2024.BVD.4797
Gemeinde Kallnach, Gewässerrevitalisierung und Naturschutzmassnahmen, Unterwasserkanal und Hauptkanal. Kantonsbeiträge. Verpflichtungskredit
Rubrum
Regierungsratsbeschluss RRB Nr.: 899/2025 Datum RR-Sitzung: 27. August 2025 Direktion: Bau- und Verkehrsdirektion Geschäftsnummer: 2024.BVD.4797 Klassifizierung: Nicht klassifiziert
Gemeinde Kallnach, Gewässerrevitalisierung und Naturschutzmassnahmen, Unterwasserkanal und Hauptkanal; Kantonsbeiträge, Verpflichtungskredit
Erwägungen
1. Gegenstand
Mit den zu bewilligenden Ausgaben von insgesamt CHF 1 586 400 (Nettobetrag zu Lasten Kanton) sollen der Kantonsbeitrag Wasserbau, der Kantonsbeitrag aus dem Renaturierungsfonds und der Kantonsbeitrag an Naturschutzmassnahmen an die Gemeinde Kallnach für die Realisierung des Projekts «Aufwertung Hauptkanal, Kallnach» im Grossen Moos in der Gemeinde Kallnach finanziert werden.
Das Projekt sieht die Schaffung eines neuen Gewässers mit einer Länge von rund 1 800 m zwischen dem Unterwasserkanal (Kallnach-Kanal) und dem Hauptkanal sowie ökologische Aufwertungsmassnahmen nach NHG im Umfeld des Naturschutzgebietes «Büeltigenweiher» vor.
Trägerin und Bauherrin des Projekts ist die Gemeinde Kallnach.
2. Rechtsgrundlagen
‒ Bundesgesetz vom 24. Januar 1991 über den Schutz der Gewässer (Gewässerschutzgesetz, ‒ Bundesgesetz vom 1. Juli 1966 über den Natur- und Heimatschutz (NHG; SR 451), Art. 16a ‒ Verordnung vom 16. Januar 1991 über den Natur- und Heimatschutz (NHV; SR 451.1), Art. 4-7 ‒ Verordnung vom 15. Juni 2001 über den Schutz der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung (Amphibienlaichgebiete-Verordnung, AlgV; SR 451.34), Art. 14 ‒ Programmvereinbarung vom 11. Juni 2025 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, vertreten durch das Bundesamt für Umwelt (BAFU) und dem Kanton Bern betreffend den Programmziele im Bereich «Naturschutz» 2025–2028 ‒ Gesetz vom 14. Februar 1989 über Gewässerunterhalt und Wasserbau (Wasserbaugesetz, WBG; ‒ Wasserbauverordnung vom 15. November 1989 (WBV; BSG 751.111.1), Art. 29 ‒ Naturschutzgesetz vom 15. September 1992 (NSchG; BSG 426.11), Art. 15 und 52 ‒ Wassernutzungsgesetz vom 23. November 1997 (WNG; BSG 752.41), Art. 36a ‒ Renaturierungsdekret vom 14. September 1999 (RenD; BSG 752.413), Art. 1 ff. ‒ Staatsbeitragsgesetz vom 16. September 1992 (StBG; BSG 641.1), Art. 2 ‒ Finanzhaushaltsgesetz vom 15. Juni 2022 (FHG; BSG 620.0), Art. 21 ff. ‒ Finanzhaushaltsverordnung vom 16. November 2022 (FHaV; BSG 621.1), Art. 21 ff.
