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ZV.2012.20

Kantonsgericht St. Gallen

Du 24 mars 2012

https://lexipedia.io/fr/docs/ch-sg/kantonsgericht/zv-2012-20/de/zv-2012-20

Consulté le 30 août 2026

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  2. Saint-Gall
  3. Tribunal cantonal Saint-Gall
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Portée: Le traitement de cette décision par les juridictions ultérieures n’a pas été analysé.

ZV.2012.20

ZV.2012.20

Rubrum

Fall-Nr.: ZV.2012.20 Stelle: Kantonsgericht Rubrik: Zivilkammern (inkl. Einzelrichter) Publikationsdatum: 24.03.2012 Entscheiddatum: 24.03.2012

Entscheid Kantonsgericht, 24.03.2012 Art. 117 lit. a ZPO (SR 272). Anforderungen an die Glaubhaftmachung der Prozessarmut (Kantonsgericht St. Gallen, Einzelrichter im Obligationenrecht, 24. März 2012, ZV.2012.20).

Erwägungen

I.

1. Am 16. Dezember 2011 fällte das Kreisgericht in der Streitsache der Parteien betreffend Forderung aus Auftrag folgenden Entscheid:

1. Die Klage wird abgewiesen.

2. Die Entscheidgebühr von Fr. 400.00 hat der Kläger zu bezahlen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege trägt sie der Staat.

3. Der Kläger hat der Beklagten eine Parteientschädigung von Fr. 693.05 zu bezahlen.

4.

2. Mit Eingabe vom 20. Januar 2012 erhob A gegen diesen Entscheid Beschwerde beim Kantonsgericht mit dem Antrag auf Gutheissung der Klage im Betrag von Fr. 132.00 nebst Zins und Kosten; gleichzeitig stellte er ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege, welches er auf Aufforderungen des Kantonsgerichts vom 14. und 22. Februar 2012 hin entsprechend ergänzte.

II.

Die Prozessvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen (Art. 59 f. ZPO).

Zuständig in dieser Angelegenheit - und damit auch zur Beurteilung des vorweg zu behandelnden Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege - ist, da es sich beim geltend gemachten Anspruch in der Sache um einen solchen obligationenrechtlicher Natur handelt (Vergütung aus Auftrag Art. 394 ff. OR), der Einzelrichter im Obligationenrecht (Art. 15 Abs. 1 lit. b EG zur ZPO; Art. 14 Abs. 2 Ziff. 4 Al. 3 GO; Art. 17 Abs. 1 lit. c und Abs. 2 EG zur ZPO).

Auf das Gesuch ist einzutreten.

III.

Nach Art. 117 lit. a ZPO hat eine Partei Anspruch auf unentgeltliche Prozessführung, wenn sie nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, d.h. wenn sie an sogenannter Prozessarmut leidet; eine solche hat sie zumindest glaubhaft zu machen (Alfred Bühler, Die Prozessarmut, in Christian Schöbi [Hrsg.],Gerichtskosten, Parteikosten, Prozesskaution, unentgeltliche Prozessführung, SWR/Band 3, Bern 2001, S. 190 mit zahlreichen Hinweisen).

1. a) Der Beschwerdeführer gibt an, er verfüge über ein variables Einkommen von monatlich Fr. 2'500.00 bis Fr. 3'500.00, über keinen Vermögensertrag, über keine Versicherungsleistungen (IV-Renten, AL-Geld, Krankengeld etc.) und über keine sonstigen Einkünfte (Gesuch vom 04.08.2011 gemäss Formular; vi-act. 7/2).

Die monatlichen Auslagen (gemäss Formular) beziffert er auf insgesamt Fr. 3'037.00 (Fr. 2'300.00 Mietzins [ab 01.03.2012 Fr. 1'510; Eingabe vom 22.03.2012; act. BE/13], Fr. 287.00 Krankenkassenbeiträge, Fr. 250.00 Kosten für die Fahrt zur Arbeit und Fr. 200.00 Kosten für auswärtige Verpflegung).

b) Der Beschwerdeführer gibt weiter an, über "keine" Vermögenswerte (wie Sparhefte, Bankkonten, Wertschriften etc.) zu verfügen. Bei den Schulden erwähnt er

