Geldflussrechnung

Empfehlung 1 Die Geldflussrechnung stellt einerseits die Einzahlungen oder die Einnahmen der Berichtsperiode (Liquiditätszufluss) und andererseits die Auszahlungen oder die Ausgaben derselben Periode (Liquiditätsabfluss) dar. 2 Die Liquiditätszu- und –abflüsse verändern die flüssigen Mittel und kurzfristigen Geldanlagen. Zu diesen gehören Kassa-, Post- und Bankguthaben (Kontokorrentkredite), kurzfristige Geldanlagen, Debit- und Kreditkarten sowie übrige flüssige Mittel. 3 Es wird empfohlen, die Geldflussrechnung in drei Teilen zu präsentieren. Der erste Teil stellt den Geldfluss aus operativer Tätigkeit dar. Der zweite Teil stellt den Geldfluss aus Investitions- und Anlagentätigkeit dar. In diesem Teil wird ausdrücklich zwischen dem Geldfluss aus Investitionstätigkeit einerseits und demjenigen aus Anlagentätigkeit andererseits unterschieden. Der dritte und letzte Teil stellt den Geldfluss aus Finanzierungstätigkeit dar.

Erläuterungen Zu Ziffer 1 4 Die Geldflussrechnung ist eine Ursachenrechnung: Sie zeigt, wie sich die flüssigen Mittel und die kurzfristigen Geldanlagen aufgrund von Ein- und Auszahlungen der Berichtsperiode verändert haben. Das Beispiel in Tabelle 14-3 zeigt an einem Zahlenbeispiel, wie die Geldflussrechnung dargestellt werden muss.

Zu Ziffer 2 5 Kurzfristige Geldanlagen sind Finanzanlagen, die kurzfristig (innerhalb von maximal 3 Monaten) verflüssigt werden können und nur unwesentlichen Wertschwankungen unterliegen.

Zu Ziffer 3 6 Der Geldfluss aus operativer Tätigkeit zeigt auf, inwiefern diese Tätigkeit dem öffentlichen Gemeinwesen erlaubt, einen Überschuss an Liquidität zu generieren. Dieser Beitrag dient zur Finanzierung der anderen Tätigkeiten, oder zur Anhäufung der flüssigen Mittel und kurzfristigen Geldanlagen.

7 Typische Geldflüsse, welche in den Geldfluss aus operativer Tätigkeit eingehen, sind bei öffentlichen Körperschaften: – die Steuererträge; – die Gebührenerträge; – der Besoldungs- und Sachaufwand. In den Geldfluss aus operativer Tätigkeit gehen hingegen nicht ein: – Geldabflüsse für den Kauf von Sachanlagen des Verwaltungsvermögens (diese sind Teil des Geldflusses aus Investitionstätigkeit); – Geldabflüsse für den Kauf von Anlagen des Finanzvermögens (diese sind Teildes Geldflusses aus Anlagentätigkeit). 8 Für die Ermittlung des Geldflusses aus operativer Tätigkeit sind sowohl die direkte wie auch die indirekte Methode zulässig. Bei der direkten Methode werden die Einzahlungen den Auszahlungen der operativen Tätigkeit gegenübergestellt, und der Geldfluss wird als Saldo direkt berechnet. Die indirekte Berechnung geht vom Gesamtergebnis der Erfolgsrechnung aus, welches anschliessend um liquiditätsunwirksame Aufwände und Erträge sowie Veränderungen von übrigen Bilanzpositionen des Nettoumlaufvermögens bereinigt wird. Die nachfolgenden Tabellen stellen die zwei verschiedenen Methoden der Berechnung des Geldflusses aus operativer Tätigkeit dar. 9 Die Ein- und Auszahlungen aufgrund von ausserordentlichen Ereignissen werden in der Geldflussrechnung nicht separat ausgewiesen und zählen zum Geldfluss aus operativer Tätigkeit. 10 Der Geldfluss aus Investitionstätigkeit zeigt auf, in welchem Ausmass Ausgaben (minus Einnahmen) für Ressourcen, d.h. für produktives Kapital, das künftige Nutzen oder Erträge erbringen soll, getätigt wurden. Diese Ausgaben entsprechen den Aktiven des Verwaltungsvermögens, anders gesagt, den Investitionen, die dem öffentlichen Gemeinwesen erlauben seine ihm vom öffentlichen Recht verleihten Pflichten wahrzunehmen. 11 Der Geldfluss aus Investitionstätigkeit entspricht den Investitionseinnahmen minus der Investitionsausgaben (direkte Methode). Er deckt sich ebenfalls mit dem um nicht liquiditätswirksame Posten bereinigten Saldo der Investitionsrechnung (indirekte Methode). Dieser Geldfluss kann nach der direkten oder der indirekten Methode ermittelt werden. In der Regel ist dieser Geldfluss bei öffentlichen Körperschaften negativ. Die nachfolgenden Tabellen stellen die Berechnung des Geldflusses aus Investitionstätigkeit dar. 12 Der Geldfluss aus dem Erwerb und der Veräusserung von sonstigen Geschäftseinheiten gehört

