Portée: Le traitement de cette décision par les juridictions ultérieures n’a pas été analysé. Aucune des 5 décisions citantes n’a été analysée.

73 IV 54

15, Entscheid der Anklagekammer vom 12. Februar 1947 i. S. Pedler gegen Staatszanwaltsechaft des Kantons Zürich und Proeureur général du eanton de Neuchâtel.

1. Ari. 264, 268 BStP, Art. 351 StGB. Alle Streitigkeiten um den interkantonalen Gerichtsstand in Strafsachen eidgenössischen Rechts sgind von der Anklagekammer zu entscheiden ; die Nichtigkeitsbeschwerde des Beschuldigten an den Kassationshof iat ausgeschlossen (Ánderung der Rechtsprechung).

2. Art. 346 StGB. Konkurs- und Betreibungsdelikte (Art. 163 f. StGB) sind jedenfalls dann am Wohnort des Schuldners zu verfolgen, wenn er mit dem Betreibungsort zusammenfällt.

1. Art. 264, 268 PPF, art. 351 CP. La Chambre d’accusation connaît de toutes les contestations relatives à l'attribution de la compétence entre cantons dans les causes pénales de droit fédéral ; il n’y a pas de pourvoi en nullité à la Cour de caassation (changement de jurisprudence).

2. Art. 346 CP. Les crimes ou délits. dans la faillite et la poursuite ‘pour dettes (art. 163 sv. CP) doivent en tout cas être poursuivis au domicile du débiteur lorzsque ce domicile se confond avec le for de la poursuite.

L. Art. 264, 268 PPF, art. 351 CP, La Camera d’accusa decide tutte le contestazioni relative all'attribuzione della competenza tra Cantoni nelle cause penali di diritto federale ; non è esperibile il ricorso por cassazione (cambiamento di giurisprudenza).

2. Art. 346 OP. 1 crimini o i delitti nel fallimento e nell’esecuzione per debiti (arf. 163 e seg. CP) debbono in ogni caso essero perseguiti al domicilio del debitore, quando questo domicilio

Sachverhalt

A. — Der in Colombier (Neuenburg) wohnende Anthony Pedler wurde von der Bezirksanwaltschaft Zürich wegen leichtsinnigen Vermögensverfalls (Art. 165 StGB) angeklagt, weil er mit der Ehefrau im November und Dezember 1945 trotz seiner Zahlungsunfähigkeit in einem Hotel in Zürich gelebt habe und so0 eine Rechnung von Fr. 1,852.30 habe auflaufen lassen. Er bestritt die Gerichtsbarkeit des Kantons Zürich und beanspruchte den Gerichtsstand Neuenburg. Das Bezirksgericht Zürich wies seine Einrede ab, ebenso am 28. November 1946 auf Rekurs hin das Obergericht des Kantons Zürich. Dessen Entscheid ist dem Angeklagten am 19. Dezember 1946 eröffnet worden. Das Sachurteil ist noch nieht ergangen.

B. — Mit Eingabe vom 23. Dezember 1946 an die Anklagekammer des Bundesgerichts beantragt Pedler, die Behörden des Kantons Neuenburg seien zu seiner Verfolgung und Beurteilung zuständig zu erklären.

Der Generalprokurator des Kantons Neuenburg beantragt Gutheissung des Gesuchs.

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich verzichtet auf Gegenbemerkungen.

Erwägungen

1. Aus der Erwägung, dass gerichtliche Vor- und Zwischenentscheide über die Frage des interkantonalen Gerichtsstandes in Strafsachen Urteile im Sinne des Art. 268 Abs. 2 BStP seien, haben Kassationshof und Anklagekammer bisher gegen solche Entscheide, wenn sie nicht durch ein kantonales Rechtsmittel wegen Verletzung 56 " Veriahren. N° 15, eidgenössischen Rechts angefochten werden konnten, die Nichtigkeitsbeschwerde an den Kassationshof, nicht aber die Anrufung der Anklagekammer gemäss Art. 264 BStP zugelassen (BGE 69 IV 191, 70 IV 94, 71 IV 74). Der Kassationshof schlägt heute der Anklagekammer Vor, gie solle auch solche Fälle beurteilen.

