14.2011
Halte aux privilèges de la FIFA
Intervention de procédure
Antrag der Mehrheit
Der Petition keine Folge geben
Antrag der Minderheit
(Wermuth, Birrer-Heimo, Kiener Nellen, Leutenegger Oberholzer, Maire Jacques-André, Pardini, Schelbert)
Rückweisung an die Kommission
mit dem Auftrag, eine Initiative oder einen Vorstoss im Sinne der Petition auszuarbeiten.
Proposition de la majorité
Ne pas donner suite à la pétition
Proposition de la minorité
(Wermuth, Birrer-Heimo, Kiener Nellen, Leutenegger Oberholzer, Maire Jacques-André, Pardini, Schelbert)
Renvoyer la pétition à la commission
avec mandat d'élaborer une initiative ou une intervention parlementaire allant dans le sens de la pétition.
Büchel Roland Rino · Mit-M · Conseil national · St-Gall · Groupe de l'Union démocratique du Centre
Zunächst zur Klarstellung: Interessenbindungen habe ich keine in dieser Sache. Doch ich arbeitete vor rund 15 Jahren für eine Marketingagentur, welche milliardenschwere Rechte an den Sportveranstaltungen der Fifa, der Uefa und des IOC hielt. Ich war später auch für Projekte in Argentinien sowie in Trinidad und Tobago für die Fifa-Marketing AG und für den Afrikanischen Fussballverband im westafrikanischen Mali zuständig.
Nun zur Petition der Juso und von Solidar Suisse: Diese Petition wurde am 18. August 2011 mit 598 Unterschriften und 10 033 elektronischen Einträgen eingereicht. Sie fordert die Aufhebung der Steuererleichterungen und Steuerbefreiungen für den Weltfussballverband Fifa.
Ihre WAK befasste sich an ihrer Sitzung vom 23. Juni letzten Jahres mit diesem Geschäft. In Ergänzung zu Kollege de Buman versuche ich, ein Stimmungsbild von den wirklich engagierten Diskussionen in der Kommission zu zeichnen. Dort wurde bemängelt, dass die Petition zu einseitig auf die Fifa ausgerichtet sei. Man hätte sich, wenn schon, auf alle grossen internationalen Sportorganisationen beziehen müssen, insbesondere die beiden grossen mit Sitz in der Waadt, nämlich das Internationale Olympische Komitee (IOC) und der europäische Fussballverband Uefa.
Der Unwillen gegenüber den grossen Sportverbänden ist in Öffentlichkeit und Medien in den letzten Jahren verstärkt spürbar geworden; das ist klar. Dabei stand jedoch nicht nur die Fifa im Fokus. In der Kommission wurde zum Beispiel kritisiert, dass die Schweiz anlässlich der Euro 2012 rund 180 Millionen Franken für die Sicherheit aufwenden musste, während die Uefa dank der Einnahmen aus TV- und Marketingrechten satte Gewinne machen konnte.
Nun aber zur Fifa - darum geht es ja heute - und zur Frage: Nutzt der Weltfussballverband die Möglichkeit, sich von den Steuern befreien zu lassen? Der Zürcher Regierungsrat gab auf einen Vorstoss aus dem Kantonsrat die Antwort, dass das Anliegen dieser Petition bereits erfüllt sei. Im Klartext: Die Fifa ist nicht steuerbefreit. Die Petenten und die Kommissionsminderheit teilen diese Ansicht nicht. Gemäss ihnen geht es nicht nur um die direkte Steuerbefreiung nach Artikel 56 Buchstabe g des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer. Dieser Artikel umfasst, dies nur nebenbei, neben den internationalen Sportverbänden auch Organisationen aus den Bereichen der Wissenschaft, Ausbildung, Heimat-, Natur- und Umweltschutz sowie der Entwicklungshilfe.
