KR-Nr. 28/2010

Rettung des Schweizer Kammerchors

Winterthur, 1. Februar 2010 KR-Nr. 28/2010

POSTULAT von Willy Germann (CVP, Winterthur), Luca Rosario Roth (GLP, Winterthur) und Ruth Kleiber (EVP, Winterthur)

betreffend Rettung des Schweizer Kammerchors

Der Regierungsrat wird beauftragt, zusammen mit andern Kulturträgern eine Lösung zur Erhaltung des Schweizer Kammerchors zu suchen. Zumindest sollte wenn möglich zu Lasten des Lotteriefonds eine mehrjährige Übergangslösung gesucht werden, bis für den Chor eine neue Trägerschaft gefunden und die Finanzierung nachhaltig gesichert werden kann.

Willy Germann Luca Rosario Roth Ruth Kleiber

Begründung:

Der Schweizer Kammerchor ist der einzige professionelle Konzertchor der Schweiz. Er wurde nicht zuletzt auf Wunsch des Tonhalle-Orchesters gegründet, um auch grosse und schwierige Chorwerke aufführen zu können. Dieser Chor bereicherte in der Folge das Musikleben Zürichs, Winterthurs und anderer Städte mit aussergewöhnlichen Konzerten von hoher Qualität (z.B. mit Werken von Ligeti, Berlioz). Davon zeugen auch zahlreiche CDs.

Nun droht 2011 die Auflösung des Chors, wenn Tonhalle, Stadt und Kanton Zürich, aber auch der Bund dem Chor die notwendigen Mittel entziehen oder selbst geringe Subventionen verweigern. Mit Aufträgen der Tonhalle wird nur ein Teil des Musikschaffens des Schweizer Kammerchors abgegolten. Mit zahlreichen Eigenproduktionen, darunter bemerkenswerten Ur- und Erstaufführungen, leistet der Schweizer Kammerchor einen wertvollen Beitrag an die Musikszene Zürichs und der Schweiz. Der Schweizer Kammerchor bietet zudem Studierenden, Absolventen und Absolventinnen der ZHdK wertvolle Möglichkeiten für die Teilnahme an Proben und Aufführungen. Der Chor verfügt dank zahlreicher projektbezogener Sponsorenbeiträge über einen aussergewöhnlich hohen Eigenfinanzierungsgrad zwischen 80 und 90 %.

Die Auflösung des Chors wäre ein kulturpolitischer Verlust ersten Ranges für die Stadt und den Kanton Zürich, ja für die ganze Schweiz. In die Bresche müssten vorwiegend professionelle Chöre aus Deutschland springen.

Die Problematik fehlender Subventionen verstärkt sich noch dadurch, dass am Ende der Saison 2010/11 ein Wechsel in der künstlerischen Leitung ansteht. Abklärungen haben ergeben, dass in Europa mehrere der bedeutendsten Chorleiter durchaus bereit wären, bei gesicherter Finanzierung 2011 die Nachfolge von Fritz Näf anzutreten. Das bedingt aber, dass eine Grundfinanzierung des Chors über die Dauer von mindestens vier Jahren nachgewiesen werden kann.

Begründung der Dringlichkeit:

Eine Übergangslösung muss unverzüglich ausgearbeitet werden, da die Konzertprogrammierung für die Saison 2011/12 bereits begonnen hat. Auch die Suche nach einer neuen Chorleitung erfordert schnelle und klare Entscheidungsgrundlagen.