Langenbruck, Dürstelberg

Waldreservate · Basel-Landschaft · Aufgehoben am 29.11.2022

Dokument

Nummer
1277
Art
Waldreservate
Kanton
Basel-Landschaft
Ebene
Kanton
Genehmigt durch
RR
Beschlossen
27.05.1997
In Kraft seit
27.05.1997
Aufgehoben
29.11.2022

Karte

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Text

Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Basel-Landschaft

Nr. 1277

vom

27.5.1997

Aufnahme des „Dürstelberges“, Langenbruck, in das Inventar der geschützten Naturobjekte

Der „Dürstelberg“ befindet sich östlich des Siedlungsgebietes von Langenbruck. Als langgestreckter, NE-SW-verlaufender, bewaldeter Höhenzug, bildet er die markante Fortsetzung des „Bölchens“ gegen Westen hin. Der tiefstgelegene Punkt des Dürstelberges befindet sich im Westen an der Schöntalstrasse in ca. 715. m. ü. M.; die höchste Stelle im Ostteil reicht 1037 m. ü. M.. Der „Dürstelberg“ ist Teil des Südschenkels der Passwangkette. Der anstehende Hauptrogenstein, welcher den markanten Grat bildet, fällt hier steil gegen Süden ein, sodass der Südhang parallel zu den Gesteinsschichten verläuft. Trotz der Steilheit ist der Südhang aufgrund seiner tektonischen Verhältnisse relativ stabil. Am Nordhang bricht die Kalkplatte unter der Krete in Form kleiner Felsbänder ab. Die darunter liegenden Schichten des unteren Doggers sind von Gehängeschutt überlagert, weshalb der Nordhang weniger steil geformt ist. Das neu unter Schutz gestellte Gebiet umfasst die der Bürgergemeinde gehörende Waldparzelle Nr. 432, welche eine Fläche von 52,85 ha aufweist. Der Südhang ist standörtlich recht homogen. Die natürliche Waldgesellschaft ist ein flachgründiger Seggen-Buchenwald mit Zahnwurz (Waldgesellschaft Nr. 12*). Der Steilheit wegen tendiert der Standort zum Linden-Zahnwurz-Buchenwald mit Immenblatt (13e). An wenigen Stellen im östlichen Teil treten kleinere Felsen mit Schutthalden auf. Im östlichen Teil weist die Standortskarte als Waldgesellschaft den Zahnwurz-Buchenwald (12a) aus, die an sich ein wüchsiger Waldstandort ist. Am Dürstelhang handelt es sich aber um eine flachgründige, mässig wüchsige Ausbildung. Sobald Licht in die Bestände kommt, treten auch trockenzeigende Pflanzenarten auf. Diese Standorte sind mager und mässig bis schlecht wüchsig. Sie sind reich an Tier- und Pflanzenarten und bieten auch spezialisierten Arten Lebensraum. Am Dürstelberg kommen grosse Bestände des Maiglöckchens und verschiedene Orchideenarten vor (Männliche Orchis, Waldhyazinthe, Sumpfwurz). Interessant sind auch grössere Eibenbestände. Auf der Krete stockt gegen Westen hin ein typischer Blaugras-Buchenwald (Nr. 16). Am Nordhang gedeihen wüchsigere Waldgesellschaften wie Zahnwurz-Buchenwald (Nr. 12a) und Tannen-Buchenwald (Nr. 18a) im oberen Teil. Naturschützerisch von Interesse ist auch das Vorkommen seltener Tierarten. Im Gebiet des Dürstelberges wurden beispielsweise folgende bemerkenswerten Vogelarten festgestellt: Berglaubsänger, Goldammer, Grünspecht, Schwarzspecht und Baumpieper.

