23.3443, 23.3444, 23.3445, 23.3446, 23.3447
Zukunft des Finanzplatzes Schweiz / Zusammenschluss von UBS und CS. Beurteilung der wettbewerbsrechtlichen und volkswirtschaftlichen Bedeutung / Überprüfung des Instrumentariums der SNB / Die Too-big-to-fail-Regulierung auf die Situation eines Bankruns und weitere Sachverhalte überprüfen und anpassen / Analyse der allfällig massgebenden Faktoren des Credit-Suisse-Versagens
Candinas Martin · P-M · Nationalrat · Graubünden · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.
23.3443
Antrag der Kommission
Annahme des Postulates
Antrag Aeschi Thomas
Ablehnung der Ziffern 3, 5 und 8 des Postulates
Proposition de la commission
Adopter le postulat
Proposition Aeschi Thomas
Rejeter les chiffres 3, 5 et 8 du postulat
Landolt Martin · Mit-M · Nationalrat · Glarus · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.
Die WAK-N hat sich am 3. und 4. April ausgiebig mit der aktuellen Situation auf dem Finanzplatz Schweiz auseinandergesetzt, mit einer Situation, die sich nach dem Scheitern der Credit Suisse als, gelinde gesagt, äusserst unangenehm präsentiert. In einer Aussprache unter anderem mit Bundesrätin Karin Keller-Sutter, Nationalbankpräsident Thomas Jordan und Finma-Präsidentin Marlene Amstad hat die Kommission versucht, sich ein Bild davon zu machen, wie es dazu gekommen ist und welche Lehren nun zu ziehen sind. Dass dabei auch eine gewisse Ratlosigkeit bleibt, kann nicht negiert werden.
Namentlich die WAK-N hat sich nach der Finanzkrise von 2007/08 sehr intensiv und mit sehr viel Ernsthaftigkeit und Sorgfalt mit dem Too-big-to-fail-Dossier auseinandergesetzt. Als "too big to fail" gelten bekanntlich diejenigen systemrelevanten Finanzinstitute, die bei einem ungeordneten Ausfall ganze Volkswirtschaften gefährden können. Wir haben in diesem Saal deshalb spezielle Regeln zur Stabilisierung, Sanierung oder Liquidation solcher Institute erlassen.
Dass diese Regeln jetzt nicht zum Ziel geführt haben und in wesentlichen Bereichen nicht einmal zur Anwendung gelangen konnten, ist ebenso frustrierend wie ernüchternd. Und auch wenn wir uns in den nächsten Monaten mit verschiedenen Analysen auseinandersetzen werden, so dürfte insbesondere die Analyse der Too-big-to-fail-Gesetzgebung im Zentrum stehen. Genau dies dürfte auch deshalb anspruchsvoll werden, weil wir versuchen müssen, ein Regelwerk zu optimieren, von dem wir eigentlich gar nicht so genau wissen, was es wirklich wert ist, weil es eben in wesentlichen Teilen nicht angewendet werden konnte, nicht angewendet werden wollte oder nicht angewendet werden durfte.
Die WAK-N hat über zahlreiche Anträge diskutiert: Anträge auf Postulate, Motionen und parlamentarische Initiativen. Auch wenn einzelne Forderungen nach konkreten Massnahmen wahrscheinlich in die richtige Richtung zielen, hat sich die Mehrheit der Kommission dazu entschieden, vorerst ausschliesslich mit Postulaten zu agieren. Eine breite, ergebnisoffene und nach Möglichkeit zeitnahe Auslegeordnung soll zuerst die Grundlagen für konkrete und zielorientierte Forderungen liefern. Dementsprechend breit und umfangreich ist das Spektrum der Prüfaufträge, welche Ihnen die WAK heute mit fünf Kommissionspostulaten unterbreitet.
Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit verzichte ich auf die Kurzbeschreibungen dieser fünf Postulate. Sie haben ja in den letzten Stunden genügend Zeit gehabt, sie zu studieren, sofern es Sie interessiert.
Wir sind uns bewusst, dass die Antworten auf diese Postulate nicht von heute auf morgen zu finden sind. Unsere Fragestellungen richten sich an unterschiedliche Departemente, teilweise an externe Experten; zudem hat auch der Bundesrat in seinen Stellungnahmen erwähnt, dass er sich ebenfalls teilweise auf externe Gutachten abstützen werde.
