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Débat sur une constitution européenne. Une chance pour la Suisse

Gross Andreas · Conseil national · Zurich · Groupe socialiste

Max Imboden, der Basler Staatsrechtler, hat schon 1963 eine europäische Verfassung entworfen. Meines Wissens ist es aber das erste Mal, dass wir das Projekt der europäischen Verfassung in der Schweiz diskutieren, das nicht nur eine Vergangenheit, eine Geschichte hat, sondern - davon bin ich überzeugt - das Projekt der europäischen Integration der nächsten dreissig Jahre ist.

Die Antwort des Bundesrates ist eigenartig unpräzise, "flou", "wolkig". Der Bundesrat sagt z. B., die Assoziation, der Vergleich bzw. die These, dass in der Geschichte der schweizerischen Verfassungsgebung viele Impulse auch für die Zukunft der europäischen Integration steckten, sei nicht falsch, aber auch nicht ganz richtig, weil die Voraussetzung der schweizerischen Integration in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine sprechende Kultur gewesen sei. Das ist historisch unpräzis, mit ganz schwierigen politischen Folgen:

Einerseits stimmt es natürlich, dass vorher so etwas wie eine Kultur die Basis für diese Integration schaffte. Aber unter Kultur versteht man oft nur die objektive Seite der Kultur, die Sprache z. B. oder das gemeinsame Erbe. Für die schweizerische Integration genauso entscheidend, vielleicht entscheidender, war aber der Wille, miteinander etwas zu tun, aus der Einsicht heraus, dass jeder für sich alleine dafür zu schwach ist.

Wenn ich das sagen darf: Das Tessin ist eigentlich ein Musterbeispiel dafür. Napoleon hatte ursprünglich die Idee einer cisalpinen Republik mit der Lombardei und dem Tessin. Es gab so genannt gebildete Leute im Tessin, die sich aufgrund der gemeinsamen italienischen Sprache, der gemeinsamen Kultur südlich der Alpen, eher dieser cisalpinen Republik anschliessen wollten als der Schweiz. Das können Sie im Buch von Beat Allenbach über das Tessin nachlesen. Die Mehrheit der Luganesi bekundete aber den Willen zur Freiheit mit den Schweizern und hat sich deshalb trotz der gemeinsamen Sprache, trotz der mit der Lombardei gemeinsamen Geographie des Raumes diesseits der Alpen für die schweizerische Integration und später für den schweizerischen Bundesstaat entschieden.

Das heisst also, man muss diesen Kulturbegriff viel präziser diskutieren. Entscheidend ist der Wille, nicht nur das gemeinsame Erbe. Wenn man das auf heute und auf die Zukunft der europäischen Integration überträgt, ist an diesem Willen eigentlich je länger, desto weniger zu zweifeln. Es ist schon gar nicht an der entsprechenden kulturellen Voraussetzung zu zweifeln. Das bedeutet ja nicht, dass man zum Beispiel gleich sein müsse in Bezug auf die Sprache und auf die Religion, sondern ganz verschiedene Leute können gerade aus ihrer Verschiedenheit heraus einen gemeinsamen politischen Willen zur Integration herausarbeiten.

Die Antwort auf Frage 2 meiner Interpellation ist auch eigenartig unpräzis. Hier muss man daran erinnern, dass die Interpellation mehr als ein Jahr alt ist. Doch das ist nicht so schlimm; die Antwort stammt aber vom September 2000. Sie wurde also ein halbes Jahr nach der vor allem durch den deutschen Aussenminister richtig lancierten Verfassungsdiskussion in Europa formuliert, und der Bundesrat, Herr Deiss, scheint immer noch zu glauben, dass eine Verfassung nur etwas für einen Staat sei.

Der Bundesrat möchte lieber von einem viel unpräziseren Grundrechtskatalog oder einer Charta reden. Als ehemaliger Präsident der Verfassungskommission wissen Sie selbst am allerbesten, dass in der Schweiz eigentlich die Kantone den Staat bilden. Der Bund hat aber auch eine Verfassung. In dieser Differenz kommt zum Ausdruck, dass eine Verfassung politische Macht legitimiert. Die Verfassung sagt, wo die Quelle und das Zentrum der politischen Macht ist. Das können die Kantone sein, die bei uns üblicherweise eben die staatliche Ebene bilden. L'Etat de Vaud ist der Kanton Waadt und nicht der Bund.

Die Bundesverfassung legitimiert das Handeln und die Macht des Bundesstaates. Es ist auch absolut in der Kontinuität der schweizerischen Verfassungsgeschichte, dass es einen europäischen Bundesstaat neuen Typus geben wird, in dem auch eine Verfassung die Macht legitimiert.

