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Chat-Kontrolle. Schutz vor anlassloser dauernder Massenüberwachung
Bellaiche Judith · Mit-F · Nationalrat · Zürich · Grünliberale Fraktion
Unter dem bestechenden Titel der Prävention und der Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern will die EU-Kommission sämtliche Anbieter von E-Mail-, Chat- und Messenger-Diensten dazu verpflichten, unsere elektronische Kommunikation rund um die Uhr zu überwachen. Niemand wird sich dieser Kontrolle entziehen können, auch wir in der Schweiz nicht, denn jeder Dienst, der irgendwie in der EU tätig ist, wird von dieser Kontrollpflicht erfasst.
Das Ziel ist hehr: Kinderpornografisches Material soll dort identifiziert und aus dem Verkehr gezogen werden, wo es am schnellsten verbreitet wird, nämlich in geschützten Kommunikationskanälen. Dieser Zweck soll das Mittel der Massenüberwachung heiligen, wirft dabei jedoch fundamentale rechtsstaatliche Grundsätze über Bord. Die Kontrolle erfolgt ohne Anfangsverdacht und rund um die Uhr und erfasst jede und jeden von uns, dies dank einer Technologie, die in Chatkanälen oder auf Endgeräten implementiert werden und potenziellen Kindsmissbrauch erkennen soll. Dazu gehören die gesamte private und geschäftliche Kommunikation, intime Gespräche, Familien- und Ferienfotos, einfach alles. Filtert die Technologie auffälliges Material heraus, muss dieses zwingend dem EU-Zentrum gemeldet werden. Dazu braucht es weder einen Durchsuchungsbefehl noch eine amtliche Verfügung.
Die Macht dieses Zentrums ist gewaltig, denn es speichert nicht nur die persönlichen Daten, sondern es legt auch die Kriterien für die Identifikation von pornografischem Material fest, ohne diese jedoch offenzulegen. Das Vorhaben ist in vielerlei Hinsicht hochproblematisch. Staatspolitisch wird institutionelle Macht damit privaten Unternehmen übertragen, indem diese nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflichtet werden, hoheitliche Aufgaben zu übernehmen. Die Wahrung der Rechtsordnung aber obliegt dem Staat und ist in dieser Tragweite nicht delegierbar.
Darüber hinaus stellt die Chat-Kontrolle jeden Menschen unter Generalverdacht, denn sie umfasst jede Nutzerin und jeden Nutzer elektronischer Kommunikation, ohne individuellen Anfangsverdacht, ohne Vorgeschichte oder Vorfall. Sie geht davon aus, dass jeder ein potenzieller Kinderschänder ist, der dauerhaft überwacht werden muss. Viele Menschen nehmen dies achselzuckend hin, da sie ja nichts zu verbergen haben. Diese Haltung dürfte sich spätestens dann rächen, wenn sie in die Maschinerie einer Falschmeldung geraten, und dies wird Tag für Tag Tausende von uns betreffen. Dann liegt es nämlich an diesen Betroffenen, ihre Unschuld zu beweisen. Faktisch führt dies zu einer rechtsstaatlich äusserst bedenklichen Beweislastumkehr.
Die geplante Chat-Kontrolle ist weder mit unserem Gesetz noch mit unserer Bundesverfassung vereinbar und widerspricht sogar der Europäischen Menschenrechtskonvention. Der unverhältnismässige und andauernde Eingriff in unsere persönliche Freiheit lässt sich durch nichts rechtfertigen, auch nicht durch die legitime Bekämpfung von Kinderpornografie. Diese Auffassung bestätigte der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte anlässlich einer entsprechenden Anhörung in unserer Kommission für Rechtsfragen, was in einer öffentlich zugänglichen Notiz festgehalten wurde.
Vor einigen Wochen hat sich unsere Justizministerin in einem gemeinsamen Schreiben mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland, Österreich, Liechtenstein und Luxemburg an die Justizministerinnen und Justizminister der Europäischen Union gewandt, um auf die Gefahren der geplanten Chat-Kontrolle hinzuweisen. Ich begrüsse das und danke für diesen wichtigen Schritt. Nun muss die Schweiz hartnäckig bleiben und auf dieser Basis weitere Kanäle nutzen, um uns alle vor den verheerenden Folgen der Chat-Kontrolle zu schützen.
Baume-Schneider Elisabeth · BR-F · Bundesrat · Jura
Le 11 mai 2022, la Commission européenne a adopté une proposition de règlement établissant des règles en vue de prévenir et de combattre les abus sexuels en ligne sur les enfants.
La proposition de règlement contient deux aspects centraux. Premièrement, les fournisseurs de services ont l'obligation de détecter le matériel relatif à des abus sexuels sur enfants, de le signaler et surtout de le retirer. Secondement, la proposition de règlement prévoit la création d'un centre de l'Union européenne en tant qu'agence décentralisée; ce centre doit contribuer à la mise en oeuvre de ce nouveau règlement.
La proposition de règlement ne permet pas à l'Etat de surveiller sans motif les communications de manière généralisée et permanente. En revanche, elle prévoit des injonctions de détection. Par celles-ci, une autorité judiciaire ou une autorité administrative indépendante peut obliger un fournisseur de services à prendre des mesures pour détecter les abus sexuels sur enfants en ligne.
Ces injonctions de détection ont été fortement critiquées. Actuellement, le règlement est apparemment débattu au sein des institutions de l'Union européenne. Puisque cette proposition n'est pas un développement de l'acquis de Schengen, la Suisse n'est pas invitée directement aux discussions. Néanmoins, au vu des réactions critiques, au vu de la réalité, il est fort probable que la proposition de règlement connaisse encore des modifications importantes. A ce jour il n'est donc pas possible d'en connaître l'impact réel sur notre population.
Mme la conseillère nationale Bellaiche l'a mentionné, effectivement, en date du 23 mai de cette année, nous avons conjointement, avec mes collègues du Liechtenstein, du Luxembourg, d'Allemagne et d'Autriche, écrit à nos autres collègues européens pour leur dire à quel point il fallait être attentif et examiner en détail les conséquences du règlement proposé sur les droits fondamentaux. En outre, mon département procède actuellement à une analyse pour examiner de manière précise la nécessité d'intervenir sur le plan matériel dans le domaine de la protection de l'enfance et de la jeunesse sur Internet dans notre pays. Elle évaluera aussi les aspects juridiques et les conséquences du projet législatif de l'Union européenne. Un rapport sera publié sur le site Internet de Fedpol. La publication était initialement prévue pour le premier semestre de l'année prochaine, mais elle pourrait être repoussée en raison des importantes incertitudes entourant actuellement le projet.
Pour ces différents motifs, le Conseil fédéral propose le rejet de la motion.
Abstimmung
Präsident (Candinas Martin, Präsident): Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
Abstimmung - Vote
Für Annahme der Motion ... 144 Stimmen
Dagegen ... 24 Stimmen
(21 Enthaltungen)