3. Kosten, massgebende Kreditsumme, Ausgabenart und rechtliche Qualifikation der Ausgabe
Gesamtkosten gemäss Projekt, Kostenteiler vom 12. November 2024 mit Aufteilung der Massnahmen CHF 9 400 000 nach GSchG / NHG und Beitragsgesuch vom 29. November 2024 ./. nicht beitragsberechtigte Kosten (Minderwert und Entschädigungen) – CHF 450 000 Kosten gemäss Projekt CHF 8 950 000 davon Anteil (80%) Gewässerrevitalisierung (aquatische Massnahmen nach GSchG) CHF 7 160 000 davon Anteil (20 %) Naturschutzmassnahmen (terrestrische Massnahmen nach NHG) CHF 1 790 000
3.1 Kantonsbeiträge an Gewässerrevitalisierung (SAP Nr. 530.0192)
Kosten gemäss Projekt CHF 7 160 000 ./. nicht beitragsberechtigte Kosten (Abbruch EW-Leitung) – CHF 70 000 Beitragsberechtigte Kosten CHF 7 090 000 Kantonsbeitrag Wasserbau 15 % CHF 1 063 500 Kantonsbeitrag aus Renaturierungsfonds gemäss Entscheid RenF vom 19. Mai 2025 (pauschal) CHF 530 000 Total Kantonsbeiträge, max. CHF 1 593 500
3.2 Kantonsbeitrag an Naturschutzmassnahmen
Kosten gemäss Projekt CHF 1 790 000 ./. nicht beitragsberechtigte Kosten (Ersatzmassnahme Hurni AG) – CHF 150 000 Beitragsberechtigte Kosten CHF 1 640 000 Kantonsbeitrag Naturschutz 80 % CHF 1 312 000 ./. Bundesbeitrag (65 %) an Kanton aus Programmvereinbarung «Naturschutz» 2025 – 2028 – CHF 1 066 000 Kosten zu Lasten Kanton CHF 246 000
3.3 Zu bewilligende Ausgaben
Kantonsbeitrag Wasserbau an Gewässerrevitalisierung (BVD) CHF 1 063 500
Kantonsbeitrag aus Renaturierungsfonds an Gewässerrevitalisierung (WEU) CHF 530 000 ./. durch die WEU am 24. November 2021 bereits bewilligte Mitfinanzierung der Projektierung – CHF 323 100 Zu bewilligen durch den Regierungsrat CHF 276 900
Kantonsbeitrag (Nettobetrag zu Lasten Kanton) an Naturschutzmassnahmen gemäss Art. 52 NSchG CHF 246 000
Insgesamt zu bewilligende Ausgaben CHF 1 586 400 Massgebende Kreditsumme in analoger Anwendung von Art. 26 Abs. 2 FHaV CHF 1 063 500
Es handelt sich um einmalige neue Ausgaben gemäss Art. 27 und 30 Abs. 1 FHG.
Da die Höhe der massgebenden Ausgaben für den Kantonsbeitrag Wasserbau CHF 2 Mio. nicht übersteigt, ist der Regierungsrat für deren Bewilligung abschliessend zuständig (Art. 37a Abs. 4 WBG). Die Ausgaben für den Kantonsbeitrag an die Naturschutzmassnahmen unterliegen den ordentlichen Ausgabenkompetenzen. Da die Ausgaben dem gleichen Zweck und Vorhaben dienen, sind sie in analoger Anwendung von Art. 26 Abs. 2 FHaV separat auszuweisen und nicht zusammenzurechnen.
An die Revitalisierungsmassnahmen, die über CHF 5 Mio. kosten, wird der Bund separat seinen Beitrag von voraussichtlich 70 % als Einzelprojekt leisten. Für die Sanierung und Aufwertung von Biotopen von nationaler Bedeutung leistet der Bund einen Beitrag an den Kanton aus der Programmvereinbarung «Naturschutz».
Teuerungsbedingte Mehrkosten werden mit dem vorliegenden Beschluss bewilligt (Art. 29 FHaV). Preisbasis 4. Quartal 2024; Produktionskostenindex Fluss- und Bachverbau des SBV.
4. Kreditart / Konto / Produktgruppe / Rechnungsjahre
Verpflichtungskredit (Objektkredit) gemäss Art. 32 und 33 FHG.
Produktgruppen Infrastrukturen (BVD) Natur (WEU)
Programme und Programmziele Bund Revitalisierungen, PZ 4: Einzelprojekt Naturschutz, PZ 3, LI 3.1.14: Sanierung und Aufwertung Biotope von nationaler Bedeutung
Voraussichtliche Ablösung mit folgenden Zahlungen, die im Finanzplan 2026-2029 eingestellt sind:
Konto Budgetrubrik Rechnungsjahr Betrag 4960 363200000 Tiefbauamt, Betriebsbeiträge an Gemeinden Wasserbau 2026 CHF 266 000 2027 CHF 425 000 2028 CHF 320 000 2029 CHF 52 500 15512 363200000 Renaturierungsfonds 2026 CHF 358 000 2027 CHF 93 000 2028 CHF 69 000 2029 CHF 10 000 1697 363200000 Naturschutz 2025 CHF 320 000 2026 CHF 480 000 2027 CHF 400 000 2028 CHF 112 000 Total CHF 2 905 500
Der Bundesbeitrag von CHF 1 066 000 wird über das Konto 1697 463000000, Budgetrubrik Amt für Landwirtschaft und Natur, Betriebsbeiträge Bund Naturschutz vereinnahmt.
