20.4173
Nationale Datenkompetenzkampagne. Datenkompetenz (Data Literacy) ist gefragt
Kuprecht Alex · P-M · Ständerat · Schwyz · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Präsident (Kuprecht Alex, Präsident): Herr Rieder ist von der schriftlichen Antwort des Bundesrates teilweise befriedigt und verlangt Diskussion. - Dem wird nicht opponiert.
Rieder Beat · Mit-M · Ständerat · Wallis · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.
Ich habe niemanden gefunden für einen Ordnungsantrag. (Heiterkeit) Deshalb behandeln wir dieses Geschäft. Es geht eigentlich vordergründig um Entscheidgrundlagen. Morgen wird der Bundesrat ja wieder zusammentreten und für das Land wichtige Entscheide treffen. Wenn die Datengrundlage für diese Entscheide nicht gut ist, werden die Bundesräte falsche Entscheide treffen, und wenn die Datengrundlage gut ist, verlässlich ist, werden sie gute Entscheide treffen.
Aus der Antwort des Bundesrates folgere ich, dass er meine Frage und die Problematik der Interpellation nicht ganz verstanden hat. Wie in der Interpellation erklärt wurde, umfasst die Datenkompetenz die Fähigkeit, Daten auf kritische Art und Weise zu sammeln, zu managen, zu bewerten und dann auch anzuwenden. Es geht in meiner Interpellation deshalb nicht um die Nutzung digitaler Medien und technologischer Entwicklungen und deren breitere Implementierung, sondern um einen grundlegend zu verändernden gesellschaftlichen Umgang mit den Daten. Es geht um die Fragen: Wie können wir Daten in enger Abstimmung mit ihrem Verwendungszweck und in Zusammenarbeit mit allen Datenlieferanten überhaupt erheben und bearbeiten? Welche statistischen Erhebungsmethoden und Verfahren, welche Limitationen sind unter welchen Auflagen und in welchen Situationen überhaupt anwendbar? Es geht um die Frage, wie diese Methoden korrekt angewendet werden, damit aus den Daten richtige Schlüsse gezogen werden können. Es geht um die Frage, wie diese Daten und Analyseresultate schlussendlich datenschutzkonform korrekt verwendet, kritisch bewertet und ausgewertet werden können. Und es geht um die Frage, wie wir die Medien in die kompetente Transmission der erheblichen Daten einbinden können.
Die aktuelle Entwicklung im Verlaufe der Corona-Pandemie hat mir leider gezeigt, dass wir in der Schweiz weit davon entfernt sind, rasch und effizient statistisch zuverlässige, brauchbare Daten für eine datenbasierte Krisenführung zu erheben, sie zielführend zu interpretieren, zu publizieren und verständlich zu kommunizieren. In einem harzigen Lernprozess kam es aufgrund vielfältiger Kritik zu mehrfachen Anpassungen und Optimierungen in den Datenerhebungs- und Publikationsmodalitäten. Wechselnde Teststrategien wurden in den publizierten Daten und Grafiken kaum sichtbar gemacht, und deren Einfluss auf die Dateninterpretation wurde nur zögerlich kommuniziert. Die Dunkelziffern zu Covid-Erkrankungen und -Todesfällen sind immer noch nicht zuverlässig abschätzbar, und es wurde keine nachhaltige statistische Stichprobenanalyse eingeführt. Solche Daten hätten es vielleicht ermöglicht, trotz wechselnder Teststrategien und der Vermischung von Covid-Wellen mit den häufigen Erkältungskrankheiten im Winter eine langfristig vergleichbare und für Hochrechnungen brauchbare Datenbasis zu schaffen, dank der durch rechtzeitige Einleitung adäquater Massnahmen wiederholte Lockdowns hätten verhindert werden können. Darum geht es in dieser Interpellation.
Dass es zu einer zweiten Covid-Welle im aktuellen Ausmass kommen konnte, zeugt davon, dass die allgemeine Datenkompetenz in der Schweiz leider absolut ungenügend ist. Ebenfalls können viele der aktuellen Konflikte und gesellschaftlichen Polarisierungen damit erklärt werden, dass die Selbstverständlichkeit, Daten in ihrem Kontext zu analysieren und zu interpretieren, bei Weitem nicht gegeben ist. Ebenso wenig ist es in der Schweiz gelungen, eine kohärente, nachvollziehbare Interpretation der vorhandenen Datenentwicklung und der divergierenden regionalen Entwicklungen verständlich zu kommunizieren. Dass der Bundesrat in Anbetracht der aktuellen Lage zum Schluss kommen kann, dass es keine flächendeckende, fachlich kompetente nationale Datenkompetenzkampagne braucht, die zur Stärkung der Datenkompetenz in der Bevölkerung und zu einer verlässlichen Datenkultur führt, ist für mich daher nicht verständlich.