Die erwähnte Rechtsprechung lässt in der Tat unbeachtet, dass der Wortlaut des Art. 264 die Zuständigkeit der Anklagekammer zur Bezeichnung des Gerichtsstandes nicht beschränkt auf Fälle, in denen das Bundesgericht nicht durch ein anderes Rechtsmittel angerufen werden kann. Während die Anklagekammer ursprünglich nur zur Beurteilung von Gerichtsstandsstreitigkeiten unter Behörden berufen war (Art. 264 BStP, Fassung von 1934, vgl. auch Art. 351 StGB), wurde anlässlich der Revision des Organisationsgesetzes bestimmt, dass sie den Zur Verfolgung und Beurteilung berechtigten und verpflichteten Kanton auch dann zu bezeichnen habe, wenn die Gerichtsbarkeit eines Kantons vom Beschuldigten bestritten wird. Diese Änderung erfolgte in Anlehnung an die Rechtseprechung, die dem Beschuldigten schon vor der Revision des Gesetzes das Recht zur Anrufung der Anklagekammer zuerkannte und dadurch vermied, dass er staatsretlhitliche Beschwerde führen musste. Da die Fälle, in denen ani sich die Nichtigkeitsbeschwerde zulässig wäre, im. revidierten Art. 264 nicht ausgenommen sind, geht diese Bestimmung als Sondernorm dem Art. 268 vor. Sie gilt für alle Streitigkeiten um den interkantonalen Gerichtsstand und macht damit für diese Fälle eine Ausnahme von der Regel, wonach Urteile in Strafsachen wegen Verletzung eidgenössischen Rechts mit der Nichtigkeitsbeschwerde angefochten werden können. Mit Rücksicht auf den besonderen Rechtsweg, den Art. 264 dem Beschuldigten öffnet, hat denn auch der Kassationshof in interkantonalen Gerichtsstandsfragen die Nichtigkeitsbeschwerde bereits gegenüber Sachurteilen ausgeschlossen (BGE 69 IV 190). Heute einen Schritt weiter zu gehen und síe auch gegen Vor- und Zwischenentscheide nicht zuzulassen, drängt sich umsomebhr auf, als Art. 262 und 263 BStP der Anklagekammer das Recht geben, nach freiem Ermessen von den Gerichtsstandsnormen der Art. 349 und 350 StGB abzuweichen, während der Kassationshof hiezu nicht befugt iet, die Zulässigkeit der Abweichung also nach der bisherigen Rechtsprechung davon abhinge, ob das kantonale Gericht auf die Gerichtsstandseinrede hin einen Vor- oder Zwischenentscheid fällt oder nicht. Die bisherige Zweispurigkeit würde auch zu Schwierigkeiten führen, wenn ein Kanton dureh Vor- oder Zwischenentscheid eines Gerichts seine Zuständigkeit verneint und sich weder der andere Kanton noch der Beschuldigte

damit abfinden wollen. Über den Streit unter den Kantonen müsste dann die Anklagekammer entscheiden, während der Beschuldigte in der gleichen Sache gemäss Art. 268 beim Kassationshof Nichtigkeitsbeschwerde führen müsste. Auch das kann das Gesetz nicht wollen.

Dem Ansuchen des Kassationshoses um Änderung der Rechtsprechung ist daher beizupflichten, die vorliegendeSache also durch die Anklagekammer zu entscheiden.

2. Nach der mit BGE 72 IV 90 cirigeleitoten Rechtbungsdelikte (Art. 163 fff. StGB) jédenfalls dann ani Wohnort des Schuldners zu verfolgen, wenn er mit dem Betreibungsort zusammenfällt. Die Gründe, die dafür angeführt wurden, treffen auch im vorliegenden Falle zu. Da Pedler in Colombier wohnt und dört auch seinen Betreibungsort hat, sitd somit zur Verfolgung und Beurteilung des ihm zur Laët gelegten leichteinnigen Vermögensverfalls (Art. 165 StGB) die Behörden des Kantons Neuenburg zuständig.

Dispositiv

Demnach erkennt die Anklagekammer :

Die Behörden des Kantons Neuenburg werden berechtigt und verpflichtet erklärt, Anthony Pedler zu verfolgen und zu beurteilen.

Dispositions modifiées depuis

Cette décision interprète des dispositions dont l’acte a depuis fait l’objet d’une nouvelle consolidation. Si l’article lui-même a changé n’est pas consigné.

  • Code pénal suisse, Art. 163, Art. 165, Art. 346, Art. 349, Art. 350 et Art. 351 — l’acte a été consolidé à nouveau le 1 janvier 1995, 1 février 1997, 1 septembre 1997, 1 janvier 1998, 1 avril 1998, 1 janvier 1999, 1 mars 2000, 1 mai 2000, 1 juillet 2000, 15 décembre 2000, 1 janvier 2002, 1 avril 2002, 1 juillet 2002, 1 octobre 2002, 1 avril 2003, 1 décembre 2003, 1 janvier 2004, 1 mars 2004, 1 avril 2004, 1 juillet 2004, 1 août 2004, 1 janvier 2005, 1 février 2005, 1 janvier 2006, 1 avril 2006, 1 juillet 2006, 1 décembre 2006, 1 janvier 2007, 1 janvier 2008, 1 juin 2008, 1 août 2008, 1 octobre 2008, 5 décembre 2008, 1 janvier 2009, 1 février 2009, 1 avril 2009, 1 janvier 2010, 1 décembre 2010, 1 janvier 2011, 1 juillet 2011, 1 octobre 2011, 1 janvier 2012, 1 juillet 2012, 16 juillet 2012, 1 octobre 2012, 1 janvier 2013, 19 mars 2013, 1 avril 2013, 1 mai 2013, 1 juillet 2013, 1 janvier 2014, 1 juillet 2014, 1 janvier 2015, 1 janvier 2016, 1 juillet 2016, 1 octobre 2016, 1 janvier 2017, 11 juillet 2017, 1 septembre 2017, 12 décembre 2017, 1 janvier 2018, 1 mars 2018, 1 mars 2019, 1 juillet 2019, 1 novembre 2019, 1 février 2020, 3 mars 2020, 1 juillet 2020, 1 juillet 2021, 1 janvier 2022, 1 juin 2022, 22 novembre 2022, 1 janvier 2023, 23 janvier 2023, 1 juillet 2023, 1 août 2023, 1 septembre 2023, 6 décembre 2023, 1 janvier 2024, 1 juillet 2024, 1 janvier 2025, 1 août 2025, 1 janvier 2026 et 12 juin 2026.

Cité dans