RPW 2002/2 S. 296
Hewlett-Packard/Compaq
Rubrum
Vorläufige Prüfung; Art. 4 Abs. 3, Art. 10 und 32 Abs. 1 KG
Examen préalable; art. 4 al. 3, art. 10 et 32 al. 1 LCart
Esame preliminare; art. 4 cpv. 3, art. 10 e 32 cpv. 1 LCart
Mitteilung nach Artikel 16 Absatz 1 VKU vom 11. Februar 2002
I. SACHVERHALT
1. Am 14. Januar 2002 reichte die Hewlett-Packard Company, Palo Alto, Kalifornien, USA (nachfolgend "HP"), beim Sekretariat der Wettbewerbskommission (nachfolgend "Sekretariat") die vollständige Meldung über ein Zusammenschlussvorhaben ein. Danach beabsichtigt HP, die Compaq Computer Corporation, Houston, Texas, USA (nachfolgend "Compaq", zusammen mit HP "beteiligte Unternehmen"), mittels Aktienkauf zu erwerben.
2. Mit einem weltweiten Umsatz von zirka CHF 80 Mia. im Jahr 2000 gehört die an der New York Stock Exchange kotierte HP zu den führenden Anbietern von Produkten und Dienstleistungen im Bereich der Informationstechnologie und Bildverarbeitung für Privat- und Geschäftskunden. In der Schweiz ist HP vor allem im Vertrieb und in der Wartung der eigenen Produktpalette tätig.
3. Die ebenfalls an der New York Stock Exchange kotierte Compaq ist mit einem Umsatz von zirka CHF 70 Mia. im Jahr 2000 ein weltweit führender Anbieter von EDV-Produkten und Dienstleistungen. In der Schweiz ist das Unternehmen vor allem im Vertrieb und in der Wartung der eigenen Produktpalette tätig.
4. Am 4. September 2001 hat HP mit Compaq ein "definitif Agreement and Plan of Reorganisation" abgeschlossen. Mit diesem Agreement unterbreitet HP allen Compaq Aktionären ein verbindliches Angebot, die gesamten ausgegebenen Aktien von Compaq zu erwerben. Die Compaq Aktionäre erhalten dabei für eine Compaq-Aktie 0,6325 neu ausgegebene HP-Aktien.
5. Infolge des Zusammenschlusses würde eine weltweit führende Unternehmung im Bereich der Informationstechnologie mit einem Umsatz von rund CHF 150 Mia. entstehen. Diese "neue HP" soll ein vollständiges Angebot im Bereich der Informationstechnologien mit offenen Systemen und Systemarchitekturen anbieten können und nach Umsatz die weltweit grösste Unternehmung in den Bereichen Server, Acess Devices (Personal Computer und Handhelds) sowie Printing und Imaging sein. Die neue HP würde sich dabei in folgende vier operative Einheiten gliedern:
?? Imaging und Printing Systems
?? Acess Devices
?? Informationstechnologie Infrastrukturen
?? IT-Services
Es wird erwartet, dass die Kostensynergien des Zusammenschlusses rund US$ 2,5 Mia. pro Jahr betragen. Die neue HP würde in 160 Ländern über 145'000 Angestellte beschäftigen.
6. Mit der Eingabe vom 20. Dezember 2001 ersuchte HP mittels Form CO bei der Europäischen Wettbewerbsbehörde um Bewilligung der beabsichtigten Transaktion (Case No COMP/M2609) (nachfolgend "EU-Eingabe"). Am 31. Januar 2002 hat die Europäische Wettbewerbsbehörde das Zusammenschlussvorhaben ohne Auflagen genehmigt.
7. Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Zusammenschlussvorhabens erforderte nachfolgende parallel zum europäischen Verfahren geführte ausführliche Abklärungen des Sekretariats.
II. MELDEPFLICHT
8. Die weltweiten Umsätze betrugen im Geschäftsjahr 2000 CHF 79'706 Mio. für HP und CHF 69'250 Mio. für Compaq. In der Schweiz erzielte HP einen Umsatz von CHF [...] und Compaq einen solchen von CHF [...].
9. Damit sind die Aufgreifkriterien von Artikel 9 Absatz 1 Kartellgesetz (KG; SR 251) erfüllt und das Zusammenschlussvorhaben ist meldepflichtig.
III ERWÄGUNGEN
1. Relevante Märkte
1.1. Sachlich relevante Märkte
10. Soweit es um die sachlich relevanten Märkte geht, sind die beteiligten Unternehmen in den Bereichen Personal Computer, Drucker, Server, Speichersysteme, IT-Services und Handheld-Information-Devices tätig 1.
a. Personal Computer
11. Personal Computer (nachfolgend "PC") sind für den Endbenützer konzipierte Rechner zur Datenverarbeitung und -speicherung 2.
1 Zu den relevanten Märkten vgl. EU Case No Comp/M.2609 - HP/Compaq, S. 2 ff. 2 RPW 1998/2, Compaq/DEC, S. 275
12. Eine weitere Unterteilung der PC in die sachlich relevanten Märkte Laptops, Desktops und Workstations wurde sowohl von den schweizerischen als auch von den europäischen Wettbewerbsbehörden in Erwägung gezogen beziehungsweise teilweise vorgenommen
3. Laptops sind für den Mobileinsatz konzipiert und demzufolge leicht zu transportieren. Der Einsatz eines Desktops ist hingegen an einen bestimmten Ort gebunden. Desktops sind auf die Bedürfnisse der grossen Zahl der Durchschnittsanwender ausgerichtet. Aufgrund der Verwendung von unterschiedlichen Komponenten ist der Preis eines Laptops höher als jener eines Desktops
4. Workstations sind leistungsfähige stand-alone Desktops, die typischerweise für anspruchsvolle technische Anwendungen in einem professionellen Umfeld verwendet werden und dabei über beträchtliche Rechen- oder Grafikleistungen verfügen.
13. Die beteiligten Unternehmen gehen von einem sachlich relevanten Markt aus, der sowohl Desktops, Laptops wie auch Workstations umfasst. Die Trennung dieser Bereiche in verschiedene Märkte entspräche nicht mehr den zwischenzeitlichen technischen Entwicklungen und Veränderungen auf diesen Märkten. Hingegen wird die sachlich relevante Unterteilung des PC-Marktes von den vom Sekretariat befragten Parteien nach wie vor als richtig erachtet.
14. Desktops, Laptops und Workstations decken ähnliche Bedürfnisse ab, nämlich die Datenverarbeitung und -speicherung (vgl. Rz. 11). Somit sind gewisse Substitutionsmöglichkeiten zwischen den oben erwähnten Geräten zweifelsohne gegeben. Es bestehen für die Marktgegenseite jedoch auch deutliche Unterschiede bezüglich der Einsatzmöglichkeiten dieser Geräte. Der Vorteil eines Laptops liegt in seiner mobilen Einsatzmöglichkeit. Hingegen dürften gewisse Benutzer den Desktop aufgrund seines Komforts (Bildschirm, Tastatur) bevorzugen. Workstations unterscheiden sich vor allem hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit was die Daten- und Bildbearbeitung angeht und richten sich demnach an den professionellen Anwender.
15. Auffallend sind die im Durchschnitt etwa um den Faktor 1,5 höheren Preise von Laptops im Vergleich zu Desktops. Dieses relative Preisverhältnis blieb in den letzten drei Jahren trotz allgemein sinkender Durchschnittspreise mehr oder weniger konstant. Die zunehmende Verbreitung von Laptops im Verhältnis zu den Desktops kann infolgedessen nicht, wie von den Parteien ausgeführt, als eine aufgrund von Preisänderungen bedingte Substitution, mit den entsprechenden Konsequenzen für die Marktabgrenzung, aufgefasst werden. Die angesprochenen Verkaufserfolge von Laptops sind vielmehr durch Einkommenseffekte oder Änderungen der Präferenzen der Anwender erklärbar.
3 RPW 1998/2, Compaq/DEC, S. 274 ff.; EU Case No IV/JV.22-Fujitsu/Siemens 4 EU Case No IV/JV.22-Fujitsu/Siemens
16. Die wirklichen Substitutionsmöglichkeiten zwischen Desktops, Laptops und Workstations dürften nur aufgrund empirischer Untersuchungen ersichtlich werden. Vorliegend hängt der Konzentrationsgrad der PC-Industrie jedoch nur unwesentlich von den zur Diskussion stehenden Abgrenzungen ab. Infolgedessen wird im Folgenden die im Entscheid Compaq/DEC (RPW 1998/2, S. 274 ff.) gewählte Unterteilung zwischen Workstations einerseits sowie Desktops und Laptops andererseits beibehalten.
b. Drucker
17. Drucker stellen ein Komplementärgut zu allen PCs dar, da ein Drucker ohne PC nutzlos ist, und ein PC ohne Drucker nur begrenzte Einsatzmöglichkeiten aufweist.
18. Eine Unterteilung in die beiden folgenden sachlich relevanten Märkte ist aufgrund von Abklärungen des Sekretariats angebracht:
?? Der Markt für "office, home and professional printing" umfasst das Drucken von Dokumenten im privaten oder geschäftlichen Umfeld mittels Tintenstrahl- oder Laserdrucker. Der Grossteil der gedruckten Dokumente ist dabei für den internen Gebrauch bestimmt.
?? Im Gegensatz dazu geht es beim "commercial and industrial printing" um die Verarbeitung grösserer Volumina in einem kommerziellen oder industriellen Umfeld mit entsprechend höheren Anforderungen an die Druckqualität und die Einsatzmöglichkeiten. Die Anzahl verkaufter Drucker ist in diesem Markt deutlich geringer als beim "office, home and professional printing".
Namentlich Applikationen wie der hochwertige Fotodruck, Druck in Übergrösseformaten (A3 etc.) und die zum Teil deutlich unterschiedlichen Preise führen dazu, dass die Substitutionsmöglichkeiten des Endanwenders zwischen den beiden hier aufgeführten Märkten gering sind.
c. Server
19. Ein Server ist ein zentraler Rechner in einem Netzwerk, das heisst in einem Verbund von Computern, die sich Daten und Peripheriegeräte teilen. Auf die Dienste der Server können über einen Anschluss gleichzeitig viele Anwender zugreifen (Vernetzung) 5.
20. Die wichtigsten Komponenten eines Servers sind:
?? das Betriebssystem, auf das der Server konfiguriert ist. Es dient als Schnittstelle zwischen Anwendersoftware und Prozessor.
?? Prozessoren, die im Server installiert sind und zur Hardware gehören.
5 RPW 1998/2, Compaq/DEC, S. 275
Die Kombination eines Prozessors mit einem Betriebssystem wird als Plattform bezeichnet.
21. Serverprozessoren stammen entweder von einem spezifischen Hersteller (so genannte proprietäre Prozessoren) oder sie entsprechen industriellen Standards (Prozessoren der Industry-Standard Server), das heisst, sie wurden nicht von einem bestimmten Hersteller entwickelt und können grundsätzlich von sämtlichen Herstellern verwendet werden.
?? Proprietäre Prozessoren werden für bestimmte Servertypen verwendet (z.B. Sun SPARC, HP pa-risc, IBM POWER-x) und basieren auf der RISC-Technologie 6. Dazu gehören Mainframe Server und UNIX Server. In Kombination mit einem Betriebssystem werden sie proprietäre Plattformen genannt.
?? Bei den Industry-Standard Servern ist Intel der führende Lieferant (z.B. Intel'ss IA32-Architektur, so genannte SIAS: Standard Intel Architecture Servers), die zusammen mit einem Betriebssystem eine Industry-Standard Plattform ergeben.
22. Der Markt für Server wurde von der Wettbewerbskommission 7 bis anhin in folgende drei Bereiche unterteilt:
?? Entry-Level Server (< US$ 100'000.--)
?? Midrange Server (US$ 100'000.-- bis US$ 1 Mio.)
?? High-End Server (> US$ 1 Mio.)
23. Nach Aussagen der beteiligten Unternehmen ist diese Einteilung nicht mehr sachgerecht, da die Preise kontinuierlich verlaufen (von weniger als US$ 1'000.-- bis hin zu mehreren Mio. US$), ohne dass klare Trennlinien sichtbar sind. Des Weiteren hat ein Konkurrent die Trennlinien tiefer angesetzt, und IDC 8 kennt zusätzlich eine weitere Unterteilung auf Stufe Entry-Level Server.
24. Wie die EU-Kommission bereits in mehreren Entscheiden festgehalten hat 9, werden neben dem Preis auch Plattform, Server-Betriebssystem, Fehlertoleranz sowie die Prozessor-Architektur als Kriterium für die Unterteilung des Servermarktes in Betracht gezogen.
6 RISC steht für "reduced instruction set computer" und ist eine Prozessorkonzeption, die ein schnelles und effizientes Verarbeiten von kleinen Sätzen mit einfachen Befehlen ermöglicht. Die RISC-Architektur optimiert hierfür jeden Befehl, so dass dieser sehr schnell ausgeführt werden kann. 7 RPW 1998/2, Compaq/DEC, S. 275 8 Zu IDC vgl. www.idc.com
9 Entscheid der Kommission Case No IV/M.1120-Compaq/Digital; Case No IV/M.963-Compaq/ Tandem; Case No IV/JV.22-Fujitsu-Siemens
25. Die in Randziffer 22 erwähnte Terminologie wird sowohl von den Herstellern als auch in verschiedenen Publikationen hinsichtlich der Architektur verwendet.
26. Der Servermarkt kann auf dieser Grundlage in folgende Segmente gegliedert werden:
?? Mainframe Server
?? UNIX Server
?? SIAS Server
27. Diese Aufteilung basiert auf unterschiedlichen Prozessor-Architekturen, die im Einzelnen folgende Charakteristika aufweisen:
?? Mainframe Server sind traditionelle Grossrechner, die sich durch eine hohe Zuverlässigkeit und Stabilität auszeichnen. Sie liegen preislich im High-End Bereich.
?? UNIX Server gelten ebenfalls als zuverlässig und können als moderne Variante der Mainframe Server bezeichnet werden. Die UNIX Architektur besteht aus einem UNIX-basierten Betriebssystem und einem in der Regel herstellereigenen Prozessor 10. Eine UNIX Plattform ist leistungsfähiger als eine Industry-Standard Plattform, da sie eine grössere Anzahl von leistungsfähigeren Prozessoren unterstützen kann. UNIX Server basieren auf der RISC-Technologie und liegen bezüglich Preisklasse im Midrange Bereich. Mainframe und UNIX Server werden dort eingesetzt, wo eine hohe Datensicherheit und eine hohe Datenverfügbarkeit erforderlich ist; dadurch fällt deren Preis im Vergleich zu den SIAS höher aus. Beispielsweise kommen sie bei Finanztransaktionen sowie Buchungs- und Zahlungssystemen zur Anwendung.
?? SIAS sind Standardserver, deren Komponenten nicht von jedem einzelnen Hersteller selbst entwickelt und hergestellt werden, sondern die Hersteller kaufen die jeweiligen Komponenten (Betriebssystem und Prozessoren), setzen diese zusammen und verkaufen sie an die Endverbraucher. Nach Angaben von Kunden und Konkurrenten der beteiligten Unternehmen ist Intel der führende Lieferant von SIAS (IA32-Prozessor). Intel-Prozessoren werden für die Industry-Standard Plattformen verwendet und voraussichtlich noch weiter an Bedeutung gewinnen. SIAS verschaffen den Zugang zu kleineren Datenbanken und sind in einem tieferen Preissegment, dem Entry-Level Bereich, angesetzt. Sie verfügen nicht über dieselbe hohe Ausfallsicherheit wie ein Mainframe oder ein UNIX Server.
10 UNIX ist ein hochstandardisiertes Betriebssystem, aus dem die Hersteller eigene Varianten entwickelt haben (z.B. Sun Solaris, IBM AIX, Compaq-Unix, HP-Unix).
28. Die Tatsache, dass einige Anbieter von Servern sich auf einen Markt spezialisieren (z.B. Dell auf das SIAS-Segment, wohingegen Sun bloss auf dem UNIX Server Markt tätig ist), ist ein Hinweis auf Unterschiede zwischen diesen Märkten.
29. Abklärungen des Sekretariats haben ergeben, dass innerhalb einer Prozessor-Architektur (SIAS, RISC Server etc.) eine Substitution leicht möglich ist (wenn auch ab einer gewissen Grösse eine Hardwareerneuerung anfällt). Über Architekturgrenzen hinaus ist ein Wechsel sehr schwierig beziehungsweise kostenintensiv, da eine derartige Umstellung eine komplett neue Softwareausstattung (Betriebssystem, aufgesetzte Produkte), Umschulung der Mitarbeiter und so weiter erfordert. Die verschiedenen Prozessor-Architekturen können nur mit einer ganz bestimmten Menge von in Frage kommenden Betriebssystemen kombiniert werden. So sind zum Beispiel einige Softwareanwendungen nur auf Servern von Intel lauffähig. Unternehmen wollen nach Angaben eines Konkurrenten von HP und Compaq einen Architekturwechsel möglichst vermeiden, da dieser mit hohen Kosten verbunden ist. Von einigen Kunden wurde auch die Aussage gemacht, dass sich die Frage nach einem Architekturwechsel gar nicht stellt.
30. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die eingangs erwähnte Einteilung des sachlich relevanten Marktes nach Preisklassen mit einer Aufteilung des Servermarktes aufgrund der Architektur weitgehend übereinstimmt, da Mainframe Server hauptsächlich der höchsten Preisklasse angehören, UNIX Server im Midrange Server Markt angesiedelt sind und praktisch sämtliche Industry-Standard Server im Entry-Level Markt verkauft werden. Deshalb kann an der bisherigen Praxis der Wettbewerbskommission festgehalten werden.
d. Speichersysteme (Storage-Systems)
31. Storage ist das Speichern von Daten in elektromagnetischer oder optischer Form für den Zugriff durch einen Computerprozessor.
32. Die Nachfrage nach elektronischer Speicherkapazität hat in den letzten Jahren aufgrund der Ausbreitung des Internets und der weiten Verbreitung von PC drastisch zugenommen. So wuchs der Storagemarkt um das Jahr 2000 etwa doppelt so schnell als der Servermarkt. Infolge dieser Entwicklung und des raschen technologischen Wandels dürfte die zeitliche Gültigkeit einer genauen sachlichen Marktabgrenzung im Bereich Speichersysteme verhältnismässig kurz ausfallen.
33. Eine sachlich relevante Abgrenzung kann sicherlich zwischen den Märkten für Magnetdisks (Disk-Storage), Magnetbänder (Tape-Storage) und optische Datenträger (Optical-Storage) gezogen werden. Diese drei Speichermedien dienen unterschiedlichen Zwecken (die Magnetbänder werden beispielsweise nur noch für back-ups und Archivierungszwecke verwendet) und sind auch hinsichtlich ihrer Leistungskapazität und Preise verschieden. Aus der Sicht der Marktgegenseite dürften Substitutionsmöglichkeiten zwischen diesen Bereichen nur in geringem Umfang gegeben sein, weshalb der Storagemarkt in die drei sachlich relevanten Märkte Disk-Storage, Tape-Storage und Optical-Storage unterteilt wird.
34. Im Markt für Disk-Storage Systeme stellt sich die Frage, ob nicht eine weitere Abgrenzung zwischen Server-Storage 11 und Enterprise-Storage 12 angebracht wäre. Die meisten Händler führen beide Systeme in ihrem Verkaufsangebot. Zudem lässt sich eine Verlagerung der Nachfrage vom Bereich Server-Storage in Richtung Enterprise-Storage feststellen. Dies lässt auf eine gewisse Substituierbarkeit zwischen diesen Bereichen schliessen. Die Frage nach einer weiteren Abgrenzung der Disk-Storage Systeme kann im vorliegenden Zusammenhang jedoch offen gelassen werden, da weitere wettbewerbsrechtliche Probleme unabhängig von der Marktabgrenzung sind 13.
e. IT-Services
35. IT-Services beinhalten die Planung, Lieferung und Implementierung von Hard- und Software sowie die Wartung von informationsbeziehungsweise kommunikationstechnischen Applikationen bis hin zur Unterstützung und Schulung ihrer Anwender 14.
36. Die beteiligten Unternehmen schlagen eine sachliche Marktabgrenzung vor, die sämtliche IT-Services umfasst. Als Begründungen werden aufgeführt: einerseits die zunehmende Tendenz der Endkonsumenten, umfassende Dienstleistungspakete nachzufragen sowie der rasche technologische Wandel im Bereich IT-Services andererseits.
37. Die Europäische Kommission verwendete hingegen bis anhin eine Unterteilung in die sachlich relevanten Märkte IT Management Services, Business Management Services, Software Development and Integration, IT and Business Consulting, Software Maintenance and Support, Hardware Maintenance and Support, Personal Education and Training, Transaction Processing und Dienstleistungen im Bereich des E-Commerce 15.
38. Die Wettbewerbskommission hat bis anhin keine genaue Abgrenzung des Marktes für IT-Services vorgenommen. Die Frage der weiteren Unterteilung des Bereiches IT-Services kann indes auch im vorliegenden Fall offen gelassen werden.
11 Server-Storage umfasst Speichersysteme, welche einen komplementären Zusatz zu einem Server darstellen.
12 Enterprise-Storage bezeichnet Speichersysteme für Kunden, die einen von einem Serverkauf unabhängigen Bedarf an Speicherkapazität haben.
13 Vgl. EU Case No IV/M. 1694 EMC/Data General 14 RPW 1998/2, Compaq/DEC, S. 276 15 Vgl. zum Beispiel EU Case No COMP/M.2478 - IBM Italia/Business Solutions/JV
f. Handheld-Information-Devices
39. Handheld-Information-Devices sind Rechner im Taschenformat, die für die Berechnung, Sammlung, Speicherung und den Transfer von Informationen entwickelt wurden.
40. Solche Kleinrechner lassen sich in zwei Gruppen einteilen:
?? Bei einem Personal-Digital-Assistant (nachfolgend "PDA") handelt es sich um einen elektronischen Filofax, mit dem - ähnlich einer Agenda - Informationen abgerufen und festgehalten werden können (Kalender, Notizen, Adressen; so genanntes Personal Information Management, PIM). PDAs können mit einem Netzzugang versehen sein, indem entweder eine kabellose Anschlusseinheit integriert ist, oder es besteht die Möglichkeit, ein externes Modem anzuschliessen.
?? Bei den Mobiltelefonen kann zwischen Smart Phones und Features Phones unterschieden werden. Smart Phones bieten nebst dem Telefonverkehr auch PIM-Applikationen an und können mit zusätzlichen Anwendungen ergänzt werden (dies geschieht in Form des elektronischen Datenverkehrs wie Internet, Videostreaming, Digitalkamera, MP3-Player etc.). Features Phones bieten ebenfalls Telefonfunktionen und PIM-Applikationen an, verfügen aber über ein vom Hersteller definiertes fixes Dienstangebot.
41. Die beiden beteiligten Unternehmen sind bloss im Bereich der PDAs tätig. Die Frage, ob alle Handheld Information Devices (d.h. sowohl PDAs als auch Smart Phones und Features Phones) zum selben sachlich relevanten Markt gehören, kann im vorliegenden Fall offen bleiben, da es in beiden Fällen lediglich zu geringen Marktanteilsadditionen kommt.
1.2. Geografisch relevante Märkte
42. Für PC, Drucker, Server und Speichersysteme weist der geografisch relevante Markt mindestens europäische, wenn nicht sogar weltweite Dimensionen auf. Als Begründung hierfür können folgende Aspekte aufgeführt werden 16:
?? Tiefe Transportkosten im Verhältnis zum Preis
?? Weitgehend homogene Präferenzen der Anwender
?? Weitgehend homogene Produkteigenschaften
?? Europaweite, wenn nicht sogar weltweite Präsenz der Hersteller mit vergleichbarer Organisation des Vertriebs.
16 Vgl. EU Case No COMP/M.1694-EMC/Data General; Case No IV/M.1120-Compaq/Digital; Case No IV/JV.22-Fujitsu/Siemens; Case No COMP/M.1643–IBM/Sequent
43. Die Ermittlungen des Sekretariats haben ergeben, dass der geografisch relevante Markt für IT-Services vor allem bei kleineren Projekten höchstens national ist, weil kundenbasierte Lösungen entsprechend der lokalen Sprache und Geschäftspraktiken zur Anwendung gelangen. Trotz Trends zur Internationalisierung bei Grossprojekten 17 gilt für die IT-Services ein schweizerischer Markt.
2. Stellung auf den betroffenen Märkten 18
44. Gemäss Artikel 11 Absatz 1 Buchstabe d Verordnung über die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen (VKU, SR 251.4) werden nur diejenigen sachlichen und räumlichen Märkte einer eingehenden Analyse unterzogen, in welchen der gemeinsame Marktanteil in der Schweiz 19 von zwei oder mehr der beteiligten Unternehmen 20% oder mehr beträgt oder der Marktanteil in der Schweiz von einem der beteiligten Unternehmen 30% oder mehr beträgt (diese Märkte werden als "vom Zusammenschluss betroffene Märkte" bezeichnet). Wo diese Schwellen nicht erreicht werden, kann von der Unbedenklichkeit des Zusammenschlusses ausgegangen werden. In der Regel erübrigt sich dann eine nähere Prüfung.
45. Eine Zusammenstellung der Tätigkeiten der beteiligten Unternehmen in den relevanten Märkten einschliesslich der dazugehörigen Marktanteile anhand der verkauften Stückzahlen liefert die nachfolgende Tabelle. Abgesehen vom Markt für IT-Services beziehen sich die Zahlen auf Westeuropa (EWR und die Schweiz). Zu beachten gilt, dass die Marktanteile je nach Berechnungsgrundlage (Umsatz, verkaufte Stückzahlen) erheblich schwanken können.
17 Vgl. EU Case No COMP/M.2478 IBM Italia/Business Solutions/JV
18 Zur Stellung auf den betroffenen Märkten vgl. EU Case No Comp/M.2609 - HP/Compaq, S. 6 ff.
19 Die Definition der betroffenen Märkte erfolgt vorliegend anhand des geografisch relevanten Marktes Europa (vgl. Rz. 42 f.). Die Verhältnisse auf dem europäischen und dem schweizerischen Markt sind jedoch vergleichbar.
PC Jahr
2000
Server Jahr 2000
Drucker Jahr 2000 20 Speichersysteme 21
Handhelds
Jahr 2001/
Quartal 3
Units 22
IT-Services Jahr 2000 23
HP (0%-10%) (10%-20%) (40%-50%) keine
Antwort
(0%-10%) (0%-10%)
Compaq (10%-20%) (10%-20%) (0%-10%) keine
Antwort
(10%-20%) (0%-10%)
Wichtigste
Konkurrenten
Fujitsu-
Siemens
(10%-20%)
Dell
(10%-20%)
IBM
(0%-10%)
IBM
(20%-30%)
Sun
(10%-20%)
Fujitsu-
Siemens
(0%-10%)
Epson
(10%-20%)
Lexmark
(10%-20%)
Canon
(10%-20%)
keine
Antwort
Nokia
(20%-30%)
Palm
(20%-30%)
Casio
(10%-20%)
IBM
(10%-20%)
Swisscom
(10%-20%)
Debis
(0%-10%)
46. Eine weitere Unterteilung des Bereiches PC gemäss Randziffer 11 ff. ergibt folgendes Bild:
HP Compaq Konkurrenten
Desktop (0%-10%) (10%-20%) Dell (0%-10%) Fujitsu-Siemens (10%-20%)
Laptop (0%-10%) (10%-20%) Toshiba (10%-20%) Dell (10%-20%)
Workstation (20%-30%) (10%-20%) Sun (20%-30%) IBM (10%-20%) Dell (10%-20%)
20 Angaben sind nur für den Druckermarkt als Ganzes verfügbar.
21 Für den gesamten Speichermarkt (Disk-, Tape- und Optical-Storage) sind keine Zahlen vorhanden. Für die einzelnen Segmente siehe Rz. 47.
22 Infolge der Volatilität der Marktanteile sind die aktuellsten Zahlen am aussagekräftigsten.
23 Marktanteil der IT-Services anhand Umsatz
47. Eine weitere Unterteilung des Serverbereichs gemäss Randziffer 19 ff. ergibt folgendes Bild:
HP Compaq Konkurrenten
Entry-Level Server (10%-20%) (30%-40%) IBM (10%-20%) Fujitsu-Siemens (0%-10%)
Midrange Server (20%-30%) (0%-10%) IBM (20%-30%) Sun (20%-30%) Fujitsu-Siemens (0%-10%)
High-End Server (0%-10%) (10%-20%) IBM (30%-40%) Sun (10%-20%)
48. Eine weitere Unterteilung des Bereichs Speichersysteme gemäss Randziffer 31 ff. ergibt folgendes Bild:
HP Compaq Konkurrenten
Disk-Storage (10%-20%) (20%-30%) EMC (10%-20%) IBM (10%-20%)
Tape-Storage Tape-Drives 24 (30%-40%) (0%-10%) Seagate (20%-30%) Sony (10%-20%)
Tape-Storage Tape-Libraries 25 (30%-40%) (0%-10%) ADIC (10%-20%) Sony (10%-20%)
Optical-Storage Optical library/ jukebox devices
(50%-60%) (0%-10%) Plasmon (40%-50%)
24 Tape-Drives sind einzelne Magnetband-Speichergeräte.
25 Tape-Libraries sind mehrere Tape-Drives, die zu einer integrierten Lösung verknüpft werden.
49. Gemäss obigen Tabellen bestehen für PC (Desktops, Laptops, Workstations), Server (Entry-Level, Midrange und High-End), Drucker und Speichersysteme (Disk-, Tape- und Optical-Storage) betroffene Märkte, nicht hingegen für die Bereiche Handheld-Information-Devices und IT-Services.
2.1. Aktuelle Konkurrenz
a. Personal Computer
50. Eine Übersicht über die wichtigsten PC-Hersteller sowie deren Marktstellung zeigt nachfolgende Grafik.
[Geschäftsgeheimnis]
51. Wie die obige Grafik zeigt, waren die fünf grössten Unternehmen im PC-Markt in den letzten drei Jahren die gleichen: nämlich Compaq, Dell, HP, Fujitsu-Siemens und IBM. Es gab jedoch Verschiebungen innerhalb dieser Gruppe, wobei vor allem der Aufstieg von Dell bemerkenswert ist. Im Mittelfeld befinden sich zum Beispiel Acer, NEC, Toshiba oder Apple. Zusätzlich gibt es eine beachtliche Anzahl von kleinen, eher lokal tätigen Herstellern mit wenig bekannten Markennamen (so genannte White-Box-Players).
52. Die Aufteilung nach Desktops, Workstations und Laptops ergibt ein ähnliches Bild. Einige Wettbewerber weisen jedoch besondere Stärken in einem bestimmten Markt auf. Illustrativ ist sicherlich die bedeutende Stellung von Toshiba bei den Laptops. Auffallend ist, dass viele Hersteller in sämtlichen drei PC-Bereichen tätig sind.
53. Gemäss den vom Sekretariat durchgeführten Abklärungen herrscht im PC-Markt wirksamer Wettbewerb. Zum einen ist die Anzahl im PC-Markt tätiger Unternehmen beachtlich, und die Angebotsbeziehungsweise Anbietervielfalt wird von den befragten Kunden als genügend gross eingeschätzt. Zum Zweiten ist die PC-Industrie durch kurze Innovationszyklen gekennzeichnet. Die Lebensdauer eines PC's beträgt durchschnittlich drei bis vier Jahre, wobei die Lebensdauer oft durch neue Technologien und Software und nicht durch die Abnützung bestimmt wird. In Zukunft sind hinsichtlich der technologischen Weiterentwicklung höhere Systemleistungen und weitere Integrationsmöglichkeiten der PC vor allem in den Multimediabereichen zu erwarten.
b. Drucker
54. Der Zusammenschluss ist für den Bereich Drucker von vornherein unproblematisch, da praktisch keine Marktanteilsadditionen resultieren. Compaq verkauft Drucker im Rahmen einer Vereinbarung mit Lexmark nur in einer geringen Anzahl an einige ausgewählte Kunden.
55. Erwähnenswert ist die starke Stellung von HP im Druckergeschäft 26. Diese starke Stellung könnte insbesondere den wirksamen Wettbewerb beeinflussen, falls keine offenen Schnittstellen zu PC bestünden und/oder Koppelungsgeschäfte zwischen PC und Drucker in grossem Umfang getätigt würden. Abklärungen des Sekretariats haben ergeben, dass eine denkbare Koppelung zwischen Druckern und PC nur in vernachlässigbarem Umfang stattfindet und als wenig erfolgsversprechende Wettbewerbsstrategie betrachtet wird.
56. Die Europäische Kommission kommt zudem zum Schluss (Case No IV/35.741), dass HP bei den Tintenstrahldruckern nicht über eine marktbeherrschende Stellung verfügt, insbesondere da für den Anwender keine Probleme bei der Umstellung zu einem anderen Druckerhersteller entstünden und die Innovationszyklen kurz seien.
c. Speichersysteme
Disk-Storage
57. Die Nachfrage nach Disk-Storage-Systemen ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Die grossen Anbieter stehen in einem intensiven Wettbewerbsverhältnis zueinander. Der Disk-Storage-Markt kann als sehr dynamisch bezeichnet werden. Dies zeigt sich schon daran, dass die Marktanteile der Unternehmen in den letzten Jahren relativ instabil waren.
58. HP und Compaq sind vor allem im Server-Storage-Markt stark vertreten 27. Seit einigen Jahren ist aber eine stetige Verlagerung der Nachfrage in Richtung Netzwerkspeichersysteme (Teil der Enterprise-Storage) feststellbar. In diesem Bereich ist EMC klarer Marktleader, und neue Unternehmen wie Network Appliance haben markante Marktanteilssteigerungen verbuchen können. Aber auch im Server-Storage-Markt hat es genügend grössere und kleinere Konkurrenten, die einen wirksamen Wettbewerb gewährleisten.
59. Der Disk Storage Markt ist durch ständige Innovation gekennzeichnet. Das macht diesen Markt angreifbar und somit für neue Unternehmen interessant. In den letzten Jahren sind etliche durch Venture Capital finanzierte Start-up-Unternehmen (so z.B. Dot Hill Systems Corps, Yotta Yotta Inc., 3Ware etc.) in diesen Markt eingedrungen.
26 Der Marktanteil von HP betrug im Jahr 2000 für Westeuropa (50%-60%) bei den Tintenstrahldruckern und (50%-60%) bei den Laser-Druckern.
27 Addierter Marktanteil in Westeuropa von (40%-50%) im Jahr 2000
Tape-Storage
60. Tape-Storage-Systems oder Bandspeichersysteme sind die ältesten Speichersysteme, die immer noch verwendet werden. Da die Daten auf ein magnetisches Band geschrieben werden müssen und von da auch wieder abgelesen werden, sind die Vorgänge relativ zeitintensiv. Hingegen ist es ein langzeitsicheres und kostengünstiges Speichermedium.
61. Sowohl HP als auch Compaq verkaufen Bandspeichersysteme (Tape-Drives sowie Tape-Libraries). Diese werden hauptsächlich von Kunden zu Archivierungszwecken verwendet.
62. HP produziert einen Teil ihrer Tape-Storage-Produkte selbst. Compaq hingegen bietet nur ein begrenztes Sortiment an, welches komplett von dritten Unternehmen hergestellt wird. Die von Compaq vertriebenen Produkte werden unter anderem Markennamen auch von weiteren Händlern angeboten.
63. Die hohen Marktanteile von HP beruhen darauf, dass sie hauptsächlich im Low-End Tape-Storage-Markt tätig sind. Sie haben deshalb grosse Stückzahlen, generieren aber nur wenig Umsatz. Würde man die Marktanteile nach Umsatz berücksichtigen, läge HP an fünfter Stelle. Zudem stützt sich die IDC-Statistik auf die Verkaufszahlen, welche sie dann den jeweiligen Herstellern zurechnet. Das führt in diesem Fall dazu, dass Compaq als Nichtproduzent über keine Marktanteile verfügt. Verwendet man die Verkaufszahlen direkt als Berechnungsgrundlage, hat HP einen Marktanteil von (10%-20%) im Tape-Drive-Segment und (0%-10%) im Tape-Library-Segment. Compaq seinerseits verfügt so über je (10%-20%) Marktanteil. Die aktuelle Konkurrenz im Tape-Storage-Markt ist aber dennoch stark ausgeprägt, und die Aktivitäten von Compaq in diesem Bereich sind von untergeordneter Bedeutung.
Optical-Storage
64. Bei den Optical-Storage-Systems werden Computerdaten durch Lasertechnik auf einem optischen Datenträger gespeichert und verwaltet. Diese optischen Speichersysteme beinhalten CDs, DVDs und andere Technologien.
65. Nur HP, nicht aber Compaq, verkauft Optical-Storage-Systems. Es kommt somit zu keinen Marktanteilsadditionen. Da Compaq auch nicht die Absicht hat, in dieses Marktsegment einzusteigen, kann auf eine detailliertere Analyse verzichtet werden.
d. Server
High-End Server
66. Marktführerin im High-End Bereich ist IBM. Sowohl HP als auch Compaq sind in diesem Markt tätig; durch das Zusammenschlussvorhaben kommt es zu unbedeutenden Marktanteilsadditionen (vgl. Rz. 47).
Midrange Server
67. In diesem Markt ist Sun weltweit Marktführerin. Die von Sun verwendeten RISC-Prozessoren sind derart konzipiert, dass sie bloss mit den von Sun entwickelten Betriebssystemen kompatibel sind. Diese selbstentwickelten Betriebssysteme werden von vielen unabhängigen Softwareverkäufern unterstützt. Da Unternehmen zuerst die Software (d.h. das Betriebssystem; in diesem Fall ein Betriebssystem von Sun) auswählen und dann erst den Prozessor (der in diesem Fall notwendigerweise ein von Sun hergestellter Unix Server ist), konnte Sun seine Leaderposition ausbauen. Sun wird aber stark konkurrenziert von IBM, da auch IBM über eigene leistungsfähige Betriebssysteme verfügt.
68. Mehr als (80%-90%) des im Midrange-Markt erzielten Umsatzes in Europa wird von den vier Unternehmen Sun, IBM, HP und Compaq erzielt. Zwischen HP und Compaq bestehen im Bereich der Verkaufszahlen grosse Unterschiede. So hatte HP im Jahr 2000 einen Marktanteil von (20%-30%) in Westeuropa, während Compaq im selben Jahr einen solchen von (0%-10%) aufwies (vgl. Rz. 47). Compaq hat seit 1997 im Markt für Midrange Server Anteile gewonnen. Insbesondere durch die Akquisition von Tandem und Digital Equipment Corporation in den Jahren 1997 beziehungsweise 1998 stieg Compaq zu den sechs grössten Serverherstellern im Midrange-Markt auf.
69. Durch das Zusammenschlussvorhaben kommt es zu Marktanteilsadditionen und die Parteien können ihre Position gegenüber den Konkurrenten Sun und IBM stärken.
Entry-Level Server
70. [...] aller weltweit verkauften Server waren SIAS (Standard Intel Architecture Server). Compaq verfügt über einen hohen Marktanteil in Europa im Bereich der Entry-Level Server und weist im Bereich der Industry-Standard Server in Europa den höchsten Umsatz auf. Dell ist einer der grössten Konkurrenten von Compaq; zudem wird Dell ein Wachstum von bis zu 40% vorausgesagt.
71. Durch das Zusammenschlussvorhaben kommt es zu hohen Marktanteilsadditionen in diesem Segment. Die aktuelle Konkurrenz ist aber auch nach dem geplanten Zusammenschluss beachtlich, da in diesem Markt nebst grossen Unternehmen auch kleinere mit einem Marktanteil von insgesamt [...] vertreten sind.
Tendenzen und Entwicklungen
72. Es besteht im weltweiten Servermarkt bezüglich der Funktionalität die Tendenz einer Verlagerung von High-End zu Midrange Servern und von Midrange zu Entry-Level Servern. Diese Entwicklung basiert auf der Nachfrage nach immer kostengünstigeren Produkten. Somit
werden anstelle von High-End Servern mit proprietären Mainframes und Betriebssystemen vermehrt Midrange Server nachgefragt. Diese Tendenz zeigt sich an den steigenden Marktanteilen von UNIX Servern von Herstellern wie Sun, Compaq und HP.
73. Der Midrange-Servermarkt befindet sich in einem Wachstum, insbesondere durch das Clustering 28, das tiefere Preisniveau im Vergleich zu High-End Servern und der verbesserten Leistung der heutigen Midrange Server, die viele Funktionen übernehmen können, die in den 1980er und frühen 90er Jahren noch den High-End Servern überlassen waren.
74. Mittels der Partitionierung können einige Midrange oder High-End Server ähnlich wie ein Netzwerk von Entry-Level Servern funktionieren 29.
75. Von der Einführung des neuen Intel Itanium Prozessors (der zur Itanium Processor Family gehört und von Intel und HP gemeinsam entwickelt worden ist 30) wird gemäss Angaben der beteiligten Unternehmen erwartet, dass die Leistungslücke, die bislang zwischen RISC-Plattformen und Industry-Standard Plattformen herrschte, geschlossen wird. Ein IPF-basierter Server zeichnet sich durch eine hohe Leistungsfähigkeit aus, die bisher bloss auf proprietären Architekturen möglich war 31.
76. Die oben genannten Gründe zeigen die sich schnell ändernde technologische Entwicklung in den Servermärkten auf.
e. Zwischenergebnis
77. Der Zusammenschluss hat vor allem in den Märkten Entry-Level und Midrange Server sowie Workstations beachtliche Marktanteilsadditionen zur Folge und verstärkt damit die Position der beteiligten Unternehmen in diesen Märkten deutlich.
2.2. Potenzielle Konkurrenz
78. Die Beurteilung der potenziellen Konkurrenz erfolgt im Allgemeinen für die gesamte IT-Branche, da die gleichen Argumente (mit unterschiedlicher Gewichtung) auf alle oben erwähnten IT-Märkte
28 Clustering ist ein Vorgang, bei dem eine Anzahl leistungsschwächerer Server in einem Netzwerk zusammengeschlossen werden, und so eine Leistung erzielt werden kann, die derjenigen eines leistungsstärkeren und teureren Servers entspricht.
29 Partitionierung ist ein Vorgang, bei dem ein Midrange Server aufgestückelt wird, so dass verschiedene Einheiten diesen Server gebrauchen können, aber die Einheiten untereinander keinen Zugriff auf die anderen Servereinheiten haben. 30 www.hp.com/products1/itanium/index/html 31 www.intel.de/deutsch/eBusiness/products/itanium/faqs
anwendbar sind. Jedoch zielen diese Argumente im Speziellen auf die in Randziffer 76 erwähnten Märkte ab, bei welchen in Bezug auf die aktuelle Konkurrenz die Position der beteiligten Unternehmen wesentlich verstärkt wird.
a. Wachstumsmarkt
79. Die IT-Branche ist insgesamt, wie auch die EU ausführt 32, durch ein andauerndes hohes Wachstum sowie einen hohen Innovationsgrad gekennzeichnet. Treibende Faktoren dieser Entwicklung sind momentan vor allem das Internet und die Telekommunikation. Ausgenommen von dieser Entwicklung sind zurzeit lediglich der Drucker- sowie teilweise der PC-Markt, wo Sättigungstendenzen zu verzeichnen sind. Der wenig reife Entwicklungsstand der gesamten IT-Branche zieht folgende Konsequenzen für die Wettbewerbsverhältnisse nach sich:
?? Die Unternehmen sind gezwungen, Produktaber auch Prozessinnovationen vorzunehmen, um ihre Marktanteile zu halten.
