Portée: Le traitement de cette décision par les juridictions ultérieures n’a pas été analysé. Aucune des 4 décisions citantes n’a été analysée.

69 IV 156

35. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 8. Oktober 1943 i, S, Duttweiler gegen Kugler und Wieser.

Art. 72 Ziff. 2 Abs. 1 StGB.

Wenn die Strafverfolgung auf derm Wege des Zivilprozesses erfolgt, wird die Verjährung unterbrochen durch die Fristansgetzung an den Beklagten zur Beantwortung der Klage und durch die Einreichung der Antwort. Das gleiche gilt im baselstädtischen Privatklageverfahren in Ehrverletzungssachen.

Art. 72 ch. 2 al. 1 CP.

Lorsque la poursuite pénale s’exerce dans les formes du procès ‘civil, la prescription est interrompue par la fixation au défendeur d’un délai pour répondre à la demande, ainsi que par le dépôt de la réponse. il en esú de même dans la procédure d’accusation privée prévue par le canton de Bâle-Ville en matière d'atteintes à l’honneur.

Art. ?2, cifra 2, cp. 1 CP. Quando l’azione penale sí esercita nelle forme del processo civile, la prescrizione è interrotta dall’assegno al convenuto d’un termine per rispondere alla domanda, come pure dall’inoltro della risposta. Lo stesso vale per la procedura di accusa privata dal Cantone di Basilea-città in materia di delitti contro 1’onore. .

Ám 20. Februar 1942 erhob Gottlieb Duttweiler gegen die verantwortlichen Verfasser oder Drucker des « Gegenangriff », einer « Kampfschrift gegen die Duttweilersche Sprengaktion », erschienen in Basel am 19. November 1941, Strafklage wegen Ehrverletzung. Nach § 210 Abs. 2 der StPO von Basel-Stadt nimmt bei solchen Klagen in der Regel der Präsident des Strafgerichtes die nötigen Ermittlungen vor. Eine Einvernahme des Angeklagten findet in der Regel nicht statt, dagegen ist diesem, wenn eine ausführliche Klageschrift eingereicht worden ist, unter Fristansetzung Gelegenheit zu schriftlicher Vernehmlassung zu geben. Nach Abschluss der Ermittlungen lädt der Präsident die Parteien zur Hauptverhandlung vor (§ 214 StPO). Am 4. Mai 1942 wurde die Klage Duttweilers Ferdinand Kugler und Dr. Fritz Wiesger zugestellt, welche die Verantwortung für das Presseerzeugnis übernahmen. Ám 8. August 1942 reichten sie die KlagebeantWworbvbung ein. Am 12. April 1943 wurden sie zur Abklärung der Pagssivlegitimation einvernommen. In der HauptStrafgesetzbuch N° 35. LST verhandlung vom 8. Juli 1943 stellte das Strafgericht das Verfahren infolge Verjährung der Strafverfolgung ein. Zur Begründung führte es aus, die gemäss Árt. 27 Ziff. 6 StGB vom 19. November 1941 bis 19. November 1942 laufende Verjährungsfrist hätte gemäss Art. 72 Ziff. 2 StGB nur durch Vorladung der Angeklagten vor den Untersuchungsrichter oder das Gericht sowie durch die Einvernahme im Untersuchungsverfahren unterbrochen werden können. Auf Appellation des Strafklägers hin bestätigte das Appellationsgericht des Kantons BaselStadt am 831. August 1943 diesen Entscheid. Mit der Nichtigkeitsbeschwerde an den Kassationshof des Bundesgerichts hält der Strafkläger an seiner Auffassung fest, dass die Klagebeantwortung als Einvernahme im Sinne des Art. 72 Ziff. 2 StGB gelten müsse. Die Angeklagten schliessen auf Abweisung.

