22.3393
Kompetenzen von Geflüchteten erfassen und nutzen
Kälin Irène · P-F · Nationalrat · Aargau · Grüne Fraktion
Antrag der Mehrheit
Annahme des Postulates
Antrag der Minderheit
(Keller Peter, Gafner, Haab, Herzog Verena, Huber, Tuena, Umbricht Pieren)
Ablehnung des Postulates
Proposition de la majorité
Adopter le postulat
Proposition de la minorité
(Keller Peter, Gafner, Haab, Herzog Verena, Huber, Tuena, Umbricht Pieren)
Rejeter le postulat
Roth Pasquier Marie-France · Mit-F · Nationalrat · Freiburg · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.
Lors de l'examen de la pétition 21.2023, "Améliorer l'accès à la formation et au travail pour les personnes exilées!", une grande majorité de la commission a décidé de donner suite à la pétition sous la forme du présent postulat. Dans le rapport, le Conseil fédéral est chargé de présenter sous quelle forme et selon quelle systématique les données relatives au potentiel et au niveau de formation des personnes exilées en Suisse sont actuellement saisies et où se situent les lacunes. En outre, le rapport doit contenir des informations sur les compétences dont disposent les réfugiés pour les niveaux de formation correspondants, ainsi que sur la manière dont ces compétences peuvent être utilisées pour une intégration réussie sur le marché du travail. Le rapport doit également mettre en évidence le besoin d'agir et proposer les mesures et une stratégie concrètes pour la création de meilleures données statistiques. Cela permettra de s'assurer que les éventuelles lacunes en matière de connaissances puissent être comblées à l'avenir et qu'un encadrement adéquat sera garanti aux personnes exilées.
Pourquoi avons-nous besoin de ce postulat? Les données relatives au potentiel et au niveau de formation des personnes exilées en Suisse sont insuffisantes, car la Confédération et les cantons ne les collectent pas systématiquement. Cela signifie qu'il manque des chiffres déterminants et donc des connaissances factuelles pour orienter ces personnes vers une formation appropriée, un apprentissage ou une formation d'un autre type.
Le niveau de formation des requérants d'asile n'est pas relevé par le Secrétariat d'Etat aux migrations à leur arrivée en Suisse. Les données disponibles dans les cantons sur la participation aux différents niveaux de formation sont lacunaires et ne sont pas ventilées par statut de séjour, bien que celui-ci soit central pour l'accès à la formation. Le statut de séjour des personnes change continuellement au cours de leur présence en Suisse. Pour tirer des conclusions sur les potentiels de formation et les parcours d'intégration, il faudrait pouvoir récolter des données sur plusieurs années, données qui seraient corrélées avec le statut de séjour et le niveau de formation, afin que les personnes puissent mener le plus tôt possible une vie autonome en Suisse.
Il est presque impossible, sur la base des données actuelles, de tirer des conclusions quantitatives sur le potentiel de formation, le parcours et le niveau de formation atteint par la population de réfugiés en Suisse.
Ce fait est constaté aussi bien dans le rapport "L'éducation en Suisse" de 2018 que par de nombreux spécialistes du domaine de la migration ainsi que de la recherche et de la politique.
Pour que les personnes ayant fui leur pays puissent être encouragées en fonction de leurs compétences et intégrées durablement dans le marché du travail, il faut une approche coordonnée de la part des autorités chargées de l'asile et de l'éducation dans le cadre de laquelle les chiffres sont systématiquement collectés, traités et publiés.
Le recensement des compétences et des potentiels de formation de la population réfugiée en Suisse permet d'identifier les besoins en matière de politique de formation, de les cibler et de lutter ainsi contre la pénurie de personnel qualifié. Il est en effet essentiel, tant pour les personnes ayant fui leur pays que pour la Suisse, d'offrir des perspectives professionnelles aux réfugiés en Suisse, et en particulier à ceux qui sont contraints à un exil de longue durée, afin qu'ils puissent subvenir eux-mêmes à leurs besoins et s'intégrer dans notre société.
Une minorité de la commission rejette le postulat au motif que les mesures actuelles sont suffisantes et que ce sont principalement les cantons qui sont responsables de la saisie des données.
Au nom de la majorité de la commission, je vous demande d'accepter ce postulat.
Locher Benguerel Sandra · Mit-F · Nationalrat · Graubünden · Sozialdemokratische Fraktion
A chaschun da la consultaziun da la petiziun "Furmaziun per tuts e tuttas - ussa! Pussibilitar furmaziun e lavur per fugitivs e fugitivas" ha ina gronda maioritad da la cumissiun decidì da consentir a la petiziun en furma da quest postulat.
