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Diskriminierung auf dem Mietwohnungsmarkt bekämpfen
Candinas Martin · P-M · Nationalrat · Graubünden · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.
Antrag der Mehrheit
Der Initiative keine Folge geben
Antrag der Minderheit
(Marti Min Li, Arslan, Brenzikofer, Fehlmann Rielle, Funiciello, Hurni, Mahaim, Walder)
Der Initiative Folge geben
Proposition de la majorité
Ne pas donner suite à l'initiative
Proposition de la minorité
(Marti Min Li, Arslan, Brenzikofer, Fehlmann Rielle, Funiciello, Hurni, Mahaim, Walder)
Donner suite à l'initiative
Präsident (Candinas Martin, Präsident): Sie haben einen schriftlichen Bericht der Kommission erhalten.
Dandrès Christian · Mit-M · Nationalrat · Genf · Sozialdemokratische Fraktion
J'annonce tout d'abord mes liens d'intérêts: je suis membre du comité de l'Asloca Suisse et salarié de l'Asloca Genève.
Cette initiative vise l'attribution des logements dans les grandes agglomérations, qui est une science pour le moins opaque. Une étude universitaire et un rapport de l'ONU ont récemment levé le voile sur la situation et montrent une réalité passablement problématique. Il apparaît que des bailleurs ou leurs représentants font des choix qui ne peuvent pas se justifier dans une société démocratique. Pour dire les choses simplement, il est plus difficile, voire très difficile, d'accéder à un logement lorsque l'on a un patronyme à consonance étrangère. Ces recherches attestent qu'il existe une culture professionnelle dans certaines agences qui a pour conséquence de discriminer des candidats à la location sur la base de stéréotypes ethniques.
Ces pratiques sont expliquées par les chercheurs de la manière suivante: les agences souhaitent atténuer les risques financiers pour les bailleurs et leurs clients. Une partie de ce risque peut facilement être appréhendé par des fiches de salaires ou des attestations de l'office des poursuites. Par contre, les risques de retard de paiement, les nuisances de voisinage et l'absence de soins dans l'utilisation du logement sont plus difficiles à anticiper. Certaines agences tentent de se fonder sur des approches qualifiées de probabilistes. La cartographie des risques peut alors reposer sur de mauvaises expériences avec certains locataires. Résumé très grossièrement, si un employé d'une régie a eu une mauvaise expérience avec un locataire dont le patronyme est à consonance étrangère, cette personne peut généraliser son approche et ne plus accepter de candidature d'une personne qu'elle pense être issue d'une communauté étrangère.
Se loger est un besoin et un droit fondamental, et la Suisse est un Etat de droit. On ne peut pas tolérer des discriminations sur des critères raciaux qui auraient pour conséquence de priver une partie de la population et de nos concitoyens du droit à se loger.
Pour résoudre ce problème, je propose de favoriser la mise en place de projets pilotes pour attribuer des logements sur des bases en partie anonyme. Le système pourrait fonctionner ainsi: le locataire communiquerait toutes les informations objectivement nécessaires pour que le bailleur puisse examiner sa candidature, soit son âge, le nombre de personnes appelées à habiter le logement, sa situation financière, mais pas son nom ou d'autres informations qui seraient susceptibles de répondre à des stéréotypes ethniques.
Des projets pilotes ont été menés à l'étranger pour l'accès au logement - c'était le cas en France -, et pour des postulations à des places d'apprentissage dans le canton de Zurich.
Je suis parti de l'expérience du canton de Zurich, et j'ai considéré que, si cela avait pu fonctionner pour des rapports de travail, il devait en aller d'autant plus facilement pour le logement, étant donné que le fait de louer un appartement est subjectivement moins exigeant que de travailler avec quelqu'un et, encore moins, de former un apprenti.
Durant les travaux en commission, des élus ont invoqué la question de la liberté contractuelle. J'aimerais y répondre brièvement.
Il serait possible de restreindre ce projet pilote à des immeubles d'une certaine taille et à de grands propriétaires institutionnels. En effet, on peut comprendre qu'un petit propriétaire qui loue un appartement dans sa maison, dans laquelle il vit, et qui partage son jardin souhaite choisir un locataire qu'il connaît. Par contre, je pense que de grands bailleurs comme Swisslife, qui ont plusieurs dizaines de milliers de logements, n'ont absolument aucun intérêt défendable dans une société démocratique à exclure certains locataires sur la base de critères autres que des critères de solvabilité.
C'est pour ces raisons que je vous demande de faire bonne accueil à cette proposition.
Marti Min Li · Mit-F · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion
Es ist bekannt: Auf dem Wohnungsmarkt haben es Leute schwer, die vielleicht den "falschen" Namen, vielleicht die "falsche" Hautfarbe haben - sie haben es schwerer, eine Wohnung zu finden. Das sieht mindestens ein Teil der Kommission auch ein. Diese Diskriminierung wurde, das hat Herr Dandrès in seinem Votum ausgeführt, auch von einem UNO-Bericht festgestellt.
