07.3652
Autoverlad am Gotthard
Brändli Christoffel · P-M · Ständerat · Graubünden · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Der Interpellant ist von der schriftlichen Antwort des Bundesrates teilweise befriedigt. Er beantragt eine kurze Diskussion. - Sie sind damit einverstanden.
Inderkum Hansheiri · Mit-M · Ständerat · Uri · Fraktion CVP/EVP/glp
Herr Bundesrat, hätte ich gewusst, dass diese Interpellation heute behandelt wird, hätte ich sie womöglich nicht eingereicht, denn ich weiss, dass die Verantwortlichen der Bahn heute mit anderen und schwierigeren Problemen konfrontiert sind, als sich mit dem Gegenstand meiner Interpellation zu befassen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass es richtig ist, dass die Sache wieder einmal auf den Tisch des Hauses kommt.
Ich möchte zunächst dem Bundesrat für die Antwort danken. Der Bundesrat erachtet es "zum jetzigen Zeitpunkt nicht als sinnvoll, die Einrichtung eines ständigen Autoverlades am Gotthard zu prüfen". Der Bundesrat führt verschiedene Gründe an, es ist eine umfassende Auslegeordnung. Allerdings finden sich nur Gründe dagegen und keine dafür, und ich meine, dass es durchaus auch Gründe dafür gäbe. Aber von den Gründen, die der Bundesrat anführt und die dagegen sprechen, sind auch für mich einige durchaus nachvollziehbar. Zu denken ist insbesondere an die Tragbarkeit, mit Blick auf die zu tätigenden baulichen und betrieblichen Investitionen.
Dennoch bitte ich Sie, Folgendes zu bedenken: Nach der doch recht deutlichen Ablehnung des Gegenvorschlages zur Avanti-Initiative vor rund vier Jahren ist realistischerweise davon auszugehen, dass die Erstellung einer zweiten Röhre am Gotthard auf absehbare Zeit vom Tisch ist. Auf der anderen Seite - dies schreibt auch der Bundesrat - muss die bestehende Röhre in den nächsten Jahren saniert werden; man spricht etwa vom Jahre 2020. Es ist meines Erachtens davon auszugehen, dass es eine grössere Sanierung sein wird. Es wird eine Sanierung sein, die entsprechende Zeit beanspruchen wird; und es wird auch eine Sanierung sein, die natürlich mit substanziellen Eingriffen in den Verkehrsfluss, sprich in die Kapazitäten verbunden sein wird. Der Bundesrat schreibt, es sei aus heutiger Sicht zweckmässig, einen Autoverlad im Hinblick auf diese Sanierung zu prüfen. Ich meine, dass die Einführung eines Autoverlades im Hinblick auf diese Sanierung in jedem Fall erforderlich sein wird.
Weil dies eben über längere Zeit der Fall sein wird, wird man dann auch gewisse Erfahrungen sammeln können, mit Blick auf eine allfällige Wiedereinführung eines dauernden und regelmässigen Autoverlades.
Der Blickwinkel dieser Interpellation ist ohnehin auf die Zeit nach der Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels gerichtet. Letztlich geht es beim Anliegen natürlich auch um die Erhaltung der Bergstrecke, die ja nicht nur für das obere Reusstal und die Leventina, sondern für die ganze Gotthardregion von Bedeutung ist.
Leuenberger Moritz · BR-M · Bundesrat · Zürich
Ich sage das Folgende einfach, damit Herr Inderkum nicht denkt, wir würden vor lauter anderweitigen Problemen dieses an sich berechtigte Anliegen nicht sehen.
Die Schwierigkeiten, die wir in der Antwort auf die Interpellation geltend gemacht haben, sind eigentlich zweierlei Natur: Das eine ist das Finanzielle. Das ist eine Schwierigkeit - wir haben es in der Antwort ja schon gesagt -, weil der Autoverlad dann faktisch nur in den Stosszeiten zum Zug käme. Ausserhalb der Stosszeiten würden die Leute fröhlich unten durch fahren. Weil der Autoverlad auf die Stauzeiten - z. B. an Ostern - beschränkt wäre, wäre der Aufwand, der nötig ist, um ihn einzurichten und zu betreiben, unverhältnismässig gross. Das ist das eine Problem, das wir sehen. Das andere: Auch wenn man ihn jetzt für einen ständigen Betrieb einrichten würde, würden die Zufahrts- und Abfahrtsrampen das ohnehin enge Tal und seine Bewohner belasten.
Aber wir wollen das Problem in Zusammenhang mit der Sanierung des Tunnels angehen, und vielleicht ergibt sich dann ja eine Lösung, die in Spitzen- und Notzeiten wieder aufgegleist werden kann. Sie haben damals nach dem Unfall, als der Gotthardtunnel gesperrt wurde und man das einzurichten versuchte, gesehen, dass es eine relativ lange Anlaufzeit braucht, bis so was funktioniert. Die Bahn kann also nicht immer parat sein und den Autoverlad von einem Tag auf den andern auf die Beine stellen. Aber bei der Sanierung des Tunnels haben wir eine genügend lange Anlaufzeit. Und dann möchten wir in diesem Projekt auch Ihr Anliegen prüfen, nämlich die Frage, wie man den Autoverlad so einrichten kann, dass man ihn später zumindest in einzelnen Zeitabschnitten benutzen kann.