KR-Nr. 202/2002
Kinderhandel
Zürich, 24. Juni 2002 KR-Nr. 202/2002
ANFRAGE von Peider FilIi (AL, Zürich)
betreffend Kinderhandel
Kinderhandel ist ein weltweit verbreitetes Phänomen, das je nach sozialem und kulturellem Umfeld verschiedene Formen annimmt. Beispielsweise werden albanische Kinder aus ärmsten Verhältnissen nach Griechenland gebracht, wo sie zur Arbeit auf der Strasse (Verkauf von kleinen Artikeln wie Blumen oder Taschentücher) oder zum Betteln gezwungen werden. Den Gewinn heimsen Verbrecherbanden ein, die meist noch in kapitalintensivere kriminelle Machenschaften verwickelt sind. Mädchen werden häufig nach Italien verschleppt und zur Prostitution gezwungen (vgl. "NZZ am Sonntag" 2. Juni 2002). Gemäss dem Bericht der vom Eidg. Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) eingesetzten interdepartementalen Arbeitsgruppe muss davon ausgegangen werden, dass die Schweiz ein Zielland von Menschenhandel ist. Zum Thema Kinderhandel sind laut Bericht keine konkreten Fakten bekannt. Es ist jedoch von einer vermuteten hohen Dunkelziffer die Rede. Nach Westeuropa werden Kinder vor allem zur Adoption oder zur Ausbeutung zum Zweck der Kinderprostitution oder Kinderpornografie "verkauft".Im Prostitutionsgeschäft mit Frauen aus der Dritten Welt und Osteuropa, so der Bericht, sollen allerdings "zunehmend Frauen mit minderjährigen Kindern gesucht werden, sodass Frauenhandel in Kinderhandel übergeht." Es ist kaum anzunehmen, dass der Kanton Zürich, in dem das Geschäft mit der Prostitution floriert, vom widerlichen Phänomen Kinderhandel verschont ist. In diesem Zusammenhang bitte ich den Regierungsrat um die Beantwortung folgender Fragen:
Sind dem Regierungsrat Fälle bekannt, in denen Kinder durch Handel in den Kanton Zürich gelangt sind? Wenn ja, wie viele? Zu welchen Zwecken wurden die Kinder in den Kanton gebracht?
Welche Instanzen der Behörden sind zuständig für die Bearbeitung solcher Fälle?
Was geschieht im Falle einer Aufdeckung von Kinderhandel mit den betroffenen Kindern? Was mit den Tätern bzw. Täterinnen?
Werden die betroffenen Kinder in ihre Länder zurück geführt? Wie werden die Eltern bzw. Bezugspersonen identifiziert und kontaktiert?
Hat der Regierungsrat Kontakt zu Organisationen wie dem Fraueninformationszentrum (FIZ), die Opfer von Menschenhandel betreuen? Existieren Präventionsstrategien?
Wie geht der Regierungsrat gegen die Ausbreitung von Kinderhandel vor? Existiert ein Strategiepapier?
Peider FilIi