06.3022

Schaffung des schweizerisch-amerikanischen Kooperationsforums und Abschluss von Wirtschaftsabkommen mit den USA

Verfahrensbeitrag

Antrag der Mehrheit

Annahme der Motion

Antrag der Minderheit

(Jutzet, Marty Kälin)

Ablehnung der Motion

Proposition de la majorité

Adopter la motion

Proposition de la minorité

(Jutzet, Marty Kälin)

Rejeter la motion

Egerszegi-Obrist Christine · P-F · Nationalrat · Aargau · Freisinnig-demokratische Fraktion

Der Bundesrat beantragt Annahme der Motion.

Darbellay Christophe · Mit-M · Nationalrat · Wallis · Christlichdemokratische Fraktion

L'intensité des rapports commerciaux entre la Suisse et les Etats-Unis n'est plus à démontrer. En effet, 10 pour cent de nos exportations prennent le chemin de ce pays qui est l'un de nos principaux partenaires économiques. Les Etats-Unis sont les premiers investisseurs en Suisse; ils représentent 40 pour cent des investissements étrangers dans notre pays. Ils sont aussi une destination de première importance pour les investissements suisses. Cette situation a conduit la Suisse, le Conseil fédéral et l'auteur de la motion à envisager un accord de libre-échange avec les Etats-Unis pour faciliter et renforcer nos relations commerciales.

Sans revenir sur les causes et les responsabilités de l'échec des négociations exploratoires qui devaient conduire à un accord de libre-échange entre la Suisse et les Etats-Unis, je souligne que cette situation a conduit Monsieur le conseiller fédéral Joseph Deiss, alors ministre de l'économie, et Monsieur Robert Portman, délégué américain au commerce, lors du Forum économique mondial de Davos en janvier 2006, à jeter les ponts d'un forum de coopération entre la Suisse et les Etats-Unis.

Peter Briner, conseiller aux Etats, poursuit ici le même but, puisqu'en mars 2006 il déposait une motion visant à fonder des structures en vue d'un accord de coopération entre la Suisse et les Etats-Unis. La Suisse est consciente de l'importance d'approfondir ses relations commerciales avec les Etats-Unis, de faciliter ses échanges de biens et de services, d'abaisser les obstacles techniques au commerce et de favoriser les investissements. Notre pays est soucieux de conclure des accords sectoriels avec les Etats-Unis.

C'est ce qui a conduit le Conseil fédéral à accepter cette motion et à signer en mai 2006 l'accord qui fonde le forum de coopération entre la Suisse et les Etats-Unis. Le Conseil des Etats a accepté cette motion et par la suite, les Etats-Unis, le 25 mai de l'an dernier, ont signé l'accord de fondation de ce forum.

La commission, consciente de l'importance du sujet, vous demande de soutenir la motion Briner, comme l'ont fait le Conseil fédéral et le Conseil des Etats. Nous serions heureux d'entendre, de la part de Madame la conseillère fédérale Leuthard, brièvement quel est l'état de cet important dossier et quelles sont les esquisses des premiers pas concrets d'un rapprochement économique entre la Suisse et les Etats-Unis.

Beck Serge · Mit-M · Nationalrat · Waadt · Freisinnig-demokratische Fraktion

Monsieur le rapporteur, je m'étonne un tout petit peu de la tournure que prend ce débat. En effet, à ma connaissance, dans la procédure parlementaire ordinaire, lorsque le but d'une motion est atteint, la motion est rejetée parce qu'on considère qu'elle est devenue sans objet. Pourriez-vous m'expliquer pourquoi, bien que l'objectif soit dans le cas présent déjà atteint en raison de la décision conjointe du Conseil fédéral et du gouvernement des Etats-Unis de mettre en place un forum de coopération en matière de commerce et d'investissements, la commission invite-t-elle notre conseil à adopter cette motion?

Darbellay Christophe · Mit-M · Nationalrat · Wallis · Christlichdemokratische Fraktion

Je reconnais là, cher collègue, l'éminent commissaire de la Commission de gestion, soucieux des économies de procédure. Vous savez que ce forum en est à ses balbutiements et qu'il se met en place. Même si le Conseil fédéral a signé le protocole de fondation de cet accord, nous estimons qu'il faut donner un signe dans cette direction. La commission n'a pas discuté de l'opportunité de supprimer cette motion, simplement parce que les premiers pas étaient déjà effectués.

