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Gestion des phosphates dans le lac de Brienz

28070 · Bulletin officiel

Du 17 sept. 2013

https://lexipedia.io/fr/docs/ch/ab-bo-bu/28070/fr/gestion-des-phosphates-dans-le-lac-de-brienz

Consulté le 13 sept. 2026

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Objet parlementaire: Gestion des phosphates dans le lac de Brienz (11.4158)

11.4158

Gestion des phosphates dans le lac de Brienz

von Siebenthal Erich · Mit-M · Conseil national · Berne · Groupe de l'Union démocratique du Centre

Meine Motion "Phosphatmanagement für den Brienzersee" habe ich vor fast zwei Jahren eingereicht, nachdem ich aus Fischerkreisen auf ein echtes Problem in meiner engeren Heimat aufmerksam gemacht worden war. Untersuchungen haben nämlich gezeigt, dass im Brienzersee seit 2008 fast keine Daphnien mehr vorhanden sind. Die Daphnien oder Wasserflohkrebschen sind ein Millimeter grosse Kleinlebewesen. Sie bilden ein wichtiges Element in der Nahrungskette, denn sie fressen einerseits die im See wachsenden Algen und dienen andererseits als Fischfutter. Besorgniserregend ist der Umstand, dass etwa die Hälfte der im Brienzersee lebenden Felchen, die sogenannten Brienzlig, nicht mehr fortpflanzungsfähig ist.

Ich habe meinen Vorstoss unter anderem damit begründet, dass am Brienzersee sowohl die Biodiversität als auch die Berufsfischerei als gefährdet gelten. Die beiden letzten Berufsfischer am Brienzersee haben in der Zwischenzeit angesichts der ungenügenden Erträge die professionelle Fischerei weitgehend eingestellt. Die Gefährdung der Biodiversität bleibt jedoch akut.

Was will meine Motion? Sie fordert einzig, dass im Rahmen eines Pilotversuchs ermittelt wird, ob über einen teilweisen oder vollständigen Verzicht auf die Phosphatfällung die festgestellten Probleme entschärft werden könnten. Das Bafu und vor allem die Eawag haben sich in der Öffentlichkeit mit polemischen und teilweise tatsachenwidrigen Argumenten gegen das Anliegen ausgesprochen. So wurde behauptet, ein Phosphatmanagement im Brienzersee sei gefährlich und könne zu einem überdüngten See führen. Diese Angst ist völlig unbegründet. Der Brienzersee ist heute extrem nährstoffarm und würde auch nährstoffarm bleiben, wenn bei sämtlichen Abwasserreinigungsanlagen in seinem Einzugsgebiet vollständig auf die Phosphatfällung verzichtet würde.

In seiner Stellungnahme erwähnt der Bundesrat die grossen und erfolgreichen Anstrengungen beim qualitativen Gewässerschutz. Dank den im Gewässerschutzgesetz vorgesehenen Massnahmen konnten fast alle der früher überdüngten Seen wieder in ihren natürlichen Zustand zurückgeführt werden.

Niemand bezweifelt die Erfolge dieser Gewässerschutzpolitik, und niemand will grundsätzlich etwas daran ändern. Aber wie reagiert der Bundesrat auf die extrem gestörte Nahrungskette, auf Probleme, die unten bei den Kleinlebewesen beginnen und am Schluss in zusammengebrochenen Fischbeständen zum Ausdruck kommen? Er geht in seiner Stellungnahme gar nicht auf die biologischen Probleme und deren Ursachen ein. Ich lese kein einziges Wort zu den Problemen bei den Daphnienbeständen und zu den sterilen Brienzlig.

Die Stellungnahme des Bundesrates ist rein gewässerschutzpolitisch motiviert, ohne Einbezug der ökologischen Aspekte. Deshalb sieht der Bundesrat auch keinen Handlungsbedarf. Eine solche Antwort finde ich oberflächlich und inakzeptabel. Ich habe bereits erwähnt, dass seit kurzer Zeit im Brienzersee keine Berufsfischerei mehr betrieben wird. Man könnte nun meinen, damit sei das Problem erledigt und mein Vorstoss überflüssig. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn wir verhindern wollen, dass die Berufsfischerei auf weiteren Seen ausstirbt und in unseren Seerestaurants künftig keine einheimischen Fische mehr auf den Teller kommen, ist jetzt ein Umdenken nötig. Bereits heute ist wegen der ungenügenden Futtermittelbasis, sprich wegen des tiefen Phosphatgehalts, die Fischerei im Thuner-, Walen- und Vierwaldstättersee gefährdet. In diesem Jahr haben auch die Bodensee-Berufsfischer Alarm geschlagen. Der geforderte Pilotversuch am Brienzersee ist deshalb dringend nötig.

Zum Schluss möchte ich darauf hinweisen, dass Fisch bekanntlich ein gesundes Nahrungsmittel ist. Es scheint mir schon ein wenig schizophren, dass wir unsere Seen zu Tode reinigen und Fische aus Asien importieren, die aus Zuchten stammen, welche zum Teil massive Gewässerverschmutzungen verursachen. Ich bitte Sie, den Vorstoss zu unterstützen. Die ökologischen Probleme in den erwähnten Schweizer Seen gebieten es, dass Gegenmassnahmen ernsthaft geprüft werden.

