817.022.32
Verordnung des EDI über den Zusatz essenzieller oder physiologisch nützlicher Stoffe zu Lebensmitteln
vom 23. November 2005 (Stand am 1. November 2010)
Das Eidgenössische Departement des Innern (EDI), gestützt auf Artikel 18 Absatz 2 der Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung vom 23. November 20051 (LGV), verordnet:
Art. 1 Gegenstand und Geltungsbereich
Diese Verordnung regelt die Anreicherung von Lebensmitteln mit essenziellen oder physiologisch nützlichen Stoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen und sonstigen Stoffen sowie deren Kennzeichnung und Anpreisung.2
Für die Verwendung essenzieller oder physiologisch nützlicher Stoffe als Zusatzstoffe gelten die Bestimmungen der Zusatzstoffverordnung vom 23. November 20053.
Art. 24 Erlaubte und verbotene Zusätze
Zur Erhaltung oder Verbesserung des Nährwertes oder aus Gründen der Volksgesundheit dürfen Lebensmitteln die in Anhang 1 aufgeführten Vitamine, Mineralstoffe und sonstigen Stoffe zugesetzt werden.
Zulässig sind Verbindungen von Vitaminen, Mineralstoffen und sonstigen Stoffen nach Anhang 2.
Der Zusatz von Vitaminen, Mineralstoffen und sonstigen Stoffen zu Lebensmitteln nach Anhang 4 ist verboten.
Vorbehalten bleiben die Bestimmungen zu den einzelnen Lebensmitteln.
Art. 3 Zulässige Höchstmengen
Der Zusatz der Stoffe muss so bemessen sein, dass die für Erwachsene empfohlene Tagesdosis nach Anhang 1 mit der Tagesration nach Anhang 3 nicht überschritten wird.
AS 2005 6345
[AS 2005 6191. AS 2007 2977 Art. 7]. Siehe heute: die V vom 22. Juni 2007 (SR 817.022.31).
Art. 4 Überdosierung
Damit Verluste an Vitaminen während der Lagerung ausgeglichen werden können, darf der Anfangsgehalt für jedes Vitamin in der Tagesration höchstens 300 Prozent der empfohlenen Tagesdosis betragen. Bei Vitamin A ist nur eine Überdosierung bis zu 200 Prozent der empfohlenen Tagesdosis, bei Vitamin D bis zu 150 Prozent der empfohlenen Tagesdosis erlaubt.
Art. 5 Zusätze zu Speisesalz und Trinkwasser
Dem Speisesalz dürfen Fluoride, Jodide oder Jodate zugesetzt werden, soweit dies aus Gründen der Volksgesundheit angezeigt ist.
Speisesalz, dem Fluoride, Jodide oder Jodate zugesetzt worden sind, muss pro kg 250 mg Fluorid, berechnet als Fluor, oder 20–30 mg Jodid oder Jodat, berechnet als Jod, enthalten.
Dem Trinkwasser dürfen Fluoride zugesetzt werden, soweit dies aus Gründen der Volksgesundheit angezeigt ist.
Trinkwasser, dem Fluoride zugesetzt worden sind, darf pro Liter höchstens1 mg Fluorid, berechnet als Fluor, enthalten.
Art. 6 Kennzeichnung
Auf den Zusatz essenzieller oder physiologisch nützlicher Stoffe zu einem Lebensmittel ist im Verzeichnis der Zutaten des Lebensmittels hinzuweisen.
Werden einem Lebensmittel Vitamine, Mineralstoffe oder sonstige Stoffe zugesetzt so ist eine Nährwertkennzeichnung nach den Artikeln 22–29 der Verordnung des EDI vom 23. November 20055 über die Kennzeichnung und Anpreisung von Lebensmitteln obligatorisch. Davon ausgenommen ist die Verwendung von iodiertem oder fluoridierten Speisesalz, Kochsalz oder Salz.6
Der aufgeführte Vitamingehalt darf auch bei einer Überdosierung nach Artikel 4 nicht grösser sein als die empfohlene Tagesdosis in der Tagesration.7
Bei Ergänzungsnahrungen und Nahrungsergänzungsmitteln ist der Vitamingehalt am Ende der Haltbarkeitsfrist anzugeben.8
Iodiertesoder fluoridiertes Speisesalz muss als «iodiertes Speisesalz/Kochsalz/ Salz» oder «Speisesalz/Kochsalz/Salz iodiert» beziehungsweise als «fluoridiertes werden.9
Bei Speisesalz sind folgende Hinweise zulässig:
bei jodiertem Speisesalz: «Genügende Jodversorgung verhindert Kropfbildung»;
bei fluoridiertem Speisesalz: «Fluorid wirkt der Zahnkaries entgegen».
Art. 7 Bewilligung von Stoffen im Einzelfall
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) kann auf Gesuch hin zusätzlich zu den in Anhang 1 aufgeführten Stoffen weitere essenzielle oder physiologisch nützliche Stoffe bewilligen.
