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Eloge funèbre

Forster-Vannini Erika · P-F · Conseil des Etats · St-Gall · Groupe radical-libéral

Traurig und tief betroffen haben wir vom Tod eines ehemaligen Kollegen Kenntnis genommen. Der frühere Ständerat und Ständeratspräsident Professor Gian-Reto Plattner ist am letzten Montag kurz vor seinem 70. Geburtstag, den er am heutigen Tag hätte feiern können, an seinem schweren Krebsleiden gestorben.

Seine politische Laufbahn begann der Sozialdemokrat Gian-Reto Plattner 1982 im Einwohnerrat von Riehen. Dem Grossen Rat des Kantons Basel-Stadt gehörte er 1984 bis 1992 an. Zwölf Jahre lang, von 1991 bis 2003, hat er sodann seinen Kanton im Ständerat vertreten. Höhepunkt seiner politischen Karriere war das Ständeratspräsidium in seinem letzten Amtsjahr. "Ich liebe diesen Rat heiss und präsidiere ihn mit Vergnügen", bekannte er einmal in einem Interview. Mit Beharrlichkeit und Humor hat er die langen Beratungen von komplexen Vorlagen vorangetrieben und dem Rat stets freundlich, aber bestimmt die vier K der Kleinen Kammer in Erinnerung gerufen: kurz, klug, konzis und konziliant.

Der Verstorbene hat diesem Ideal auch selber nachgelebt. Seine ersten kecken Voten zu Beginn, so sagte er einmal zu mir, hätten spöttische Reaktionen altgedienter Ratsmitglieder ausgelöst. Er übernahm aber rasch die unserem Rat eigene Kultur der Kollegialität und Konsensbereitschaft. Als unabhängige Persönlichkeit hat er diese Kultur gepflegt und geliebt, und mit seiner differenzierten Art und seinen scharfen, tiefschürfenden Analysen hat er sich bald grossen Respekt erworben. Sich selber sah er sowohl als Liberaler wie auch als überzeugter Sozialdemokrat. Sein Temperament, seinen Unabhängigkeitsdrang und eine gewisse Widerborstigkeit führte er stets auf seine bündnerischen Wurzeln zurück.

Als Wissenschafter und Professor für Physik waren ihm die Hochschul-, die Forschungs- und die Energiepolitik zentrale Anliegen. Er war Mitglied und zwei Jahre lang Präsident der UREK, ausserdem Mitglied der WAK, der WBK und der APK. In den Jahren 1995 bis 2001 war er auch Mitglied der Schweizer Delegation bei der Parlamentarischen Versammlung des Europarates und dort an vorderster Front an den Arbeiten zur Bioethik-Konvention beteiligt. Persönlich erinnere ich mich gerne an die vielen Stunden, in denen wir gemeinsam in einer Subkommission der UREK die ökologische Steuerreform erarbeitet haben. Wir haben uns auf Anhieb bestens verstanden und gingen mit grossem Elan an die Arbeit. Leider war dem Anliegen in der Volksabstimmung kein Erfolg beschieden.

"Meine Heimat macht mir Sorgen." Mit diesen Worten verabschiedete sich Gian-Reto Plattner am Ende der Herbstsession 2003 von uns. Er bleibt uns und der Öffentlichkeit nicht nur als vielseitiger, kompetenter, lösungsorientierter Politiker, sondern auch als besorgter Mahner in Erinnerung, der sich immer wieder engagiert zu Zukunftsfragen geäussert hat. Er wünsche sich zu seinem Abschied, so erklärte er einmal, eine Schweiz, die sich zu einer offeneren Gesellschaft entwickle, auf eine Rolle in der Welt zubewege und ihre komplizierten Strukturen zu überwinden vermöge. Bestes Mittel für die Zukunftssicherung waren für ihn ein leistungsfähiges Bildungs- und Hochschulsystem und Investitionen in Bildung und Forschung. Mit seinem letzten Vorstoss im Ständerat, der parlamentarischen Initiative 03.452, "Hochschulreform", gab er den Anstoss zum neuen Hochschulartikel in der Bundesverfassung, der in der Volksabstimmung vom 21. Mai 2006 mit 85,6 Prozent Jastimmen angenommen worden ist.

Gian-Reto Plattner wird uns stets in bester Erinnerung bleiben - als offener Geist, schneller Denker und leidenschaftlicher Politiker, aber auch als liebenswürdiger Gesprächspartner, als guter Freund und Kollege.

Im Namen der Bundesversammlung möchte ich seiner Familie von Herzen mein tiefstes Beileid aussprechen.

Ich bitte Sie und die Besucher auf der Tribüne, sich zu erheben und des Verstorbenen in einem Moment des Schweigens zu gedenken.

L'assistance se lève pour honorer la mémoire du défunt