Leuthard Doris · BR-F · Conseil fédéral · Argovie

Herr Nationalrat, der Vorwurf, man habe sich nicht sehr um das Thema gekümmert, ist fehl am Platz. Herr Luginbühl hat im Ständerat ja eine praktisch identische Motion eingereicht (11.4091). Diese wurde in der Kommission und dann im Plenum des Ständerates diskutiert. Wir haben zu diesem Problem Studien der Eawag und der Empa, Sie können sie alle einsehen.

Ihre Argumentation ist ein bisschen fehlerhaft. Der Phosphateintrag hindert die Biodiversität; er fördert sie nicht, wie Sie schreiben, gerade das Gegenteil ist der Fall. Wir haben hierzu die entsprechenden Forschungsergebnisse von der Eawag, einem international renommierten Forschungsinstitut. Die ganze Situation und die Erfahrungen seit den Sechzigerjahren wurden spezifisch für den Brienzersee genau analysiert. Heute ist es tatsächlich so: Der Brienzersee hat ungefähr wieder seinen natürlichen Urzustand erreicht. Der natürliche Zustand ist eben so; der Brienzersee ist ein Bergsee, der per se einen geringen Fischbestand hat.

Das Parlament und auch der Fischereiverband haben uns auf die Reise geschickt, mit dem Wunsch: Wir wollen wieder naturnahe Gewässer. Mit dieser Motion haben Sie vor, wieder ein bisschen zu düngen. Das wäre eigentlich gerade das Gegenteil der Politik, die wir jetzt betrieben haben.

Sie haben zu Recht gesagt, dass in den Studien, die im Ständerat auch diskutiert wurden, ein sinkender Phosphorgehalt festgestellt wurde. Das hat in der Regel eine verminderte Produktion von Biomasse und damit meistens geringere Fischfangerträge zur Folge, denn die Fische finden dann nicht alle das richtige Futter. Insbesondere fehlen Wasserflöhe als Futterbestandteil der Felchen, auf die Sie wahrscheinlich abzielen.

Jetzt hat man aber festgestellt, dass es gerade im Brienzersee vor 1950 gar keine Wasserflöhe gab. Das ist doch spannend: Offenbar haben sich die Felchen anders ernährt. Ihr Speisezettel bestand klar nicht aus Wasserflöhen. Jetzt müsste man herausfinden, was die Felchen heute fressen, um genügend Nahrung zu haben. Sicher ist es nicht Phosphat, was man zugeben müsste, sicher ist es nicht Phosphor, denn das führt dann tatsächlich zu diversen anderen Problemen.

Mehr Phosphat entsprach noch nie der Natur im Brienzersee. Sie sind ja sonst ein Verfechter der naturnahen Landwirtschaft. Das hier wäre also wirklich kontraproduktiv. Der Ständerat hat all diese Studien angeschaut und ist deshalb in Übereinstimmung mit den Erkenntnissen aus Forschung und Lehre zum Schluss gekommen, dass man die Motion ablehnen muss.

Wichtig ist, dass man im Fall des Brienzersees jährlich 25 bis 30 Tonnen Phosphor zugeben müsste, um eine spürbare Veränderung des Phosphorgehalts im Brienzersee zu erzielen. Das sagt auch die Eawag. Entgegen Ihrer Meinung ist in der Gewässerschutzgesetzgebung aber kein numerischer Grenzwert enthalten. Ungesteuert, entsprechend den wissenschaftlichen Empfehlungen, hat die Erhöhung des Phosphatgehalts keine positive Wirkung auf die Biodiversität der Fische. So steht es in Übereinstimmung mit der Gewässerschutzgesetzgebung und den anderen Elementen. Es ist also keine Möglichkeit, die der Kanton mit den Anrainern unter Berücksichtigung des Gewässerschutzgesetzes umsetzen könnte.

von Siebenthal Erich · Mit-M · Conseil national · Berne · Groupe de l'Union démocratique du Centre

Frau Bundesrätin, vielen Dank. Ich frage mich schon: Überall soll man sich weiterentwickeln und sich der Zeit anpassen, während man hier zurück in die Sechzigerjahre geht? Weil es damals so war, soll es auch heute so sein? Tatsache aber ist, dass unsere Seen am "Verarmen" sind. Wieso ist nicht wenigstens ein Pilotversuch möglich? Es handelt sich ja nur um einen Pilotversuch.

Leuthard Doris · BR-F · Conseil fédéral · Argovie

Ein solcher Pilotversuch ist nicht möglich. Wenn Sie damit beginnen, einen See zu düngen, ist das auf Jahrzehnte hinaus nicht mehr rückgängig zu machen, auch wenn man feststellt, dass es falsch war. Ich komme aus dem Kanton Aargau, wir haben dort Probleme mit Dünger im Hallwilersee. Da haben wir unsere Erfahrungen gemacht, es hat zig Millionen Franken gekostet, um wieder so etwas wie ein ökologisches Gleichgewicht zu finden. Deshalb glaube ich, dass ein Pilotversuch nicht möglich ist, aber man kann ausschöpfen, was gemäss den Empfehlungen der Eawag möglich ist.

Vote

Abstimmung - Vote

Für Annahme der Motion ... 59 Stimmen

Dagegen ... 127 Stimmen

(4 Enthaltungen)