Wenn heute eine der ganz grossen Krisen der europäischen Integration diskutiert wird - Herr Schröder hat das im Europarat im September 2000 genau so gemacht -, nämlich die Überzentralisierung gewisser Aspekte der europäischen Integration und die unklare Aufgabenteilung zwischen Europa und den Nationalstaaten, so ist genau dies eine Materie, die nur in einer Verfassung geregelt werden kann. Deshalb, das ist das Entscheidende, frage ich mich, ob der Bundesrat hier nicht mehr Mut zeigen und eine Perspektive einnehmen sollte, die heute viele Regierungen von EU-Staaten teilen - z. B. der finnische Ministerpräsident -, eine Perspektive, welche der schweizerischen Bevölkerung eine Form der europäischen Integration eröffnen könnte, in der sie sich wieder viel mehr finden würde. In dieser Perspektive würde das Wichtigste, nämlich die hohe demokratische Sensibilität der schweizerischen Bevölkerung, beachtet; die Angst um den Verlust des Föderalismus und die Furcht vor zu viel Zentralismus würden aufgehoben. Auf diese Weise würden die Schweizerinnen und Schweizer eben erkennen, dass in der europäischen Zukunft auch ihre eigene Zukunft liegt und dass der Gegensatz, der uns ja seit einer Woche schwer beschäftigt, überwunden und aufgehoben werden könnte.

Deiss Joseph · BR-M · Conseil fédéral · Fribourg

J'ai, bien sûr, écouté avec beaucoup d'intérêt la leçon du professeur Gross Andreas qui a donné des notes moyennes au Conseil fédéral, qui serait trop flou dans ses réponses lorsque le conseiller national Gross demande notamment si le Conseil fédéral est prêt à soutenir et encourager le débat sur une constitution européenne, dans le cadre du Comité des ministres du Conseil de l'Europe. Il se réfère en cela à un projet de constitution européenne du professeur Rousseau de l'Université de Montpellier, élaboré sur mandat de la Commission pour des relations parlementaires et publiques de l'Assemblée parlementaire du Conseil de l'Europe. Il estime que ce projet revêt une importance particulière pour la Suisse car il constituerait une condition essentielle pour l'instauration du fédéralisme et la poursuite de la démocratisation dans l'Union européenne.

Les discussions au sein du Conseil de l'Europe au sujet d'une constitution européenne, notamment le projet Rousseau, n'ont pas été poursuivies, mais il existe à ma connaissance un groupe de parlementaires qui ont proposé l'élaboration d'une recommandation portant sur la rédaction d'une charte définissant les valeurs européennes communes.

Dans sa réponse du 6 septembre 2000, le Conseil fédéral souligne d'abord qu'il importe de différencier les travaux du Conseil de l'Europe des discussions relatives à une constitutionnalisation de l'ordre juridique de l'Union européenne. Il partage, bien sûr, l'intérêt que M. Gross porte au débat consacré aux valeurs fondamentales communes qui sont valables sur l'ensemble ou la majeure partie du continent européen, et il n'exclut pas que des expériences suisses faites dans notre histoire puissent étayer ce débat.

J'ai d'ailleurs moi-même été frappé par l'intérêt de mes collègues lorsqu'à la Conférence européenne de Sochaux, j'ai présenté quelques éléments clés de notre système politique et fédéral en relation avec les grandes discussions qui avaient lieu en guise de préparation pour le Sommet de Nice. Par conséquent, débattre des valeurs communes aux Européens constitue aussi la tâche principale du Conseil de l'Europe. Le Conseil fédéral ne saurait donc renoncer à participer à un tel débat.

En ce qui concerne l'attitude du peuple et des cantons face à l'Europe, celle-ci dépend évidemment de facteurs nombreux et un tel débat peut certainement être utile pour rendre les discussions plus concrètes et plus détendues. Le Conseil fédéral estime cependant qu'il ne lui appartient pas de se prononcer sur le bien-fondé du débat constitutionnel mené au sein de l'Union européenne. Il est conscient de l'importance de suivre de près ces développements et, en particulier, d'étudier les répercussions que l'évolution constitutionnelle au niveau de l'Union européenne pourrait avoir sur le mécanisme de défense des droits de l'homme mis en place par le Conseil de l'Europe, ainsi que les conséquences que cela pourrait avoir pour la Suisse.

Dans ce cadre-là, nous nous réjouissons déjà des échanges futurs.

Hess Peter · P-M · Conseil national · Zoug · Groupe démocrate-chrétien

Erklärung Urheberin/Urheber: teilweise befriedigt

Déclaration auteur/auteurs: partiellement satisfait