Die Fifa nutzt diesen Vorteil nicht. Im Kanton Zürich bezahlt sie eine Gewinnsteuer von 4 Prozent, die direkte Bundessteuer beträgt für die Fifa 4,25 Prozent auf dem Reingewinn. Mit diesen Sätzen profitiere sie im Vergleich zu "normalen" Unternehmen von beträchtlichen Steuererleichterungen, sagen die Vertreter der Minderheit. Sie bezeichnen es als geradezu zynisch, solche Steuervorteile unter der Prämisse zu gewähren, dass Fussballweltmeisterschaften - gemäss der Fifa - positive Botschaften und Werte wie Fairplay, Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung vermitteln sowie die soziale und kulturelle Integration fördern würden. Trotz aller Kritik an der Fifa schälte sich in der Diskussion klar heraus: Es soll keine Lex Fifa geben. Wenn schon, dann müsse die Frage der Steuerbefreiung der internationalen Sportverbände im Grundsatz angeschaut werden. Die Unterzeichner der Petition dagegen nehmen in der Begründung ihrer Eingabe die Organisation Fifa ins Visier und fahren zum Teil ziemlich schweres Geschütz auf. Ich zitiere dazu drei Punkte aus der Petition in gekürzter Form:
1. Die Fifa scheint sprichwörtlich zerfressen von Korruption. Von der Präsidentenwahl bis zur WM-Vergabe sind offensichtlich Bestechungen an der Tagesordnung.
2. Die Fifa lässt sich in den Austragungsländern der Fussballweltmeisterschaften praktisch vollständig von den Steuern befreien, dies mit dem Hinweis, sie bezahle bereits in der Schweiz Steuern.
3. Die Fifa bezahlte in Zürich gemäss Finanzbericht 2010 im Zeitrahmen 2007 bis 2010 Steuern in der Höhe von 3,1 Millionen Franken. Wäre sie eine KMU, hätte sie Steuern in der Höhe von 180 Millionen Franken bezahlen müssen.
All das schreiben die Petenten. Es ist unschwer zu erkennen: Die Petition spielt auf den Mann bzw. auf die Organisation.
Noch zum dritten Punkt, also zur tatsächlichen Steuerbelastung: Ich habe für Sie die aktuellen Daten; ich habe diese bei der Fifa vorgestern nachgefragt und erhalten. Die Fifa sagt, dass sie die einzige der grossen internationalen Sportorganisationen in der Schweiz sei, welche keine Steuerbefreiung beanspruche. Der Weltfussballverband und seine schweizerischen Tochtergesellschaften haben zusammen in der Schweiz in den letzten Jahren die folgenden Steuern abgeliefert: 2010 waren es 893 000 Dollar; 2011 waren es 4,866 Millionen Dollar; 2012 waren es 17,052 Millionen Dollar; 2013 waren es 17,163 Millionen Dollar. Die Zahlen von 2014 sind noch nicht publiziert. Der Betrag sei jedoch beträchtlich höher als 17 Millionen, teilt mir die Fifa mit.
Kommen wir zurück zu dem, was in der Kommission besprochen wurde. Insgesamt wird die Präsenz der internationalen Sportverbände in der Schweiz als klar positiv gewürdigt. Der Kanton Waadt hat sich quasi zum Mekka des internationalen Sports gemausert. Die Probleme rund um die Fifa dürften nicht dazu führen, den Status und die Steuerbefreiungen anderer Verbände infrage zu stellen. Die Fifa hat ihren Sitz nicht am Genfersee, sondern in Zürich. Der dortige Kantonsrat konnte sich darüber informieren, wie die Fifa ihre Grossevents organisiert.
Es sind die Einnahmen aus den TV- und Marketingrechten, welche die grossen Sportanlässe zum Milliardengeschäft gemacht haben und weiterhin machen. So hat die Fifa im Jahr 2013, einem Jahr ohne WM, Einnahmen von knapp 1,4 Milliarden Dollar gehabt. Solcher Geldsegen animiert wahrscheinlich wenig charakterfeste Spitzenfunktionäre dazu, dann und wann die hohle Hand zu machen; das ist ja nicht ganz unbekannt.
Wir haben in diesem Haus in der vergangenen Wintersession massiv auf solche Machenschaften reagiert. Sie erinnern sich: Auf einen Schlag haben wir im Geldwäschereigesetz Hunderte Sportfunktionäre, deren Familien, ihnen nahestehende Personen und ihr Umfeld mit dem Status "politically exposed person" beglückt. Aktuell wird ein Gesetzentwurf in der Kommission für Rechtsfragen des Ständerates behandelt. Wegen diverser Vorfälle in internationalen Sportverbänden soll Privatkorruption zum Offizialdelikt werden, selbst dann, wenn es dadurch nicht zu einer Wettbewerbsverzerrung kommt. Man kann aufgrund des Gesagten wohl kaum behaupten, dass dieses Parlament ein grosses Vertrauen in die Gattung "Sportfunktionäre" hat.
