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Administration fédérale. 20 pour cent de postes à temps partiel pour les hommes d'ici à 2020
Markwalder Christa · P-F · Conseil national · Berne · Groupe libéral-radical
Präsidentin (Markwalder Christa, Präsidentin): Die Motion Trede wurde von Herrn Fricker übernommen.
Fricker Jonas · Mit-M · Conseil national · Argovie · Groupe des VERT-E-S
Dies vorneweg: Ich war das ganze Leben Teilzeit angestellt und Vollzeit engagiert.
Lassen Sie mich einleitend das Problem auf den Punkt bringen: Bestehende Ungleichheiten führen dazu, dass Menschen nicht so viel arbeiten können, wie sie wollen, und nicht das arbeiten, was sie am besten können. Es gelingt uns also nicht, Rahmenbedingungen zu schaffen, um Arbeitsressourcen optimal einzusetzen. Der Arbeitsmarkt braucht aber Arbeitskräfte, welche die Bedürfnisse der Wirtschaft qualitativ und quantitativ möglichst optimal abdecken.
Wie präsentiert sich nun die Situation in der Schweiz? Väter beziehungsweise Männer übernehmen vorwiegend die Erwerbsarbeit und die entsprechende Verantwortung, Mütter beziehungsweise Frauen die Haus- und Familienarbeit mit den entsprechenden Verantwortungen. Dies führt zu einer suboptimalen Ressourcenallokation. Oder positiv ausgedrückt: In der Chancengleichheit von Frau und Mann liegt ein grosses Potenzial, um das wirtschaftliche Wachstum zu fördern und dem Fachkräftemangel zu begegnen.
Denken wir doch mal an unsere Bildungsinvestitionen. Unsere Bildung ist top, aber wir bringen längst nicht alle PS auf den Boden. Ein Beispiel: Es werden nur 41 Prozent aller Universitätsabschlüsse von Männern gemacht, trotzdem sind Frauen in den einkommensstarken Berufen nach wie vor untervertreten. Wenn wir davon ausgehen, dass die Natur Talente und Potenziale zwischen Männern und Frauen gleich verteilt hat, ist jede Ungleichverteilung der Geschlechter im Arbeitsmarkt eine Verschleuderung von Talenten und Bildungsinvestitionen.
Kommen wir zur betriebswirtschaftlichen Sichtweise: Wie etliche Studien belegen, bringen Gender Equality und Diversity messbarer Mehrwert für das betriebswirtschaftliche Ergebnis. Gemischte Teams sind produktiver und kreativer. Familienfreundliche Arbeitsbedingungen erhöhen die Produktivität und das Commitment der Arbeitnehmenden. Dabei reduzieren sie Fluktuation, Fehler und Krankheitsabsenzen. Das Angebot von Teilzeitarbeit für Männer ist dazu ein wichtiger Hebel. Wenn wir mehr Erwerbsarbeit von Frauen fordern, müssen wir aber auch überlegen, wer an ihrer Stelle die Familienarbeit macht. Gerade aber ihre Männer, die Väter kleiner Kinder, haben heute schon ein grosses Vereinbarkeitsproblem. Wir können doch nicht blind erwarten, dass sie auf die 73 Stunden, die sie heute im Durchschnitt schon arbeiten, nochmals 20, 30 oder 40 Prozent obendrauf packen. Dabei geht es auch darum, das Beschäftigungsrisiko Elternschaft fair zu verteilen. Denn die Schere zwischen Mann und Frau öffnet sich genau zum Zeitpunkt der Familiengründung. Erst wenn Frauen das Vertrauen haben, dass Männer die familiäre Verantwortung wirklich zu teilen bereit sind, erst dann schnappt die Traditionsfalle bei der Familiengründung nicht mehr zu. Die Freiheit, das Familienmodell so zu wählen, wie es der Familie entspricht, würde grösser.
