15.4156
Die Expansion der bundesnahen Swisscom in neue Geschäftsfelder prüfen
Bischofberger Ivo · P-M · Ständerat · Appenzell I.-Rh. · CVP-Fraktion
Präsident (Bischofberger Ivo, Präsident): Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
Kuprecht Alex · Mit-M · Ständerat · Schwyz · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Es würde wohl nicht ganz der Wahrheit entsprechen, wenn ich behaupten würde, der Entscheid der vorberatenden Kommission habe mich völlig überrascht. Nun, die Kommission beantragt ja praktisch einstimmig, das vorliegende Postulat abzulehnen. Dabei verweist sie auf das Postulat von Herrn Nationalrat Schilliger (15.3880), der einen Bericht über die Wettbewerbssituation zwischen staatsnahen oder sich mehrheitlich in staatlichem Besitz befindenden Unternehmungen verlangt. Dieses Postulat wurde ja bekanntlich angenommen. Eine solche Überprüfung finde ich grundsätzlich richtig. Dagegen habe ich auch gar nichts einzuwenden. Die dabei zur Überprüfung stehenden Bundesbetriebe oder bundesnahen Betriebe sind aus meiner Sicht jedoch völlig unterschiedlich aufgestellt und haben völlig unterschiedliche Ausgangslagen.
Mein Postulat zielt deshalb primär auf die Swisscom ab, denn die Swisscom ist in Bezug auf Datentransfers oder Datenkumulationen besonders affin. Diese mit einer knappen Mehrheit noch durch die Eidgenossenschaft kontrollierte und durch die Eignerstrategie des Bundes gesteuerte Unternehmung ist im Rahmen der künftigen strategischen Ausrichtung mit der Werbevermarktungsfirma, einem Konglomerat von Swisscom, Ringier und SRG, meines Erachtens jedoch ein Joint Venture eingegangen, das insgesamt zu einer Datenmenge Zugang haben wird, die in Bezug auf ein künftiges Risikomanagement nicht ganz unproblematisch sein wird. Diese Daten werden innerhalb der genannten Werbevermarktungsfirma zur Nutzung frei zugänglich sein. Zu dieser Datenplattform kommt noch die Swisscom-Plattform für administrative und medizinische Informationen in Spitälern, Pflegeheimen oder Arztpraxen in einem weiteren Bereich hinzu, in dem sehr sensible Daten vorhanden sein werden.
Frau Bundesrätin, ich bin nicht gegen eine Weiterentwicklung der Swisscom. Im Gegenteil: Sie muss sich zwingend in der heutigen und vor allem der künftigen technologischen Entwicklung weiter entfalten können. Dazu sind alle Bestrebungen zu unterstützen, die die Swisscom in ihrem Kerngeschäft, der Telekommunikation und der Datenübermittlung, weiterhin zur führenden Unternehmung der Schweiz, in Europa oder sogar weltweit qualifizieren. Ob jedoch im Rahmen dieser Bemühungen ein Joint Venture mit einem Grossverteiler zur Service-public-Aufgabe gehört, wage ich zu bezweifeln.
Grosse Sorgen machen mir jedoch insbesondere die Risiken bezüglich Datenschutz. Jede Firma ist den heutigen und künftigen Cyberrisiken ganz besonders ausgesetzt. Je grösser die Datenmenge oder die zusammenhängenden Datenplattformen sind, desto interessanter sind sie, und desto grösser sind die Risiken, durch das Eindringen in eine Plattform auch Zugang zu Plattformen von Verbünden zu erhalten. Ein Beispiel einer derartigen Gefährdung haben wir in diesem Jahr gerade auf Bundesstufe bitter erfahren müssen. Man stelle sich vor, dass ein derartiger Angriff auf diese verbundenen Plattformen gerichtet ist und einen immensen Schaden für Firmen und Privatpersonen anrichtet. Schadenersatzklagen und Fragen der Staatshaftung lassen grüssen.
Ich bin der vollen Überzeugung, dass im Rahmen der periodischen Beurteilung der Eignerstrategie auf die Frage des effektiven Service-public-Auftrages, der Cyberrisiken und der möglichen Konsequenzen finanzieller Natur für den Bund ein ganz besonderes und erhöhtes Augenmerk gelegt werden muss. Nicht alles, was einer geschäftlichen Weiterentwicklung und der Verbesserung der Ertragskraft und Ertragsentwicklung dienlich ist, ist langfristig auch gut für die Firma und insbesondere für die Reputation des Eigners. Beispiele derartiger Negativentwicklungen haben wir leider in den vergangenen Jahren in der Finanzindustrie genügend erleben müssen. Die Milliarden Franken an Bussen lassen hier ebenfalls grüssen.