zum Geldfluss aus Investitionstätigkeit.

13 Das Verhältnis zwischen dem Geldfluss aus operativer Tätigkeit und jenem aus Investitionstätigkeit ist von besonderem Interesse: Aus diesen beiden Teilsaldi der Geldflussrechnung ergibt sich, ob der (in der Regel positive) Geldfluss aus operativer Tätigkeit genügt, um den (in der Regel negativen) Geldfluss aus Investitionstätigkeit zu decken. 14 Der Geldfluss aus Anlagentätigkeit ins Finanzvermögen informiert über die verwendeten oder frei gewordenen flüssigen Mittel für Anlagen von Aktiven des Finanzvermögens. Der Verkauf solcher Anlagen ist möglich, da sie die Erfüllung einer gesetzlichen Aufgabe des öffentlichen Gemeinwesens nicht in Frage stellt. Die nachfolgenden Tabellen stellen die Berechnung des Geldflusses aus Anlagentätigkeit dar. 15 Der Transfer eines Aktivums vom Verwaltungs- ins Finanzvermögen, z.B. zum Zweck eines geplanten Verkaufs, hat keinen Einfluss auf die flüssigen Mittel. Deshalb wird kein Geldfluss, weder im Geldfluss aus Investitionstätigkeit noch in jenem aus Anlagentätigkeit, ausgewiesen. Im gleichen Sinn hat ein Transfer aus dem Finanz- ins Verwaltungsvermögen, z.B um dieses Aktivum für die Erfüllung einer öffentlichen Leistung zu gebrauchen, keinen Einfluss auf die flüssigen Mittel (kein Einfluss auf den Geldfluss aus Investitionstätigkeit oder jenen aus Anlagentätigkeit). 16 Der Geldfluss aus Finanzierungstätigkeit erlaubt es, die Veränderung der Verbindlichkeiten des öffentlichen Gemeinwesens gegenüber seinen Gläubigern darzustellen. 17 In den Geldfluss aus Finanzierungstätigkeit (siehe nachfolgende Tabellen) gehen z.B. ein: – Einzahlungen aus der Emission von Anleihen; – Einzahlungen aus der Aufnahme von Darlehen und Hypotheken und Auszahlungen für deren Tilgung. 18 Die Veränderung des Gesamtsaldos der Geldflussrechnung zeigt die Veränderung der flüssigen Mittel und kurzfristigen Geldanlagen auf. 19 Der zweite Teil der Geldflussrechnung vereint den Geldfluss aus Investitionstätigkeit und den Geldfluss aus Anlagentätigkeit (siehe Tabelle 14-1). Diese Zusammenlegung entspricht der Praxis im Privatsektor, im Besonderen den Normen von Swiss GAAP FER. Sie ist ebenfalls IPSAS-konform. In diesen Normen entspricht die Investitionstätigkeit dem Kauf und Verkauf von langfristigen Aktiven und anderen Anlagen, welche nicht in den kurzfristigen Geldanlagen enthalten sind.