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Schutzziele für das neue Naturschutzgebiet sind: − Waldreservat mit Nutzungsverzicht; − Erhaltung und Förderung stufig aufgebauter Waldränder in den Randbereichen zur Verbesserung der Steinschlagschutzfunktion und als Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten. Die Waldrandpflege ist vor allem am Südhang wichtig. Damit können insbesondere lichtliebende Pflanzenarten und Reptilien gefördert werden. Gleichzeitig wird damit auch der Schutz der Dürstelstrasse vor Steinschlag gewährleistet. Der Dürstelberg eignet sich in besonderer Weise zur Ausscheidung eines Waldreservates mit Nutzungsverzicht (Totalwaldreservat). Verschiedene wichtige Voraussetzungen sind hier erfüllt. Im letzten Jahrhundert wurde er noch als Buchen-Mittelwald mit Nadelholz Überhältern genutzt. Gemäss Waldwirtschaftsplan wurde das Gebiet jedoch seit 1910 nur dreimal durchforstet. Die Eingriffe beschränkten sich dabei am Südhang auf die unteren Hangpartien im Bereich der Wege und der verschiedenen Griengruben. Im östlichen Teil legte das Militär während des ersten Weltkrieges Kahlschläge an und baute Schützengräben. Der grösste Teil des Südhanges blieb jedoch seit 1910 sich selbst überlassen. Im „Dürstelberg“ erfolgten also in grossen Bereichen seit nahezu 100 Jahren keine Eingriffe mehr. Waldgebiete, in denen die Waldentwicklung über solch lange Zeiträume fast ungestört erfolgen konnte, stellen in unserer Gegend eine Besonderheit dar. Heute lässt sich gut beobachten, wie das Nadelholz dürr wird und ausfällt. Die Bestände enthalten viel Totholz und Höhlenbäume. An verschiedensten Orten bilden sich kleinere Bestandeslücken, in denen sich die Kraut- und Strauchschicht besser entwickelt und auch wieder Bäume aufkommen. Nachdem bis jetzt ein relativ geschlossener BuchenStockausschlagbestand aufgewachsen ist, sind heute kleinflächige Erneuerungs- und Differenzierungsprozesse festellbar. Da der Dürstelbergsüdhang standörtlich so homogen ist, eignet er sich besonders für wissenschaftliche Beobachtungen. Mit einer geeigneten Dokumentation und Erfolgskontrolle könnten hier wertvolle Erfahrungen bezüglich Stabilität, Schutzwirkung, Selbsterneuerung, Verjüngung, Struktur- und Artenvielfalt, Energieholzpotential für die differenzierte und effiziente Behandlung der ausgewachsenen Stockausschlagwälder im restlichen Kanton gewonnen werden. Der Dürstelberg ist somit eine wertvolle Vergleichsfläche für die Beurteilung von Pflegeeingriffen oder Niederwaldnutzungen auf anderen Magerstandorten. Mit der Unterschutzstellung des Dürstelberges wird das zweite Waldreservat mit Nutzungsverzicht (Totalwaldreservat) im Kanton geschaffen. Grossflächige Waldgebiete, in welchen auf jegliche Eingriffe, Holznutzung und Erschliessung verzichtet wird, sind im Baselbiet äusserst selten. Die bisher fehlende Erschliessung und seit Jahrzehnten ungestört erfolgte Waldentwicklung machen den Dürstelberg zu einem besonders wertvollen Naturobjekt. Deshalb ist auch die wissenschaftliche Überwachung (Erfolgskontrolle) wichtig. Die durch den Nutzungsverzicht entstehenden Ertragseinbussen werden der Grundeigentümerin finanziell entschädigt. Die Bürgergemeinde Langenbruck (Grundeigentümerin) und die Gemeinde Langenbruck sind mit der Unterschutzstellung einverstanden.

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..//.. 1.

Gestützt auf §12 des Gesetzes über den Natur- und Landschaftsschutz vom 20. November 1991 wird die auf dem beiliegenden Plan eingetragene Fläche des Gebietes „Dürstelberg“ in Langenbruck, bestehend aus Parzelle Nr. 432, im Eigentum der Bürgergemeinde Langenbruck, als Objekt von regionaler Bedeutung in das Inventar der geschützten Naturobjekte des Kantons Basel-Landschaft aufgenommen. Die Gesamtfläche des Naturschutzgebietes beträgt 52,85 ha.

2.

Die Bau- und Umweltschutzdirektion wird ermächtigt, die Abgeltung gemäss §§17 und 18 des Natur- und Landschaftsschutzgesetzes festzulegen und im Rahmen des bewilligten Budgets dem Konto 2355.500.10-999 zu verbuchen.

3.

Nach Eintritt der Rechtskraft ist der Beschluss vom zuständigen Grundbuchamt ins Grundbuch einzutragen.

Gegen diesen Beschluss kann innert 10 Tagen von dessen Zustellung an gerechnet beim Verwaltungsgericht in Liestal Beschwerde erhoben werden.

Verteiler:

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Bürgergemeinde Langenbruck, 4438 Langenbruck Gemeinderat Langenbruck, 4438 Langenbruck Forstverwaltung, Revierförster R. Maurer, Hauptstr. 38, 4437 Waldenburg Pro natura Baselland, Postfach 491, 4410 Liestal Basellandschaftlicher Natur- und Vogelschutzverband (BNV), Postfach 533, 4410 Liestal Landeskanzlei (Publikation) Forstamt beider Basel Justiz-, Polizei- und Militärdirektion Amt für Orts- und Regionalplanung Amt für Orts- und Regionalplanung, Abt. Natur- und Landschaftsschutz (3) Rechtsabteilung Bau- und Umweltschutzdirektion Bau- und Umweltschutzdirektion (2)