Markwalder Bär Christa · Mit-F · Nationalrat · Bern · Freisinnig-demokratische Fraktion

Nach dem Scheitern der Vorverhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und den USA einigten sich unser damaliger Wirtschaftsminister Joseph Deiss und der damalige amerikanische Handelsdelegierte Rob Portman in Davos im Januar 2006 darauf, stattdessen ein schweizerisch-amerikanisches Kooperationsforum zu schaffen. Dieses Forum soll insbesondere dazu dienen, gemeinsame Probleme im Bereich von Investitionen und Handel zu lösen und einen regelmässigen Dialog zu ermöglichen. Ständerat Peter Briner reichte im März 2006 die heute zur Diskussion stehende Motion ein, mit welcher er den Bundesrat auffordert, dem neuen Kooperationsforum eine Struktur und einen Inhalt zu geben.

Da die Einreichung der Motion bereits eine Weile her ist, interessiert es den Rat sicherlich, von Wirtschaftsministerin Leuthard zu erfahren, inwiefern dies bisher bereits geschehen ist. Wie sich das neue Forum in der Praxis nämlich entwickelt, hängt weitgehend oder fast ausschliesslich davon ab, mit welchen Inhalten es von beiden Seiten gefüllt wird. Der Bundesrat beantragt die Annahme der Motion. Vom Ständerat wurde sie bereits im Juni vergangenen Jahres angenommen. Inzwischen sind die Bundesbehörden aktiv geworden - die Vorbereitungsarbeiten waren zum Zeitpunkt der Beratung im Ständerat bereits im Gang. Das Seco hat mit einer Umfrage bei der Wirtschaft Themenwünsche für das neue Forum aufgenommen.

Wie letztes Jahr in der Öffentlichkeit auch intensiv diskutiert, sind die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen vor allem wegen unterschiedlicher Auffassungen im Agrarbereich gescheitert. Trotzdem bleiben die USA für die Schweiz ein äusserst wichtiger Handelspartner. Sie sind nach der EU der zweitwichtigste Exportmarkt der Schweiz, und rund 40 Prozent der ausländischen Investitionen in der Schweiz stammen aus den USA. Ein intensiver Dialog und die gemeinsame Lösung von Problemen im Handels- und Investitionsaustausch können deshalb sicher für beide Seiten Chancen bieten.

Das Abkommen zur Einrichtung des Kooperationsforums wurde zügig erarbeitet und konnte am 25. Mai 2006 von Joseph Deiss und Robert Portman in Washington unterzeichnet werden. Zu diesem Anlass kommunizierte der Bundesrat, dass das Forum Folgendes ermögliche:

  • die Verfolgung von Initiativen zu spezifischen Handels- oder Investitionsfragen im Hinblick auf den Abschluss von Verträgen oder anderen Vereinbarungen;

  • die Förderung der Zusammenarbeit im Bereich des Handels und der Investitionen;

  • die Prüfung jeglicher Fragen, welche die eine oder die andere Partei aufwerfen könnte;

  • die Erwägung jeglicher Initiativen zur Reduktion der Schranken für den Handel und die Investitionen zwischen den beiden Parteien;

  • die Wiederaufnahme der exploratorischen Gespräche im Hinblick auf ein eventuelles Freihandelsabkommen.

Weiter hat der Bundesrat auch bekräftigt, dass dem Hauptbetroffenen, nämlich dem Privatsektor, eine wichtige Rolle eingeräumt werden solle. Es gibt einige Branchen, die davon profitieren würden, wenn anstelle dieses Kooperationsforums ein Freihandelsvertrag oder ein Freihandelsabkommen mit den USA abgeschlossen werden könnte. Gerade beispielsweise die Textil- und Bekleidungsindustrie, die aus sehr vielen kleinen und mittleren Unternehmen besteht, leidet darunter, dass sie, von hohen Zöllen betroffen, in den USA einen erschwerten Marktzutritt hat. Im Gegensatz zu globalen Unternehmen und grossen Branchen, die es leichter haben, ihre Produkte auf dem interessanten USA-Markt abzusetzen, bestehen für kleinere und mittlere Unternehmen in bestimmten Branchen grosse Schwierigkeiten, einen entsprechenden Marktzugang zu bekommen.

In diesem Sinne bitte ich den Bundesrat im Namen der Kommission, auch für die kleinen und mittleren Unternehmungen Lösungen zu finden, insbesondere was den Marktzutritt betrifft, und beantrage Ihnen im Namen der Kommission, die Motion Briner anzunehmen.

Es würde uns alle sicherlich auch interessieren, wie der Kontakt zwischen unserer Bundesrätin Doris Leuthard und der US Trade Representative Susan Schwab bereits angelaufen ist.

