RRB Nr. 852/2026
Anfrage Sabine Arnold und Mandy Abou Shoak, Zürich, sowie Judith Stofer, Dübendorf, betreffend Mehr häusliche Gewalt während der Fussball-Weltmeisterschaft?, Beantwortung
Rubrum
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich KR-Nr. 280/2026
Sitzung vom 26. August 2026
852. Anfrage (Mehr häusliche Gewalt während der Fussball- Weltmeisterschaft?) Die Kantonrätinnen Sabine Arnold und Mandy Abou Shoak, Zürich, sowie Judith Stofer, Dübendorf, haben am 6. Juli 2026 folgende Anfrage eingereicht: Für viele Frauen steigt während der Fussball-WM das Risiko, Opfer von Gewalt zu werden. In Südamerika existiert der Spruch: «Verliert meine Mannschaft, verliert auch meine Familie.» Das bestätigt eine Studie aus England, wonach einer Niederlage der englischen Nationalmannschaft ein Anstieg der alkoholbedingten häuslichen Gewalt um 38% folgte.1 Aber auch an Tagen, an denen die Nationalmannschaft gewann, stieg die Zahl der von der Polizei gemeldeten Fälle von häuslicher Gewalt um 26% an.2 Häufig war dabei Alkohol im Spiel. Seit November 2025 können Opfer von häuslicher Gewalt im Kanton Zürich eine Notfalltelefonnummer wählen, die rund um die Uhr betrieben wird. Schweizweit ist die Nummer 142 seit Mai 2026 in Betrieb und wird täglich durchschnittlich 80 Mal angerufen. Vor diesem Hintergrund bitten wir die Regierung um die Beantwortung folgender Fragen:
Erwägungen
1. Ist während der Fussball-WM (11. Juni bis 19. Juli 2026), vor allem an wichtigen Spieltagen sowie an Folgetagen, ein Anstieg von polizeilich registrierten Fällen von häuslicher Gewalt im Kanton Zürich feststellbar?
2. Kann ein Anstieg anderer alkoholbedingter Delikte in diesem Zeitraum nachgewiesen werden?
3. Wurden in diesem Zeitraum vermehrt Anrufe auf die Telefonnummer 142 verzeichnet, und welcher Anteil stammte aus dem Kanton Zürich?
4. Verzeichnen Opferberatungsstellen im Zeitraum der Weltmeisterschaft vermehrt Beratungen?
1 Trendl, A., Stewart, N., Mullett, T.: Die Rolle von Alkohol im Zusammenhang zwischen
nationalen Fussballturnieren und häuslicher Gewalt – Erkenntnisse aus England. 2021. Abgerufen unter: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0277953620306766 2 Watson: Nach dem Schlusspfiff beginnt die Gefahr: Während der WM steigt die Gewalt
gegen Frauen an. 6.6.2026. Abgerufen unter: https://www.watson.ch/sport/fussball/11�- 8749509-wm-2026-waehrend-der-weltmeisterschaft-steigt-die-gewalt-an-frauen
5. Welche Faktoren begünstigen nach Einschätzung der zuständigen Behörden und gestützt auf den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand eine Zunahme von häuslicher beziehungsweise geschlechtsspezifischer Gewalt im Zusammenhang mit wichtigen Fussballspielen?
6. Welche Präventionsprogramme bestehen, um einen Anstieg gewalttätiger Übergriffe im häuslichen Kontext während eines internationalen Fussball-Wettkampfs zu verhindern?
Dispositiv
Auf Antrag der Sicherheitsdirektion beschliesst der Regierungsrat:
I. Die Anfrage Sabine Arnold und Mandy Abou Shoak, Zürich, sowie Judith Stofer, Dübendorf, wird wie folgt beantwortet: Zu Frage 1: Nein. Zu Frage 2: Nein. Zu Frage 3: Dem Kanton Zürich liegen lediglich die Zahlen zu Anrufen aus dem Kanton Zürich vor. Die Zahlen sind im Vergleich zu den Vormonaten unauffällig. Zu Frage 4: Nein. Zu Frage 5: Es sind keine wissenschaftlichen Studien für das Gebiet der Schweiz bekannt, die sich mit Fragen von häuslicher Gewalt im Zusammenhang mit Fussballspielen befasst. Angesichts der Tatsache, dass im fraglichen Beobachtungszeitraum sogar eine Tendenz zum Rückgang von polizeilich registrierten Fällen zu verzeichnen ist, besteht dafür kein Bedarf. Zu Frage 6: Im Kanton Zürich bestehen verschiedene präventive Angebote, die unabhängig von einem internationalen Fussballwettkampf die Verhinderung und Verminderung von gewalttätigen Übergriffen im Kontext häuslicher Gewalt zum Ziel haben. Der einfache und niederschwellige Zugang zu Hilfs- und Unterstützungsangeboten sowie zur Polizei ist jederzeit gewährleistet. Mit den Kampagnen «Gleichstellung verhindert Gewalt» des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann sowie «Stopp Häusliche Gewalt» der Kantonspolizei in Kooperation mit den Stadtpolizeien Winterthur und Zürich sowie der Staatsanwaltschaft wird die Öffentlichkeit fortlaufend für das Thema sensibilisiert und zu Meldeerstattungen ermutigt. Die Polizei schreitet bei
Fällen von häuslicher Gewalt konsequent ein und erlässt Massnahmen gemäss dem Gewaltschutzgesetz (LS 351), um gefährdete Personen zu schützen. Der Dienst Gewaltschutz beobachtet die Entwicklungen fortlaufend, schreitet bei heiklen Situationen frühzeitig ein und ergreift Massnahmen zur Entschärfung des Risikos sowie zum Schutz von (potenziellen) Opfern. Ein Bedarf für ein spezifisches Präventionsprogramm während internationalen Fussballwettkämpfen besteht hingegen nicht.
II. Mitteilung an die Mitglieder des Kantonsrates und des Regierungsrates sowie an die Sicherheitsdirektion.
Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin: Kathrin Arioli