20 Eine alternative Darstellung besteht darin, den Geldfluss aus Anlagentätigkeit nicht im zweiten, sondern im dritten Teil der Geldflussrechung, mit dem Geldfluss aus Finanzierungstätigkeit, darzustellen (siehe Tabelle 14-2). Diese Darstellung wird toleriert, da sie weitgehend dem Abschlussschema der Verwaltungsrechnung des HRM1 (manchmal auch Finanzierungsrechnung genannt) entspricht. Laut dieser Darstellung werden im zweiten Teil der Geldflussrechnung der Geldabfluss für den Kauf von Anlagen, und dazu gehören auch Sachanlagen des Finanzvermögens ausdrücklich vom Geldfluss aus Investitionstätigkeit ausgeschlossen. Indem der Geldfluss aus Investitionstätigkeit nur das produktive Kapital einbezieht, nähert er sich dem Begriff der Nettoinvestitionen an, welcher zur Berechnung des Selbstfinanzierungsgrades verwendet wird (siehe Fachempfehlung 18 betreffend die Finanzkennzahlen). Im dritten Teil der Geldflussrechnung widerspiegelt folglich der Geldfluss aus Finanzierungstätigkeit die Entwicklung der Nettoschuld in der Bilanz. In diesem Teil wird ausdrücklich zwischen dem Geldfluss aus Anlagentätigkeit und demjenigen aus Finanzierungstätigkeit unterschieden.

Beispiele und Illustrationen Tabelle 14-1 Geldflussrechnung : Empfohlene Darstellung

Direkte Methode Indirekte Methode Einzahlungen aus operativer Tätigkeit Gesamtergebnis der Erfolgsrechnung – Auszahlungen aus operativer Tätigkeit + liquiditätsunwirksame Aufwände der Erfolgsrechung – liquiditätsunwirksame Erträge der Erfolgsrechnung +/– Bestandesänderungen auf den übrigen Posten des Nettoumlaufsvermögens (+Bestandeszunahmen Passivkonto + Bestandesabnahmen Aktivkonto

  • Bestandeszunahmen Aktivkonto

  • Bestandesabnahmen Passivkonto) Geldfluss aus operativer Tätigkeit [GFO]

Direkte Methode Indirekte Methode Liquiditätswirksame Einnahmen Saldo der Investitionsrechnung der Investitionsrechnung (Nettoinvestitionen) – liquiditätswirksame Ausgaben + liquiditätsunwirksame Ausgaben der Investitionsrechnung der Investitionsrechnung – liquiditätsunwirksame Einnahmen der Investitionsrechnung Geldfluss aus Investitionstätigkeit ins Verwaltungsvermögen [GFI] Verkauf von Finanz- und Sachanlagen des Finanzvermögens (Konten 107 und 108) – Kauf von Finanz- und Sachanlagen des Finanzvermögens (Konten 107 und 108) Geldfluss aus Anlagentätigkeit ins Finanzvermögen [GFA] Geldfluss aus Investitions- und Anlagentätigkeit [GFI+A]

Finanzeinnahmen aus neuen kurz- und langfristigen Finanzverbindlichkeiten (ausser Investitionsbeiträge). – Finanzausgaben für die Tilgung von kurz- und langfristigen Finanzverbindlichkeiten (ausser Investitionsbeiträge) Geldfluss aus Finanzierungstätigkeit [GFF]

Veränderung der flüssigen Mittel und kurzfristigen Geldanlagen (Konto 100) zwischen 1.1.XX und 31.12.XX = [GFO] + [GFI+A] + [GFF]

Tabelle 14-2 Geldflussrechnung: Alternative Darstellung

Direkte Darstellung Indirekte Darstellung Einzahlungen aus operativer Tätigkeit Gesamtergebnis der Erfolgsrechnung – Auszahlungen aus operativer Tätigkeit + liquiditätsunwirksame Aufwände der Erfolgsrechnung – liquiditätsunwirksame Erträge der Erfolgsrechnung +/– Bestandesänderungen auf den übrigen Posten des Nettoumlaufsvermögen (+Bestandeszunahmen Passivkonto + Bestandesabnahmen Aktivkonto

  • Bestandeszunahmen Aktivkonto

  • Bestandesabnahmen Passivkonto) Geldfluss aus operativer Tätigkeit [GFO]

Direkte Darstellung Indirekte Darstellung Liquiditätswirksame Einnahmen der Investi- Saldo der Investitionsrechnung tionsrechnung (Nettoinvestitionen) – liquiditätswirksame Ausgaben der Investi- + liquiditätsunwirksame Ausgaben der Investionsrechnung titionsrechnung – liquiditätsunwirksame Einnahmen der Investitionsrechnung Geldfluss aus Investitionstätigkeit ins Verwaltungsvermögen [GFI]

Verkauf von Finanz- und Sachanlagen des Finanzvermögens (Konten 107 und 108) – Kauf von Finanz- und Sachanlagen des Finanzvermögens (Konten 107 und 108) Geldfluss aus Anlagentätigkeit ins Finanzvermögen [GFA] Finanzeinnahmen aus neuen kurz- und langfristigen Finanzverbindlichkeiten (ausser Investitionsbeiträge). – Finanzausgaben für die Tilgung von kurz- und langfristigen Finanzverbindlichkeiten (ausser Investitionsbeiträge) Geldfluss aus Finanzierungstätigkeit [GFF] Geldfluss aus Anlagentätigkeit ins Finanzvermögen und aus Finanzierungstätigkeit [GFA+F]

Veränderung der flüssigen Mittel und kurzfristigen Geldanlagen (Konto 100) zwischen 1.1.XX und 31.12.XX = [GFO] + [GFI] + [GFA+F]

Tabelle 14-3 Zahlenbeispiel für eine Geldflussrechnung

Gesamtresultat der Erfolgsrechnung (Aufwandüberschuss) -47‘557‘072

+ Abschreibungen Verwaltungsvermögen und Investitionsbeiträge 84'096‘417 (planmässige, ausserplanmässige, zusätzliche) + Wertberichtigungen von Darlehen und Beteiligungen VV 61'116‘606

– Zunahme / + Abnahme Forderungen bzw. laufende Verbindlichkeiten -12'605‘625 – Zunahme / + Abnahme Vorräte und angefangene Arbeiten -4'153‘181 – Zunahme / + Abnahme aktive Rechnungsabgrenzungen 33'277‘618 + Verluste / - Gewinne aus Verkauf FV bzw. Kursverluste / -Gewinne -11'687‘000

+ Zunahme / - Abnahme laufende Verpflichtungen (KK, Kreditoren) -6'577‘447 + Zunahme / - Abnahme Rückstellungen 44'408‘271 + Zunahme / - Abnahme passive Rechnungsabgrenzungen 2'978‘474 + Einlagen/ - EntnahmenVerpflichtungen für Spezialfinanzierungen, 12'372‘873 Fonds, Vorfinanzierungen sowie div. Reservenkonten des Eigenkapitals Geldfluss aus operativer Tätigkeit [GFO] 155'669‘934

+ Rückzahlungen von Darlehen und Beteiligungen 7‘742‘438 + Beiträge für eigene Rechnung 62‘205‘302 + Durchlaufende Beiträge 6‘266‘206 Liquiditätswirksame Einnahmen der Investitionsrechnung 76'213‘946

– Sachanlagen -138'985‘031 – Darlehen und Beteiligungen -1'689‘950 – Eigene Investitionsbeiträge -10'547‘608 – Durchlaufende Investitionsbeiträge -6'266‘206 Liquiditätswirksame Ausgaben der Investitionsrechnung -157'488‘795 Geldfluss aus Investitionstätigkeit ins Verwaltungsvermögen [GFI] -81‘274‘849

– Zunahme / + Abnahme Finanz- und Sachanlagen FV (kurzfristige) 40‘697 – Zunahme / + Abnahme Finanz- und Sachanlagen FV (langfristige) -17‘397 Geldfluss aus Anlagentätigkeit ins Finanzvermögen [GFA] 23‘300 Geldfluss aus Investitions- und Anlagentätigkeit [GFI+A] -81‘251‘549

+ Zunahme / - Abnahme langfristige Finanzverbindlichkeiten -21'005'101 + Zunahme / - Abnahme kurzfristige Finanzverbindlichkeiten -76'160'342 Geldfluss aus Finanzierungstätigkeit [GFF] -97'165‘443

Veränderung der flüssigen Mittel und kurzfristigen Geldanlagen -22‘747‘058 [GFO] + [GFI+A] + [GFF]