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Freihandelsabkommen zwischen den EFTA-Staaten und Mercosur. Genehmigung
Zusammenfassung
Freihandelsabkommen zwischen den EFTA-Staaten und dem Mercosur
Ausgangslage
Medienmitteilung des Bundesrates vom 25.02.2026
Bundesrat verabschiedet Botschaft zum Freihandelsabkommen zwischen den EFTA‑Staaten und Mercosur
Der Bundesrat hat am 25. Februar 2026 die Botschaft zum Freihandelsabkommen zwischen den EFTA-Staaten und Mercosur verabschiedet. Das Abkommen verschafft Schweizer Unternehmen den Zugang zu einem Markt mit 270 Mio. Einwohnerinnen und Einwohnern und stärkt so die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft.
Der erfolgreiche Abschluss des Freihandelsabkommens (FHA) zwischen den vier EFTA-Staaten Schweiz, Island, Liechtenstein, Norwegen und Mercosur (Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay) ist ein bedeutender Meilenstein der schweizerischen Handelspolitik.
Grosse wirtschaftliche Bedeutung
Mercosur ist mit seinen 270 Mio. Einwohnerinnen und Einwohnern ein wichtiger Zielmarkt mit grossem Wachstumspotential für die Schweizer Exportwirtschaft. 2024 betrugen Schweizer Warenexporte in die Mercosur-Staaten mehr als 4 Milliarden Franken.
Mit dem Abkommen sollen rund 96 Prozent der Schweizer Ausfuhren in die Mercosur-Staaten nach Ablauf der Zollabbaufristen vollständig zollbefreit werden. Das würde Zolleinsparungen von mehr als 155 Millionen Franken pro Jahr ermöglichen.
Im Gegenzug gewährt die Schweiz den Mercosur-Staaten insgesamt 25 bilaterale Importkontingente für sensible Agrarprodukte, darunter Fleisch. Die meisten Kontingente sind beschränkt (unter 2 Prozent des Schweizer Gesamtkonsums oder im Umfang der derzeitigen Importe). Die Schweiz wird die Bewirtschaftung dieser Kontingente weiterhin autonom vornehmen können. Die Auswirkungen dieser Konzessionen auf die Schweizer Landwirtschaft sind begrenzt. Die Bundesverwaltung analysiert jedoch im Kontakt mit den betroffenen Kreisen die Auswirkungen der Handelspolitik auf die Landwirtschaft sowie allfällige agrarpolitische Massnahmen in diesem Kontext laufend.
Umfassendes Abkommen inklusive nachhaltige Entwicklung
Das Abkommen hat einen umfassenden Geltungsbereich. Neben dem Zollabbau, reduziert es unter anderem technische Handelshemmnisse und schützt geistiges Eigentum inklusive Ursprungsbezeichnungen. Zudem werden der Marktzugang für schweizerische Dienstleistungserbringer und Investoren erleichtert, neue Möglichkeiten im öffentlichen Beschaffungswesen geschaffen und die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen allgemein gestärkt.
Darüber hinaus enthält es umfassende Bestimmungen über Handel und nachhaltige Entwicklung. Die Vertragsparteien gehen dabei verbindliche Verpflichtungen zu den wichtigsten Nachhaltigkeitsthemen im Zusammenhang mit der Wirtschaftstätigkeit ein, darunter Klimawandel, nachhaltige Bewirtschaftung der Wald- und Meeresressourcen, Entwaldung, Biodiversität, Arbeitnehmerschutz und Rechte indigener Völker.
Fortsetzung erfolgreicher Schweizer Freihandelspolitik
Mit dem zeitgemässen und ambitionierten Abkommen setzt die Schweiz ihre erfolgreiche Freihandelspolitik fort. Sie stärkt die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Unternehmen und verbessert die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Schweizer Wirtschaftsakteure auf diesem bedeutenden Markt. Gerade in handelspolitisch turbulenten Zeiten sind Freihandelsabkommen entscheidend, um der Schweizer Exportwirtschaft den Zugang zu neuen Märkten zu ermöglichen und ihre Diversifizierung zu fördern. Darüber hinaus verhindert das Abkommen eine Schlechterstellung gegenüber der Europäischen Union. Diese hat im Januar 2026 ebenfalls ein Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten unterzeichnet.
Die Eidgenössischen Räte werden die Botschaft voraussichtlich in der Sommersession und der Herbstsession 2026 behandeln.