Es prüft die gesundheitliche Unbedenklichkeit, die Zweckmässigkeit, die Kennzeichnung sowie die Anpreisung der betreffenden Zusätze.
Für das Bewilligungsverfahren, die Befristung und den Widerruf der Bewilligungen gelten die Artikel 5 Absätze 3 und 4 und Artikel 6 Absätze1, 2 und 4 LGV sinngemäss.
Art. 810 Anpassung der Anhänge
Das BAG passt die Anhänge dieser Verordnung regelmässig dem Stand von Wissenschaft und Technik sowie dem Recht der wichtigsten Handelspartner der Schweiz an. Es berücksichtigt dabei die Entscheidungen der European Food Safety Authority (EFSA).
Art. 9 Inkrafttreten
Diese Verordnung tritt am1. Januar 2006 in Kraft.
Übergangsbestimmungen zur Änderung vom7. März 200811 Lebensmittel, die den Änderungen vom7. März 2008 dieser Verordnung nicht entsprechen, dürfen noch bis zum 31. März 2010 nach bisherigem Recht eingeführt, hergestellt und gekennzeichnet werden. Sie dürfen noch bis zur Erschöpfung der Bestände an Konsumentinnen und Konsumenten abgegeben werden.
Übergangsbestimmung zur Änderung vom 27. April 200912 Lebensmittel, die den Bestimmungen gemäss der Änderung vom 27. April 2009 dieser Verordnung nicht entsprechen, dürfen noch bis zum 31. Oktober 2012 nach bisherigem Recht eingeführt, hergestellt, gekennzeichnet und abgegeben werden.
AS 2008 1049
AS 2009 2305 Übergangsbestimmung zur Änderung vom 12. Oktober 201013 Lebensmittel, die der Änderung vom 12. Oktober 2010 dieser Verordnung nicht entsprechen, dürfen noch bis zum 31. Oktober 2012 nach bisherigem Recht eingeführt, hergestellt, gekennzeichnet und abgegeben werden.
AS 2010 4659 Anhang 114 (Art. 2 Abs. 1 und Art. 3) Zulässige Vitamine, Mineralstoffe und sonstige Stoffe sowie die empfohlenen Tagesdosen für Erwachsene Stoff Für Erwachsene empfohlene Tagesdosis Vitamine Vitamin A 800 μg Β-Carotin (Provitamin A) 4,8 mg Vitamin D 5 μg Vitamin E 12 mg Vitamin C 80 mg Vitamin K 75 μg Vitamin B1 (Thiamin) 1,1 mg Vitamin B2 (Riboflavin) 1,4 mg Niacin (Vitamin PP) 16 mg Vitamin B6 1,4 mg Folsäure/Folacin 200 μg Vitamin B12 2,5 μg Biotin 50 μg Pantothensäure 6 mg Mineralstoffe Kalzium 800 mg Phosphor 700 mg Eisen 14 mg Magnesium 375 mg Zink 10 mg Iod 150 μg Selen 55 μg Kupfer 1 mg Mangan 2 mg Chrom 40 μg Molybdän 50 μg Stoff Für Erwachsene empfohlene Tagesdosis Fluorid 3,5 mg Kalium 2000 mg Chlorid 800 mg Sonstige Stoffe Fettsäuren: mehrfachungesättigte Fettsäuren (n-6) 10 g Alpha-Linolensäure (n-3) 2 g Summe von Eicosapentaensäure und
250 mg Docosahexaensäure (EPA + DHA) (n-3) Anhang 215 (Art. 2 Abs. 2) Zulässige Verbindungen der Vitamine, Mineralstoffe und sonstigen Stoffe Kategorie1: Vitamine Vitamin A Retinol Retinylacetat Retinylpalmitat Beta-Carotin Vitamin D Vitamin D3 (Cholecalciferol) Vitamin D2 (Ergocalciferol) Vitamin E D-alpha-Tocopherol DL-alpha-Tocopherol D-alpha-Tocopherylacetat DL-alpha-Tocopherylacetat D-alpha-Tocopherylsäuresuccinat Vitamin K Phyllochinon (Phytomenadion) Menachinon16 Vitamin B1 Thiaminhydrochlorid Thiaminmononitrat Vitamin B2 Riboflavin Riboflavin-5’-phosphat-Natrium Niacin Nicotinsäure Nicotinamid