Erwägungen

Im Unterschied zu anderen Gesetzen, welche die Verjährung durch jede gegen den Täter gerichtete Verfolgungshandlung der Strafbehörden unterbrechen lassen (z. B. § 42 StG von Basel-Stad&t), verbindet das Strafgesetzbuch diese Wirkung ausschliesslich mit der Vorladung des Beschuldigten vor das Untersuchungsamt oder Gericht und mit der Einvernahme des Beschuldigten im Untersguchungsverfahren (Art. 72 Ziff. 2 Abs. 1). Diese Beschränkung wurde getroffen, um die Strafverfolgung praktisch nicht unverjährbar sein zu lassen, wie es der Fall sein kann, wenn jede noch so geringfügige und vom Beschuldigten nicht einmal wahrnehmbare der Strafverfolgung dienende Handlung der Behörde die Unterbrechung bewirkt (vgl. Protokoll der IT. Expertenkommission 1 401 f., AStenBull NR 1928 970). Beide Unterbrechungsgründe sind auf das amtliche Untersuchungsverfahren zugeschnitten. In mehreren Kantonen werden aber Ehrverletzungsklagen im Zivilprozessverfahren abgewandelt (z. B. Thurgau EG § 7 Abs. 3). In diesgem kommt es zur I58 Strafgesetzbuch N° 35, Vorladung des Beschuldigten erst nach Absohluss des Schriftenwechsels, ja möglicherweise sogar erst nach Durchführung der Beweisführung. Unterdessgen kann die kurze Verjährungsfrist ablaufen, auch wenn der Kläger nichts unterlassen hat, die Strafverfolgung dem Gesetz gemäss zu betreiben. Ein solcher Zustand ist unannehmbar.

Es ist feststehender Grundsatz, dass das kantonale Verfahrenerecht der vollen Auswirkung des materiellen Bundesrechts nicht hindernd im Wege stehen soll. Dass es der Bundesgesetzgeber hier ausnahmsweise in Kauf genommen habe, ist nicht denkbar. Vielmehr is6 die Annahme begründet, dass die gesetzgebenden Räte bei Behandlung des Art. 69 des Entwurfes (Art. 72 StGB) nur mit dem Kklassischen amtlichen Verfahren rechneten, da Art. 385 Abs. 2 des Entwurfes, der den Kantonen die Strafverfolgung auf dem Wege des Zivilprozesses verbot, ersb später gestrichen würde (AStenBull NR 1930 890, StR 1931 735). Bei dieser Streichung, welche also den Kantonen die Freiheit in der Bestimmung des Verfahrens gab (Art. 384 des Entwurfes, Art. 365 StGB), wurde die Notwendigkeit der nunmehrigen Ánpassung des Árt. 69 des Entwurfes an das Zivilprozessverfahren übergehen ; diese Bestimmung blieb lückenbaft. Daher müssen die auf das amtliche Untersuchungsverfabren zugeschnittenen Unterbrechungsgründe sinngemäss auf das Zivilprozessverfahren übertragen werden. Der Vorladung (zur EinVvernahme) im Untersguchungsverfahren entspricht im schriftlichen Verfahren des Zivilprozesses die Fristsetzung zur Vernehmlassung und der Einvernahme selbst die Vernehmlassung. Durch die Fristsetzung und die Vernehmlasgsung kommt auch der Gang der Strafverfolgung dem Beschuldigten nicht weniger zum Bewusstsein als durch Vorladung und Einvernahme.

Das Basler Privatklageverfahren in Ehrverletzungssachen ist nicbt der Zivilprozess, aber es entlehnt diesem den im Strafprozess nicht üblichen Schriftenwechsel. Wird er angeordnet, so ist bis nach seinem Abschluss die Hauptverhandlung ausgesetzt. Das Untersguchungsverfahren igt im Gange, Vorladung und Einvernahme sind wie im Zivilprozees durch Fristsetzung und Vernehmlassung ersetzt, also müssen diese wie im Zivilprozess die Verjährung der Strafverfolgung unterbrechen.

Demnack erkennt der Kassationshof :

Die Niechtigkeitsbeschwerde wird gutgeheissen, der Entscheid des Appellationegerichtes des Kantons BagselStadt vom 31. August 1943 aufgehoben und die Sache zur weiteren Bebandlung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen.

Dispositions modifiées depuis

Cette décision interprète des dispositions dont l’acte a depuis fait l’objet d’une nouvelle consolidation. Si l’article lui-même a changé n’est pas consigné.