Auch wenn die WAK-N vorerst mit Postulaten agieren will, ist es ihr ein grosses Anliegen, dass nichts auf die lange Bank geschoben wird. Für die Analysen ist deshalb so viel Zeit wie nötig, aber so wenig Zeit wie möglich einzusetzen. Zudem hat Bundesrätin Karin Keller-Sutter der Kommission in Aussicht gestellt, regelmässig über den Stand und die Fortschritte der Arbeiten zu berichten.
Der Bundesrat empfiehlt alle fünf Postulate zur Annahme. Ich empfehle Ihnen im Namen der Kommission ebenfalls, sie anzunehmen.
Bendahan Samuel · Mit-M · Nationalrat · Waadt · Sozialdemokratische Fraktion
Chères et chers collègues, bonne nuit! Une nuit bien sombre à l'image de ce que vient de vivre la place financière de notre pays. Dans cette ténèbre, je viens vous apporter cinq lueurs d'espoir proposées par la Commission de l'économie et des redevances. Cette veilleuse consiste en ces cinq postulats qui ont été discutés lors de la séance des 3 et 4 avril derniers.
Après avoir entendu des représentants du Conseil fédéral, de la BNS ainsi que de la Finma, la commission a pu poser ses questions et surtout discuter des postulats. Elle a aussi discuté d'autres propositions, mais je ne viens défendre que celles qui ont été acceptées et je ne parlerai pas de toutes les propositions qui n'ont pas été faites par la commission, mais qui ont été peut-être été discutées en son sein.
La première (23.3443), la plus importante, est le résultat d'une mise en commun de plusieurs souhaits émis au sein de la commission. Elle est intitulée "Avenir de la place financière suisse". Je vous épargne l'ensemble des votes, mais sachez que la commission a voté séparément sur tous les points de ce postulat. Sur les points 1, 2 et 9, la décision a été unanime. Le point 5 a été accepté par 14 voix contre 11. Sur les autres points, les majorités ont été extrêmement claires. Dans tous les cas, il s'agit de mettre dans un postulat la demande adressée au Conseil fédéral d'étudier tous les points fondamentaux qui sont liés aux risques que court la place financière, notamment les problèmes de la limitation des risques, de la séparation des risques, du renforcement des compétences de la Finma, de l'adaptation des garanties des dépôts, ainsi que d'autres aspects dont vous pourrez prendre connaissance en lisant le texte du postulat.
Le postulat 23.3444, qui a été accepté par 19 voix contre 6, propose d'analyser l'impact de la loi sur la concurrence et, en particulier, de déterminer si la nouvelle situation pose des problèmes en matière de concurrence ou en matière économique pour la population.
Le postulat 23.3445, lui, a été accepté par 23 voix contre 1, en tout cas pour son premier point. Il s'agit ainsi d'une acceptation partielle par la commission. Ce postulat propose d'analyser les instruments dont dispose la BNS et de procéder à une comparaison internationale de ces instruments afin de tirer des conclusions sur ce qu'il serait possible de faire au niveau de notre banque centrale.
Le postulat 23.3446 a été accepté par 23 voix contre 0. Il vise à analyser les risques, à l'image d'autres propositions qui ont été faites, et d'examiner ce qui s'est passé au niveau de la législation "too big to fail". Il s'agira en particulier d'analyser quels sont les risques, comme celui d'un "bank run", qui ne sont pas aujourd'hui pris en considération dans les lois "too big to fail".
Enfin, le postulat 23.3447 a été accepté par 15 voix contre 7. Son but est d'étudier des facteurs déterminants pour la chute de Credit Suisse. Il s'agira d'examiner le rôle des différents acteurs, notamment des organes de révision, mais aussi celui de la spéculation à haut risque par "algo-trading" ou par l'utilisation d'autres actifs très spéculatifs.
Tous ces postulats proposent d'analyser la situation et d'évaluer toute une série d'options qui ont été discutées en long et en large lors de cette session et en dehors. C'est pour cela que je ne vais pas allonger, si ce n'est pour vous inviter à suivre la majorité de la commission en acceptant ces postulats dans leur intégralité, contrairement à ce que demandent certaines propositions individuelles.
Walti Beat · Mit-M · Nationalrat · Zürich · FDP-Liberale Fraktion
Es wurde alles gesagt, aber noch nicht von allen; deshalb konzentriere ich mich noch auf eine Perspektive, die meiner Meinung nach etwas zu kurz gekommen ist. Es ist verständlich, dass hier und heute eine eher pathologische Perspektive vorherrscht. Das liegt auf der Hand, auch angesichts der ausserordentlichen Umstände.
