20.3054 · Postulat · 2020-03-05
Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
Erledigt
Wortlaut
Der Bundesrat wird beauftragt zu prüfen und Bericht zu erstatten, ob ein Entwurf zu einem Erlass der Bundesversammlung vorzulegen sei oder eine Massnahme zu treffen sei, um auf dem länderübergreifenden Hochspannungsnetz sog. Phasenschieber an den Landesgrenzen zu installieren und damit das Schweizer Stromnetz zu stabilisieren, vor Überlastung aus dem Ausland zu schützen und die Versorgungssicherheit zu erhöhen.
Begründung
Gemäss Geschäftsführer Elcom (anlässlich des Stromkongresses in Bern 2018) wird die Schweiz zunehmend durch ungeplante Stromflüsse ("Loop Flows") aus dem Ausland überlastet. So findet rund ein Drittel des Stromhandels zwischen Deutschland und Frankreich ungeplant durch das Schweizer Netz statt, ohne das die Schweiz ökonomisch beteiligt sei. Wenn der Handel in Europa weiter zunimmt, so steigt auch die Belastung in der Schweiz und in kritischen Situationen muss die Schweiz bereits heute auf eigene Kosten reagieren. Vorliegend soll insbesondere geprüft werden wie die Stromflüsse durch die Schweiz physikalisch beschränkt werden können. Dabei sind die Kostenfolgen aufzuzeigen.
Antrag des Bundesrates
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
Stellungnahme des Bundesrates
Der Bundesrat und die betroffenen Akteure sind sich der vom Postulat angesprochenen Problematik der zunehmenden ungeplanten Stromflüsse ("Loopflows") bewusst. Die nationale Netzgesellschaft Swissgrid, die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom) und das Bundesamt für Energie (BFE) arbeiten mit den umliegenden Ländern, Netzbetreibern und der Europäischen Kommission an betrieblich-technischen Lösungen, um die Stromsystemrisiken zu reduzieren und die Integration in technische Prozesse der EU zu verbessern. Diesbezüglich stehen Massnahmen im Vordergrund, welche die Stabilität des Schweizer Stromnetzes unterstützen, vor Überlastung aus dem Ausland schützen und die Versorgungssicherheit somit erhöhen.
Wegen der vielen grenzüberschreitenden Leitungen lassen sich die Stromflüsse mit der Installation von Phasenschiebertransformatoren nur teilweise steuern. Eine umfassende Installation solcher Transformatoren an den Landesgrenzen wäre gemäss Swissgrid zudem mit hohen Kosten in der Höhe von mindestens mehreren 100 Millionen Franken verbunden. Weiter erfordert der betriebliche Einsatz solcher Transformatoren eine enge Koordination mit den benachbarten Netzbetreibern, um die regionale Netzstabilität nicht zu gefährden.
Zur Vermeidung bzw. Reduktion von Loopflows erachtet es der Bundesrat als einfacher und zielführender, wenn die europäischen Übertragungsnetzbetreiber die Schweiz bei den Kapazitätsberechnungen berücksichtigen. Das wäre mit einem Stromabkommen und der damit verbundenen Marktkopplung der Fall. Damit liessen sich ungeplante Stromflüsse vermeiden bzw. auf eine vertretbare Höhe reduzieren. Als temporäre Sofortmassnahme haben die Übertragungsnetzbetreiber von Frankreich, Deutschland und der Schweiz Massnahmen auf Betriebsebene vereinbart. Falls ein Schweizer Netzelement wegen zu hoher ungeplanter Stromflüsse überlastet wird, kann beispielsweise zur Entlastung ein französisches Kraftwerk hoch- und ein deutsches Kraftwerk runtergefahren werden.
Aus diesen Gründen erachtet der Bundesrat eine weitere Prüfung des Einsatzes von Phasenschiebertransformatoren als nicht zielführend.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.