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19.4069 · Motion · 2019-09-19

Departement des Innern

In Kommission des Ständerats

Wortlaut

Der Bundesrat wird beauftragt, über mehrere Jahrzehnte die physische und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu untersuchen. Dazu soll eine allgemeine Kohortenstudie durchgeführt werden. Die daraus gewonnenen wissenschaftlichen Ergebnisse ermöglichen es nicht nur, die Gesundheitssituation von Kindern und Jugendlichen darzulegen, sondern auch darauf zu schliessen, ob ihre Lebensbedingungen vorteilhaft sind für ihre Gesundheit. Dabei werden auch das familiäre, soziale und wirtschaftliche Umfeld, aus dem die Kinder und Jugendlichen stammen, sowie ihr Ausbildungsniveau und ihre Lebensgewohnheiten berücksichtigt.

Begründung

Kohorten sind eines der Referenzinstrumente für die Forschung in der öffentlichen Gesundheit. Dabei geht es darum, eine Vielzahl von Kindern und Jugendlichen, die unabhängig von ihrem Gesundheitszustand ausgewählt wurden, über eine lange Zeitspanne zu begleiten und die Risikofaktoren zu untersuchen, die zur Entwicklung von Krankheiten beitragen: Ernährung, Bewegung, Lebensgewohnheiten, Umfeld, sozioökonomischer Hintergrund usw.

Die Phase der Kindheit und Jugend verlangt wegen ihrer Besonderheit eine spezielle Aufmerksamkeit und somit eine entsprechende wissenschaftliche Analyse. Zudem erlauben gute Kenntnisse der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen und die objektiven politischen Entscheidungen, die daraus abgeleitet werden können, auf lange Sicht grosse Einsparungen bei der öffentlichen Gesundheit.

Viele Länder führen eine Kohortenstudie über Kinder und Jugendliche durch. Eine der bekanntesten ist die Millennium Cohort Study (MCS) in Grossbritannien, die etwa 19 000 Jugendliche mit Jahrgang 2000 und 2001 untersucht. In Deutschland gibt es die Studie "Gesundheit in Deutschland aktuell (Geda)" und in Frankreich die Etude des Déterminants pré et postnatals du développement et de la santé de l'Enfant (Eden).

In seiner Antwort auf die Frage 18.5381 zum Thema Einsamkeitsgefühle bei Jugendlichen hat der Bundesrat mitgeteilt, dass die Schweiz an der internationalen Studie "Health behaviour in school-aged children" teilnimmt. Es handelt sich dabei um eine internationale Studie über Sucht, die nur Jugendliche zwischen 11 und 15 Jahren berücksichtigt und damit eine kleine Schweizer Auswahl einbezieht. Es wäre also nur konsequent, wenn die Schweiz selber Daten über die eigene Bevölkerung mit ihren kulturellen, geografischen und institutionellen Besonderheiten erhebt, um zu den internationalen Ergebnissen in diesem Bereich beizutragen und davon zu profitieren.

Antrag des Bundesrates

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.

Stellungnahme des Bundesrates

Der Bundesrat anerkennt, dass es in Bezug auf die Datenlage zu Kinder- und Jugendgesundheit Lücken gibt. Davon ausgehend, hat der Bund 2017 die Studie "Erarbeitung Erhebungsmethoden für Datenlücken der Kinder- und Jugendgesundheit in der Schweiz" erstellen lassen, mit dem Ziel, Möglichkeiten der Verbesserung der Datenlage in Bezug auf die Kinder- und Jugendgesundheit zu identifizieren. Die Studie kommt unter anderem zum Schluss, dass eine Kohorte einen möglichen Handlungsansatz darstellen kann, dass dem Anliegen aber auch Rechnung getragen werden kann, indem bestehende Datenquellen, z. B. die Daten der schulärztlichen Dienste, besser aufeinander abgestimmt und koordiniert genutzt werden.

Der Bundesrat gibt bezüglich der Lancierung von Kohortenstudien zu bedenken, dass dies ein äusserst komplexes und kostenintensives Vorhaben darstellt. Kohorten, welche primär aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen notwendig oder sinnvoll erscheinen, können dabei nicht über die kompetitiven Förderinstrumente des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanziert werden. Kohorten, für welche eine solche Finanzierung infrage kommt, müssen dem Konzept des SNF bezüglich der Kohortenfinanzierung entsprechen, primär wissenschaftlich motiviert und von höchster wissenschaftlicher Qualität sein. Selbst bei einer positiven Prüfung durch den SNF müsste von Beginn weg sichergestellt werden, wer diese Kohorte - nach dem Auslaufen der befristeten Finanzierung durch den SNF - dauerhaft weiterfinanziert.

Im Sinne eines kosteneffizienten Ressourceneinsatzes erachtet der Bundesrat daher aktuell die Durchführung einer Kohortenstudie als nicht angezeigt. Er möchte jedoch darauf hinweisen, dass nächstes Jahr der Nationale Gesundheitsbericht 2020 des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums erscheint. Er wird sich schwerpunktmässig mit der Kinder- und Jugendgesundheit befassen und ein umfassendes Bild der Gesundheit der Kinder und Jugendlichen in der Schweiz vermitteln. Der Bericht wird Themen beleuchten wie das soziale Umfeld, die psychische Gesundheit, das Gesundheitsverhalten, die Gesundheitsförderung oder die Palliative Care usw. und auch auf die entsprechende Datenlage eingehen sowie allfällige Datenlücken ansprechen.

Vor diesem Hintergrund empfiehlt der Bundesrat in Analogie zu seiner Stellungnahme betreffend die Motion Lohr 19.4070, das Erscheinen des Nationalen Gesundheitsberichtes 2020 abzuwarten, um auf dieser Grundlage über allfällige weitere Schritte zu entscheiden.

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.