Diese Anfrage mit Verweis auf Educa Swiss abzuweisen, ist wenig sinnvoll, da dieses Schweizer Medieninstitut für Bildung und Kultur eine gemeinnützige Genossenschaft ist, die Qualitätsentwicklung im Bildungssystem mit neuen Technologien unterstützt. So eine Kernkompetenz - das erfahren meine Knaben - liegt im Bereich der Datenkompetenz darin, dass sie einfach die entsprechenden Medien, den entsprechenden Computer zur Verfügung stellen. Lesen und Schreiben lernt man aber nicht primär dadurch, dass man eine Schreibmaschine oder einen PC zur Verfügung gestellt erhält. Genauso wenig lernt man aus diesen Materialien die Datenkompetenz. Dazu braucht es eben eine nationale Strategie und Kampagne, die, wie in der Interpellation erwähnt, den Einbezug der Medien und multiprofessioneller Kompetenzen bedingt; es braucht Statistiker, Datenschützer, Datenethiker und Pädagogen in diesen Domänen.
In der Antwort zur zweiten Frage meiner Interpellation behauptet der Bundesrat, die Datenkompetenz an den Schulen werde basierend auf der Digitalisierungsstrategie von 2018 der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) bereits angestrebt. Dieser Behauptung muss widersprochen werden. In der besagten Digitalisierungsstrategie der EDK ist von Datenkompetenz überhaupt nicht die Rede. Die aktuelle Digitalisierungsstrategie bezieht sich ausschliesslich auf eine vermehrte Implementierung digitaler Hilfsmittel, d. h. auf das Zur-Verfügung-Stellen von Computern und Informationen zum Datenschutz. Datenkompetenz als solche ist somit offensichtlich noch nicht einmal im obligatorischen Unterricht als unerlässlich zu vermittelnde Kompetenz definiert und erkannt worden, was korrigiert werden sollte. Ebenfalls ergibt sich logischerweise daraus, dass in diesem Bereich auch ein dringender Nachholbedarf in der erwachsenen Bevölkerung besteht, der, wie der Bundesrat selber ausführt, in seinen Kompetenzbereich gehören würde.
Ich würde mir wünschen, dass der Bundesrat die entsprechende strategische Ausrichtung für eine nachhaltige Datenkompetenz, eine Weiterbildung und Implementierung in der Bevölkerung festlegt, die entsprechenden Mittel zur Verfügung stellt und Kooperationsprojekte in Zusammenarbeit mit kompetenten Stellen anstösst.
In der Antwort auf die Frage 4 der Interpellation, die die Förderung von Datenkompetenz zur Förderung und Unterstützung von multiprofessioneller Zusammenarbeit und bestehenden nationalen und internationalen Zusammenarbeitsinitiativen behandelt, verweist der Bundesrat wiederum auf die bestehenden, rein auf Digitalisierungsverbesserungen abzielenden Initiativen und Projekte.
Der Bundesrat wird hiermit von meiner Seite aufgefordert, Datenkompetenz-Zusammenarbeitsprojekte auf nationaler Ebene zu unterstützen, im Rahmen einer dringend zu erstellenden, kohärenten Strategie, die durchaus mit laufenden Digitalisierungsstrategien verknüpft werden könnte. Dann müssen wir uns auch nicht tagtäglich über Datenlieferungen in den Medien aufregen, welche vielleicht die epidemische Auswirkung, die epidemische Entwicklung der Covid-19-Krise nicht adäquat wiedergeben.
In diesem Sinne hoffe ich, dass der Bundesrat den Ernst des Anliegens erkannt hat.
Parmelin Guy · VPBR-M · Bundesrat · Waadt
Le Conseil fédéral peut partager l'avis de l'auteur de l'interpellation. Dans la société numérique actuelle, il est essentiel que les citoyens disposent de compétences qui leur permettent de collecter, de gérer, d'évaluer, d'utiliser de manière critique les données auxquelles ils sont quotidiennement confrontés.
Les outils numériques, vous le savez, sont de plus en plus utilisés, que ce soit dans la vie privée, que ce soit à l'école, que ce soit dans le monde du travail; la période de confinement que nous avons vécue avec cette crise du Covid-19 a encore renforcé cette utilisation croissante.
Monsieur Rieder, même si vous n'êtes que partiellement satisfait de la réponse du Conseil fédéral, j'ai pris note, et mes collaboratrices et collaborateurs également, des points sur lesquels vous avez encore des doutes ou pour lesquels vous estimez que les réponses ne sont pas satisfaisantes.