In diesem wird der Bundesrat beauftragt aufzuzeigen, in welcher Form und mit welcher Systematik gegenwärtig Daten zum Bildungspotenzial und Bildungsstand geflüchteter Menschen in der Schweiz erfasst werden und wo Lücken bestehen. Im Weiteren soll der Bericht Angaben darüber enthalten, welche Kompetenzen seitens der Geflüchteten für welche Bildungsstufen vorhanden sind und wie diese für eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt genutzt werden können. Zudem soll der Bericht den Handlungsbedarf aufzeigen und konkrete Massnahmen zur Schaffung einer besseren statistischen Datenlage vorschlagen. Damit wird sichergestellt, dass allfällige Wissenslücken in Zukunft geschlossen werden können und eine adäquate Betreuung gewährleistet wird.
Weshalb braucht es dieses Postulat? Die Datenlage zum Bildungsstand und Bildungspotenzial geflüchteter Menschen in der Schweiz ist ungenügend, weil der Bund und die Kantone diese Daten bisher eben nicht systematisch erfassen. Das heisst, es fehlen Zahlen, welche ein gezieltes Fakten- und Steuerungswissen für die Politik ermöglichen. Auch für Behörden und Bildungsinstitutionen wären diese Zahlen künftig hilfreich.
Der Bildungsstand von Asylsuchenden wird bei der Ankunft in der Schweiz durch das SEM nicht erhoben. Die vorliegenden Daten aus den Kantonen zur Teilhabe an den verschiedenen Bildungsstufen sind lückenhaft und nicht nach Aufenthaltsstatus aufgeschlüsselt. Der Aufenthaltsstatus ändert sich, weshalb sich über die Personen in der Schweiz laufend ein anderes Bild ergibt. Daher macht es wenig Sinn, die Thematik in absoluten Zahlen anzusehen. Um Aussagen über Bildungspotenziale und Integrationsverläufe zu machen, können Längsschnittanalysen und Korrelationen, die den Aufenthaltsstatus mit einbeziehen, sowie eine prozesshafte Betrachtung der Vergleichsgruppen sinnvoll sein.
Deshalb ist es aufgrund der gegenwärtigen Datenlage praktisch unmöglich, quantitativ belegbare Aussagen über das Bildungspotenzial, den Bildungsverlauf und den erreichten Bildungsstand der Flüchtlingsbevölkerung in der Schweiz zu machen. Diese Tatsache wird sowohl im Bildungsbericht Schweiz als auch von zahlreichen Fachpersonen aus den Bereichen Migration und Integration sowie aus Forschung und Politik festgestellt.
Damit geflüchtete Personen künftig ihren Kompetenzen entsprechend gefördert und nachhaltig in den Arbeitsmarkt integriert werden können, braucht es ein koordiniertes Vorgehen seitens der Asyl- und Bildungsbehörden, bei dem systematisch Zahlen erhoben, verarbeitet und veröffentlicht werden. Das Erfassen der Kompetenzen und Bildungspotenziale der Flüchtlingsbevölkerung in der Schweiz hilft, den bildungspolitischen Handlungsbedarf abzulesen, gezielt zu steuern und auch dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Denn es ist sowohl für die geflüchteten Menschen als auch für die Schweiz von grundlegender Bedeutung, den Flüchtlingen und insbesondere denjenigen, die zu einem langfristigen Exil gezwungen sind, berufliche Perspektiven zu bieten, damit sie ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten und sich in unsere Gesellschaft integrieren können.
Eine Kommissionsminderheit - wir hören es dann gerade - lehnt das Postulat ab, mit der Begründung, dass die bisherigen Massnahmen genügen und vorwiegend die Kantone für die Erfassung der Daten zuständig sind.
Keller Peter · Mit-M · Nationalrat · Nidwalden · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Jede und jeder in diesem Saal teilt die Absicht des Postulates, dass die Kompetenzen von Flüchtlingen besser erfasst und genutzt werden können. Die Fragen aber lauten: 1. Wo ist dieses Anliegen am besten aufgehoben? 2. Wie sinnvoll und vor allem realisierbar ist der geforderte Bericht?
Kommen wir zur ersten Frage: Die Integration der Flüchtlinge, und darum geht es hier im Kern, geschieht in den Kantonen und Gemeinden. Diese Aufgabe ist dort am besten aufgehoben, zumal die Instrumente dafür vorhanden sind. Selbstverständlich befinden wir uns jetzt in einer ausserordentlichen Situation. Es ist klar, dass diese Instrumente nicht auf eine so hohe Anzahl von Personen, die in die Schweiz kommen, ausgerichtet sind, wie es zurzeit, durch den Ukraine-Krieg bedingt, der Fall ist. Trotzdem hält die Kommissionsminderheit eine Übersteuerung der Kantone durch den Bund für nicht zielführend. Das zeigte im Übrigen auch die Anhörung der Kantonsvertretung in der Kommission. Diese hob den Vorteil der föderalen Strukturen hervor. Also, lassen wir diese Strukturen doch arbeiten.
