qu'elle peut être faite uniquement sur prescription vétérinaire, ne pensez-vous pas qu'on risque d'avoir, à terme, de la maltraitance animale, avec des animaux qui ne seraient plus traités du fait de l'abandon de certains antibiotiques? Est-ce que la question de la maltraitance animale vous parle?
Munz Martina · Mit-F · Nationalrat · Schaffhausen · Sozialdemokratische Fraktion
Danke vielmals für diese Frage, Kollege Nicolet. Nein, ich habe nicht das Gefühl, dass die Tiere dann nicht oder falsch behandelt wären. Wir wollen den Antibiotikaeinsatz reduzieren, und wenn die Kälber weniger in der Nässe stehen, sind sie weniger für Krankheiten anfällig. Das hat das NFP 72 gezeigt, das im Rahmen der Strategie des Bundesrates, den Antibiotikaeinsatz zu reduzieren, durchgeführt wurde. Es verlangt nicht mehr, als dass die Landwirte RAUS-Beiträge abholen können, wenn hundert Prozent der Aussenfläche überdacht sind. Dadurch wird dieses Programm attraktiver. Es gibt nur einen indirekten Impact auf den Antibiotikaeinsatz. Dieser ist nicht verboten, wenn die Tiere Krankheitssymptome zeigen. Oder es ist auch nicht verboten, bei der Einstallung präventiv Antibiotika einzusetzen.
Bläsi Thomas · Mit-M · Nationalrat · Genf · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Chère collègue, j'ai une question: on sait que la couverture antibiotique est importante, il est important qu'elle soit supérieure aux besoins pour éviter le développement de résistances chez les bactéries. C'est pour cela que l'on donne plus d'antibiotiques que nécessaire, pour éviter que les bactéries développent des résistances. Comme on sait aussi que la transmission à l'homme du fait de la proximité des animaux a augmenté, en diminuant cette couverture d'antibiotiques, ne craignez-vous pas qu'on ait un problème - scientifique, finalement - de développement de ces résistances, et que l'on perde ensuite les avantages de l'utilisation de ces antibiotiques dans le cadre de l'élevage?
Munz Martina · Mit-F · Nationalrat · Schaffhausen · Sozialdemokratische Fraktion
Besten Dank, Herr Kollege Bläsi! Wir führen hier keine Antibiotikadebatte. Hier geht es darum, dass man, wenn man eine Aussenfläche zu einhundert Prozent überdacht, auf Antibiotika verzichten kann, weshalb Beiträge aus dem RAUS-Programm bezahlt werden können. Das ist im Sinne der Landwirtinnen und Landwirte, die das Freiluftkalb-Konzept umsetzen möchten. Sie möchte ich mit dem Zusatz zum RAUS-Programm unterstützen, dass bei einhundertprozentiger Überdachung der Aussenfläche Beiträge ausbezahlt werden können.
Parmelin Guy · BR-M · Bundesrat · Waadt
L'engraissement des veaux en groupe, en dehors de l'exploitation de naissance, est exigeant et conduit encore trop souvent à l'administration d'antibiotiques pour garantir la santé des animaux. C'est pourquoi la Confédération soutient déjà des projets et des programmes visant à renforcer la santé des veaux. La Confédération a soutenu financièrement le projet "Veau en plein air" ainsi que le projet de suivi "Rentabilité du veau en plein air". Le projet de recherche "Veau en plein air" a mis en évidence des facteurs qui influencent la santé des veaux. Des facteurs importants, tels que le transport, la biosécurité, la quarantaine ou la taille du groupe, doivent être abordés séparément.
La motion charge le Conseil fédéral de soutenir des systèmes de production dont les effets bénéfiques sur la santé des animaux sont prouvés. Moyennant de légères adaptations, en mettant à la disposition des veaux une aire d'exercice partiellement non couverte, le système "Veau en plein air" peut bénéficier des contributions intitulées "Sorties régulières en plein air" existantes. De plus, l'Office fédéral de l'agriculture soutient la mise en place du service sanitaire Veaux Suisse à hauteur de 5 millions de francs pour les années 2017-2023, dans le cadre du programme d'utilisation durable des ressources.
Le service sanitaire des veaux a obtenu que les poids jusqu'à 80 kilos soient entièrement payés à la vente, ce qui a notamment eu pour conséquence que les veaux ne quittent l'exploitation de naissance qu'au bout de quarante jours en moyenne, lorsqu'ils sont bien constitués et moins vulnérables aux maladies.
L'utilisation d'antibiotiques dans le secteur vétérinaire a diminué de plus de 50 pour cent au cours des onze dernières années. L'agriculture et les vétérinaires vont poursuivre leurs efforts pour réduire encore l'utilisation d'antibiotiques, en particulier chez les veaux.
En 2023, une task force Veaux 2030, composée de différents représentants de la filière, d'organisations et de la Confédération, a également été créée pour promouvoir des mesures concrètes visant à améliorer la santé des veaux et à réduire l'utilisation d'antibiotiques.
En conséquence, le Conseil fédéral considère que la motion est superflue et vous propose de la rejeter.
Abstimmung
Präsident (Candinas Martin, Präsident): Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
Abstimmung - Vote
Für Annahme der Motion ... 85 Stimmen
Dagegen ... 99 Stimmen
(7 Enthaltungen)