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Verbot von giftigen Fluorwachsen auch im Breitensport
Munz Martina · Mit-F · Nationalrat · Schaffhausen · Sozialdemokratische Fraktion
Fluorwachse sind im Spitzensport verboten. Fluorwachse oder PFAS-Wachse sind giftig und gefährden die Gesundheit der Sportlerinnen und Sportler. Im Spitzensport ist die Verwendung verboten, im Breitensport sind PFAS-Wachse noch immer erlaubt, obwohl sie leicht substituierbar wären. Mit meiner Motion verlange ich, dass Fluorwachse für den Skisport grundsätzlich verboten werden. Es ist unverständlich, warum die Schweiz das Vorsorgeprinzip missachtet und weiterhin Fluorwachse für den Breitensport zulässt.
Das Bundesamt für Gesundheit rät von der Verwendung von Fluorwachsen ab, weil das Einatmen der Dämpfe giftig ist und als Langzeitfolgen die Cholesterinwerte erhöht und das Immunsystem geschwächt werden kann. Die per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS) sind in der Umwelt sehr persistent, also langlebig, und werden daher auch "Ewigkeitschemikalien" genannt. Sie bauen sich in der Umwelt nicht ab, im Gegenteil, sie reichern sich an. Weil die PFAS-Wachse im Langlauf-Breitensport eingesetzt werden, führen sie zu einer hohen Umweltbelastung im Engadin. Der Skimarathon führt über den Silsersee. Die giftigen Stoffe gelangen nach der Schneeschmelze in den Gebirgssee und reichern sich dort an. Damit verursachen langlebige Stoffe ein unnötiges Umweltproblem im alpinen Raum.
Immer wieder poppen Probleme mit persistenten Stoffen in den Gewässern auf. Im April hat die Sendung "Kassensturz" die Belastung von Trink- und Mineralwasser mit einem anderen PFAS, nämlich Trifluoracetat (TFA), aufgedeckt. Es ist erschreckend, welche Werte unser Trinkwasser und damit auch unsere Gewässer aufweisen. TFA ist auch ein sehr persistenter Stoff, der als Abbauprodukt von Kühlmitteln und Pestiziden langlebig die Gewässer verschmutzt.
TFA zu eliminieren, ist ein komplexes Problem, weil Industrie und Landwirtschaft betroffen sind und Vorläuferstoffe auch in Wärmepumpen verwendet werden. PFAS-Wachse hingegen können problemlos verboten werden, denn sie können einfach substituiert werden. Im Spitzensport sind sie bereits verboten. Warum nimmt der Bundesrat die Gesundheitsschädigung von Sportlerinnen und Sportlern sowie eine Anreicherung von persistenten schädlichen Stoffen in der Umwelt in Kauf, wenn einfache Handlungsmöglichkeiten offenstehen?
Der Bundesrat muss gemäss dem Vorsorgeprinzip handeln und kann nicht warten, bis ein öffentlicher Skandal ein Verbot erzwingt. Einige PFAS sind zwar schon verboten oder werden demnächst verboten, hingegen sind kurzkettige PFAS weiterhin zugelassen; sie sind sehr langlebig und sehr mobil in der Umwelt, sie gelangen so also auch in unser Trinkwasser.
Die EU plant ein Verbot aller PFAS in allen Anwendungen, die für die Gesellschaft entbehrlich sind oder für die es Alternativen gibt. Fluorwachse sind zweifellos entbehrlich, es gibt Alternativen. Der Spitzensport hat bereits gehandelt. Wenn der internationale Skiverband FIS zum Schluss kommt, dass die Risiken einer weiteren Verwendung von Fluorwachsen im Spitzensport zu hoch sind, und er mit dem Verbot einen hohen Kontrollaufwand in Kauf nimmt, so sollte die Interessenabwägung im Breitensport noch deutlicher zu diesem Ergebnis kommen.
Ich bitte Sie, nehmen Sie die Motion an. Die Anreicherung eines langlebigen Giftstoffes in unseren Gewässern kann damit an der Quelle vermieden werden.
Sommaruga Simonetta · BR-F · Bundesrat · Bern
Es ist so. Diese per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS) und ihre Umwandlungsprodukte haben sehr problematische Eigenschaften, wenn sie in die Umwelt gelangen. Sie werden praktisch nicht mehr abgebaut. Sie können sich über Jahre in Menschen und Tieren anreichern und die Gesundheit von Menschen und anderen Lebewesen schädigen. Deshalb teilt der Bundesrat das Anliegen der Motionärin, dass wir die PFAS in Produkten und Prozessen schrittweise ersetzen und damit auch Umwelteinträge dieser sehr problematischen Chemikalien vermeiden.
Frau Nationalrätin Munz, Sie haben in Ihrer Motion die PFAS-haltigen Wachse angesprochen. Laut einem Bericht des norwegischen Umweltministeriums gibt es diverse Hersteller, die heute anstelle von PFAS schon fluorfreie Skiwachse anbieten. Diese enthalten allerdings Siloxane. Offenbar sind Siloxane für die Umwelt auch problematisch. Die Alternativen scheinen hier noch nicht unbedingt vorhanden zu sein.
Ich glaube, dass folgende Aussage zentral ist: Der Bundesrat will den Ausstieg aus der Verwendung von PFAS. Er macht das aber analog zum EU-Recht, wie er das im Umweltrecht und im Chemikalienrecht immer macht. Sie wissen, dass die EU die für Mensch und Umwelt gefährlichsten PFAS verbieten will. Nein, ich muss es so sagen: Die gefährlichsten PFAS sind in der Schweiz und in der EU bereits verboten. In der EU soll jetzt eine Verbotsregelung für Stoffe der C6-Fluorchemie in Vorbereitung sein, und mit dieser Regelung werden nach Einschätzung des Bundesamts für Umwelt künftig alle heute auf dem Markt angebotenen PFAS-enthaltenden Skiwachse in der EU verboten werden. Die Schweiz könnte ein solches Verbot im Rahmen einer Revision der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung umsetzen. Das planen wir zu tun. Sobald in der EU die rechtlichen Schritte unternommen werden, werden wir uns der EU anschliessen. Wenn wir das auf dem Verordnungsweg machen können, wird es auch entsprechend rasch vorwärtsgehen.
Es gibt in der Einschätzung also keine Differenz. Die Alternativen scheinen nicht so unproblematisch zu sein. Wir wollen harmonisiert vorgehen. Wir werden das sehr rasch tun und hoffen, dass die EU hier auch vorwärtsmacht.
Abstimmung
Präsidentin (Kälin Irène, Präsidentin): Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
Abstimmung - Vote
Für Annahme der Motion ... 82 Stimmen
Dagegen ... 99 Stimmen
(2 Enthaltungen)