All dies weiss der Bund, und er hat auch Massnahmen ergriffen. Leider greifen sie nicht. Gerade mal 7 Prozent aller Bundesverwaltungsangestellten sind Männer, die Teilzeit arbeiten. Dieser Wert liegt klar unter dem schweizerischen Durchschnitt. Auch die in der Antwort beschriebene Zunahme von 15 Prozent ist keine Eigenleistung der Verwaltung. Sie bildet nur den generellen schweizweiten Trend ab. Damit der Bund endlich eine Vorreiterrolle beim wichtigen Chancengleichheitshebel Teilzeitarbeit übernimmt, müssen wir ihm ein konkretes Ziel setzen. 20 Prozent Teilzeitstellen für Männer bis 2020 ist ein sinnvolles Ziel. Damit würden Freiheit und Leistungsfähigkeit von Männern, Frauen, Gesellschaft und Wirtschaft zunehmen.
Maurer Ueli · BR-M · Conseil fédéral · Zurich
Gestatten Sie mir vorab die Frage, an wem es liegt: An den Männern, die nicht Teilzeit arbeiten wollen? Oder am Bund, der die Arbeitsstellen nicht zur Verfügung stellt? Ich glaube, es liegt wahrscheinlich an beiden. Aber hier eine Forderung zu stellen, wie es die Motion macht, ist wahrscheinlich nicht zielführend.
Der Bund hat ja bereits verschiedene Massnahmen getroffen. Seit dem 30. Juni 2010 wird jede Vollzeitstelle, sofern es betrieblich möglich ist, als Teilzeitstelle ausgeschrieben, also mit einem Pensum von 80 bis 100 Prozent - jede Stelle, achten Sie auf unsere Ausschreibungen! Es gibt einige Stellen, bei denen das nicht möglich ist, egal ob für Männer oder für Frauen. Das Angebot besteht also, es wird aber halt nicht immer so genutzt, wie Sie sich das wünschen. Gleichzeitig haben wir seit dem 1. Juli 2013 die Möglichkeit der Reduktion bei der Geburt eines Kindes. Man kann also um 20 Prozent reduzieren, man hat ein Anrecht darauf, um 20 Prozent zu reduzieren. Das Anstellungspensum darf nicht unter 60 Prozent fallen. Auch hier haben wir also die entsprechenden Möglichkeiten bereits geschaffen.
Wir sind der Meinung, dass das Instrumentarium ausreichend ist. Wir haben in allen Bereichen die Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten, sowohl für Männer wie für Frauen, aber wir können nicht mit einer fixen Quote Familienpolitik oder Gesellschaftspolitik betreiben. Ich glaube, das Angebot besteht, es wird genutzt. Die Annahme der Motion ist nicht notwendig, weil sie wahrscheinlich nicht dazu führt, dass der Anteil erhöht wird; diese 20 Prozent, die Sie fordern, bestehen heute zweifellos. Man könnte sie nutzen, wenn man wollte; die Möglichkeit besteht. Damit ist die Annahme der Motion aus unserer Sicht nicht notwendig, es funktioniert bereits entsprechend.
Ich bitte Sie, die Motion abzulehnen, und warte gerne auf die Frage.
Fricker Jonas · Mit-M · Conseil national · Argovie · Groupe des VERT-E-S
Geschätzter Herr Bundesrat, wie erklären Sie sich, wenn das Angebot besteht, dass die Bundesverwaltung bei der Teilzeitarbeit von Männern so viel schlechter dasteht als die Wirtschaft?
Maurer Ueli · BR-M · Conseil fédéral · Zurich
Das hängt möglicherweise auch mit der Struktur der Arbeitsplätze zusammen. Wenn Sie unsere 35 000 Arbeitsplätze anschauen, dann stellen Sie fest, dass davon etwa 14 000 Uniformierte, entweder Grenzwächter oder Militärs, sind. Dort ist die Möglichkeit zum Teilzeitpensum einfach weniger gegeben, weil man auswärts arbeitet. Das Angebot wird dort auch weniger genutzt. Wenn wir den Anteil der Männer mit Teilzeitbeschäftigung auf den Rest beziehen, stehen wir wahrscheinlich ähnlich da wie die Wirtschaft. Ich glaube, das hängt durchaus mit diesem Anteil der Uniformierten zusammen, die etwas andere Arbeitsbedingungen haben.
Vote
Präsidentin (Markwalder Christa, Präsidentin): Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
Abstimmung - Vote
Für Annahme der Motion ... 52 Stimmen
Dagegen ... 131 Stimmen
(5 Enthaltungen)