Auch bei der sportinteressierten Schweizer Bevölkerung hat sich das Blatt gewendet. In einer Studie des Bundesamtes für Sport, die im letzten Jahr veröffentlicht wurde, haben 79 Prozent geantwortet, sie seien sehr dafür, und 17 Prozent, sie seien eher dafür, dass gegen Korruption im Sport viel härter vorgegangen werde.
Die Kommission ist sich dessen bewusst. In der Diskussion kam jedoch auch klar heraus, dass die internationalen Sportverbände der Schweiz Positives bringen, vor allem dann, wenn sie die Probleme mit ihren korrupten Funktionären in den Griff bekommen. So habe sich Lausanne als Quasi-Welthauptstadt des Sports eine herausragende Stellung erarbeitet, und dies trotz einem weltweit harten Buhlen um die Sportverbände. Es sei jetzt wichtig, diese Verbände nicht systematisch infrage zu stellen. Wenn man bei Uno-Organisationen oder gewissen NGO mit ihren ambitiösen Ansprüchen so intensiv wühlen würde wie bei der Fifa, dann käme auch dort einiges Interessantes heraus.
Ein weiterer, mit Inbrunst vorgebrachter Kritikpunkt war, dass aus den Dokumenten der Petenten gar der Hass sprechen würde. Man müsse die Probleme beim IOC und bei der Fifa zwar ansprechen, ein systematisches Schlechtmachen hingegen bringe nichts und würde die Organisationen womöglich aus unserem Land vertreiben. Man müsse mit den Sportdachverbänden diskutieren, anstatt sie zu destabilisieren und sie zu verscheuchen. Wenn einmal der eine oder andere Grosse gegangen sei, dann würden die Kleinen sehr rasch folgen.
Die Mehrheit der Kommission schreibt den Verbänden eine wirtschaftliche Bedeutung zu und erachtet es deshalb als zentral, dass die steuerlichen Rahmenbedingungen für sie attraktiv bleiben. Die derzeitige Gesetzesbestimmung ist für alle internationalen Sportverbände und deren Konföderationen anwendbar, vorausgesetzt, dass sie dem IOC angeschlossen sind. Die Regelung ist klar. Auch deshalb zeigten sich die Kommissionsmitglieder überrascht, dass die Bundesverwaltung keine Auskunft geben kann, wie viele internationale Sportorganisationen tatsächlich steuerbefreit sind. Kritisiert wurde auch, dass die Kantone abschliessend entscheiden können, wer von den direkten Bundessteuern befreit wird.
Nach einem intensiven Austausch der Argumente beantragt Ihnen die Kommission mit 15 zu 7 Stimmen bei 1 Enthaltung, der Petition keine Folge zu geben und beim Status quo zu bleiben.
Leutenegger Oberholzer Susanne · Mit-F · Conseil national · Bâle-Campagne · Groupe socialiste
Steuerliche Sonderregeln für Vereine, insbesondere für Sportvereine, werden ja häufig mit der Gemeinnützigkeit begründet; das war jetzt ja auch in der Kommission so. Sie selber, Herr Büchel, haben vor drei Jahren an einer Veranstaltung gesagt, das Fifa-Personal, inklusive die ehrenamtlichen Funktionärinnen und Funktionäre, würde im Durchschnitt 233 000 Dollar pro Jahr verdienen - wahrscheinlich sind die Boni darin nicht einmal eingerechnet. Können Sie bestätigen, dass das Ihrer Ansicht nach für eine gemeinnützige Organisation ein übliches Gehalt ist, oder wie sehen Sie das realpolitisch?
Büchel Roland Rino · Mit-M · Conseil national · St-Gall · Groupe de l'Union démocratique du Centre
Ja, Frau Leutenegger Oberholzer, wenn ich es gesagt habe, dann stimmt es sicherlich, denn ich werfe nicht mit Zahlen um mich, die nicht stimmen. Ich habe mich damals wahrscheinlich auf die Saläre der Angestellten und auf die Boni und Vergütungen an die Nichtangestellten bezogen, also an die quasi ehrenamtlichen Funktionäre. Dann wird das der Durchschnitt gewesen sein, wahrscheinlich im Jahr 2011. Das stimmt so sicher. Ich kenne die Löhne bei den NGO nicht, aber ich kann mir schon vorstellen, dass 233 000 Dollar nicht der übliche Lohn sind.
