26.4119
Lese- und Schreibkompetenz im digitalen Lernumfeld systematisch erfassen
Wortlaut
Der Bundesrat wird beauftragt, gemeinsam mit den Kantonen sicherzustellen, dass im nationalen Bildungsmonitoring künftig systematisch erfasst wird, in welchem Umfang Lernende auf Papier und am Bildschirm lesen und schreiben und welche Zusammenhänge zwischen diesen Modalitäten und der Lese- und Schreibkompetenz bestehen. Die Ergebnisse sind dem Parlament periodisch zugänglich zu machen, damit eine evidenzbasierte Grundlage für bildungspolitische Entscheide auf allen Ebenen besteht.
Begründung
Die Lesekompetenz ist eine Grundvoraussetzung für Bildung, berufliche Teilhabe und demokratische Meinungsbildung. Der Bundesrat anerkennt in seiner Antwort auf die Interpellation 26.3035, dass rund 25 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Mindestlesekompetenz nicht erreichen und dass dieser Anteil über die Jahre steigt. Er anerkennt zudem die Bedeutung eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen analogem und digitalem Lernen.
Die internationale Forschung zeigt seit Jahren Unterschiede zwischen dem Lesen auf Papier und dem Lesen am Bildschirm, insbesondere beim Verständnis längerer, linearer Texte, sowie eine eigenständige Rolle der Handschrift bei kognitiven Lernprozessen. Die Stavanger Declaration fasst diese Befunde zusammen. Die Evidenzlage ist damit bereits heute umfangreich und belastbar.
Trotz dieser Ausgangslage fehlen im nationalen Bildungsmonitoring systematische Daten dazu, in welchem Umfang Lernende auf Papier oder am Bildschirm lesen und schreiben und wie sich diese Modalitäten auf die Lese- und Schreibkompetenz auswirken. Ohne solche Daten lassen sich weder die Wirkung der fortschreitenden Digitalisierung des Unterrichts beurteilen noch zielgerichtete Massnahmen begründen.
Die Erhebung dieser Daten liegt im Zuständigkeitsbereich des Bundes, der das Bildungsmonitoring gemeinsam mit den Kantonen verantwortet. Die Motion greift nicht in die kantonale Hoheit über Lehrmittel und Didaktik ein, sondern schafft die evidenzbasierte Grundlage, damit Bund und Kantone fundierte bildungspolitische Entscheide treffen können.