Verhandlungen
SDA-Meldung
Debatte im Nationalrat, 17.06.2026
Mercosur-Freihandelsabkommen läuft im Nationalrat auf
Die Skepsis zum Freihandelsabkommen der Efta-Staaten mit den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay überwiegt im Nationalrat. Mit mehreren Anträgen wollten Minderheiten das Abkommen mehrheitsfähig machen, unterlagen aber.
Mit 96 zu 86 Stimmen und mit neun Enthaltungen sagte der Nationalrat schliesslich Nein zum Mercosur-Abkommen. Ja-Stimmen kamen von der FDP und der GLP. Mit Nein stimmten SP und Grüne. SVP und Mitte waren gespalten. Nun hat der Ständerat zu entscheiden.
Lebhafte Redegefechte
Befürworter und Gegner des Abkommens lieferten sich lebhafte Redegefechte. Anträge zu Umweltanliegen und Menschenrechten sowie für Ausgleichsmassnahmen für die Landwirtschaft sollten das Abkommen mehrheitsfähig machen. Mehrere Votanten sprachen ein mögliches Referendum an.
Für die Landwirtschaft beantragte eine starke Minderheit einen Verpflichtungskredit von 880 Millionen Franken für die Jahre 2028 bis 2035. Das ist weit mehr, als die 158 Millionen Franken, um die der Bundesrat die Landwirtschafts-Subventionen erhöhen will.
Kein Ausgleich für Landwirtschaft
Den Schweizer Bauern entstünden durch das Abkommen Wertschöpfungsverluste von 100 Millionen Franken im Jahr, sagte Martin Haab (SVP/ZH). Diese Auswirkungen sollten mit 110 Millionen Franken im Jahr abgefedert werden. Das Geld wäre für Absatzförderung sowie Strukturverbesserungen gedacht gewesen.
Der beantragte Verpflichtungskredit sei für die Bauern die "einzige akzeptable Lösung", sich hinter das Abkommen zu stellen. Doch der Rat sagte mit knappem Mehr Nein. Zusätzliche pauschale Finanzmittel seien keine Antwort auf strukturelle Probleme, sagte Christine Badertscher (Grüne/BE).
Mit einer Motion seiner Aussenpolitischen Kommission (APK-N) verlangt der Nationalrat indes Ausgleiche für die Landwirtschaft wegen steigender Importe und Produktionskosten. Der Bundesrat erklärte sich bereit, diese Ausgleichsmassnahmen zu treffen.
"Respektieren Sie die Handelspartner"
Eine Mehrheit der APK-N hätte den Beschluss zum Abkommen mit dem Auftrag ergänzen wollen, dass die Schweiz die Vorgaben der Entwaldungsverordnung der EU übernimmt. Das sollte verhindern, dass Produkte, für deren Herstellung Wälder zerstört werden, in die Schweiz importiert werden.
Ganz Europa habe diese Regel, argumentierten die Befürworter. Mit der Abholzung des Regenwaldes gebe es in Lateinamerika erhebliche Probleme, sagte Jon Pult (SP/GR). Doch die Minderheit um Roland Rino Büchel (SVP/SG) wollte diese Bestimmung nicht und setzte sich durch.
"Respektieren Sie bitte unsere Handelspartner, statt ihnen zu sagen, was sie zu tun haben", forderte Büchel. Die Entwaldungsverordnung sei aus Brasiliens Sicht ein Kolonialherrenverhalten und ein Schutz für europäisches Holz. Auch der Bundesrat war gegen den Zusatz.
Mehrere Minderheitsanträge von SP und Grünen wurden abgelehnt. Zunächst forderte Rot-Grün erhöhte Zahlungen an den Amazonienfonds. Importe könnten die Entwaldung im Amazonas weiter vorantreiben, und sie beeinträchtigen die dortigen Lebensgrundlagen, sagte Christine Badertscher (Grüne/BE).
Ebenso wollte Rot-Grün, dass keine unter Zwangsarbeit hergestellten Waren in die Schweiz gelangen. "Wer quasi gratis produzieren kann, drückt die Löhne weltweit", sagte Fabian Molina (SP/ZH). Die Schweiz müsse mit Massnahmen gegen Zwangsarbeit mit der EU gleichziehen. Ohne Regelung könnte sie zum Ausweichmarkt werden.
Weiter beantragte Rot-Grün erfolglos, dass Unternehmen, die von den Zollpräferenzen profitieren, eine Mikrosteuer für einen Fonds zahlen, der Projekte in den Mercosur-Staaten unterstützt.
