20.3847 · Interpellation · 2020-06-19
Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
Erledigt
Wortlaut
Der Bundesrat wird ersucht, folgende Fragen zu beantworten:
1. Transportieren die SBB unbegleitetes Gepäck (Koffer, Velos usw.) zumindest teilweise eher auf der Strasse als auf der Schiene, selbst wenn dafür Bahnverbindungen zur Verfügung stehen?
2. Wenn ja: aus welchen Gründen?
3. Wenn ja: Widerspricht das nach Auffassung des Bundesrates nicht dem Etikett der Nachhaltigkeit, das die SBB bei ihrem Angebot des Transports von unbegleitetem Gepäck für sich beanspruchen?
4. Wenn unbegleitetes Gepäck sowohl auf der Strasse wie auf der Schiene transportiert wird: Welchen Anteil des Gepäcks transportieren die SBB auf der Strasse anstatt auf der Schiene?
Begründung
Im Mai 2019 haben die SBB und Schweiz Tourismus das Angebot "Gepäck-Special" lanciert, das sich vor allem an Schweizer Gäste richtet, die ihre Ferien in der Schweiz verbringen und mit dem öffentlichen Verkehr an ihr Ferienziel reisen wollen.
Angeboten wird ein kostenloser Gepäcktransport vom Haus bis zum Hotel oder zur Ferienwohnung und zurück. In der Broschüre, mit der dieses Angebot lanciert wurde, steht:
"Das Angebot 'Gepäck-Special' ist ein nachhaltiges Angebot, weil es Gäste dabei unterstützt, mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Ferien zu reisen. Damit werden auch die Destinationen verkehrstechnisch entlastet."
Personen, die dieses Angebot genutzt haben, bestätigen jedoch, dass ihr Gepäck auf der Strasse statt auf der Schiene transportiert worden ist.
Stellungnahme des Bundesrates
Ein attraktiver Gepäcktransport ist ein wesentliches Element für die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs (öV) und soll es Ferienreisenden ermöglichen, bequem mit dem öV anzureisen. Der Gepäcktransport ist möglichst ökologisch, aber auch effizient durchzuführen.
Die Art und Weise eines effizienten Gepäcktransports liegt in der operativen Verantwortung der SBB und der weiteren Transportunternehmen. Der Gepäcktransport im öV wird durchschnittlich zu 70 Prozent auf der Schiene und zu 30 Prozent auf der Strasse abgewickelt. Beim "Tür zu Tür-Angebot" wird das Gepäck zu 50 Prozent auf der Schiene transportiert. Diese Anteile beziehen sich auf die Anzahl gefahrener Kilometer. Der Gepäcktransport erfolgt zwischen den grösseren Bahnhöfen, wenn immer möglich, mit der Bahn. Die Feinverteilung bis und ab Haustür erfolgt immer gebündelt mit dem Auto.
Aktuell führt die SBB im Auftrag der Alliance SwissPass eine Ausschreibung "Nachhaltige Gepäcktransporte in Städten per 1.12.2020" durch. Damit werden Transporte in den acht grössten Schweizer Städten Basel, Bern, Genf, Lausanne, Luzern, St. Gallen, Winterthur und Zürich für vier Jahre eingekauft. Bei der Ausschreibung ist das Kriterium Nachhaltigkeit entscheidend: Die Feinverteilung auf der Strasse soll in diesen Städten, wenn möglich, mit emissionsarmen Transportfahrzeugen, wie z.B. Cargo Bikes, erfolgen.
Antwort des Bundesrates.