Kommen wir zur zweiten Frage: Ist dieser Bericht überhaupt umsetzbar? Gemäss Postulat sollen das Bildungspotenzial und der Bildungsstand geflüchteter Personen in der Schweiz erfasst und allfällige Lücken in den Daten aufgezeigt werden. Dann soll dieser Bericht darüber Aufschluss geben, welche Kompetenzen die geflüchteten Personen für welche Bildungsstufe aufweisen. Das sind, um es mal vorsichtig zu sagen, ambitionierte Ziele. Ich würde behaupten, wir haben diese geforderten Daten nicht einmal für die hier in der Schweiz lebenden Personen vollständig erfasst. Es gibt den Schweizer Bildungsbericht, der auf ähnliche Fragen Auskunft gibt. Wir wissen, dass dieser erste Schweizer Bildungsbericht über mehrere Jahre hinweg vorbereitet wurde und nun gerade mal alle vier Jahre erscheint. Das sind allein die zeitlichen Dimensionen. Es handelt sich also um ein äusserst komplexes Vorhaben.
Nun will dieses Postulat sozusagen einen Schweizer Bildungsbericht für geflüchtete Personen, also für Personen mit einem komplett anderen Bildungshintergrund, für Personen, die aus Afghanistan, der Ukraine, Eritrea usw. kommen, also aus teilweise komplett anderen Kultur- und Sprachräumen. Wie wollen Sie diese Daten zusammenbringen? Wie wollen Sie deren Kompetenzen erfassen? Mit einem Pisa-Test? In den meisten afrikanischen und asiatischen Staaten gibt es diesen Test nicht einmal.
Das Postulat spricht von "Bildungspotenzial" und "Bildungsstand". Das sind unscharfe Begriffe ohne klare wissenschaftliche Definition. Wie wollen Sie etwas messen, was nicht definiert ist und sich wahrscheinlich gar nicht klar definieren lässt?
Ich komme zum Schluss. Die Kommissionsminderheit bittet Sie, dieses Postulat abzulehnen, weil der Bund die föderalen Zuständigkeiten nicht übersteuern sollte und weil dieser geforderte Bericht mit seiner Komplexität gar nicht umsetzbar ist. Ich danke Ihnen für die Unterstützung der Kommissionsminderheit.
Parmelin Guy · BR-M · Bundesrat · Waadt
Der Bundesrat teilt das Anliegen, das diesem Postulat zugrunde liegt. Es geht darum, dass in die Schweiz geflüchtete Personen ihre Schullaufbahn, eine berufliche Grundbildung oder ihr Hochschulstudium bestmöglich fortsetzen oder dass sie sich in den hiesigen Arbeitsmarkt integrieren können.
L'intégration des réfugiés dans notre marché du travail devrait se faire en adéquation avec leurs compétences professionnelles, du moins le plus possible. Mis à part le développement personnel des personnes réfugiées dans notre pays, il y a un intérêt général à favoriser la formation et l'intégration dans notre société des personnes réfugiées ainsi qu'à mettre à profit un réservoir potentiel de main-d'oeuvre. Ce constat vaut pour tous les réfugiés.
Toutefois, le Conseil fédéral est d'avis qu'un rapport procédant à un état des lieux des données et des connaissances existantes concernant le potentiel de formation et les compétences professionnelles des personnes réfugiées en Suisse ne s'impose pas. Certains cantons ont déjà fait part dans des publications de connaissances acquises en matière de scolarisation des enfants réfugiés. D'autre part, des travaux sont déjà en cours sur cette thématique dans le cadre de l'Agenda d'intégration suisse entre le Secrétariat d'Etat aux migrations (SEM) et l'Office fédéral de la statistique (OFS).
De son côté, le SEM examine d'ores et déjà les possibilités de collecter certaines données relatives aux personnes réfugiées dans le cadre de la procédure d'asile. Il s'agirait notamment de données pertinentes pour déterminer le niveau de formation et des compétences professionnelles et le potentiel d'intégration sur le marché du travail.
Pour sa part, l'OFS récolte aussi déjà un certain nombre de données pertinentes. Il analyse actuellement la possibilité de mieux exploiter ces données afin de montrer les parcours scolaires des jeunes réfugiés et la transition sur le marché de l'emploi. Du reste, pour réaliser une éventuelle étude approfondie sur les niveaux de formation et sur les compétences professionnelles effectives des personnes réfugiées dans notre pays, comme cela est demandé par le postulat, il faudrait des années.
Derzeit setzen die Behörden von Bund, Kantonen und Gemeinden ihre Ressourcen besser für konkrete Massnahmen ein, um die zahlreichen Flüchtlinge zu betreuen und insbesondere um sie in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Le Conseil fédéral vous propose en conséquence de rejeter le postulat, comme la minorité de la commission le propose.
Kälin Irène · P-F · Nationalrat · Aargau · Grüne Fraktion
Präsidentin (Kälin Irène, Präsidentin): Die Mehrheit der Kommission beantragt die Annahme des Postulates. Eine Minderheit Keller Peter und der Bundesrat beantragen die Ablehnung des Postulates.
Abstimmung
Abstimmung - Vote
Für Annahme des Postulates ... 126 Stimmen
Dagegen ... 58 Stimmen
(1 Enthaltung)
Schluss der Sitzung um 12.50 Uhr
La séance est levée à 12 h 50