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19.3494 · Motion · 2019-05-09

Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung

Abschreibungsantrag liegt vor

Wortlaut

Der Bundesrat wird beauftragt, die landwirtschaftliche Forschung von Agroscope für eine moderne Bewirtschaftung von Weiden im Berg- und Sömmerungsgebiet wesentlich auszubauen.

Begründung

Die Alpwirtschaft hat in der Schweiz eine lange Tradition und erfüllt nach wie vor wesentliche Funktionen für die Allgemeinheit. Die Offenhaltung von Teilen der Landschaft ist für den Tourismus und für die Biodiversität von hoher Bedeutung. Die Ernährungswirtschaft profitiert von qualitativ hochstehenden und unnachahmlichen Produkten des Berggebiets und vom positiven Image der Alpen.

Das Berg- und Sömmerungsgebiet ist steigenden Herausforderungen ausgesetzt, welche die Wirtschaftlichkeit der Betriebe und so eine nachhaltige Bewirtschaftung in vielen Fällen infrage stellen. Das Zusammenleben mit den Grossraubtieren verlangt einen aufwendigen Herdenschutz. Das traditionelle Weidemanagement mit Zäunen erfordert einen hohen Arbeitseinsatz, verbunden mit hohen Kosten. Die Zunahme der Verwaldung und der Verbuschung ist zu lenken und zu begrenzen. Randflächen erfordern eine angepasste Bewirtschaftung. Das Futterangebot verändert sich mit dem Klimawandel und der Änderung von Temperaturen und Wasserverfügbarkeit. Die Käsereien sind bestrebt, ihre Produktpalette zu erweitern, und sie suchen nachhaltige Lösungen für die Verwertung der Molke.

Mit gezielter Forschung sind in diesen komplexen Fragestellungen deutliche Fortschritte zu erwarten, sodass die bewirtschafteten Flächen und die Anzahl der aufgetriebenen Tiere nicht weiter abnehmen. Beispielsweise könnten neue digitale Technologien wie virtuelle Zäune oder Online-Tierortungssysteme eine automatisierte Weidebewirtschaftung ermöglichen, die kostengünstigere Weidesysteme für das Berg- und Alpgebiet erlauben, ökologische Vorteile bieten und auch beim Herdenschutz gegen Grossraubtiere von Nutzen sind. Den Auswirkungen des Klimawandels auf das Berg- und Sömmerungsgebiet könnte mit Massnahmen begegnet werden, welche sich auf moderne Modelle abstützen.

Diese Ansätze müssen praxisnah erforscht und in der Einführung begleitet werden. Die Zusammenarbeit mit anderen Sektoren wie dem Tourismus, der Waldwirtschaft und der Jagd ist zu verstärken. Die Schweiz als Alpenland par excellence muss sich eine vorbildliche, moderne und zugleich identitätsstiftende Bewirtschaftung der Berggebiete und insbesondere der Alpen wert sein.

Antrag des Bundesrates

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.

Stellungnahme des Bundesrates

Die Schweizer Forschung hat sich in den letzten 20 Jahren in diversen disziplinären Projekten und interdisziplinären Forschungsprogrammen mit Fragen der Berglandwirtschaft und Alpwirtschaft befasst. Schwerpunkte der Programme waren die Ausrichtung auf eine nachhaltige Entwicklung, der Umgang mit den natürlichen, klimatischen und topografischen Standortnachteilen sowie mit Herausforderungen wie dem Klimawandel, der strukturellen Entwicklung oder der Aktivierung von Wertschöpfungspotenzialen.

Im Arbeitsprogramm 2018-2021 befasst sich Agroscope in verschiedenen Projekten mit Fragen zur Berglandwirtschaft und Alpwirtschaft. Ein Fokus liegt auf der Erarbeitung von Strategien für eine nachhaltige Flächennutzung und Fütterung sowie auf der Erfassung und Förderung von Ökosystemleistungen auf Grasland im Berggebiet unter Berücksichtigung von Klima- und Strukturwandel. Eng verbunden mit der Grünlandnutzung ist die Förderung und Nutzung der Arten und Lebensräume der Agrarlandschaft sowie die Förderung der Tiergesundheit im Kontext der Milchverarbeitung und Alpkäseproduktion sowie des Anbaus von für das Berggebiet geeigneten Spezialkulturen.

Zurzeit laufen die Vorarbeiten zur inhaltlichen Ausrichtung von Agroscope für das nächste Arbeitsprogramm 2022-2025. Kern ist die Festlegung der künftigen strategischen Forschungsfelder von Agroscope. Sie sind Teil des Forschungskonzepts Land- und Ernährungswirtschaft 2021-2024, welches dem Parlament als Anhang zur BFI-Botschaft unterbreitet wird. Der mit Personen aus der Praxis, Forschung und Bundesverwaltung erweiterte Agroscope-Rat wird sich mit der strategischen Ausrichtung der Forschung von Agroscope im Sommer 2019 befassen. Im Rahmen der darauf aufbauenden Erarbeitung des Arbeitsprogramms werden Forschungslücken zur Thematik Berglandwirtschaft und Alpwirtschaft erkannt und daraus der Forschungsbedarf abgeleitet.

Die neue Standortstrategie von Agroscope, welche der Bundesrat am 30. November 2018 im Grundsatz verabschiedet hat, sieht dezentrale Versuchsstationen vor. An diesen Versuchsstationen sollen anwendungs- und praxisorientierte Forschungsfragen im jeweiligen geografischen und klimatischen Kontext beantwortet werden, dies in enger Verbindung zu Partnern aus dem Bereich Wissensaustausch sowie der Praxis. Verschiedene Kantone haben Vorschläge zur Zusammenarbeit mit Agroscope in Versuchsstationen eingebracht. Ein mehrfach vorgeschlagener Schwerpunkt ist die Berglandwirtschaft und die Alpwirtschaft. Dies zeigt, dass mehrere Kantone am Aufbau einer Versuchsstation zum Thema Bergland- und Alpwirtschaft interessiert sind. Agroscope wird die entsprechenden Vorschläge im laufenden Jahr mit den Kantonen vertiefen und das Ziel, eine Versuchsstation zur Berglandwirtschaft und Alpwirtschaft im Rahmen der gesprochenen Gesamtbudgetmittel aufzubauen, weiterverfolgen.

Grundsätzlich anerkennt der Bundesrat den Bedarf, die für die Berglandwirtschaft und Alpwirtschaft relevanten Forschungsaktivitäten zu stärken. Es ist jedoch die Aufgabe des vom Departementsvorsteher WBF eingesetzten erweiterten Agroscope-Rates, die mittel- und langfristige Ausrichtung von Agroscope aus strategischer Sicht im Kontext der verfügbaren Mittel zu definieren.

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.