Müller Geri · Mit-M · Nationalrat · Aargau · Grüne Fraktion

Die Aussenpolitische Kommission unseres Rates hat diese Motion des Ständerates an der Sitzung vom 26. Oktober 2006 beraten und angenommen. Ich vertrete hier die Minderheit, nachdem Erwin Jutzet aus dem Rat ausgeschieden ist. Die Motion fordert den Bundesrat auf, das in Davos ausgehandelte Handels- und Investitions-Kooperationsforum zu schaffen und Vereinbarungen mit den USA anzustreben. Das Kooperationsforum hat bereits - wie das auch Kollegin Christa Markwalder ausgeführt hat - Plattformen errichtet, auf denen verschiedene Initiativen ergriffen werden können. Es wurden auch bereits Sondierungsgespräche geführt, die eben auch zu Verhandlungen für Abkommen führen könnten.

Für uns ist es klar, dass das, was in Davos passiert ist, nicht den offiziellen Charakter hat, der die Schweiz dazu zwingen würde, weitere Vereinbarungen abzuschliessen. Die Vereinbarung, die dort abgeschlossen worden ist, ist in Kraft und damit von uns aus gesehen eigentlich erledigt. Das Abschliessen weiter gehender Abkommen würde letzten Endes ein Vorpreschen in Richtung eines Freihandelsabkommens bedeuten, weil die USA bekanntlich keine partiellen Freihandelsabkommen abschliessen. Damit wären es auch keine Verhandlungen auf gleicher Augenhöhe mehr, weil es ganz klar ist, dass die USA ihre Vorstellungen präsentieren bzw. Abkommen vorschlagen wollten, die für sie wichtig sind, und wir da grosse Mühe hätten, unsere Anliegen durchzubringen. Ein Beispiel ist der Landwirtschaftsbereich bzw. die Überschwemmung der Schweiz mit amerikanischen Landwirtschaftsprodukten. Wir haben diese Problematik schon einmal, beim Freihandelsabkommen, diskutiert. Wir wären nicht mehr in der Lage, diese Überschwemmung aufzuhalten. Das ist auch die Erfahrung, die andere Länder machen. Es gäbe ein Ungleichgewicht bei den Produktionsmöglichkeiten; unser Vorbehalt gegenüber der Gentechnik wäre nicht mehr aufrechtzuerhalten; Hormonfleisch wäre nicht mehr abzuwehren. Unsere Landwirtschaft hätte damit grosse Probleme.

All jenen, die den Weg eines Abkommens mit der Europäischen Union favorisieren, soll auch gesagt werden, dass die Schweiz allenfalls auch als Trojanisches Pferd benutzt werden könnte, als Insel inmitten der Europäischen Union: Was mit uns abgeschlossen werden könnte, könnte auch für die Europäische Union gelten. Wir wollen in der Zwischenzeit keine Sonderverträge aushandeln. Es sind Abklärungen mit den USA gemacht worden, man ist an Grenzen gelangt, und diese Grenzen sollten auch die Grenzen sein, die mit diesem - sagen wir mal: fast privatwirtschaftlichen - Abkommen gesetzt worden sind.

Deshalb bitten wir den Rat, diese Motion nicht anzunehmen. Es wird nichts passieren, wir werden damit nichts verlieren, es wird der Courant normal weitergeführt werden - mit all diesen privaten wirtschaftlichen Abkommen, die heute bereits bestehen. Deshalb bitten wir Sie, den Abschluss dieses Abkommens nicht zu unterstützen und die Motion des Ständerates klar abzulehnen.

Egerszegi-Obrist Christine · P-F · Nationalrat · Aargau · Freisinnig-demokratische Fraktion

Die SVP-Fraktion teilt mit, dass sie den Antrag der Mehrheit unterstützt.

Pfister Gerhard · Mit-M · Nationalrat · Zug · Christlichdemokratische Fraktion

An sich handelt es sich hier ja um einen Vorstoss, dessen Anliegen bereits erfüllt ist, bevor der Zweitrat ihm zugestimmt hat. Das liegt aber auch in der Natur der Sache, dass Aussenpolitik und Aussenwirtschaftspolitik im Wesentlichen Sache des Bundesrates sind. Hier hat er schnell gehandelt, ohne dass er die Aufforderung des Parlamentes brauchte. Wenn es keine ablehnende Minderheit gäbe, deren Vertreter vorhin gesprochen hat, könnte man die Motion auch in Kategorie IV behandeln; da gebe ich Kollege Beck Recht. Als die Motion in der Aussenpolitischen Kommission vor knapp einem Jahr behandelt wurde, waren zudem die Reihen dort arg gelichtet. Ich finde es aber richtig - das ist das Verdienst der Minderheit -, einige Bilder zu haben, damit wir uns im Nationalrat ein Jahr nach der Gründung dieses Forums über die richtige aussenwirtschaftspolitische Strategie der Schweiz im Verhältnis zu den USA unterhalten und darüber debattieren können. Ausserdem liegt die Behandlung der Vorlage im Ständerat und in der nationalrätlichen Kommission so weit zurück, dass es richtig ist, sich von der Vorsteherin des EVD über den aktuellen Stand informieren zu lassen.