Die FDP-Liberale Fraktion wird sämtliche Postulate unterstützen, um eine unvoreingenommene Überprüfung der Finanzmarktregulierung zu ermöglichen. Was aber zu kurz gekommen ist, ist die Zukunftsperspektive des Finanzplatzes Schweiz. Banken und Versicherungen sind mit über 230 000 Beschäftigten ein sehr wichtiger Wirtschafts- und Wohlstandsfaktor in unserem Land. Fast 10 Milliarden Franken direkte Steuern zahlen diese Arbeitnehmenden und Unternehmen jährlich. Das dürften diejenigen, die hier einen künstlichen Bezug zwischen Sparprogrammen und Bankenrettung herstellen, durchaus auch einmal zur Kenntnis nehmen. Es wird kein einfaches Unterfangen sein, diese Qualitäten und Wohlstandsfaktoren auch unter den dramatisch veränderten Rahmenbedingungen mit dem Verschwinden einer unserer Grossbanken aufrechtzuerhalten. Es muss uns aber gelingen, die Finanzmarktregulierung so anzupassen, dass zukünftige Schadensfälle und Staatsinterventionen, wie eben bei der CS geschehen, möglichst verhindert werden können. Das ist klar, dafür setzen wir uns auch ein. Wichtig ist aber doch auch, dass unnötige Kollateralschäden solcher Regulierungsanpassungen verhindert werden können.
Ich möchte zum Schluss ein konkretes Beispiel dafür nennen, wo dies droht: Die verfügte Abschreibung der AT1-Instrumente, von denen schon verschiedentlich die Rede gewesen ist, hat massive Irritationen am Kapitalmarkt ausgelöst. Das ist, auch wenn Herr Wermuth das läppisch findet oder es beklagen will, ein Fakt. Diese Verunsicherung könnte durchaus dazu führen, dass auch die Refinanzierungskosten für Versicherungen, für sogenannte Tier-2-Anleihen, die auch risikoabsorbierend sind, deutlich steigen, wenn es uns nicht gelingt, die Rahmenbedingungen für solche Instrumente zu klären. Solches gilt es zu berücksichtigen.
Mit dieser Bemerkung bestätige ich erneut, dass wir diese Prüfaufträge gerne unterstützen.
Feller Olivier · Mit-M · Nationalrat · Waadt · FDP-Liberale Fraktion
Le groupe libéral-radical soutiendra les postulats présentés par la Commission de l'économie et des redevances, par ailleurs soutenus par le Conseil fédéral, ce dont nous le remercions. La ligne de conduite du groupe libéral-radical est claire: il s'agit tout d'abord de comprendre et de clarifier les faits et les agissements qui ont conduit à la chute de Credit Suisse et, sur cette base, de mettre en oeuvre les mesures de correction et d'amélioration de la réglementation en place en matière bancaire.
Certains partis prétendent aujourd'hui, à peine trois semaines après la débâcle de Credit Suisse, avoir déjà saisi l'ensemble des enjeux et être aptes à dicter au Conseil fédéral les mesures à prendre. Pour le groupe libéral-radical, c'est du pipeau!
Faut-il séparer la banque d'investissement des autres activités bancaires ou vaut-il mieux, dans l'intérêt des clients, ne pas séparer les activités, mais, au travers des dispositions de surveillance, imposer une réduction des risques dans le domaine de la banque d'investissement? Faut-il doter les banques d'importance systémique de fonds propres à hauteur de 15 pour cent ou de 20 pour cent? Certains spécialistes parlent même de 30 pour cent! Est-ce vraiment utile? Est-ce la dotation en fonds propres qui permettra d'éviter un "bank run", une panique bancaire, ou faut-il d'autres instruments? Comment améliorer les activités de la Finma? Lui manque-t-il des instruments de surveillance? Des conflits d'intérêts existent-ils au sein de la Finma? Manque-t-il des ressources à la Finma? La Finma s'occupe-t-elle trop des petits acteurs et pas assez des grands acteurs? Faut-il supprimer les bonus? Dans ce cas, pourquoi Urs Rohner, l'ancien président de Credit Suisse, prétend-il n'avoir encaissé que des rémunérations fixes? Peut-être que le problème ne concerne pas que les bonus, mais toutes les rémunérations excessives, au point de provoquer le scandale.
Voilà les questions qu'il s'agit de résoudre au travers des comptes rendus et des réponses du Conseil fédéral au postulat. C'est sur la base de ces rapports que nous pourrons prendre les décisions idoines.