Wermuth Cédric · Mit-M · Conseil national · Argovie · Groupe socialiste
Geschätzter Kollege Büchel, mir ist doch noch etwas aufgefallen, was Sie vielleicht präzisieren können. Die Sonderbehandlung der Fifa als Verein haben Sie und die Kommissionsmehrheit mit dem ideellen Zweck und der Gemeinnützigkeit gerechtfertigt. Die Fifa wird für die WM in Brasilien ungefähr 580 Millionen US-Dollar an ihre Mitgliedverbände ausschütten. Am Schluss landet das Geld auch bei den Vereinen. Sind für Sie der FC Chelsea, Real Madrid oder der FC Bayern München Charity-Organisationen? Wenn ich Sie richtig verstehe, ist Herr Abramowitsch wahrscheinlich in der Nähe der Sozialhilfebedürftigkeit anzusiedeln und muss von einer gemeinnützigen Organisation namens Fifa unterstützt werden.
Büchel Roland Rino · Mit-M · Conseil national · St-Gall · Groupe de l'Union démocratique du Centre
Herr Abramowitsch ist jetzt, glaube ich, in London ansässig. Ich kenne die dortigen Sozialhilferegelungen nicht.
Ich nehme an, dass Sie den Betrag aus den Finanzberichten haben; der wird so stimmen. Ich weiss nicht, wie viele der Gelder an die Verbände gingen, wie viel weiter an die Clubs oder an Spieler geht. Der FC Chelsea ist wohl keine Charity-Organisation, der FC Bayern München ist wahrscheinlich keine NGO und Juventus Turin keine karitative Einrichtung - das ist sicher so. Aber man müsste wahrscheinlich auf der anderen Seite die Frage stellen, wie die Fifa das Geld einsetzt: Wie viel fliesst in Entwicklungsprogramme, welche von der Fifa ja auch unterstützt werden und welche wahrscheinlich ähnliche Probleme kennen wie andere Entwicklungsprogramme? Sie möchten wahrscheinlich auch wissen, ob es berechtigt ist, dass man als gemeinnützige Organisation gilt und Steuervorteile geniesst. Die Kommission hat diese Frage mit 15 zu 7 Stimmen bei 1 Enthaltung beantwortet und gesagt, dass man die Steuervorteile so beibehalten will.
de Buman Dominique · Mit-M · Conseil national · Fribourg · Groupe PDC-PEV
Vous me permettrez en tant que rapporteur de revenir au caractère plus général de la pétition qui nous est soumise et de prendre en considération les éléments juridiques et fiscaux qui ont retenu l'attention de la majorité de la commission. Il ne m'appartient pas de m'exprimer pour ou contre la FIFA, mais plutôt de prendre en considération l'égalité de traitement et éventuellement la justification d'une modification de la loi.
Notre législation prévoit un régime différent entre les associations et les sociétés de capitaux. Les associations peuvent bénéficier d'un taux réduit, que ce soit au niveau de l'impôt fédéral direct sur le bénéfice ou au niveau de l'impôt cantonal simple. Sur le plan fédéral, le taux qui s'applique est de 4,25 pour cent. A l'échelon cantonal, Zurich impose le bénéfice des associations au taux de 4 pour cent.
Les pétitionnaires demandent de mettre fin aux privilèges fiscaux. Le Département fédéral des finances, qui s'est penché sur la question, a indiqué qu'aucun privilège n'était accordé comme tel à la FIFA. La loi prévoit simplement une possibilité, pour les associations et sur leur demande, d'exonérer de l'impôt les personnes morales qui poursuivent des buts de service public ou d'utilité publique. A noter que cette disposition est valable pour les associations membres du Comité international olympique.
La pétition de la Jeunesse socialiste contient - et c'est ce qui a dérangé la majorité de la commission -, des affirmations telles que "il semble que" et toute une série d'accusations proférées à l'encontre de Monsieur Blatter et des pratiques de la FIFA.
La majorité de la commission n'a pas voulu entrer en matière sur des reproches qui devraient être formulés à la FIFA directement, mais sans mettre en péril l'ensemble du statut des sociétés ayant leur siège en Suisse et ayant une portée internationale.
La majorité de la commission s'oppose donc à l'abolition de la pratique fiscale appliquée aux associations sportives internationales, qui, d'une part, donnent de la Suisse une image internationale et lui confèrent une certaine réputation, et qui, d'autre part, garantissent, par les personnes physiques qui travaillent dans ces associations et qui, elles, sont assujetties pleinement à l'impôt, des retombées fiscales intéressantes pour notre pays.