Es wurde schon mehrfach erwähnt: Das Kooperationsforum Schweiz-USA ist das, was von einem geplanten Freihandelsabkommen zwischen den beiden Ländern übrig geblieben ist. Die Hoffnungen - und für die CVP-Fraktion bestand mehrheitlich Grund zur Hoffnung - auf das Zustandekommen eines Freihandelsabkommens wurden rasch im Keime erstickt. Die CVP-Fraktion hätte es begrüsst, wenn das Projekt damals nicht so schnell beerdigt worden wäre. Es hat sich damals kurz die Chance eröffnet, mit der weltgrössten Wirtschaftsmacht eine weitgehende Marktöffnung zu diskutieren und allenfalls auch zu erreichen. Die Widerstände, die dazu führten, dass der Bundesrat diese Option nicht weiterführte, sind bekannt. Vor allem für die Landwirtschaft wäre der Ausgang solcher Verhandlungen ungewiss und - das ist zuzugeben - auch risikoreich gewesen.

Aber das aus diesen Verhandlungen hervorgegangene Forum ist sinnvoll und passt in die Strategie des Bundesrates. Es gibt genug Gründe, mit den USA zusammenzuarbeiten mit dem gemeinsamen Ziel, die Marktöffnung und den Abbau von Handelshemmnissen zu erreichen. Drei dieser Gründe möchte ich erwähnen:

1. Die USA sind mit 40 Prozent aller Direktinvestitionen klar der grösste ausländische Investor in der Schweiz. Zudem sind die USA der zweitgrösste Exportmarkt hinter Deutschland, aber vor Frankreich, Italien und Grossbritannien. Auslanddirektinvestitionen von Schweizer Firmen waren 2005 am grössten mit 34 Prozent in die USA; Deutschland auf Platz zwei erreichte 5,1 Prozent. US-Exporte in die Schweiz waren 2005 viermal grösser als jene nach Österreich und grösser als die Exporte der USA nach Saudi-Arabien und Russland zusammen. Marktöffnung mit den USA bedeutet also einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil für den Standort Schweiz.

2. Der zweite Grund, warum dieses Forum sinnvoll ist: Je länger die Doha-Runde der WTO blockiert bleibt, desto mehr zeichnet sich die Tendenz ab, dass die Länder und Wirtschaftsblöcke ihr Heil im Bilateralismus suchen. Multilaterale Abkommen sind derzeit schwierig zu haben. Diese Tendenz kann man eigentlich nicht gut finden, denn sie birgt die Gefahr, ungleiche Wettbewerbsbedingungen zu verstärken. Trotzdem ist die Strategie des Bundesrates richtig, auch bilaterale Abkommen zu prüfen und dort, wo sie chancenreich sind, auch abzuschliessen. Gerade die Schweiz als Nichtmitglied der EU hat das Verhältnis zwischen den USA und der EU aufmerksam zu verfolgen und muss sich erfolgreich dazwischen positionieren. Amerikanische Initiativen gegenüber der EU erhöhen das Diskriminierungspotenzial hinsichtlich der Schweizer Wirtschaft. Der transatlantische Dialog zwischen den USA und der EU ist sehr viel intensiver geworden; mit zahlreichen Konkurrenten der Schweiz haben die USA bereits Freihandelsabkommen abgeschlossen.

3. Die gegenseitige Verflechtung spricht dafür, dass man den bilateralen Rahmen mit den USA verstärkt; das gehört zum Erhalt der schweizerischen Wettbewerbsfähigkeit. Ein Ziel des Forums müsste es sein, die Einfuhrzölle für verarbeitete Güter von durchschnittlich 4,5 Prozent aufzuheben oder zu senken. Grosse Teile unserer Exportwirtschaft, namentlich die chemische Industrie, der Maschinenbau, die Uhren- und Kunststoffindustrie, sind von hohen Zöllen betroffen. Auch im Dienstleistungssektor existieren noch bedeutende Handelshemmnisse.

Wenn man die Chancen sieht, muss man ehrlicherweise auch die Risiken nennen. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die USA zu grösserem Entgegenkommen bereit sind, ohne ihrerseits die Landwirtschaft mit einzubeziehen. In diesem Punkt ist den Vertretern der Minderheit Recht zu geben. Für die Schweizer Landwirtschaft wären ziemlich grosse Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen. Aber gerade deshalb ist die Forumsidee eine gute Sache. Man verzichtet auf den utopischen grossen Wurf, weil er unwahrscheinlich ist, und man versucht, in weniger umstrittenen Bereichen Fortschritte und Konsens zu erzielen.