5. Begründung
Mit dem Revitalisierungsprojekt «Aufwertung Hauptkanal Kallnach» soll die längst bekannte Idee der Wiedervernetzung des Aarewassers (Unterwasserkanal Kallnach-Kanal) mit dem Broyekanal verwirklicht werden. Bereits im Jahr 1999 stand sie als Idee im Bericht zur «Lebensraumverbesserung Kanalsystem Grosses Moos». Sie blieb Gegenstand im Rahmen der Kulturlandsanierung 2009, im Teilrichtplan ökologische Vernetzung 2011 und floss im Jahr 2014 als Objektblatt Nr. 351 «Hauptkanal» in die strategische Revitalisierungsplanung des Kantons ein.
Im Rahmen des Kiesabbauprojekts «Kiesabbau Challnechwald» der Hurni AG wurde die Wiedervernetzung dann im Jahr 2020 als Ersatzmassnahme für Rodungen als Vorprojekt konkretisiert und von der Gemeinde Kallnach zur Umsetzung aufgenommen.
Das Gesamtprojekt übersteigt die Ersatzmassnahmenpflicht der Hurni AG bei weitem. Deshalb wird es in zwei Teilprojekten umgesetzt: ‒ Ersatzmassnahme Hurni unter der Bauherrschaft Hurni AG ‒ Wasserbauprojekt «Aufwertung Hauptkanal Kallnach» unter Bauherrschaft der Gemeinde Kallnach.
Die Hurni AG wird als Ersatzmassnahmen terrestrische Aufwertungen westlich des Büeltigenweihers vornehmen. Das entsprechende Baugesuch wurde im November 2021 bewilligt. Die Ersatzmassnahme wird durch die Hurni AG als eigenständiges Bauvorhaben ausserhalb des W asserbauplans bewilligt, realisiert und finanziert.
Perimeter Wasserbauplan Gewässerevitalisierung nach GSchG Naturschutzmassnahmen nach NHG Ersatzmassnahmen Hurni AG
Das Revitalisierungsprojekt der Gemeinde Kallnach betrifft den Hauptkanal und den Unterwasserkanal im Grossen Moos. Es sollen grossflächige Feuchtgebietslebensräume und ein neues Fliessgewässer mit Tümpeln, Ufer- und Feldgehölzen, Seggen- und Röhrichtgesellschaften geschaffen werden.
Damit können wertvolle Lebensräume im landwirtschaftlich intensiv genutzten Grossen Moos wiederhergestellt werden. Die Grösse der aufgewerteten Flächen und deren Lage im Mittelland zwischen den drei grossen Seen erlauben einen wesentlichen Beitrag an die Biodiversität und ist damit ein ökologisches Leuchtturmprojekt im Grossen Moos.
Die benötigten Flächen werden von der Gemeinde Kallnach, der Burgergemeinde Kallnach und der BKW Energie AG zur Verfügung gestellt. Auftraggeberin und Bauherrin ist die Gemeinde Kallnach.
6. Beitragszusicherung
Der Regierungsrat bewilligt den Kredit und ermächtigt die Bau- und Verkehrsdirektion und die Wirtschafts-, Energie und Umweltdirektion, den Kantonsbeitrag Wasserbau bzw. den Kantonsbeitrag an Naturschutzmassnahmen und den Kantonsbeitrag aus dem Renaturierungsfonds für die Gewässerrevitalisierung an die Gemeinde Kallnach mit Verfügung zuzusichern.
Im Namen des Regierungsrates
Christoph Auer Staatsschreiber
Verteiler ‒ Bau- und Verkehrsdirektion ‒ Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion