24.3498
Datenaustausch bei illegalen Migranten systematisieren
Riniker Maja · P-F · Nationalrat · Aargau · FDP-Liberale Fraktion
Antrag der Mehrheit
Annahme der Motion
Antrag der Minderheit
(Jost, Glättli, Jaccoud, Klopfenstein Broggini, Masshardt, Schläfli, Tschopp, Widmer Céline)
Ablehnung der Motion
Proposition de la majorité
Adopter la motion
Proposition de la minorité
(Jost, Glättli, Jaccoud, Klopfenstein Broggini, Masshardt, Schläfli, Tschopp, Widmer Céline)
Rejeter la motion
Präsidentin (Riniker Maja, Präsidentin): Sie haben einen schriftlichen Bericht der Kommission erhalten.
Addor Jean-Luc · Mit-M · Nationalrat · Wallis · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
On parle ici d'une motion qui a pour objectif de rendre systématique l'échange de données sur les migrants en situation illégale. Le Conseil fédéral considère que c'est un coup d'épée dans l'eau, que cela ne sert à rien. On nous dit souvent que les sans-papiers, comme ils n'ont pas de papiers, qu'ils n'ont pas d'existence légale, c'est comme s'ils n'existaient pas. La réalité, pour la majorité de la commission, est tout à fait différente, parce que tout le monde sait que certains migrants en situation irrégulière dans notre pays touchent différentes aides, qu'ils sont parfois assurés, qu'ils ont une assurance-maladie, qu'ils peuvent scolariser leurs enfants, etc.
La question n'est pas de les criminaliser, la question est de savoir si, finalement, on veut tolérer que vivent chez nous - on parle de 100 000 personnes, mais, par définition, on ne sait pas trop combien ils sont -, si on veut continuer à tolérer que des milliers, pour le moins, de migrants en situation irrégulière profitent de nos infrastructures, en particulier de nos écoles, voire aussi de nos institutions et autres assurances sociales.
Que propose cette motion Salzmann ? Simplement de rendre systématique l'échange de données entre les autorités. Je prends un exemple, celui d'un enfant de migrants en situation irrégulière. Si l'on impose un jour à l'école l'obligation de vérifier la situation des élèves qui la fréquentent, il y aura fatalement des situations que l'on identifiera. Et puis, finalement, c'est assez sain que l'on fasse la distinction entre ceux qui sont les bienvenus dans notre pays, en situation régulière, au bénéfice d'autorisations régulièrement délivrées par les autorités, et les personnes qui n'ont finalement rien à faire chez nous et qui n'ont à profiter ni de nos infrastructures ni de nos assurances sociales, faut-il le préciser, aux frais des citoyennes et des citoyens, en particulier des contribuables de ce pays.
Voilà pourquoi, par 15 voix contre 9, la commission vous propose d'accepter la motion Salzmann.
Fonio Giorgio · Mit-M · Nationalrat · Tessin · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.
Monsieur Addor, le groupe du Centre soutient cette motion, mais il tient à faire préciser certains points. Dans la mise en oeuvre de la motion, il conviendra de veiller à ne pas porter atteinte aux droits fondamentaux consacrés dans la Constitution fédérale. Cela concernera, par exemple, le droit des enfants à fréquenter l'école. Pouvez-vous confirmer que ces droits fondamentaux seront garantis ?
Addor Jean-Luc · Mit-M · Nationalrat · Wallis · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
C'est une question qui, à l'initiative du groupe du Centre, a été discutée en commission. Il est vrai que l'on peut parfaitement mettre en oeuvre cette motion dans l'intérêt général, sans pour autant violer les droits fondamentaux, dans l'idée de ce que les collègues du Centre au sein de la commission, dont vous faites partie, avaient en tête à ce moment-là. Oui.
Jost Marc · Mit-M · Nationalrat · Bern · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.
Bei diesem Vorstoss geht es darum, gegen illegale Migration vorzugehen. Das ist ein durchaus legitimes Ziel. Der Weg jedoch, den diese Motion fordert, ist aus Sicht der Minderheit der Kommission höchst problematisch. Sämtliche relevanten Daten von Sans-Papiers sollen zwischen verschiedenen Akteuren wie Sozialversicherungen, Gemeinden und Krankenkassen systematisch ausgetauscht und abgeglichen werden.