Unter acht Staaten ausgehandelt
Ausgehandelt haben das Abkommen die Efta-Staaten Schweiz, Island, Liechtenstein und Norwegen mit den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Es soll den Zugang zu einem Markt mit rund 270 Millionen Einwohnern öffnen. 2024 betrugen Schweizer Exporte in die Mercosur-Staaten über 4 Milliarden Franken.
96 Prozent der Schweizer Ausfuhren sollen zollfrei werden. Die Schweiz gewährt den Mercosur-Staaten 25 bilaterale Importkontingente für Agrarprodukte, darunter Fleisch und Wein. Die meisten Kontingente sind beschränkt, und die Schweiz kann sie autonom bewirtschaften. Gerechnet wird mit Zoll-Einsparungen in Höhe von rund 155 Millionen Franken im Jahr.
SDA-Meldung
Debatte im Ständerat, 14.09.2026
Ständerat spricht sich für Freihandel mit den Mercosur-Staaten aus
Der Ständerat sagt Ja zum Efta-Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten. Mit über einer halben Milliarde Franken will er Auswirkungen von fallenden Zöllen für die Landwirtschaft auffangen. Ein Referendum steht bereits im Raum.
Das Freihandelsabkommen handelten die Efta-Staaten - darunter die Schweiz - mit den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay aus. Der Nationalrat lehnte es im Juni mit knappem Mehr ab und ist jetzt erneut am Zug.
Warnung vor einem Nein
Der Ständerat hingegen sagte am Montag mit 35 zu 7 Stimmen und mit drei Enthaltungen Ja zur Umsetzung des Abkommens. Ablehnend stimmten Vertreterinnen und Vertreter von SP und Grünen.
Das EU-Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten werde seit 1. Mai angewendet, sagte Mehrheitssprecher Benedikt Würth (Mitte/SG) Protektionismus sei mittlerweile en vogue, was das Umfeld merklich schwieriger mache. Diversifizierung bei den Märkten sei angesagt.
"Es gehört offenbar zum Zeitgeist, dass alle einen Deal machen und ihre Partikularinteressen umsetzen wollen", fügte Würth hinzu und warnte vor einem Imageschaden für die Schweiz nach einem Nein. "Scheitert das Abkommen im Parlament, hätten wir erheblichen aussenpolitischen Erklärungsbedarf."
Esther Friedli (SVP/SG) sprach von einem "agrarpolitischen Präzedenzfall". Das Abkommen öffne eine neue Türe, auch wenn die Kontingente als gering im Vergleich zum Schweizer Markt angesehen würden. Ihr Antrag für mehr Beiträge an die Bauern, als die Mehrheit sie wollte, drang aber nicht durch.
Von Rot-Grün kam Kritik: Das Abkommen bringe mehr Geld und Überwachung, aber keine strengen Regeln, sagte Fabien Fivaz (Grüne/NE). Im Mercosur-Raum könne konkurrenzlos billig produziert werden, und Familienbetriebe würden vertrieben, fügte Maya Graf (Grüne/BL). "Ich möchte eine solche Land- und Ernährungswirtschaft nicht zusätzlich antreiben."
517 Millionen für Landwirtschaft
Die Mehrheit im Ständerat wollte des Abkommen durchbringen und deshalb seine Folgen für die Landwirtschaft finanziell abfedern, und sie brachte ihren Antrag durch. 517 Millionen Franken für sechs Jahre und kam den Bauern mehr entgegen als der Bundesrat. Dieser hatte 158 Millionen Franken beantragt.
Die Minderheit wollte zwar auch einen Ausgleich, aber nur in Höhe von 240 Millionen Franken und für drei Jahre. Tiana Angelina Moser (GLP/ZH) verlangte mit Blick auf ein Referendum "wirksame und gegenüber der Bevölkerung erklärbare Begleitmassnahmen".
Zudem forderte die Minderheit erfolglos, dass dieses Geld für die Anpassung an den Klimawandel verwendet wird sowie für eine ökologische und ressourcenschonende Produktion und die Bekämpfung von illegalen Rodungen. "Wir müssen nicht nur über Schweizer Wein reden, sondern auch über den Amazonas", sagte Moser.
Rot-grüne Minderheiten wollten das Abkommen in noch weiteren Punkten nachbessern, drangen aber nicht durch. "Von Ökodumping kann keine Rede sein", sagte Würth namens der Mehrheit. Das Abkommen enthalte moderne Standards und ein Kapitel über Nachhaltigkeit von Entwicklung und Handel.
"Bevölkerung will Nachhaltigkeit"
"Die Bevölkerung will Handel, aber sie will auch Nachhaltigkeit", sagte Franziska Roth (SP/SO). Das Abholzen von Urwald sei ein sensibles Thema. Der Rat lehnte es dann aber ab, dass der Bundesrat die Vorgaben der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) übernehmen muss.