Menachion kommt in erster Linie als Menachion-7 und in geringerem Masse als Menachion-6 vor Pantothensäure Kalzium-D-pantothenat Natrium-D-pantothenat D-Panthenol Vitamin B6 Pyridoxinhydrochlorid Pyridoxin-5’-phosphat Pyridoxindipalmitat Folsäure Pteroylglutaminsäure Calcium-L-methylfolat Vitamin B12 Cyanocobalamin Hydroxocobalamin Biotin D-Biotin Vitamin C L-Ascorbinsäure Natrium-L-ascorbat Kalzium-L-ascorbat Kalium-L-ascorbat L-Ascorbyl-6-palmitat Kategorie2: Mineralstoffe Bor Borsäure Natriumborat Chrom Chrom(III)-chlorid und sein Hexahydrat Chrom(III)-sulfat und sein Hexahydrat Fluor Natriumfluorid Kaliumfluorid Kalium Kaliumbicarbonat Kaliumcarbonat Kaliumchlorid Kaliumcitrat Kaliumgluconat Kaliumglycerophosphat Kaliumlactat Kaliumhydroxid Kaliumsalze der Orthophosphorsäure Kalzium Kalziumcarbonat Kalziumchlorid Kalziumcitratmalat Kalziumsalze der Zitronensäure Kalziumgluconat Kalziumglycerophosphat Kalziumlaktat Kalziumsalze der Orthophosphorsäure Kalziumhydroxid Kalziummalat Kalziumoxid Kalziumsulfat Magnesium Magnesiumacetat Magnesiumcarbonat Magnesiumchlorid Magnesiumsalze der Zitronensäure Magnesiumgluconat Magnesiumglycerophosphat Magnesiumsalze der Orthophosphorsäure Magnesiumlaktat Magnesiumhydroxid Magnesiumoxid Magnesiumkaliumcitrat Magnesiumsulfat Molybdän Ammoniummolybdat (Molybdän [VI]) Natriummolybdat (Molybdän [VI]) Eisen Eisenbisglycinat Eisencarbonat Eisencitrat Eisenammoniumcitrat Eisengluconat Fumarat Eisennatriumdiphosphat Eisenlaktat Eisensulfat Eisendiphosphat (Eisenpyrophosphat) Eisensaccharat elementares Eisen (elektrolytisch, carbonyl- oder wasserstoffreduziert) Iod Kaliumiodid Kaliumiodat Natriumiodid Natriumiodat Kupfer Kupfercarbonat Kupfercitrat Kupfergluconat Kupfersulfat Kupferlysinkomplex Mangan Mangancarbonat Manganchlorid Mangancitrat Mangangluconat Manganglycerophosphat Mangansulfat Natrium Natriumbicarbonat Natriumcarbonat Natriumcitrat Natriumgluconat Natriumlactat Natriumhydroxid Natriumsalze der Orthophosphorsäure Selen Selenhefe17 Natriumselenat Natriumhydrogenselenit Natriumselenit Zink Zinkacetat Zinkbisglycinat Zinkchlorid Zinkcitrat Zinkcarbonat Zinkgluconat Zinklaktat Zinkoxid Zinksulfat Kategorie 3: Sonstige Stoffe Fettsäuren Pflanzenöle Fischöle Algenöle
In Gegenwart von Natriumselenit als Selenquelle in Kultur gewonnene Arten von Selenhefe, die in handelsüblicher getrockneter Form nicht mehr als2,5 mg Se/g enthalten. Die in der Hefe vorherrschende organische Selenart ist Selenmethionin (zwischen 60 und
% des im Produkt enthaltenen Selens). Der Gehalt an anderen organischen Selenverbindungen einschliesslich Selencystein darf 10 % des gesamten Selenextraktes nicht überschreiten. Der Gehalt an anorganischem Selen darf üblicherweise 1 % des gesamten Selenextrakts nicht überschreiten.
Tagesrationen
Lebensmittel Tagesration in g
Milch aller Fettgehaltsstufen 500 Sauermilcharten 250 Käse, Käseerzeugnisse 100 Butter, Margarine, Minarine 50 Speiseöle und -fette 30 Hefeextrakte, Trockenhefe 10 Körnerfrüchte, Müllereiprodukte – zum Trockengenuss wie Weizenkeime 30 – für wasserhaltige Zubereitungen 100 Frühstücksgetränke (Trockenware) 40 Frühstückscerealien 50 Brot, Backwaren 100 Dauerbackwaren 100 Teigwaren (Trockenware) 100 Früchte und Gemüse, verarbeitet 200 Kartoffeln, verarbeitet 150 Fruchtsäfte, Nektare 300 Zitronensaft 30 Limonaden, Eistee, Tafelgetränke usw. 500 Gemüsesäfte 200 Konfitüren, Gelees, Brotaufstriche 50 Fleischwaren 150 Zuckerwaren 25 Tee, Kräuter- oder Früchtetee und ähnliche warme Getränke 300
Anhang 418 (Art. 2 Abs. 3)
Liste der Lebensmittel, denen keine Vitamine, Mineralstoffe oder sonstige Stoffe zugesetzt werden dürfen
Folgenden Lebensmitteln dürfen keine Vitamine, Mineralstoffe oder sonstige Stoffe zugesetzt werden: 1. Obst, Gemüse, Fleisch einschliesslich Geflügel und Fisch; 2. Getränken mit einem Alkoholgehalt von mehr als 1,2 % vol.