  • Code pénal suisse, Art. 72 et Art. 365 — l’acte a été consolidé à nouveau le 1 janvier 1995, 1 février 1997, 1 septembre 1997, 1 janvier 1998, 1 avril 1998, 1 janvier 1999, 1 mars 2000, 1 mai 2000, 1 juillet 2000, 15 décembre 2000, 1 janvier 2002, 1 avril 2002, 1 juillet 2002, 1 octobre 2002, 1 avril 2003, 1 décembre 2003, 1 janvier 2004, 1 mars 2004, 1 avril 2004, 1 juillet 2004, 1 août 2004, 1 janvier 2005, 1 février 2005, 1 janvier 2006, 1 avril 2006, 1 juillet 2006, 1 décembre 2006, 1 janvier 2007, 1 janvier 2008, 1 juin 2008, 1 août 2008, 1 octobre 2008, 5 décembre 2008, 1 janvier 2009, 1 février 2009, 1 avril 2009, 1 janvier 2010, 1 décembre 2010, 1 janvier 2011, 1 juillet 2011, 1 octobre 2011, 1 janvier 2012, 1 juillet 2012, 16 juillet 2012, 1 octobre 2012, 1 janvier 2013, 19 mars 2013, 1 avril 2013, 1 mai 2013, 1 juillet 2013, 1 janvier 2014, 1 juillet 2014, 1 janvier 2015, 1 janvier 2016, 1 juillet 2016, 1 octobre 2016, 1 janvier 2017, 11 juillet 2017, 1 septembre 2017, 12 décembre 2017, 1 janvier 2018, 1 mars 2018, 1 mars 2019, 1 juillet 2019, 1 novembre 2019, 1 février 2020, 3 mars 2020, 1 juillet 2020, 1 juillet 2021, 1 janvier 2022, 1 juin 2022, 22 novembre 2022, 1 janvier 2023, 23 janvier 2023, 1 juillet 2023, 1 août 2023, 1 septembre 2023, 6 décembre 2023, 1 janvier 2024, 1 juillet 2024, 1 janvier 2025, 1 août 2025, 1 janvier 2026 et 12 juin 2026.
  • Code de procédure pénale suisse, Art. 214 — l’acte a été consolidé à nouveau le 1 mars 2000, 15 décembre 2000, 1 janvier 2001, 1 février 2001, 1 janvier 2002, 1 avril 2004, 1 janvier 2007, 1 janvier 2008, 5 décembre 2008, 1 janvier 2009, 1 janvier 2010, 1 janvier 2011, 1 juillet 2011, 1 juillet 2012, 1 octobre 2012, 1 février 2013, 12 mars 2013, 1 avril 2013, 1 mai 2013, 21 janvier 2014, 1 juillet 2014, 25 novembre 2014, 1 janvier 2015, 1 janvier 2016, 1 juillet 2016, 1 octobre 2016, 1 janvier 2017, 1 septembre 2017, 1 janvier 2018, 1 mars 2018, 1 janvier 2019, 1 mars 2019, 1 février 2020, 1 mars 2021, 1 juillet 2021, 1 juillet 2022, 1 janvier 2023, 23 janvier 2023, 1 juillet 2023, 1 août 2023, 1 janvier 2024, 1 juillet 2024 et 1 avril 2025.
  • Loi fédérale sur les droits de timbre, Art. 42 — l’acte a été consolidé à nouveau le 1 janvier 1999, 1 avril 1999, 1 janvier 2000, 1 septembre 2000, 1 janvier 2001, 1 juillet 2001, 1 janvier 2003, 1 juillet 2004, 1 janvier 2006, 1 janvier 2007, 1 janvier 2008, 1 août 2008, 1 janvier 2009, 1 janvier 2010, 1 juillet 2010, 1 mars 2012, 28 décembre 2012, 1 janvier 2016, 1 janvier 2017, 1 mars 2018, 1 janvier 2019, 1 janvier 2020, 1 janvier 2022, 1 janvier 2023 et 1 janvier 2024.

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