AS 2000 3079
Verordnung über die nationale Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin
Verordnung über die nationale Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin (VNEK)
vom 4. Dezember 2000
Der Schweizerische Bundesrat, gestützt auf Artikel 28 des Fortpflanzungsmedizingesetzes vom 18. Dezember 19981 (FMedG), verordnet:
1. Abschnitt: Aufgaben und Stellung
Art. 1 Aufgaben
1 Die nationale Ethikkommission (Kommission) verfolgt die Entwicklung der Wis-
senschaften über die Gesundheit und Krankheit des Menschen und ihrer Anwendun- gen. Sie nimmt zu den damit verbundenen gesellschaftlichen, naturwissenschaftli- chen und rechtlichen Fragen aus ethischer Sicht beratend Stellung.
2 Die Kommission hat insbesondere folgende Aufgaben:
a. sie informiert die Öffentlichkeit über wichtige Erkenntnisse und fördert die Diskussion über ethische Fragen in der Gesellschaft; b. sie erarbeitet Empfehlungen für die medizinische Praxis; c. sie macht auf Lücken und gegebenenfalls auf Vollzugsprobleme in den Ge- setzgebungen des Bundes und der Kantone aufmerksam; d. sie berät auf Anfrage die Bundesversammlung, den Bundesrat sowie die Kantone; e. sie erstellt im Auftrag des Bundesrats Gutachten zu besonderen Fragen.
3 Sie kann öffentliche Veranstaltungen und Anhörungen durchführen.
Art. 2 Zusammenarbeit
1 Die Kommission arbeitet nach Bedarf mit anderen Ethikkommissionen, Amtsstel-
len, Organisationen und Privatpersonen zusammen.
SR 814.903 1 SR 814.90; AS 2000 3055
2000-2343 3079
Nationale Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin AS 2000
2 Sie arbeitet besonders eng zusammen mit:
a. der eidgenössischen Fachkommission für biologische Sicherheit; b. der Eidgenössischen Ethikkommission für die Gentechnik im ausserhuma- nen Bereich; c. der eidgenössischen Kommission für Grundsatzfragen der Krankenversiche- rung.
Art. 3 Jahresbericht Die Kommission erstattet dem Bundesrat jährlich Bericht über ihre Tätigkeit.
Art. 4 Stellung
1 Die Kommission ist bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben unabhängig.
2 Die Mitglieder der Kommission üben ihr Amt persönlich und unabhängig aus.
3 Die Kommission ist administrativ dem Bundesamt für Gesundheit angegliedert.
2. Abschnitt: Mitgliedschaft
Art. 5 Anzahl der Mitglieder Die Kommission besteht aus 18 - 25 Mitgliedern.
Art. 6 Zusammensetzung
1 Die Kommission setzt sich zusammen aus:
a. Fachpersonen der Ethik und Laien mit besonderem Verständnis für ethische Fragen; b. Fachpersonen des Gesundheitswesens sowie Vertreterinnen und Vertretern von Patienteninteressen; c. Fachpersonen aus weiteren Bereichen (z.B. Naturwissenschaften, Recht, So- zialwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften).
2 In der Kommission sollen unterschiedliche ethische Ansätze vertreten sein.
3 Die Kommission ist nach Geschlecht, Sprachen und Altersgruppen ausgewogen
zusammenzusetzen.
Art. 7 Wahl und Amtszeit
1 Der Bundesrat wählt den Präsidenten oder die Präsidentin und die weiteren Mit-
glieder der Kommission für eine Amtsdauer von vier Jahren.
2 Die Amtszeit ist auf insgesamt zwölf Jahre beschränkt.
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3. Abschnitt: Organisation
Art. 8 Konstituierung und Arbeitsweise
1 Die Kommission konstituiert sich nach der Einsetzung selbst.
2 Sie bestimmt ihre Organisation und Arbeitsweise in einem Reglement.
3 Sie kann im Rahmen ihres Kredits Gutachten durch Drittpersonen erstellen lassen.
Art. 9 Geschäftsverkehr Die Kommission kann direkt mit in- und ausländischen Amtsstellen verkehren.
Art. 10 Vertraulichkeit
1 Die Beratungen der Kommission sind grundsätzlich vertraulich; die Kommission
kann sie für öffentlich erklären.
2 Die Kommissionsmitglieder und alle anderen Personen, welche die Kommission
zur Erfüllung ihrer Aufgabe beizieht, sind zur Wahrung des Amtsgeheimnisses ver- pflichtet, soweit das Eidgenössische Departement des Innern sie im Einzelfall nicht ausdrücklich davon entbindet.
Art. 11 Veröffentlichungen 1 Die Kommission kann die Ergebnisse ihrer Tätigkeit selbständig veröffentlichen, sofern sie nicht im Rahmen eines Auftragsverhältnisses erarbeitet worden sind.
2 Können sich die Kommissionsmitglieder in wichtigen Fragen nicht auf eine ge-
meinsame Stellungnahme einigen, so kann die Kommission die unterschiedlichen Meinungen samt deren Begründung aufführen und das Stimmenverhältnis angeben.
Art. 12 Urheberrecht
1 Der Bundesrat und nachgeordnete Dienststellen sind berechtigt, im Rahmen des
amtlichen Interesses die von Kommissionsmitgliedern in Ausübung ihrer Kommis- sionstätigkeit hervorgebrachten urheberrechtlich geschützten Werke zu verwenden.
2 Das Verwendungsrecht umfasst insbesondere die Vervielfältigung, die Veröffent-
lichung, die Verbreitung, die Übersetzung sowie die Speicherung in EDV-Anlagen und die Herstellung von Mikrofilmen. 3 Die Urheberin oder der Urheber des Werkes hat nur Anspruch auf eine zusätzliche Entschädigung, wenn das Werk kommerziell verwertet wird.
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4. Abschnitt: Sekretariat
Art. 13 1 Das Sekretariat untersteht fachlich der Präsidentin oder dem Präsidenten der Kom- mission, administrativ dem Bundesamt für Gesundheit. 2 Es unterstützt die Kommission in fachlicher Hinsicht, pflegt den Kontakt mit in- und ausländischen Amtsstellen und Organisationen und wirkt als Presse- und Aus- kunftsstelle gegenüber der Öffentlichkeit.
3 Es erledigt die administrativen Angelegenheiten und unterstützt die Kommission
insbesondere bei der Durchführung öffentlicher Veranstaltungen und der Informati- on der Öffentlichkeit.
5. Abschnitt: Entschädigung
Art. 14
1 Die Finanzierung der Kommissionstätigkeiten wird durch das Eidgenössische De-
partement des Innern sichergestellt.
2 Die Mitglieder der Kommission und die weiteren Personen werden nach der Ver-
ordnung vom 12. Dezember 19962 über die Taggelder und Vergütungen der Mitglie- der ausserparlamentarischer Kommissionen entschädigt.
6. Abschnitt: Inkrafttreten
Art. 15 Diese Verordnung tritt am 1. Januar 2001 in Kraft.
4. Dezember 2000 Im Namen des Schweizerischen Bundesrates Der Bundespräsident: Adolf Ogi
11220 Die Bundeskanzlerin: Annemarie Huber-Hotz
2 SR 172.311