C'est cet esprit qui a motivé la majorité de la commission à suivre l'avis du Département fédéral des finances qui avait déjà été rédigé en 2012. Cela ne signifie pas qu'il n'y ait pas des aspects sulfureux constatés par la Commission de l'économie et des redevances. Mais, je le répète, c'est le caractère purement légal qui a préoccupé la commission, qui vous recommande, par 15 voix contre 7 et 1 abstention, de ne pas donner suite à la pétition.
Dernier élément, on a pu voir dans les documents qui nous étaient soumis que les statistiques manquaient. Lorsqu'on demande au Département fédéral des finances de livrer des statistiques à caractère fiscal sur les revenus fiscaux de ces associations, il dit, comme dans d'autres domaines, que c'est d'abord une compétence cantonale et qu'il n'y a pas de vue d'ensemble pour la Suisse. Au nom de la commission, je me permets de dire que nous regrettons cette absence de statistiques. On la constate non seulement dans ce dossier de la FIFA, mais aussi dans de très nombreux autres dossiers.
Je me permets de dire, peut-être à l'intention de la Commission de gestion, qu'il serait bon qu'elle examine l'état des statistiques dans notre pays pour déterminer s'il n'y aurait pas un paquet de mesures à envisager pour améliorer l'efficience des analyses. Il ne s'agit pas de porter atteinte au fédéralisme, mais de récolter des données comparables dans de nombreux domaines comme l'instruction, la santé publique, de manière à pouvoir mieux gérer le pays et à faire un meilleur usage des deniers publics.
Wermuth Cédric · Mit-M · Conseil national · Argovie · Groupe socialiste
Es tut mir leid, aber wenn die Mehrheit der Kommission die Petition schon in der Kommissionssitzung gelesen hätte, müssten wir hier diese Diskussion nicht führen. Ich bin überrascht, denn Sie haben der Petition in Ihren Statements praktisch in allen Punkten Recht gegeben. Die Frage hätte zumindest eingehend geprüft werden können.
Es ist richtig, die Fifa ist nicht nach Artikel 56 Buchstabe g des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer als gemeinnützige Organisation steuerbefreit; das hat seit 2011, seit der Erklärung des Kantons- und des Regierungsrates von Zürich, aber auch niemand mehr behauptet.
Es geht erstens darum, dass die Fifa als Organisation rechtlich und steuerrechtlich als Verein betrachtet wird, und zweitens darum, dass sie mit Blick darauf, wie sie mit ihren Reserven umgehen kann, offenbar ein spezielles "ruling" hatte und zum Teil heute noch hat. Die Organisation der Fifa als Verein erlaubt es diesem kleinen Freizeitclub vom Zürichberg, seinen Gewinn von bis zu 200 Millionen Franken im Kanton zu einem reduzierten Satz von etwa 4 Prozent zu versteuern. Die Petenten schätzen, dass die Fifa alleine mit dieser Regelung etwa 60 Mal weniger Steuern bezahlt, als sie bezahlen müsste, wenn sie als das besteuert würde, was sie effektiv ist, nämlich als ein Multimilliardenkonzern der Unterhaltungsindustrie, wie es Professor Mark Pieth richtig formuliert hat.
Es ist ausserhalb dieses Saales - und wenn wir ehrlich sind, müssen wir sagen: auch innerhalb dieses Saales - wirklich niemandem verständlich, warum die Fifa den gleichen rechtlichen Status besitzt wie ein Jodlerclub aus dem Berner Oberland. Sogar ihr Präsident, Sepp Blatter, sieht das als problematisch an. In einem Interview mit der "Weltwoche" sagte er selber, er vergleiche die Fifa mit einem börsenkotierten Unternehmen, darum wende man auch die gleichen Buchhaltungsstandards an. Was heute zur Debatte steht, ist ein offensichtlicher Missbrauch unseres liberalen Vereinsrechtes. Es geht darum, ob das Parlament bereit ist, diesen Missbrauch zu tolerieren. Ich meine Nein.