Ich möchte Ihnen an einem Beispiel verdeutlichen, welche realen Folgen ein solcher Datenaustausch haben kann. In einem kleinen, bescheidenen Appartement in der Schweiz lebt der fünfjährige Matteo mit seinen Eltern. Sie waren in der Hoffnung auf ein besseres Leben aus ihrem Heimatland weggezogen. Sie haben aber keine gültigen Aufenthaltspapiere und leben in ständiger Angst, entdeckt oder abgeschoben zu werden. Aus dieser Angst heraus haben die Eltern beschlossen, Matteo nicht krankenversichern zu lassen. Sie fürchten, dass ihre Situation auffliegen könnte, wenn sie offizielle Wege gehen. Auch in den Kindergarten schicken sie ihn nicht, obwohl Matteo natürlich immer wieder Kinder spielen sieht und diesen Wunsch hätte. Eines Tages beginnt sich Matteo unwohl zu fühlen. Zuerst ist es nur ein leichter Husten, aber bald wird es schlimmer. Er bekommt hohes Fieber, klagt über Schmerzen, und die Eltern werden je länger, je verzweifelter, weil sie sehen, dass sein Zustand sich rapide verschlechtert. Schliesslich bringen sie ihren Sohn notfallmässig ins Krankenhaus. Die Ärzte erkennen sofort den Ernst der Lage und versuchen, mit den nötigen lebensrettenden Massnahmen einzugreifen. Es braucht intensivmedizinische Betreuung, um das Leben des Kindes zu retten. Es gelingt, die Erleichterung der Eltern ist gross, aber dann stellt sich die Frage der Kosten. Wie gesagt, Matteo ist nicht krankenversichert, und deshalb übernimmt schliesslich die Allgemeinheit die Kosten, weil es eine Notversorgung war.
Diese Geschichte ist kein Einzelfall. Es gibt Hunderte, ja Tausende Kinder wie Matteo in unserem Land. Das ist ein Fakt. Es gibt Kinder, die für ihren Aufenthaltsstatus nichts können und daran nichts ändern können. Und doch wären die Folgen dieser Motion für die Kinder am grössten, und sie müssten am meisten darunter leiden. Die Motion verlangt nämlich, dass Daten zum Versicherungsstatus, zu den Prämienzahlungen, zu den Prämienvergünstigungen usw. systematisch abgeglichen werden. Da stellt sich für uns die grundlegende Frage: Wollen wir wirklich, dass Menschen aus Angst auf eine Krankenversicherung verzichten? Wollen wir, dass Kinder erst medizinische Hilfe bekommen, wenn es fast zu spät ist? Ist das die Schweiz, die wir uns wünschen?
Das Arztgeheimnis besteht aus einem guten Grund: Es schützt die Würde jedes Menschen, unabhängig von seinem Aufenthaltsstatus - damit wären wir wieder bei den Menschenrechten -, und es schützt unser Gesundheitssystem davor, für ausländerrechtliche Zwecke instrumentalisiert zu werden. Ein systematischer und automatischer Datenaustausch wäre auch deswegen kontraproduktiv, weil die Kosten für die Notfallversorgung von nicht versicherten Menschen schliesslich von den Kantonen und Gemeinden übernommen werden müssen. Wer glaubt, mit dieser Motion Missstände zu beseitigen, schafft in Wahrheit neue, gravierendere.
Wir dürfen grundlegende Rechte und die medizinische Versorgung nicht zu Werkzeugen der Migrationsbekämpfung machen. Dafür gibt es andere Mittel.
Deshalb fordert Sie die Minderheit der Kommission auf: Lehnen Sie die Motion ab, und korrigieren Sie damit auch die Entscheide, die wir in ähnlicher Weise vor zwei Jahren bei anderen Motionen getroffen haben.
Jans Beat · BR-M · Bundesrat · Basel-Stadt
Ich kann mich kurzhalten. Der Bundesrat beantragt Ihnen, die Motion abzulehnen. Allerdings hat das Parlament bereits die identische Motion 24.3059 der SVP-Fraktion angenommen. Damit haben Sie dem Bundesrat bereits den Auftrag erteilt, diese Motion umzusetzen - ganz unabhängig davon, wie die Abstimmung heute ausfällt.
Ich nehme aber sehr gerne zur Kenntnis, was der Sprecher der Kommissionsmehrheit gesagt hat. Er will, dass der Bundesrat bei der Umsetzung die verfassungsrechtlichen Grundrechte, wie beispielsweise das Recht auf Bildung und Gesundheit, berücksichtigt. Diesen Input nehmen wir sehr gerne entgegen.
Riniker Maja · P-F · Nationalrat · Aargau · FDP-Liberale Fraktion
Präsidentin (Riniker Maja, Präsidentin): Die Mehrheit der Kommission beantragt die Annahme der Motion. Eine Minderheit Jost und der Bundesrat beantragen die Ablehnung der Motion.
Abstimmung
Abstimmung - Vote
Für Annahme der Motion ... 121 Stimmen
Dagegen ... 59 Stimmen
(1 Enthaltung)
Schluss der Sitzung um 18.45 Uhr
La séance est levée à 18 h 45