Für mehr Sicherheit, weniger Lärm und mehr Lebensqualität. Tempo 30 innerorts soll die Regel, Tempo 50 die Ausnahme sein
21.441 · Parlamentarische Initiative · 2021-03-19
Parlament
Erledigt
Wortlaut
Die Bestimmungen des Strassenverkehrsgesetzes (SVG; SR 741.01) seien so zu anzupassen, dass Innerorts generell Tempo 30 gilt. Begründete Ausnahmen auf Hauptstrassen/verkehrsorientierten Strassen sollen möglich sein. Die Streckenabschnitte, auf denen ein höheres Tempolimit gilt, sollen besonders gekennzeichnet werden.
Begründung
Heute gilt innerorts generell Tempo 50, Tempo 30 ist die Ausnahme. Tempo-30-Zonen sind zwar heute bereits möglich, die rechtlichen Rahmenbedingungen stellen aber grosse Hürden für Kantone, Städte und Gemeinden dar. Tempo 30 ist ein wirksames Instrument, um auf den Strassen innerorts für mehr Sicherheit und Ruhe zu sorgen und die Wohn- und Aufenthaltsqualität zu steigern.
Mehr Sicherheit: Tempo 30 ist ein wirksames Instrument zur Rettung von Menschenleben innerorts. Der Bremsweg reduziert sich bei 30 km/h im Vergleich zu 50 km/h um die Hälfte. Besonders Fussgänger*innen, allen voran Kinder, ältere Menschen und körperlich eingeschränkte Personen, aber auch Velofahrer*innen, sind durch hohe Geschwindigkeiten innerorts stark gefährdet. Nach Berechnungen der Beratungsstelle für Unfallverhütung BfU lässt sich die Zahl der über 1900 Unfallopfer/Jahr durch eine konsequente Einführung von Tempo 30 mindestens halbieren. Mehr Ruhe: Die Temporeduktion von 50 km/h auf 30 km/h dämpft den Lärmpegel um 3 dB, was einer Halbierung der Schallintensität entspricht. Für das menschliche Ohr klingt das, als wäre nur noch die halbe Verkehrsmenge unterwegs. Sie ist deshalb die wirksamste, schnellste und kostengünstigste Massnahme gegen Strassenlärm und wirkt direkt an der Quelle. Viele Ausgaben für Lärmschutzwände, Schallschutzfenster und lärmdämmende Beläge würden wegfallen. Auf Tempo-30-Strecken wird tendenziell weniger gebremst und lautstark beschleunigt. Dies sorgt insbesondere für mehr Ruhe in der Nacht.
Mehr Wohn- und Aufenthaltsqualität: Tiefere Geschwindigkeiten haben positive Auswirkungen auf die Wohn- und Aufenthaltsqualität und auf die Belebung des öffentlichen Raumes. Tempo 30 lädt dazu ein, vermehrt zu Fuss zu gehen oder das Velo zu nehmen und fördert so klimafreundliche Mobilität. Zudem nimmt bei Tempo 30 der Schadstoffausstoss der Autos ab, was sich positiv auf die Luftqualität auswirkt.
Die Angst, dass mit einer Temporeduktion der Verkehrsfluss verlangsamt würde, ist unbegründet. Vielmehr zeigen Studien, dass der Verkehr bei einer Regelgeschwindigkeit von Tempo 30 flüssiger und gleichmässiger fliesst und es zu weniger Staus und Stop-and-Go-Phasen kommt.
Die Niederlande macht es vor, dass es geht. Dort hat das Parlament vor kurzem beschlossen, dass Tempo 30 nicht mehr eine extra anzuordnende Ausnahme, sondern die Regelgeschwindigkeit innerhalb von Gemeinden und Städten sein soll. Auch verschiedene Schweizer Städte haben Tempo 30 in der Nacht (zwischen 22 Uhr und 6 Uhr) bereits erfolgreich eingeführt.