Michaud Gigon Sophie · Mit-F · Nationalrat · Waadt · Grüne Fraktion
Si les rapports demandés par tous ces postulats servent juste à absorber le mécontentement général, y compris celui du groupe des Verts, ce ne sera pas suffisant. S'ils servent à apporter des éclaircissements pour endiguer cette culture du risque stimulée par des bonus faciles, et pour recalibrer et réguler le secteur financier au service de la société et des entreprises, alors ces rapports seront utiles. Mais on sait qu'ils ne suffiront pas et qu'il faudra légiférer.
Des propositions supplémentaires ont été émises ces trois dernières semaines, même si l'on connaît déjà certaines solutions; le Parlement n'a pas voulu de ces réformes lors de la crise de 2008 et les années qui ont suivi. C'est rageant, car une partie de la responsabilité de cette débâcle en découle.
Quand la révolte s'estompera, le choc passé, combien de parlementaires opposés à plus de régulation dans ce Parlement, remercieront pour les rapports et refuseront à nouveau de limiter les bonus? En Suisse, la rémunération variable du secteur financier peut équivaloir à cinq fois le salaire! Et en dix ans, Credit Suisse a versé 32 milliards de bonus à son "top management"! Combien rejetteront les demandes des Verts exigeant aussi d'associer des objectifs de durabilité pour les banques, en cas de sauvetage étatique notamment? Sur qui pourrons-nous compter?
Au milieu de la rage et du regret des conséquences sociales et financières de ce fiasco, il y a une certitude: l'image de la Suisse a pris un coup et il faudra la restaurer, restaurer la crédibilité de la place financière suisse par une culture de la responsabilité. Qu'on nous trouve à nouveau ennuyeux, mais sérieux et fiables! Cette confiance est à reconstruire face à nos concitoyennes et concitoyens, face à notre économie et face au monde.
Cet aspect a peu été abordé ce soir, de même que le suivant. Entre 2016 et 2020, Credit Suisse et UBS ont investi ensemble environ 120 milliards de francs dans l'industrie des énergies fossiles. La place financière suisse possède un puissant levier, au niveau international, pour lutter contre le réchauffement climatique, la pollution environnementale et l'érosion de la biodiversité. Prendre en compte ces risques financiers en devenant leader de la finance durable est une voie que les Verts privilégient, aussi pour restaurer l'image de la place financière suisse.
Si les travaux du Parlement semblent arriver comme la grêle après les vendanges, la qualité de notre action se mesurera à notre volonté politique de réguler un secteur qui prend la société en otage et dont les risques sont trop gros en l'état.
Les propositions vertes sont nombreuses et le groupe des Verts appuiera les mesures mettant la place financière suisse au service de l'économie réelle et de la société. Poser ce cadre est de notre responsabilité.
Candinas Martin · P-M · Nationalrat · Graubünden · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.
Präsident (Candinas Martin, Präsident): Der zweite Sprecher der grünen Fraktion und der Sprecher der Mitte-Fraktion verzichten auf ein Votum. Die Mitte-Fraktion beantragt die Annahme aller Postulate.
Badran Jacqueline · Mit-F · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion
Ich versuche die Kurzversion meiner vorbereiteten Rede zu halten. Es sei einfach noch festgehalten: Wir bedauern doch sehr, dass wir hier nur Postulätchen annehmen, auch wenn sie inhaltlich in die richtige Richtung gehen. Die Debatte heute Abend und auch die Tatsache, dass wir keine verbindlichen Aufträge geben konnten, zeigen, dass das Parlament weit davon entfernt ist, gewillt zu sein, einen Gamechanger hinzubekommen und Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass die Banken und die ganzen Finanzmärkte wieder den Menschen, der Realwirtschaft dienen und nicht umgekehrt.
Ich überspringe jetzt hier den Schimpfteil (Teilweise Heiterkeit) und greife ein Postulat heraus, das mir inhaltlich besonders am Herzen liegt. (Glocke des Präsidenten) Darin wird der Fächer nämlich geöffnet, und es sollen auch noch andere allfällig wirkungsmächtige Elemente analysiert werden, die zu diesem Credit-Suisse-Fall geführt haben könnten: etwa die Rolle der steigenden Zinsen, die Rolle der Produktstruktur der Credit Suisse, die Rolle des spekulativen Handels mit und ohne Leerverkäufe, die Art und Beschaffenheit der von der Credit Suisse vergebenen Kredite inklusive des ganzen "margin trading", die Rolle der Revisionsgesellschaften und deren Prüfgegenstände usw.