Der Antrag, die Einfuhr von Waren verbieten, die ganz oder teilweise in Zwangsarbeit hergestellt wurden, hatte ebenso keinen Erfolg. Roth sprach von einem gezielten Instrument gegen fehlbare Unternehmen. Als Zwangsarbeit dürften keine Wettbewerbsvorteile entstehen.
SDA-Meldung
Debatte im Nationalrat, 16.09.2026
Parlament federt Mercosur-Freihandel mit Geld für Landwirtschaft ab
Das Parlament sagt Ja zum Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten. Dem vom Ständerat beschlossenen Kompromiss mit einer halben Milliarde Franken zur Stützung der Landwirtschaft hat auch der Nationalrat zugestimmt. Das letzte Wort dürfte das Volk haben.
Die grosse Kammer hatte das Mercosur-Abkommen im Juni abgelehnt. Dies, nachdem sie den Bauern zusätzliche Unterstützung im Umfang von 880 Millionen Franken verweigert, aber ebenso Anträge von Links für Umweltanliegen und Menschenrechte abgelehnt hatte.
Den vom Ständerat gezimmerten Kompromiss stimmte der Rat am Mittwoch mit 118 zu 66 Stimmen bei 10 Enthaltungen zu. Nein-Stimmen kamen von SP und Grünen, vereinzelt auch aus der SVP.
Allerdings trägt der Freihandel mit dem Mercosur-Wirtschaftsraum ein Preisschild: Mit 517 Millionen Franken zusätzlich muss der Bund die Landwirtschaft über sechs Jahre unterstützen.
Geld für Regenwald-Projekte
Die SP verlangte erfolglos, zu dieser Unterstützung der Landwirtschaft eine Vernehmlassung durchzuführen. Auch der Minderheitsantrag von SP, Grünen und GLP, die Unterstützung für die Landwirtschaft zu reduzieren, scheiterte.
Das Abkommen ist nach den Entscheiden des Nationalrates bis auf eine letzte Differenz unter Dach und Fach. Noch umstritten sind die Mittel, die die Schweiz für Projekte im Amazonas-Regenwald bereitstellen soll. Der Ständerat will ein Engagement mindestens in Höhe der laufenden internationalen Zusammenarbeit.
Der Nationalrat hingegen möchte zusätzliche 25 Millionen Franken zur Verfügung stellen. Eine von SP, Grünen und GLP beantragte höhere Summe von 50 Millionen Franken lehnte er ebenso ab wie den Antrag der SVP, dem Ständerat zu folgen. Mit der Differenz wird sich am (morgigen) Donnerstag der Ständerat befassen.
Corina Gredig (GLP/ZH) forderte Beachtung für die Sorge um den Regenwald der Menschen in der Schweiz. Roland Rino Büchel (SVP/SG) wehrte sich gegen die zusätzlichen 25 Millionen Franken. Sie seien "Verschwendung von Steuergeld".
Die bürgerliche Mehrheit stellte sich im zweiten Anlauf hinter das Abkommen. Für die Landwirtschaft liege eine gute Lösung vor, sagte Gerhard Pfister (Mitte/ZG). Mit den zusätzlichen Geldern könnten sich Landwirtschaftsbetriebe anpassen und für den Wettbewerb rüsten, fügte Büchel hinzu.
"Politisches Schmiermittel"
Von Links kam Kritik: Die Steuerzahlenden müssten dafür aufkommen, "dass der Rubel rollt", kritisierte Fabian Molina (SP/ZH). Sibel Arslan (Grüne/BS) nannte die finanziellen Begleitmassnahmen für die Landwirtschaft "ein politisches Schmiermittel".
Für die SP zähle der faire Handel, sagte Jon Pult (SP/GR). Gleich lange Spiesse könne nicht heissen, dass diese zwar für Unternehmen bei Zöllen gelten sollten, aber nicht für Mindeststandards gegen Entwaldung und Zwangsarbeit. Die Linke verlange international kompatible Regelungen, die sich an der EU orientierten.
Forderungen von SP und Grünen, die Beschlüsse zum Abkommen mit Vorgaben für den Schutz des Regenwaldes vor Abholzung sowie gegen Zwangsarbeit zu ergänzen, lehnte der Rat wie schon in der ersten Runde ab.
Auskünfte
Sekretariat der Aussenpolitischen Kommissionen (APK)
apk.cpe@parl.admin.ch