?? Grosse Verschiebungen in den Marktanteilen treten auf und werden aller Voraussicht nach auch in Zukunft möglich sein.
Als hervorragendes Beispiel des genannten Zwangs zu Prozessinnovationen dient die Hinwendung zu einem direkten Vertriebsmodell 33, auf welchem der Erfolg von Dell basiert. Die wichtigsten Konkurrenten von Dell (darunter auch HP und Compaq) haben den Aufbau eines direkten Vertriebsmodells angekündigt beziehungsweise bereits damit begonnen. Der Aufbau eines derartigen Vertriebssystems ist mit erheblichem Kapitalaufwand verbunden.
80. Die hohen Wachstumsraten im IT-Markt wirken senkend auf die Markzutrittsschranken und erhöhen damit die potenzielle Konkurrenz. Der Markteintritt ist möglich, ohne aktuellen Konkurrenten ihren Umsatz streitig zu machen.
81. Standardisierungen und die damit verbundene Kompatibilität zwischen Geräten verschiedener Hersteller sind in der IT-Branche relativ weit verbreitet.
82. Neben einigen historischen Gründen haben sich Standardisierungen vor allem infolge der Bedürfnisse der Kunden nach Kompatibilität der Geräte durchgesetzt. Das Bedürfnis der PC- und Serverhersteller nach einer Auslagerung gewisser Produktionsprozesse an wenige Hersteller hat die Standardisierung ebenfalls gefördert.
32 Vgl. EU Case No Comp/M.2609 - HP/Compaq, Rz. 32 f., 38 f.
33 Mit dem direkten Vertrieb ist der Verkauf der Produkte vom Hersteller, ohne Zwischenhändler, an den Käufer gemeint. Dieses Vertriebsmodell reduziert typischerweise die Lagerbestände und damit die Kosten für den Hersteller.
83. Weit verbreitet sind zurzeit die Standards von Intel bei den Mikroprozessoren und von Microsoft bei den Betriebssystemen. Microsoft und Intel haben ein grosses Interesse daran, dass ihre Standards auf der nachgelagerten Stufe, welcher HP und Compaq angehören, zur Anwendung kommen.
84. Mit der verbreiteten Anwendung der erwähnten Standards wird ein gewichtiger Teil der Forschungsinvestitionen von den Herstellern von zum Beispiel PC und Servern auf die vorgelagerte Stufe (Intel, Microsoft) übertragen. Der Markzutritt ist für Hersteller demnach verhältnismässig einfach, solange sie die branchenüblichen Standards für ihre Produkte verwenden. Gemäss Angaben der beteiligten Unternehmen bestehen Geräte wie ein PC oder ein Entry-Level Server unterschiedlicher Hersteller zum Grossteil aus identischen Komponenten.
85. Das Vorhandensein offener Schnittstellen zwischen den Geräten, und damit das Ausmass der potenziellen Konkurrenz im IT-Markt, hängt stark von der Verbreitung und der Akzeptanz branchenweiter Standards ab. Abklärungen des Sekretariats haben keine Tendenzen aufgezeigt, wonach die Verbreitung derartiger Standards rückläufig wäre. Die befragten Unternehmen erwarten eher eine gegenteilige Entwicklung.
b. Grössen- und Verbundsvorteile
86. In allen Bereichen der IT-Branche ist das Nebeneinander von global tätigen Grossunternehmen wie HP, Compaq, IBM oder Dell mit kleineren eher lokal tätigen Unternehmen charakteristisch. Besonders ausgeprägt ist diese Struktur im PC-Bereich und bei den IT-Services.
87. Nachfolgend sind die Vor- und Nachteile von global tätigen Grossunternehmen in der IT-Branche aufgelistet.
Vorteile Nachteile
Realisierung sehr grosser Projekte für international tätige Konzerne möglich
Träge Struktur und hoher Administrationsaufwand
One-Stop-Shopping für den Kunden (der Kunde hat für sämtliche IT-Probleme nur einen Ansprechpartner)
Kunden wollen Abhängigkeit von einem Grossanbieter vermeiden
Grosse Servicepalette und weltweiter Support Wenig länderspezifische Produkte
Interoperabilität aufgrund Verwendung der gleichen Technologien (Standardisierung)
Wenig Nischenprodukte
Bekanntheitsgrad der Marke (Reputation)
Es sind zurzeit keine überragenden Grössen- und/oder Verbundsvorteile im IT-Markt zu beobachten, welche als gewichtige Marktzutrittsschranken wirken können. Der Marktzutritt dürfte aber vor allem bei grösseren und komplexeren Produkten deutlich schwieriger ausfallen als bei "Commodities" für den durchschnittlichen Benützer.
c. Branding
88. Markennamen (Brands) spielen in der Informationstechnologie für den Endanwender eine untergeordnete Rolle, da viele IT-Produkte als Commodities gelten. Entsprechend ist die Markentreue eher gering.
89. Dabei ist zu beachten, dass die Reputation eines Anbieters im geschäftlichen Umfeld, im Vergleich zum privaten Umfeld, eine höhere Bedeutung aufweist.
d. Zwischenergebnis
90. Aufgrund der in diesem Abschnitt erwähnten Gründe: Wachstumsmarkt, Standardisierung, wenig ausgeprägte Grössen- und Verbundsvorteile und Branding ist die potenzielle Konkurrenz zurzeit im IT-Markt beachtlich. Dies belegen vor allem die Schwankungen der Marktanteile sowie erfolgreiche Marktzutritte in den letzten Jahren.
IV ERGEBNIS
91. Die vorläufige Prüfung ergibt aus den genannten Gründen keine Anhaltspunkte, dass der Zusammenschluss eine marktbeherrschende Stellung begründet oder verstärken könnte. Die Voraussetzungen für eine vertiefte Prüfung des Zusammenschlusses nach Artikel 10 KG sind daher nicht gegeben.