Ich bin der tiefen Überzeugung, dass es nicht genügen wird, an ein paar Stellschrauben herumzuschrauben. Etwas abzutrennen, ein bisschen mehr Eigenkapital zu fordern oder ein kleines Bonusverbot umzusetzen, das sind vielleicht Elemente einer Lösung, sie werden aber niemals ausreichen. Die extrem wirkungsmächtigen Finanzmärkte haben sich ganz offensichtlich und für jeden sichtbar komplett verselbstständigt und von der Realwirtschaft entkoppelt, und sie sind fundamental dysfunktional geworden. Dabei haben wir, die echten Leistungsträger der Gesellschaft, die Menschen nämlich, die jeden Tag arbeiten gehen und dafür sorgen, dass diese Schweiz eben funktioniert, die Renditegier und die groteske Erwartung der Finanzmärkte nach einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent zu bedienen. Cédric Wermuth hat es eigentlich schön gesagt: Wir müssen die Finanzmärkte vom Kopf auf die Füsse stellen, so nämlich, dass sie wieder der Gesellschaft und der Realwirtschaft dienen und nicht umgekehrt.
Candinas Martin · P-M · Nationalrat · Graubünden · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.
Präsident (Candinas Martin, Präsident): Die SVP-Fraktion verzichtet auf ein Votum.
Bertschy Kathrin · Mit-F · Nationalrat · Bern · Grünliberale Fraktion
Mit der Rettungsaktion der Credit Suisse wurden über Nacht milliardenschwere Verlustrisiken an die Steuerzahlenden übertragen, Aktionärsrechte und Wettbewerbsgrundsätze ausser Kraft gesetzt. Dies tat man, um die Stabilität der Schweizer Volkswirtschaft und des Schweizer Finanzplatzes zu sichern und eine internationale Finanzkrise zu verhindern. Für uns ist das nicht die bestmögliche Lösung; es ist die am wenigsten schlechte, die zu diesem Zeitpunkt möglich war. Ob sie das wirklich war, werden wir nie erfahren.
Die Verantwortungslosigkeit der Credit-Suisse-Führung erschüttert aber nicht nur das Vertrauen in die Credit Suisse, sondern auch das in den Finanzplatz und in die Aufsicht. Sie stellt auch die geschätzte Kultur unseres Landes infrage, eine Verantwortungskultur, in der Bürgerinnen und Bürger im Kleinen mitdenken, sich verantwortlich fühlen, sich freiwillig engagieren. Das ist bitter. Wir mussten gerade erfahren, dass Vertrauen das wichtigste Kapital ist, auch für eine Grossbank. Wir haben in den letzten Wochen vielfach gehört, Vertrauen lasse sich nicht regulieren. Daraus wurde abgeleitet, dass sich anständiges Wirtschaften nicht vorschreiben lasse. Und doch gibt es eben verschiedene Hebel, die, wenn sie nicht verantwortungsvolles Verhalten belohnen, doch zumindest Missmanagement bestrafen. Diese Hebel sollten wir nutzen, bei der Aufsicht, bei der Regulierung von Sicherheiten und Risiken und bei der Haftung und Entlöhnung. Wir Grünliberalen haben in der Kommission dementsprechende Anträge zur Prüfung gestellt.
Zum Ersten sollen systemrelevante Banken gegenüber finanziellen, betrieblichen und rechtlichen Risiken stabiler und resilienter gemacht werden, im Sinne einer Vorsorge statt einer Nachsorge. Der Bundesrat soll eine Bewertung der verschiedenen Instrumente und Massnahmen vornehmen und dabei auch internationale Entwicklungen und Best Practices anderer wichtiger Bankenplätze einbeziehen. Wir sind überzeugt, dass strengere Vorgaben bezüglich der Eigenmittel und Liquidität zu prüfen sind und auch gemacht werden müssen.