Im Ständerat war die Motion traktandiert, als das Forum gerade begann. Es ist jetzt sicher interessant, von Bundesrätin Leuthard über den aktuellen Stand der Verhandlungen und der Themen im Kooperationsforum informiert zu werden.

Ich bitte Sie, diese Motion anzunehmen.

Fehr Mario · Mit-M · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion

Wir haben jetzt eine Debatte über unsere Wirtschaftsbeziehungen zu den Vereinigten Staaten begonnen. Es wurde von den Kommissionssprechern wie auch von meinem Vorredner zu Recht darauf hingewiesen, wie bedeutend diese Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Schweiz sind - für die amerikanische Volkswirtschaft, aber auch für unsere eigene. Der Vorstoss hat in diesem Parlament tatsächlich einige Zeit hinter sich gebracht, und eigentlich - dem ist zuzustimmen - wurde sein Anliegen mit dem Abkommen vom 25. Mai 2006 erfüllt.

Ich glaube, es ist dennoch sinnvoll, sich hier und heute einige Gedanken über diese Wirtschaftsbeziehungen zu machen. Es gibt Kreise in diesem Parlament, die gerne ein Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten hätten. Einem solchen Freihandelsabkommen könnten sicher auch positive Aspekte abgewonnen werden. Es dürfte aber aus unserer Sicht nie und nimmer als Einfallsachse für gewisse Produkte dienen, die wir hier nicht wollen, wie hormonbehandeltes Fleisch oder genmanipuliertes Getreide. So etwas würden wir nicht zulassen, und einem solchen Abkommen würden wir nicht zustimmen.

Diejenigen, die ein Freihandelsabkommen wollen, müssen aber auch wissen, dass ein solches zurzeit wirklich nicht realistisch ist. Wir hatten ja letzten Herbst Gelegenheit, mit einer Delegation der Aussenpolitischen Kommission New York und Washington zu besuchen und auch mit dem State Department über genau die Frage des Freihandelsabkommens zu sprechen. Es war glasklar: Der amerikanische Senat hatte dem amerikanischen Präsidenten ein so enges Korsett bzw. ein "framework" gesetzt, dass es ohne den Einbezug der Landwirtschaft nie und nimmer gegangen wäre. Als wir im Herbst 2006 dort waren, hatte der amerikanische Präsident auch noch Sondervollmachten, um ein solches Freihandelsabkommen abzuschliessen. Diese hat er heute nicht mehr; seit Ende Juni 2007 sind seine Sondervollmachten, was den Abschluss von Freihandelsabkommen anbelangt, abgelaufen. Von daher steht derzeit ein Freihandelsabkommen schlicht und einfach nicht auf der Agenda. Es ist nicht realistisch, und deshalb ist die betreffende Diskussion auch ein bisschen "l'art pour l'art".

Dieses Kooperationsabkommen hingegen ist es nicht. Bei unserem Besuch in den Vereinigten Staaten wurden wir auch mit den Anliegen der Vertreter der schweizerischen Wirtschaft konfrontiert, die uns gesagt haben, welches die real existierenden Probleme der Schweizer Wirtschaft in Amerika sind. Solche Schwierigkeiten gibt es tatsächlich: Die Amerikaner sind schon fast Meister darin, technische Handelshemmnisse gegenüber anderen Staaten aufzubauen. Und das ist genau der Punkt, an dem ich die grüne Fraktion nicht verstehe: Es gibt beispielsweise technische Handelshemmnisse im Sicherheitsbereich; Amerika will gewisse Produkte, bevor sie überhaupt auf dem amerikanischen Markt zugelassen werden, kontrollieren, und zwar hier in der Schweiz. Das ist etwas, was ich nicht akzeptabel finde. Gerade solche Probleme kann man in einem solchen Kooperationsrat aber lösen, besprechen, diskutieren, ausräumen. Wenn wir hier und heute diese Motion ablehnen würden, würde das meines Erachtens für den Bundesrat bedeuten, dass er dieses Kooperationsabkommen kündigen müsste, ein Kooperationsabkommen, von dem ich glaube, dass es seinen Sinn bis heute erfüllt hat, dass es der Schweizer Wirtschaft dient, dass es ein Forum ist, in dem wir mit den Amerikanern gemeinsam Probleme diskutieren können, ohne irgendetwas von unserer Eigenständigkeit aufzugeben.

Von daher wird die sozialdemokratische Fraktion die Motion annehmen, und ich bitte Sie, das Gleiche zu tun.