"Betreibungen ca. 35000.-" und verweist dazu u.a. auf eine Pfändungsurkunde vom 8. Juni 2011, gemäss welcher sein den Gesamtnotbedarf von insgesamt Fr. 3'817.95 (Fr. 1'517.95 + Mietzins von Fr. 2'300.00) übersteigendes Netto-Mehreinkommen pro Monat bis 2. Mai 2012 gepfändet wurde und abzuliefern ist.

c) Aus der letzten rechtskräftigen Veranlagung mit Berechnung vom 12. Januar 2012, welche auf Aufforderung im Beschwerdeverfahren hin eingereicht wurde, ergibt sich, dass der Beschwerdeführer für das Steuerjahr 2010 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 12'900.00, ohne steuerbares Vermögen, veranlagt wurde (Beilage zur Eingabe vom 20.02.2012; act. B/6). Es handelt sich dabei um eine Ermessensveranlagung, welche erging, nachdem der Beschwerdeführer trotz Aufforderung keine Aufzeichnungen zu seinen Einkünften aus selbständiger Erwerbstätigkeit eingereicht hatte (vgl. dazu Art. 169 Abs. 2 StG). Aus der Veranlagungsberechnung geht zudem hervor, dass der Beschwerdeführer eine ihm gewährte Prämienverbilligung zu deklarieren unterliess.

d) Die im Beschwerdeverfahren vorgenommenen Abklärungen haben schliesslich ergeben, dass der Beschwerdeführer in der Zeit seit der Verdienstpfändung vom 8. Juni 2011 dem Betreibungsamt nach eigenen Angaben "noch nie etwas abgeliefert" und auch die in der Bedarfsrechnung mit Fr. 2'300.00 eingestellten Mieten "ab Juli bis Februar 2012 nicht bezahlt" hat (Eingaben vom 23.02. 2012 und vom 22.03.2012; act.

2. Aufgrund dieser Angaben und Unterlagen erscheint die vom Beschwerdeführer behauptete Prozessarmut als nicht glaubhaft.

a) Die Sachdarstellung einer in Steuerangelegenheiten erfahrenen Partei wie der Beschwerdeführer, die sich ermessensweise einschätzen lässt, ist, was die Behauptungen betreffend die finanziellen Verhältnisse anbelangt, schon grundsätzlich nicht glaubhaft, es sei denn, es werde plausibel erklärt, weshalb - wenn nicht im Bestreben, weniger Steuern als bei ordnungsgemässer Deklaration zahlen zu müssen - die Mitwirkungspflichten nicht erfüllt wurden. Der Beschwerdeführer liefert keine solche Erklärung.

Der Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers abträglich ist auch der Umstand, dass er den Aufwand für die Krankenkassenbeiträge für das Jahr 2010 nicht wahrheitsgemäss deklariert hat. Wie es sich diesbezüglich mit der Angabe im vorliegenden Gesuch betreffend das Jahr 2011 verhält, für welches wie oben erwähnt Fr. 287.00 geltend gemacht werden, steht dahin und kann dahingestellt bleiben.

b) Berücksichtigt man ferner, dass der Beschwerdeführer in der zweiten Jahreshälfte 2011 weder für den Schuldendienst noch für das Wohnen Aufwand betrieben hat, so kann keine Rede davon sein, dass er bei gehabten Einkünften von monatlich durchschnittlich Fr. 3'000.00 (zum Bedarf ohne Mietzins [bis Februar 2012] vgl. vorne Erw. III/1b) nicht in der Lage sein soll, den beim vorliegenden Streitwert eher bescheidenen Kostenvorschuss zu leisten (sh. unten Erw. III/3) bzw. für die entsprechenden Gerichtskosten des Beschwerdeverfahren aufzukommen (Art. 118 Abs. 1 lit. a und b ZPO); daran ändert der Umstand nichts, dass er Ende Februar 2012 für die neue Wohnung (Mietzins, Kaution und Schlüssel-Depot) Fr. 4'230.00 zu erlegen hatte (Beilage zur Eingabe vom 22.03.2012; act. BE/13). Beizufügen bleibt, dass eine Verbeiständung des rechtskundigen Beschwerdeführers sowohl mangels Notwendigkeit (Art. 118 Abs. 1 lit. c ZPO) als auch deshalb nicht in Frage kommt, weil die Beschwerde nach Ablauf der Rechtsmittelfrist ohnehin nicht mehr ergänzt werden könnte.

