20.3293 · Interpellation · 2020-05-05
Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
Erledigt
Wortlaut
Als er seinen Rettungsplan für die Flugbranche vorstellte, hat der Bundesrat darauf hingewiesen, dass für rund 70 Prozent der Schweizer Unternehmen die Abwicklung von Luftfracht eine wichtige Grundvoraussetzung sei. Er hat präzisiert, dass ein Drittel der Einfuhren und ein Sechstel der Ausfuhren per Luftfracht abgewickelt werde.
Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:
1. Liegen Angaben vor zur Menge, dem Wert, dem Gewicht und der Art von Waren, die per Luftfracht importiert und exportiert werden sowie zu den jeweiligen Herkunfts- oder Zielländern?
2. Wie gestaltet sich die Aufteilung in Kurzstrecken-, Mittelstrecken- und Langstreckenfracht?
3. Wird Fracht zwischen Inlandflughäfen transportiert? Falls ja, erfolgte ein Inlandfrachtflug, weil eine Zwischenlandung geplant war, oder handelte es sich dabei um reine Inlandfrachtflüge?
4. Auf welcher Grundlage wurde der Wert von 70 Prozent der Schweizer Unternehmen, die von Luftfracht abhängen, errechnet?
5. In seinem Bericht 2016 über die Luftfahrtpolitik der Schweiz sagt der Bundesrat, dass sich die Wertschöpfung der Luftfrachtbranche auf 1,25 Milliarden Franken belaufe. Kann der Bundesrat nähere Angaben zur genannten Summe machen?
6. Der Bund hat im erwähnten Bericht gesagt, dass ohne "Frachtladung [...] ein Grossteil der Passagierflüge nicht kostendeckend durchführbar" wäre. Kann der Bundesrat diese Feststellung näher erläutern?
7. Vertritt der Bundesrat die Auffassung, dass das Mitführen von Luftfracht bei Passagierflügen zur Tiefpreispolitik in der Luftfahrt beiträgt?
8. Wie verhält sich der Transport von Luftfracht auf der Strasse zum Transport von Luftfracht in der Luft?
9. Erfolgt die Verteilung von Luftfracht allein auf der Strasse? Ist bekannt, welches die mittlere Distanz ist, welche die Luftfracht auf der Strasse zurücklegt?
10. Im erwähnten Bericht steht, dass "der Anteil der im- und exportierten Güter über den Luftweg im internationalen Verkehr eher klein" sei und "nicht ganz der Wirtschaftskraft und der Exportstärke der Schweiz" entspreche. Welche Strategie verfolgt der Bund in Bezug auf die weitere Entwicklung des Gütertransportes in der Luft?
11. Die Luftfahrt ist diejenige Form der Fortbewegung, die am meisten Treibhausgase und externe Kosten von 1,3 Milliarden Franken verursacht. Erachtet es der Bundesrat als angemessen, die Luftfracht gegenüber anderen Transportarten steuerlich und organisatorisch zu bevorteilen?
Stellungnahme des Bundesrates
Im Jahr 2019 wurden in der Schweiz total 463 000 Tonnen Luftfracht ein- und ausgeführt. Lediglich 16 Prozent entfielen dabei auf reine Frachtflüge ohne Passagiere. Der verbleibende Anteil von 387 000 Tonnen bzw. 84 Prozent der Luftfracht wurde von Linien- und Charterflugbetrieben abgewickelt.
1. Daten zur Luftfracht werden sowohl vom Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL als auch von der Eidgenössischen Zollverwaltung EZV erhoben und verwaltet. Unter anderem werden die Frachtmenge in Tonnen, der wertmässige Anteil, die Warenkategorien sowie das Ursprungs-, Versendungs- und auch Bestimmungsland für die einzelnen Verkehrszweige erfasst. Insbesondere hochwertige, zeit- und temperatursensible Güter werden über den Luftweg transportiert. Einen grossen Anteil machen gemäss Aussenhandelsstatistik der Zollverwaltung Güter der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, der Unterhaltungselektronik sowie der Chemie- und Pharmabranche aus.
2. Eine Aufteilung auf die verschiedenen Streckenkategorien (Kurz-, Mittel-, Langstrecke) wird nicht vorgenommen. Aufschluss über die Ausgestaltung der Schweizer Luftfracht wird aber eine von der Universität St. Gallen erarbeitete Studie zur Schweizer Luftfrachtlogistik geben, welche noch dieses Jahr publiziert wird.
3. und 9. Luftfracht wird im Inland nicht per Flugzeug transportiert. Hierzu dient der unter 8. erwähnte Luftfrachtersatzverkehr, der die einzelnen Flughäfen in- und ausserhalb der Schweiz vernetzt. Zu den zurückgelegten Distanzen hat der Bund keine Daten.
4. und 5. Die in der Interpellation vorgebrachten Eckwerte stammen aus älteren Studien. Die Zahl 1,25 Mrd. Franken wurde im Rahmen der Studie "Volkswirtschaftliche Bedeutung der Luftfahrt" im Jahr 2011 so ermittelt, dass einer exportierten Tonne Fracht ein durchschnittlicher Wert von 115 000 Franken zugeordnet wurde. Beim erwähnten Anteil von 70 Prozent der Unternehmen, welche auf Luftfracht angewiesen sind, handelt es sich nicht um die gesamte Schweizer Wirtschaft, sondern nur um Schweizer Verlader und Logistikunternehmen. Diese wurden in einer Studie im Jahr 2010 befragt. Ohne diese Eingrenzung ist die Angabe nicht korrekt und muss relativiert werden.
6. und 7. Das Unterdeck von Passagierflugzeugen bietet Platz für die Beförderung von Fracht und Gepäck. Auf Langstreckenflügen erbringt die Fracht einen erheblichen Deckungsbeitrag. Durch die stark gewachsene Nachfrage im Passagierverkehr steht auch mehr Laderaum für den Frachtbetrieb zur Verfügung.
8. Die Zu- und Abtransporte zu den Flughäfen finden fast ausschliesslich über die Strasse statt; der Güterumschlag ist im Vergleich zur Bahn flexibler. Zirka ein Drittel der Luftfrachtmenge wird als so genannter Luftfrachtersatzverkehr per Lastwagen zu Flughäfen und Drehkreuzen im In- und nahen Ausland transportiert. Bei der Nutzung von Luftfrachtersatzverkehr ist nicht die Zusammensetzung der Güter entscheidend, sondern die Erreichbarkeit und die tieferen Kosten ausländischer Flughäfen.
10. und 11. Wie im luftfahrtpolitischen Bericht des Bundesrats von 2016 (BBl 2016 1927) festgehalten, erachtet der Bundesrat die wertmässige Bedeutung der Luftfracht als sehr hoch. Bereinigt um Edelmetalle beträgt der Anteil der Luftfacht an den gesamten Exporten wertmässig rund 40 Prozent. Im luftfahrtpolitischen Bericht 2016 wurde daher auch betont, dass die Landesflughäfen verlässliche und leistungsfähige Infrastrukturen für die Fracht bereitstellen sollen. Besondere Vorteile werden dem Luftfrachtverkehr nicht eingeräumt, auch die klimapolitischen Ziele gelten für Passagier- wie Frachtflüge gleichermassen.
Antwort des Bundesrates.