Leuthard Doris · BR-F · Bundesrat · Aargau

Die Diskussion ist jetzt tatsächlich sehr allgemein geworden. Aber ich danke dafür, denn effektiv ist es natürlich so - das wurde auch korrekt mit den Zahlen wiedergegeben -: Die USA sind für die Schweiz wirtschaftlich enorm wichtig, nicht nur als Handelspartner, sondern eben auch als Investor. Deshalb pflegen wir diese Beziehungen sehr intensiv, sie sind wichtig. Die USA schätzen die Schweiz auch: Sie haben hier sehr viele amerikanische Headquarters installiert, die von der Schweiz aus den europäischen Markt bearbeiten.

Wir pflegen diese Beziehungen, wie Sie aus der Stellungnahme des Bundesrates ersehen konnten, seit Mai 2006 im Rahmen dieses Forums. Dieses Forum hat sich tatsächlich entwickelt. Die letzte Errungenschaft stammt vom Juni dieses Jahres, als wir in Washington ein Amtshilfeabkommen im Zollbereich abschliessen konnten. Die unterschiedlichen Zölle im Bereich der Industriegüter machen uns nicht das grosse Bauchweh, denn Zölle von 4 Prozent sind international sehr bescheiden. Aber was für unsere Unternehmen kompliziert ist, ist die Abwicklung am Zoll, sind die ganzen Formalitäten, auch durch die Sicherheitsanforderungen nach der Katastrophe vom 11. September 2001 in New York. Jetzt, mit diesem Amtshilfeabkommen, haben wir hier eine konkrete Verbesserung erreicht, und wir werden weiter in diesem Bereich tätig sein. Deshalb ist der transatlantische Dialog, Herr Fehr, tatsächlich eine Hilfe. Denn die EU hat natürlich im Rahmen der Zollabfertigungen dieselben Vorschriften, und wir profitieren eigentlich gegenseitig von diesem Dialog, der stattfindet und der sich inhaltlich um die genau gleichen Geschäfte dreht.

Es ist auch nicht einfach, bei dem Forum Themen zu einem Abschluss zu bringen. Der Bereich Landwirtschaft wurde erwähnt. Hier würde ich gerne vorwärtskommen, aber gerade hier ist es auch im Rahmen des Forums nicht ganz einfach. Die Amerikaner würden gerne Schweizer Wein auf ihren Märkten und in ihren Gestellen haben. 95 Prozent unseres Weines konsumieren wir aber selber. Wir haben also relativ geringe Möglichkeiten, diesen überhaupt zu exportieren, es sei denn, wir weiten die Mengen aus, und das hat ja auch nicht unbedingt mit Qualitätssteigerung zu tun.

Biofleisch wäre eine interessante Sache für die Schweiz. Hier haben wir die Problematik, dass in den USA "bio" anders definiert wird als in der EU und in der Schweiz. Das sind keine einfachen Verhandlungen, aber wir führen sie.

Wo ich eigentlich zuversichtlich bin, dass ein Durchbruch gelingt, ist im Bereich E-Commerce, wo wir hoffen, noch dieses Jahr ein Abkommen unterzeichnen zu können. Wir arbeiten an Vorbereitungen für einen Besuch meiner Kollegin Susan Schwab noch in diesem Jahr in der Schweiz, aber das würde voraussetzen, dass wir diese Bemühungen zu einem konkreten Abkommen führen können. Die Kontakte finden regelmässig statt. Sie sind natürlich sehr oft technischer Natur, aber das ist der Weg: pragmatisch. Ich darf auch sagen, dass Economiesuisse und das Swiss American Chamber of Commerce sehr wertvolle Partner sind, die uns konkret melden, wo unsere Unternehmen auf Hindernisse treffen, die wir allenfalls beseitigen können. So gehen wir Schritt für Schritt diese Probleme an.

Es wurde zu Recht von den Kommissionssprechern und auch von einzelnen Votanten erwähnt, dass ein Freihandelsabkommen für den Bundesrat derzeit wirklich keine Option ist. Die Situation im Januar 2006, die zur Ablehnung eines Mandates geführt hat, präsentiert sich heute nicht wesentlich anders. Ausnahmen im Bereich der Landwirtschaft, die für uns nötig wären, sind sehr schwierig zu erreichen, und wenn, dann nur in beschränktem Ausmass, wie man das etwa bei Südkorea gesehen hat.