3. Nach dem Gesagten ist das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege abzuweisen und der Beschwerdeführer aufzufordern, einen Kostenvorschuss von Fr. 600.00 zu bezahlen (Art. 102 ZPO und Art. 10 Ziff. 211 GKV).

III.

Auf die Erhebung von Gerichtskosten ist umständehalber zu verzichten.

IV.

Die diesem Entscheid beigefügte standardisierte Rechtsmittelbelehrung ist dahingehend zu präzisieren, dass es sich vorliegend nicht um einen Endentscheid im Sinne von Art. 90 BGG handelt; der Entscheid ist nur unter der Voraussetzung von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG beschwerdefähig.

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Dispositions modifiées depuis

Cette décision interprète des dispositions dont l’acte a depuis fait l’objet d’une nouvelle consolidation. Si l’article lui-même a changé n’est pas consigné.

  • Loi fédérale complétant le Code civil suisse, Art. 394 — lu dans la version du 1 mars 2012; l’acte a été consolidé à nouveau le 1 octobre 2012, 1 janvier 2013, 28 mai 2013, 1 janvier 2014, 1 juillet 2014, 1 juillet 2015, 1 janvier 2016, 1 juillet 2016, 1 janvier 2017, 1 avril 2017, 1 novembre 2019, 1 janvier 2020, 1 avril 2020, 1 janvier 2021, 1 février 2021, 1 mai 2021, 1 juillet 2021, 1 janvier 2022, 1 janvier 2023, 9 février 2023, 1 septembre 2023, 1 janvier 2024, 1 janvier 2025, 8 juillet 2025, 1 octobre 2025 et 1 janvier 2026.
  • Loi sur le Tribunal fédéral, Art. 90 et Art. 93 — lu dans la version du 1 janvier 2012; l’acte a été consolidé à nouveau le 1 avril 2012, 1 octobre 2012, 1 janvier 2013, 1 février 2013, 1 juillet 2013, 1 janvier 2014, 1 juillet 2014, 1 août 2014, 1 novembre 2015, 1 janvier 2016, 1 janvier 2017, 1 avril 2017, 1 juin 2017, 1 janvier 2018, 1 janvier 2019, 1 janvier 2021, 1 janvier 2022, 1 juillet 2022, 1 janvier 2024, 1 février 2024, 1 juillet 2024, 1 janvier 2025, 1 avril 2026 et 13 mai 2026.
  • Ordonnance sur le contrôle des biens utilisables à des fins civiles et militaires, des biens militaires spécifiques et des biens stratégiques, Art. 10 — lu dans la version du 15 septembre 2011; l’acte a été consolidé à nouveau le 1 mai 2012, 1 juillet 2012, 1 septembre 2012, 1 janvier 2013, 1 septembre 2014, 1 janvier 2015, 1 mars 2016, 1 juillet 2016, 23 août 2016, 1 mai 2017, 1 mai 2018, 1 janvier 2020, 1 mai 2021, 1 novembre 2021, 1 janvier 2022, 1 mai 2023, 1 juin 2024, 1 février 2025, 1 mai 2025, 15 novembre 2025 et 1 juillet 2026.
  • Code de procédure civile, Art. 59, Art. 102, Art. 117 et Art. 118 — lu dans la version du 1 janvier 2012; l’acte a été consolidé à nouveau le 1 janvier 2013, 1 mai 2013, 1 juillet 2014, 1 janvier 2016, 1 janvier 2017, 1 janvier 2018, 1 janvier 2020, 1 juillet 2020, 1 janvier 2021, 1 janvier 2022, 1 juillet 2022, 1 janvier 2023, 1 septembre 2023, 1 janvier 2025 et 1 juillet 2026.
  • Loi fédérale sur les droits de timbre, Art. 169 — lu dans la version du 1 mars 2012; l’acte a été consolidé à nouveau le 28 décembre 2012, 1 janvier 2016, 1 janvier 2017, 1 mars 2018, 1 janvier 2019, 1 janvier 2020, 1 janvier 2022, 1 janvier 2023 et 1 janvier 2024.