Es ist zentral, dass die Banken so beaufsichtigt werden können, dass es gar nicht erst zu solch dramatischen Entwicklungen kommt. Das bedingt, dass die Aufsichtsbehörden frühzeitig und entschlossen agieren, wenn sich erste Warnsignale zeigen. Wir befürworten darum zweitens eine Stärkung der Finma, um eine wirksame und effiziente Aufsicht sicherzustellen, wenn die Prüfung zeigt, dass eine solche Notwendigkeit besteht. Wir erwarten hier, Bericht darüber zu erhalten, inwiefern die zur Verfügung stehenden Ressourcen ausreichen, ob sie am richtigen Ort eingesetzt werden und ob der Finma andere Mittel zur Durchsetzung, namentlich eine Bussenkompetenz, zweckdienlich wären oder ob sie alle notwendigen Instrumente hat und sie schlicht nicht anwendet. Es geht darum, dass wir eine schlagkräftige Finanzmarktaufsicht haben, dies im Sinne der Stabilität unserer Volkswirtschaft und des Finanzplatzes. Wir haben auch hier einen entsprechenden Antrag in der Kommission eingereicht.
Wir befürworten drittens, dass Entscheidtragende in systemrelevanten Banken individuell haften und dass der Bundesrat in Anlehnung an das britische Senior Managers Regime, das nach der Bankenkrise eingeführt wurde, für die relevanten Entscheidungstragenden von Too-big-to-fail-Banken eine individuelle Haftungsregelung vorlegt.
Viertens braucht es eine Beurteilung der wettbewerbsrechtlichen und der volkswirtschaftlichen Bedeutung. Der Bundesrat soll gegenüber der Wettbewerbskommission zum Ausdruck bringen, dass sie eine korrekte kartellrechtliche Analyse des Zusammenschlusses, die auch etwaige Auflagen zur Beseitigung wettbewerbsrechtlicher Bedenken beinhalten kann, vornehmen soll. Es braucht eine volkswirtschaftliche Beurteilung des Zusammenschlusses bezüglich Stabilität und Risiken des Finanzplatzes für die Gesamtwirtschaft. Es kann ja nicht Sinn und Zweck dieser Rettungsaktion sein, dass die volkswirtschaftlichen Risiken aufgrund der Grösse der Bank zunehmen oder dass die Steuerzahlenden, welche hier Verlustrisiken übernehmen, dann zum Dank mit höheren Preisen, seien das Zinsen oder Gebühren, aufgrund einer faktischen Monopolsituation konfrontiert werden.
Diese vier wirtschafts- und wettbewerbspolitischen Forderungen der Grünliberalen sind im Mantelpostulat der Kommission aufgenommen. Wir werden daher die Postulate integral unterstützen und bitten Sie, dasselbe zu tun. Und nein, wir gehen damit nicht zur Tagesordnung über. Wir werden Hand dafür bieten, die Anreize so zu setzen, dass sich anständiges Wirtschaften lohnt und nicht das Gegenteil belohnt wird.
Parmelin Guy · BR-M · Bundesrat · Waadt
Après les évènements de ces dernières semaines, le Conseil fédéral a donc décidé de procéder à une évaluation approfondie et complète de la réglementation "too big to fail". Les conséquences du rachat de Credit Suisse par UBS pour la place financière et l'économie nationale seront également analysées. Il s'agira ensuite de déterminer les éventuelles adaptations légales nécessaires.
Ces travaux comprennent aussi l'analyse des aspects de la politique de la concurrence, en particulier des expériences de la Finma et des autorités de la concurrence lors de l'examen de ce rachat et ses conséquences pour les différents segments du marché bancaire. Les points pertinents à cet égard sont par exemple la répartition des compétences et des rôles ainsi que la dotation en ressources de ces deux autorités dans de tels cas.
Pour toutes ces raisons, le Conseil fédéral vous propose d'accepter le postulat 23.3444.
Candinas Martin · P-M · Nationalrat · Graubünden · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.
Präsident (Candinas Martin, Präsident): Frau Bundesrätin Keller-Sutter und die Berichterstatter verzichten auf ein Votum.
23.3443
Präsident (Candinas Martin, Präsident): Die Kommission und der Bundesrat beantragen, das Postulat anzunehmen. Herr Thomas Aeschi beantragt, die Ziffern 3, 5 und 8 des Postulates abzulehnen.
Abstimmung
Abstimmung - Vote
Für den Antrag der Kommission ... 127 Stimmen
Für den Antrag Aeschi Thomas ... 43 Stimmen
(0 Enthaltungen)
Candinas Martin · P-M · Nationalrat · Graubünden · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.
23.3444, 23.3445, 23.3446, 23.3447
Präsident (Candinas Martin, Präsident): Die Kommission und der Bundesrat beantragen die Annahme der Postulate.
Angenommen - Adopté
Schluss der Sitzung um 01.15 Uhr
La séance est levée à 01 h 15