Ich ersuche Sie, Frau Bundesrätin, diesen nun dargelegten Beweggründen ein ganz besonderes Augenmerk zu schenken und dem eigentlichen Geschäftssinn der bundeseigenen oder bundesnahen Betriebe eine prioritäre Bedeutung zukommen zu lassen. Der Anreiz, dass sie auf abwegige Pfade geraten, ist gross. Die Forderung nach zusätzlichen Gewinnablieferungen zugunsten des Eigners Bund erscheint verlockend, ist meines Erachtens aber gleichzeitig auch sehr gefährlich.
Ich wäre Ihnen, Frau Bundesrätin, dankbar, wenn Sie kurz Stellung nehmen könnten; ich ziehe danach mein Postulat zurück.
Français Olivier · Mit-M · Ständerat · Waadt · FDP-Liberale Fraktion
Le postulat Kuprecht charge le Conseil fédéral d'"indiquer dans un rapport si la politique d'expansion de l'entreprise Swisscom, qui, détenant un immense réservoir de données, investit dans de nouveaux marchés en Suisse, doit faire l'objet d'un examen et de modifications, et, dans l'affirmative, dans quelle mesure".
Notre conseil, le 9 mars 2016, après un débat dûment publié au Bulletin officiel, a transmis le postulat pour examen préalable à sa Commission des transports et des télécommunications. Celle-ci a pris position sur la base de ce dossier durant ses séances des 20 et 21 octobre 2016. Le postulat exige un rapport spécifique sur l'entreprise Swisscom et sur ses projets d'extension, car celle-ci contrôle et gère de grandes quantités de données.
La commission, tout comme le Conseil fédéral, est d'avis qu'il n'y a pas besoin de se déterminer spécifiquement par un rapport sur l'entreprise Swisscom, mais qu'il faut faire part de nos souhaits concernant les nouveaux domaines d'activité dans lesquels se développent les entreprises appartenant majoritairement à la Confédération. Le débat de ce matin sur Car postal (14.3447) en est un exemple.
Dans son rapport annuel au Parlement, le Conseil fédéral fait le point sur l'évolution de la situation et sur les objectifs stratégiques des entreprises appartenant à la Confédération et de Swisscom en particulier. De plus, tant que l'entreprise atteint les objectifs stratégiques que le Conseil fédéral a définis, celui-ci n'a pas à s'ingérer dans l'activité de l'entreprise.
Le problème des données en tant que telles est bien entendu un point auquel nous sommes tous attentifs. L'entreprise Swisscom doit se conformer aux dispositions législatives, et nous nous attendons à ce que les règles en matière de protection des données soient respectées, tout comme dans les autres entreprises. Le Conseil fédéral estime pour sa part que sa tâche n'est pas de restreindre l'utilisation des données réunies par Swisscom ni d'affaiblir la position concurrentielle de Swisscom dans l'ensemble du marché des télécommunications. De plus, s'il y a des distorsions de concurrence en raison d'une position dominante de Swisscom, ce n'est pas le travail du propriétaire de remédier à la situation, mais au régulateur du marché qui est là pour prendre des mesures.
La commission partage cet avis et constate, tout comme le Conseil fédéral, que le postulat Schilliger 15.3880, "L'Etat concurrence-t-il l'économie? Un aperçu de la situation est nécessaire", et celui du groupe libéral-radical 12.4172, "Garantir la liberté économique et lutter contre les distorsions de concurrence créées par les entreprises d'Etat", pour lesquels les travaux sont en cours, sont de même nature que le postulat Kuprecht, tout en étant moins restrictifs. Aussi, la commission estime qu'il n'y a pas de nécessité d'adopter un postulat supplémentaire sur cette thématique.
Si nous pouvons être favorable à mener des réflexions et à réaliser des études, la commission n'est pas convaincue que le postulat Kuprecht apporte de nouveaux éléments aux rapports déjà demandés par notre conseil et qui traitent déjà de ce thème. Le rapport rédigé en réponse au postulat Schilliger abordera divers aspects de la concurrence, de manière générale, et de celle des entreprises proches de l'Etat ou contrôlées par l'Etat par rapport aux acteurs de l'économie privée, en particulier.
La commission estime donc que les entreprises comme Swisscom doivent continuer à se développer sur tout le territoire, sans restriction de leur champ d'action et toujours en respectant les règles de la concurrence.
Tout comme le Conseil fédéral, la commission propose, par 10 voix contre 0 et 2 abstentions, de rejeter ce postulat.
Leuthard Doris · VPBR-F · Bundesrat · Aargau
In Ihrem Votum heute, Herr Ständerat Kuprecht, haben Sie vor allem das Sicherheitsrisiko, Reputationsrisiken und Haftpflichtfragen ins Zentrum gesetzt. In der Begründung Ihres Postulates betreffen die Sorgen mehr die Machtposition der Swisscom, Marktverzerrungen und Wettbewerbsbehinderungen. Das sind meines Erachtens zwei unterschiedliche Fragestellungen.