Im Weiteren - es wurde von Herrn Fehr erwähnt - ist die Trade Promotion Authority des amerikanischen Präsidenten ausgelaufen, und insofern ist ein Freihandelsabkommen derzeit gar nicht möglich; es stecken auch Freihandelsabkommen im Kongress fest, die jetzt einfach gar nicht ratifiziert werden. Deshalb halten wir diese Option bis zur Wahl eines neuen Präsidenten bzw. eines Präsidenten mit einer entsprechenden Ermächtigung offen, aber wir gehen sie nicht aktiv an. Umso mehr würde es mich freuen, wenn das Parlament und der Bundesrat auch unsere Abklärungen und Bestrebungen, mit der EU in der Ernährungswirtschaft ein Abkommen abzuschliessen, unterstützen würden.

Eine Bemerkung noch an die Adresse von Herrn Müller zu seiner Bemerkung zum Hormonfleisch: Hier muss ich Sie aufklären. Wir haben mit den USA für US-Beef klare Regelungen. Heute kann schon hormonbehandeltes US-Beef in den Schweizer Markt importiert werden, aber es ist nicht mehr nachweisbar. Wir haben eine klare Lösung gefunden. Übrigens ziehen die Schweizer Kunden dieses US-Beef dem hormonfreien vor. Das ist die bestehende Marktsituation. Insofern haben wir mit den USA das Problem gelöst. Die EU ist im Gegensatz zu uns in einem Panel-Streit bei der WTO auf der Suche nach einer Lösung. Insofern glaube ich auch hier: Wir verfolgen den Weg der Annäherung, von pragmatischen Lösungen im Bereich dieses Forums. Dafür stehen mein Departement und der ganze Bundesrat ein. Wir nutzen diese Kontakte auf allen Ebenen. Die Beziehungen sind sehr freundschaftlich. Das wird sicher unsere weitere Priorität sein.

Ich bitte Sie daher, im Sinne der Kommissionsmehrheit zu entscheiden.

Müller Geri · Mit-M · Nationalrat · Aargau · Grüne Fraktion

Vielen Dank für die Information bezüglich Hormonfleisch. Noch ganz kurz eine Frage: Wie schätzen Sie die Gefahr ein, die Mario Fehr moniert hat, dass mit der Ablehnung dieser Motion sämtliche Verträge oder Vereinbarungen aufgelöst würden, und worauf würde das gründen?

Leuthard Doris · BR-F · Bundesrat · Aargau

Ich könnte einer Ablehnung der Motion nur dann zustimmen, wenn man diese Ablehnung folgendermassen auslegen würde: Die Motion ist erfüllt, und zwar in dem Sinne, dass wir dieses Forum vereinbart haben. Alles andere wäre für mich ein völlig falsches Signal an die USA und die Wirtschaft. Ihre Bedenken kann ich nachvollziehen, aber ich teile sie nicht. Ich bin auch hier der Meinung, dass Angstmacherei nichts nützt. Wenn man unterschiedliche Standards hat, gerade im Lebensmittelbereich, dann geht es nur um die Frage: Erhält man Ausnahmen und somit Verständnis, dass das politisch wichtig ist, oder nicht? Sie werden diese Diskussion im Rahmen der Einführung des Cassis-de-Dijon-Prinzips führen, bei dem es auch darum geht, welche Ausnahmen, welche anderen Standards als in der EU, Sie politisch beschliessen wollen. Wir werden diese Diskussion in einem Jahr führen können. Ich hoffe, dass Sie sich auch dort gleich positionieren, aber auch auf pragmatische Weise. Wo es Hindernisse gibt, die viel kosten, müssen wir sie abschaffen. Wo es Hindernisse gibt, die einen Nutzen für den Konsumenten haben, die wichtig sind, muss man sie aufrechterhalten. Das wird dann die grosse Diskussion sein.

Darbellay Christophe · Mit-M · Nationalrat · Wallis · Christlichdemokratische Fraktion

Je ne vais pas être très long puisque, visiblement, seul le groupe des Verts s'oppose à cette motion.

Il ne s'agit pas ici, et vous l'aurez compris, de discuter du bien-fondé d'un accord de libre-échange avec les Etats-Unis. Le principe d'un tel accord a été refusé pour la raison qu'on connaît: il aurait causé des difficultés pratiquement insurmontables à l'industrie textile, à l'agriculture ou encore à d'autres secteurs.

Le rejet de cette motion pourrait conduire, et ce serait un mauvais signal à l'intention des Etats-Unis, à dénoncer la création de ce forum qui a déjà été décidée. En outre, par rapport à l'argument selon lequel le risque existe que la Suisse devienne le cheval de Troie des Etats-Unis en Europe puisqu'elle est le seul pays au centre de l'Europe à être non membre de l'Union européenne, je dirai ceci: s'il faut soutenir, bien évidemment, la poursuite de la voie bilatérale si importante pour l'emploi et pour notre économie, il ne faut bien sûr pas négliger tous les autres partenaires commerciaux, avec qui il s'agit d'approfondir nos relations, de régler des problèmes concrets pour les petites et moyennes entreprises, de faciliter les échanges de biens et de services, et d'en curager les investissements réciproques.

