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23.4057 · Postulat · 2023-09-26

Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation

Erledigt

Wortlaut

Der Bundesrat wird beauftragt, eine Studie in Auftrag zu geben, welche die Ursachen für den in einem kürzlich erschienenen Bericht beschriebenen Rückgang des Nahrungsangebots benennt, der den Rückgang der Fischpopulationen, allen voran der Bestände des Aprons in der jurassischen Doubs-Schleife erklären könnte.

Begründung

Das zwischen der Schweiz und Frankreich unterzeichnete Wasserreglement zur Koordinierung der Schwall- und Sunkereignisse der Wasserkraftwerke am Doubs sieht ein Monitoring vor, mit dem die Auswirkungen dieses Abkommens auf den Fluss evaluiert werden können. Ein erster Bericht, der am 31. Mai 2023 vorgelegt wurde, zeigt die positiven Auswirkungen der neuen Massnahmen auf die Fischfauna auf. Doch die 2020 durchgeführten Analysen der benthischen Fauna zeigen, dass die Masse der normalerweise im Doubs lebenden aquatischen Wirbellosen im Vergleich zu 2004 stark abgenommen hat. Vor allem die Tiergruppen, die auf Verschmutzung sehr unempfindlich reagieren, gingen zurück, während die anfälligeren Gruppen erhalten blieben. Dieser Befund macht die Hypothese, dass sich die physikalisch-chemische Qualität dieses Flusses in diesem Zeitraum verschlechtert hat, wenig glaubwürdig. Dies ist jedoch die bisher am häufigsten verwendete Hypothese, mit welcher der stetige Rückgang der Fisch- oder Benthosmasse in diesem Fluss erklärt wird.

In einer Antwort auf meine Interpellation 15.3564 kam der Bundesrat, basierend auf der Fischnetz-Studie 1998-2003, zum Schluss, "dass sich im Untersuchungszeitraum, gesamthaft gesehen, weder die Häufigkeit noch die Biomasse der Fischnährtiere deutlich verändert hat", was bedeuten würde, dass das Nahrungsangebot das Verschwinden des Aprons nicht erklären konnte. Laut dem oben erwähnten Bericht ist die Biomasse seit 2004 jedoch deutlich zurückgegangen. Ausserdem sind vor allem Eintagsfliegen und Köcherfliegen, die organisches Material abbauen, seltener geworden. Und genau diese Tiere sind die bevorzugte Nahrung des Aprons.

Der oben zitierte Bericht bestätigt, was die Fischerinnen und Fischer seit Jahren beobachten: Neben dem Verschwinden des Aprons nehmen auch die Bestände der Zebraforelle (Salmo rhodanensis), einer Symbolart des Doubs, und einer weiteren geschützten und sehr seltenen Art, der südwesteuropäischen Nase, stetig ab. Die Nase ist ein Fisch, der sich hauptsächlich von kleinen Wirbellosen und von Algen ernährt, die er vom steinigen Flussgrund abweidet - eine Nahrung, deren Fülle von einer ausreichenden Primärproduktion abhängt.

Verschwinden all diese Fische, weil sie nicht genug zu fressen haben?

Antrag des Bundesrates

Ablehnung

Stellungnahme des Bundesrates

Der Zustand des Doubs wurde erst unlängst bewertet: in den Jahren 2018 und 2022 durch den Kanton Jura (Bericht zur Quantität und Qualität der Wasserinsekten respektive die Ergebnisse eines Monitorings der Oberflächengewässerqualität); in den Jahren 2016 und 2021 durch den Kanton Neuenburg (Bewertung der Quantität und Qualität der Wasserinsekten); in den Jahren 2015 und 2019 durch das biologische Zusatzprogramm, Teil Makrozoobenthos, der Nationalen Beobachtung der Oberflächengewässerqualität (NAWA TREND Biologie) und zwischen 2017 bis 2021 über das Umweltmonitoring des schweizerisch-französischen Abschnitts des Doubs (Synthesebericht im Jahr 2023). Desgleichen haben die Kantone Jura und Neuenburg 2023 eine Studie in Auftrag gegeben, die eine Bilanz der letzten Jahre über den Zustand des Doubs liefern soll. Die Ergebnisse werden zum Ende dieses Jahres erwartet. Parallel zu diesen Untersuchungen ist seit 2016 der Nationale Aktionsplan zur Rettung des Doubs in Kraft, der darauf abzielt, den ökologischen Zustand des Doubs nachhaltig zu verbessern. Der vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) gemeinsam mit dem Bundesamt für Energie (BFE) und den Kantonen Neuenburg und Jura ausgearbeitete Aktionsplan enthält Massnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität (Abwasserreinigung, Behandlung von Mikroverunreinigungen) und der Gewässerstruktur (Revitalisierung) sowie zur Regulierung der Wassermenge (Nutzung und Bewirtschaftung der Wasserkraft). Neben weiteren Massnahmen, beispielsweise zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels, ist auch das Monitoring des Apron (Zingel asper) Teil des Aktionsplans, dessen Wirkung zurzeit vom BAFU in einem Zwischenbericht untersucht wird.
Der Zwischenbericht über diese Untersuchung soll 2023 veröffentlicht werden, der Schlussbericht ist für 2025 vorgesehen. Der Doubs ist demnach ein Fluss, der engmaschig überwacht und dokumentiert wird. Auf die Lancierung weiterer paralleler Studien kann folglich zum jetzigen Zeitpunkt verzichtet werden.

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.