Wir haben mit dem Postulat Schilliger auch akzeptiert, die berechtigte Frage zu untersuchen, ob wir unseren bundesnahen Unternehmen bei möglichen Entwicklungen und in neuen Geschäftsfeldern wirklich mehr oder weniger freien Lauf lassen wollen. Wir sind daran, das zu untersuchen. Es ist allerdings nicht ganz einfach. Wenn Sie nämlich irgendeinem Unternehmen sagen wollen, hier habe es nichts zu suchen, müssen Sie das im richtigen Zeitpunkt tun, und Sie müssen es begründen. Sie kennen den Bereich E-Health sehr gut. Hätten wir der Post oder der Swisscom von Anfang an verbieten müssen, nur schon daran zu denken, sich in diesem Geschäftsfeld zu betätigen?
Die Swisscom hat den Auftrag, Daten zu übertragen. Ob es Ihre Mobilfunkdaten sind, Festnetzdaten, Daten, die Sie gegenüber Ihrem Arzt oder Versicherer hinterlegen, ob es Geschäftsdaten sind - das spielt in der digitalen Welt immer weniger eine Rolle. Es geht einfach immer um den vertrauenswürdigen, schützenswerten Transport von Daten und um die Frage, wer darauf Zugriff hat. Insofern ist es für uns eben nachvollziehbar, dass das Kerngeschäft der Telekommunikation, der Transport von Daten, sich heute eigentlich praktisch im ganzen Lebensbereich abspielen kann.
Hier stellen sich berechtigte Fragen. Was heisst das für andere Marktteilnehmer? Haben diese Unternehmen, weil sie mehrheitlich dem Bund gehören, auch eine besondere Verantwortung, gewisse Daten offenzulegen, für die Konkurrenz oder die Öffentlichkeit zugänglich zu machen? Inwieweit ist dann mit einer Einmischung eine Marktverzerrung verbunden, die nicht wünschenswert ist? Das sind die Fragen, die wir für Sie im Rahmen des Postulates Schilliger genauer untersuchen.
Sie sprechen zu Recht von Cyberrisiken und auch von Attacken auf Daten. Wir kennen den unschönen Bundesfall, der allerdings nicht vergleichbar ist, weil dort ja auch noch die Verbindung in die Bundesverwaltung eine Rolle spielt. Bei der Swisscom haben wir null Datenverbindungen der Verwaltung ins Unternehmen. Das wäre fatal.
Die Swisscom ist exponiert, ob sie dem Bund oder Privaten gehört. Solche Unternehmen sind Werkspionage ausgesetzt, sie sind Aktivitäten ausgesetzt, die man auf jeden Fall bekämpfen muss. Die Swisscom macht das bisher ja gut. Insofern sind diese Risiken bekannt. Sie werden gemanagt, aber es bleibt wahrscheinlich, wie in vielen Bereichen, ein Restrisiko. Auch hier führen wir mit dem Unternehmen regelmässig Diskussionen darüber, wie das Risikomanagement organisiert wird und ob die Datensammlungen alle in einer Cloud oder getrennt gehostet werden, weil sich das Risiko immer mehr erhöhen würde, wenn die Daten noch gemeinsam in denselben Speichermedien gewartet würden.
Das sind alles berechtigte Fragen, die wir regelmässig mit dem Unternehmen diskutieren. Als Mitglied der GPK sind Sie gerne eingeladen, sich darüber zu informieren. Es ist wichtig, dass sich auch das Parlament hierzu eine Meinung bilden kann und dass man die Sorge um diese Exponiertheit und diese Risiken kennt und regelmässig anspricht. Wenn es ein Unternehmen gibt, das diese Risiken sehr professionell managt, ist das, glaube ich, im Moment die Swisscom. Das kostet auch entsprechend viel. Beim Bund habe ich da, ehrlich gesagt, manchmal grössere Zweifel, nach allem, was ich weiss. Die Swisscom berät ja ab und zu auch den Bund, wie man es geschickter machen könnte.
Ich bin absolut damit einverstanden, dass sich mit zunehmenden Geschäftsaktivitäten auch Cyberrisiken erhöhen und man dem auf der technischen Seite entsprechend Rechnung tragen soll. Sie wissen, wir haben die Strategie Digitale Schweiz im April abgesegnet. Nächstes Jahr werden wir Ihnen die Datenpolitik vorlegen mit den Eckwerten, die die Bundesverwaltung, aber auch die Bundesunternehmen, die ETH und die Forschungsanstalten betreffen, die solche Daten generieren. Das ist dann der entscheidende Zeitpunkt, um zu sagen, was open ist, was geschützt werden muss, was restriktiv zu behandeln und dann mit dem entsprechenden Risikosignal und Schutz zu versehen ist.
Insofern werden wir also an diesem Thema dranbleiben.
Bischofberger Ivo · P-M · Ständerat · Appenzell I.-Rh. · CVP-Fraktion
Präsident (Bischofberger Ivo, Präsident): Herr Kuprecht hat sein Postulat zurückgezogen.
Zurückgezogen - Retiré