20.3288 · Postulat · 2020-05-05
Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
Erledigt
Wortlaut
Der Bundesrat wird beauftragt, die Möglichkeiten der Verknüpfungen von Tarifsystemen zu überprüfen mit dem Ziel, dass es für Kundinnen und Kunden ein attraktives einheitliches System gibt.
Das Regionen- oder Zonen-GA wäre für Pendlerinnen und Pendler eine willkommene Ergänzung zu den bewährten Verbundsangebote, den Streckenabos, den kaum bekannten Modulabos sowie dem Generalabonnement.
Begründung
In der Schweiz kennen wir heute rund zwanzig verschiedene Tarifverbunde. An den meisten ist die SBB beteiligt. Die Nachfrage nach überregionalen Tarifverbünden ist gross.
In der Region Nordwestschweiz werden immer wieder Stimmen laut, die eine Ausweitung nach Olten und in den Kanton Aargau (A-Welle) fordern. Gemäss TNW (Tarifverbund Nordwestschweiz) hätte eine Ausweitung des Netzes jedoch eine Erhöhung der Kosten zur Folge, was wiederum das Angebot für viele Kundinnen und Kunden weniger attraktiv machen würde.
Aus Sicht des Kunden soll das Angebot attraktiv, flexibel und finanzierbar sein. Es soll ein ausgeweitetes Angebot darstellen, dass das bewährte Tarifverbund-Modell nicht konkurriert.
So erweist sich beispielsweise das Umweltschutzabonnement (U-Abo) des TNW seit Jahren als Erfolgsmodell.
Für die 800 000 Arbeitspendlerinnen und -pendler welche interkantonal reisen, wären überregionale Verbundsausweitungen äusserst attraktiv.
Es geht nicht nur darum, Sparbillette für Spontankundinnen und Kunden günstig anzupreisen, sondern den Pendlerinnen und Pendlern akzeptable Preise anzubieten.
Mit der Schaffung von kundenfreundlichen verbunds- und grenzüberschreitenden Generalabonnements (GAs) könnten zwei oder mehrere Tarifverbünde wie zum Beispiel TNW, A-Welle, Zürcher Verkehrsverbund oder in der Romandie der Léman Express, Mobilis und Onde Verte, Frimobil und Libero verknüpft werden. Dieses flexible Angebot würde die Attraktivität des ÖVs erhöhen und eine Verlagerung des motorisierten Individualverkehrs zum ÖV vereinfachen. Dies wäre ein wichtiges Signal für den Klimaschutz. Denn um die Klimaziele von Paris zu erreichen, muss die Schweiz seine Mobilität auf ökologische Verkehrsträger verschieben.
Antrag des Bundesrates
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
Stellungnahme des Bundesrates
Mit den vorhandenen Fahrausweisen "Modulabo" und "Streckenabo" können die im Postulat ausgeführten Kundenbedürfnisse bereits heute abgedeckt werden. So können die Kunden mit dem "Modulabo" Strecken des Direkten Verkehrs mit Verbundzonen kombinieren und damit auch Zonen verschiedener Tarifverbunde kombinieren. Ein Ausbau des Sortiments ist daher nicht notwendig, im Gegenteil, eine Vereinfachung ist angezeigt.Ausserdem erhofft sich der Bundesrat durch die Förderung der multimodalen Mobilität für Kunden einfach zugängliche öV- und Mobilitätsangebote.
Der Bundesrat ist der Auffassung, dass das schweizerische öV-Tarifsystem zu komplex ist. Die Einführung von Regionen- oder Zonen-GA macht das System noch komplexer und unübersichtlicher. Es hat sich gezeigt, dass die Abrechnung innerhalb komplexer Verbundstrukturen fehleranfällig ist. Ziel sollte eine schlanke, einfach verständliche und kundenfreundliche nationale Grundlage der Preisberechnung (Preisbildungsvorschrift) sein. Weiter muss das Tarif- und Distributionssystem so gestaltet werden, dass es gegenüber heute kostengünstiger wird.
Die öV-Branche hat in ihren strategischen Stossrichtungen diesen Anliegen Rechnung getragen. Unter anderem hat der Strategierat der Alliance SwissPass das Grobkonzept eines integrierten Tarifsystems (Projekt "GITA") initiiert. Ziel ist es, ein kundenfokussiertes und integriertes Tarifsystem für die Schweiz zu entwickeln.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.