Die Fifa kann Rückstellungen vornehmen, die dann steuermindernd eingesetzt werden, weil ihr Geschäftsmodell offenbar grosse Risiken birgt. Ich muss Sie schon fragen: Welche Risiken genau birgt denn dieses Geschäftsmodell? 90 Prozent des Ertrages der Fifa gehen zurück auf sogenannte Wettbewerbserträge, das heisst auf Verträge zu Fernsehübertragungs-, Marketing- und Lizenzrechten. Auf Deutsch: Es sind Erträge aus den Fussballweltmeisterschaften und deren Vermarktung. Jetzt muss ich Sie schon fragen: Mit wem genau steht die Fifa denn mit Blick auf dieses Turnier international in Konkurrenz? Inwiefern besteht die Gefahr eines Ausfalls der Fussball-WM und ihrer Erträge? Wenn nicht gerade eine Armee vom Planeten Mars die Erde angreift, dürften diese Gewinne ziemlich sicher sein. Das haben die letzten Jahre klar gezeigt.
Als letztes Argument führt die Mehrheit politisch immer wieder, wir haben es vorhin auch wieder gehört, den ideellen Zweck und die Gemeinnützigkeit der Fifa an. Der Bundesrat versteigt sich in seiner Antwort auf die Interpellation Fehr Hans-Jürg 11.3552, "Die Fifa ist keine gemeinnützige Organisation", sogar zur Aussage - Herr Kollege Büchel hat es bereits zitiert -, die Fussball-Weltmeisterschaften würden in den jeweiligen Ländern positive Botschaften und Werte wie Fairplay, Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung vermitteln sowie die soziale und kulturelle Integration fördern.
Ich freue mich, Herr Büchel - wenn Sie und die Mehrheit der Petition keine Folge geben -, zu hören, wie Sie dann den Menschen bei der Fussball-WM 2018 in Russland und, noch viel besser, bei der Fussball-WM 2022 in Katar erklären wollen, welche ideellen Werte hier vertreten werden. Dies gerade vor dem Hintergrund der Korruptionsskandale.
Die Antwort der Mehrheit auf die Petition ist - mit Verlaub - etwas kleinkariert. Tatsächlich ist die Petition in einem Punkt nicht sehr präzise formuliert, nämlich was diese Steuerbefreiungen gemäss Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer angeht. Aber es wäre ein Leichtes gewesen, das Anliegen der Petition, die inhaltlichen Anliegen der Petenten aufzunehmen und zu sagen: "Jawohl, hier haben wir offensichtlich ein Problem. Das haben wir heute alle anerkannt." Oder die Kommission hätte sich zumindest um die Grundlagen kümmern können, wie es Herr de Buman am Schluss seines Votums auch gefordert hat.
Ich bitte Sie, diese Möglichkeit heute zu eröffnen und der Petition Folge zu geben.
Reimann Maximilian · Mit-M · Conseil national · Argovie · Groupe de l'Union démocratique du Centre
Herr Kollege Wermuth, wenn die Fifa von der Schweiz als Grosskonzern besteuert würde, würden doch Dutzende von Millionen Franken - vielleicht auch 200 oder 300 Millionen Franken - an Steuern anfallen, Geld, das an die Schweiz gehen würde und somit an ein reiches Land. Wenn die Fifa weiterhin so besteuert wird wie heute, dann können diese Dutzende von Millionen Franken vermehrt für die Ausschüttung an Länder in der Dritten Welt sowie an Fussballverbände in diesen Drittweltländern verwendet werden. Das sollte doch in Ihrem ideologischen Interesse sein. Warum kämpfen Sie so dagegen?
Wermuth Cédric · Mit-M · Conseil national · Argovie · Groupe socialiste
Geschätzter Kollege Reimann, Sie müssen sich die Liste der Mitglieder des Exekutivkomitees der Fifa und der Präsidenten der nationalen Fussballverbände gerade in den Ländern, die Sie meinen, einmal anschauen. Das sind eher selten Personen, die - so würde ich wagen zu behaupten - auf grosszügige Hilfe angewiesen sind. Dieses Geld könnte, wenn Sie wirklich entwicklungspolitische Interessen hätten, mit Sicherheit besser eingesetzt werden als über die Fifa, daran habe ich wenig Zweifel.
Rossini Stéphane · P-M · Conseil national · Valais · Groupe socialiste
Le président (Rossini Stéphane, président): Vous avez reçu un rapport écrit de la commission. La commission propose de ne pas donner suite à la pétition. Une minorité Wermuth propose de renvoyer la pétition à la commission avec mandat d'élaborer une initiative ou une intervention parlementaire allant dans le sens de la pétition.
Vote
Abstimmung - Vote
Für den Antrag der Mehrheit ... 116 Stimmen
Für den Antrag der Minderheit ... 67 Stimmen
(13 Enthaltungen)