Je veux quand même rappeler deux ou trois points qui sont importants. A savoir que la Confédération et les cantons échangent régulièrement des points de vue lors de discussions dans le cadre de ce que l'on appelle le Comité de coordination Numérisation de l'éducation. C'est un comité qui a été créé en 2017, sur la base de la loi fédérale sur la coopération et la mobilité internationales en matière de formation. Je pense que c'est peut-être dans ce cadre-là qu'il faudrait prendre en compte les critiques constructives que vous venez d'émettre pour, peut-être, approfondir cette thématique. Dans ce contexte, il y a actuellement une analyse qui est faite avec l'implication de l'agent spécialisé educa.ch. La possibilité de lancer une campagne de sensibilisation dans ce domaine de l'information est aussi analysée. Elle devrait, au cas où elle serait lancée, se focaliser sur un public cible bien défini et favoriser les compétences en matière de traitement des données, ce qu'on appelle le "data literacy".
Concernant l'amélioration des compétences en matière de traitement des données dans le cadre de la collaboration en matière de formation et des compétences respectives, la Confédération et les cantons ont quand même mis en place un certain nombre d'initiatives à différents niveaux de la formation.
Si on prend l'école obligatoire, il faut rappeler que c'est une compétence cantonale. La thématique de l'utilisation et de l'interprétation des données est intégrée dans les plans d'études des différentes régions linguistiques. Et, dans sa stratégie numérique 2018, la Conférence suisse des directeurs cantonaux de l'instruction publique vise, entre autres, à renforcer les compétences liées au traitement des données des élèves et du corps enseignant. Il est aussi prévu de s'appuyer sur le plan d'action de la stratégie "Suisse numérique" pour mettre en place un programme visant à déployer une politique suisse d'utilisation de ces données. Ce programme-là vise, notamment, à encourager les compétences en matière de données de toutes les parties qui sont concernées.
Si on prend le domaine de la formation professionnelle, en 2018, le Conseil fédéral a chargé l'Institut fédéral des hautes études en formation professionnelle d'intégrer les compétences numériques dans la formation initiale et continue du corps enseignant et des directions des établissements. Selon le mandat donné, la transmission de compétences en traitement des données est intégrée dans la révision en cours des plans d'études cadres qui sont destinés aux responsables de la formation professionnelle. En outre, la Confédération examine, avec les cantons, dans le cadre de leur collaboration en matière de formation, le lancement d'un projet qui aura pour but d'améliorer encore les possibilités d'utilisation des données, ceci dans le cadre de la formation professionnelle initiale.
Au niveau des hautes écoles, qui sont compétentes et autonomes pour décider des mesures à prendre, la Confédération encourage, depuis 2019, et ceci jusqu'en 2024, le projet de renforcement des "digital skills" dans l'enseignement de Swissuniversities. Au niveau de la formation continue, la Confédération et les cantons jouent un rôle plutôt subsidiaire, en offrant aux adultes qui disposent de compétences de base insuffisantes la chance d'acquérir ce type de compétences.
Vu cet ensemble d'interventions à différents niveaux de collaboration et d'initiatives à différents niveaux, le Conseil fédéral ne voit pas actuellement la nécessité de prendre d'autres mesures dans le domaine de la formation.
Concernant la question relative à l'encouragement de la collaboration entre les différents acteurs, la Confédération soutient et encourage déjà, en collaboration avec plusieurs partenaires, des initiatives qui vont dans ce sens. Il y a, dans le cadre de la stratégie "Suisse numérique", la mise en oeuvre de mesures favorisant la mise en réseau et la collaboration de tous les acteurs concernés. Il y a le domaine MINT - mathématiques, informatique, sciences naturelles et technique -, pour lequel la Confédération soutient les académies suisses des sciences dans l'organisation de différents événements de dialogue dans les écoles, ainsi que d'activités extrascolaires. Il y a encore la plateforme "Jeunes et médias"; là, c'est l'Office fédéral des assurances sociales, en collaboration avec de nombreux partenaires, qui met en oeuvre des mesures adressées aux parents, aux personnes de référence, pour qu'ils puissent accompagner de manière adaptée et adéquate les enfants dans leur découverte des médias numériques.
Vous voyez l'ensemble de la diversité des mesures adoptées en collaboration avec les différents partenaires. Cela montre quand même que la Confédération ne néglige pas cet aspect. Peut-être, Monsieur le conseiller aux Etats Rieder, faut-il faire une réflexion sur l'efficacité de ces mesures, ou sur l'adaptation ou la réorientation de la stratégie. C'est peut-être cette réflexion que nous allons faire. Le cas échéant, nous vous donnerons une information supplémentaire. Mais pour l'instant, il nous semble que la collaboration actuelle et les encouragements donnés suffisent.