KR-Nr. 7/2000

Leistungsabbau bei Wöchnerinnen

Zürich, 3. Januar 2000 KR-Nr. 7/2000

ANFRAGE von Erika Ziltener (SP, Zürich)

betreffend Leistungsabbau bei Wöchnerinnen

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt sind in den letzten Jahren die Leistungen für Wöchnerinnen sukzessive abgebaut worden. Heute übernehmen die Krankenkassen nur noch Kosten für einen Spitalaufenthalt von vier bis fünf Tagen, und für Haushalthilfe werden keine Leistungen mehr bezahlt. Dies trifft Wöchnerinnen nach einer ambulanten oder einer Hausgeburt besonders, obwohl sie die für die öffentliche Hand günstigere Betreuung wählten. Die Folgen sind überforderte Wöchnerinnen, schlecht erholte Mütter mit Stillproblemen, vermehrten postnatalen Depressionen und Partnerschaftskrisen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt in ihrer Studie über die Geburtshilfe in Europa fest, dass durch den frühen Spitalaustritt die Säuglingspflege von der professionellen Pflege im Spital auf die Mutter übergeht. Die erwähnte Studie weist weiter nach, dass die meisten finanziellen und materiellen Ressourcen auf die Betreuung im Spital verwendet werden, während der grösste Teil der Wöchnerinnen das Nachsehen hat.

Dieser Wandel macht sich auch bei uns bemerkbar. Vor 20 Jahren verbrachten die Wöchnerinnen noch acht Tage im Spital. Viele beanspruchten anschliessend eine Haushalthilfe, die aus Beiträgen der Grundversicherung bezahlt wurde. Heute werden Wöchnerinnen bereits nach vier bis fünf Tagen aus der Klinik entlassen, wobei einige diese bereits nach der Geburt verlassen. Beiträge an die Haushalthilfe werden aus der Grundversicherung keine mehr geleistet. Wöchnerinnen müssen bereits nach wenigen Tagen wieder ihre Haushalts- und Familienpflichten zu Hause übernehmen. Die Folgen dieses vorzeitigen Wiedereinstiegs können gravierend sein. Es ist aber in jedem Fall unwürdig, Mütter nach der Geburt dermassen im Stich zu lassen.

Es besteht dringender Handlungsbedarf. Die Verwendung der Ressourcen muss neu beurteilt und den heutigen Gegebenheiten und Bedürfnissen angepasst werden.

In diesem Zusammenhang bitte ich den Regierungsrat um die Beantwortung folgender Fragen:

  1. Wie viel kostet der durchschnittliche Wochenbettaufenthalt einer gesunden Wöchnerin, aufgeteilt in die Leistungen der Krankenkassen und die Leistungen der öffentlichen Hand? Und wie lange dauert er?

  2. Wäre der Regierungsrat bereit, die Vor- und Nachteile für den gängigen Wochenbettaufenthalt im Spital, im Wochenbett zu Hause (nach Hausgeburten beziehungsweise ambulanten Geburten) oder in einem Geburtshaus zusammen mit den betroffenen Institutionen, Anbieterinnen und Benutzerinnen zu beurteilen?

  3. Wäre der Regierungsrat bereit, jeder Wöchnerin eine Fallpauschale (subjektbezogen) zur Verfügung zu stellen, statt einseitig die teure Spitalvariante zu favorisieren, um jeder Wöchnerin eine echte Wahl ihrer Wochenbettbetreuung zu ermöglichen?

Erika Ziltener