Nous ne voulons évidemment pas d'accord de libre-échange intégral, mais des accords sectoriels entre la Suisse et les Etats-Unis. Chaque fois que nous pouvons trouver une bonne solution pour les deux pays, il s'agit de pousser dans cette direction. C'est le sens du forum d'échanges qui est créé entre la Suisse et les Etats-Unis.

C'est ainsi que la majorité de la commission vous invite à adopter la motion Briner et à rejeter par là même la proposition de la minorité.

Markwalder Bär Christa · Mit-F · Nationalrat · Bern · Freisinnig-demokratische Fraktion

Ich lasse durchaus die Kritik gelten, dass eine Motion behandelt wird, die in Tat und Wahrheit eigentlich bereits erfüllt ist. Deshalb stellt sich auch die Frage, was denn theoretisch geschehen würde, wenn die Motion nicht angenommen würde. Ich würde auch mit der Bundesrätin einiggehen, dass das Kooperationsforum bzw. der ihm zugrundeliegende Vertrag nicht aufgekündigt werden müsste, wenn diese Motion, die eigentlich zur Unterstützung des Kooperationsforums und des eingeschlagenen Weges eingereicht wurde, nicht angenommen würde. Es könnte so interpretiert werden, dass einfach der Status quo gelten oder das Parlament in diesem Bereich seine Willensbekundung oder seine Unterstützung vorderhand nicht zugestehen würde. Gleichzeitig können wir auch im Rahmen des Aussenwirtschaftsberichtes und der Aussenwirtschaftsstrategie jedes Jahr umfassend die Aussenwirtschaftspolitik des Bundesrates kommentieren. Auch unsere Kommission hat die Gelegenheit, sich regelmässig über die erzielten Fortschritte zu informieren bzw. ihre Meinung dazu kundzutun.

Wir haben es in eigentlich allen Voten gehört: Die USA sind ein äusserst wichtiger wirtschaftlicher Partner für die Schweiz, und deshalb ist eben auch eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit für beide Seiten von Vorteil. Frau Bundesrätin Leuthard hat ausgeführt, dass konkrete Verbesserungen erreicht worden sind. Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass es eben vereinzelte Branchen gibt - gerade jene, bei denen die Struktur aus kleinen und mittleren Unternehmungen besteht -, die heute nach wie vor Mühe haben, aufgrund tarifärer und zum Teil auch nichttarifärer Handelshemmnisse ihre Produkte im US-Markt abzusetzen. Bei der Landwirtschaft scheint heute weniger ein unüberwindbares Hindernis zu bestehen als noch seinerzeit, als nach den exploratorischen Gesprächen vom Bundesrat entschieden wurde, nicht auf die Verhandlungen einzutreten, da sich die USA im Zusammenhang mit dem Freihandelsabkommen mit Südkorea offenbar etwas flexibler gezeigt haben als bei den exploratorischen Gesprächen mit der Schweiz.

Schliesslich - auch die Frau Bundesrätin hat es gesagt -: Die neue Präsidentschaft in den USA wird die Chance bringen oder das "window of opportunity" auch wieder öffnen, um einen neuen Anlauf für ein bilaterales Freihandelsabkommen zu machen. Es ist nicht richtig, wenn man ein solches Freihandelsabkommen mit der Schweiz in diesem Zusammenhang als Trojanisches Pferd der USA bezeichnet. Die richtige Strategie - die haben wir auch mehrmals im Zusammenhang mit dem Aussenwirtschaftsbericht besprochen - ist, das eine zu tun und das andere nicht zu lassen. Das heisst, dass wir mit unserem grössten und engsten Handels- und Wirtschaftspartner, der Europäischen Union, sehr enge und gute bilaterale Beziehungen pflegen und diese vertiefen, dass wir aber auch mit anderen Staaten wie den USA, die eben ein grosses, beträchtliches Handelsvolumen und noch ein viel beträchtlicheres direktes Investitionsvolumen in sich bergen, auch sehr enge Beziehungen suchen.

Ich bitte Sie, die Motion des Ständerates (Briner) anzunehmen und in diesem Sinne Ihrer APK zu folgen.

Egerszegi-Obrist Christine · P-F · Nationalrat · Aargau · Freisinnig-demokratische Fraktion

Die Kommission beantragt, die Motion anzunehmen. Die Minderheit Jutzet beantragt, die Motion abzulehnen.

Verfahrensbeitrag

Abstimmung - Vote

Für Annahme der Motion .... 119 Stimmen

Dagegen .... 17 Stimmen