Es ist ungleich schwerwiegender, weil Wohnen ein essenzielles Gut ist. Man kann nicht auf das Wohnen verzichten. Jeder Mensch muss wohnen, und es ist dann ungleich prekärer, wenn man aufgrund seiner Herkunft Schwierigkeiten hat, eine Wohnung zu finden. Das kann auch zu unerwünschten sozialen, gesellschaftlichen Folgen wie der Ghettobildung führen. Es gibt hier also klar einen Handlungsbedarf.
Herr Dandrès macht in seiner parlamentarischen Initiative einen sehr pragmatischen Vorschlag, wie man dieses Problem angehen könnte. Zum einen möchte er, dass die statistischen Grundlagen verbessert werden, um dieses Problem der Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt besser verstehen zu können. Zum andern möchte er, dass man einen Pilotversuch mit anonymen Bewerbungen macht.
Diese Art von Pilotversuchen gibt es bereits, wenn es um Anstellungsgespräche geht. Es gibt solche Pilotversuche mit anonymen Bewerbungen für Stellensuchende, von denen man sich ebenfalls verspricht, dass Diskriminierungen verhindert werden können. Mit einem solchen Pilotversuch, den man ja auch auf freiwilliger Basis mit Vermieterinnen, die das möchten - z. B. Genossenschaften oder kommunalen Vermieterinnen -, durchführen könnte, könnte man feststellen, ob diese Diskriminierung mit einer anonymen Wohnungsbewerbung bekämpft werden kann. Es ist insofern auch ein guter Ansatz, als es, um eine Wohnung zu mieten, ja wichtig ist, dass der Mieter oder die Mieterin die Wohnung bezahlen kann. Das ist eigentlich das Wichtigste: dass ein Mieter oder eine Mieterin solvent ist. Dabei geht es nicht unbedingt darum, ob man nun ein gutes Verhältnis zu dieser Person hat. Bei einer Anstellung ist es vielleicht noch etwas heikler, ob jemand ins Team passt. Bei einer Wohnungssuche ist das hingegen einfacher objektivierbar.
Mit einem solchen Pilotversuch könnte man wertvolle Erkenntnisse gewinnen und hier, in dieser wichtigen Frage, vielleicht einen Schritt weiterkommen. Unserer Meinung nach ist der Handlungsbedarf klar gegeben, und es wäre eine grosse Chance, wenn wir hier einen entsprechenden Versuch machen könnten.
Ich bitte Sie daher, der parlamentarischen Initiative Dandrès Folge zu geben.
Steinemann Barbara · Mit-F · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Der Vorstoss Dandrès stellt zwei Forderungen: Zum einen soll das Bundesamt für Statistik Daten sammeln, auswerten und ausweisen, die später eine Beurteilung erlauben, ob im schweizerischen Mietwohnungsmarkt ethnische Diskriminierungen bestehen, wie sich eine allfällige Diskriminierung ausdrückt und in welchem Ausmass potenzielle Mieter von der Vermieterschaft diskriminiert werden. Zum andern fordert der Vorstoss die Einführung eines Pilotverfahrens, das auf anonymen, über eine Plattform eingereichten Kandidaturen für eine Mietwohnung gründet.
Die Kommission für Rechtsfragen hat diese parlamentarische Initiative an ihrer Sitzung vom 28. April 2023 beraten und ist zum Schluss gekommen, Ihnen die Ablehnung zu beantragen, und zwar aus folgenden Gründen:
Die grosse Mehrheit der Mietwohnungen in der Schweiz gehört privaten Eigentümern. Damit die Behörden die Daten sammeln und auswerten könnten, die eine Beurteilung zulassen, ob im schweizerischen Mietwohnungsmarkt eine ethnische Diskriminierung erfolgt, wie sie sich ausdrückt und in welchem Ausmass diskriminiert wird, müssten die Vermieter Rechenschaft darüber ablegen, wie ihre Entscheidung zustande gekommen ist. Dazu müsste der Staat zunächst bei den Vermietern Daten dazu sammeln, welcher Bewerber welcher Ethnie angehört. Das geht natürlich zu weit. Zudem dürften Interessenten bei manchen Verwaltungen auch aufgrund anderer Merkmale von vornherein als Mieter wegfallen, beispielsweise Familien mit kleinen, lärmenden Kindern oder Mieter mit Haustieren. Sympathie, Bauchgefühl und Erfahrung spielen eine zentrale Rolle bei der Entscheidung für oder gegen einen Mietinteressenten.
Das Anliegen von Herrn Dandrès ist daher etwas naiv. Er geht davon aus, dass alle Mietinteressenten gleich sind. Es gibt aber Bewerber, die Ärger machen könnten. Es sind ja die Eigentümerinnen und Eigentümer, die die mit der Vermietung verbundenen Risiken wie Zahlungsausfälle, Schaden am Mietobjekt, Verfahren wegen Mieterstreitigkeiten oder Nichtbeachten der Hausordnung und Ähnliches tragen müssen. Zudem haben die Vermieter natürlich auch eine Verantwortung gegenüber den anderen Mietern. Die Vermieterschaft muss Wohnungen auch ohne Ausschreibung vermieten können und ohne Rechenschaft darüber abzulegen, wem sie welches Mietobjekt zur Miete überlassen möchte.
Beim Abschluss eines Mietvertrages gilt in der Schweiz grundsätzlich Vertragsfreiheit. Das bedeutet, dass die Vermieterin oder der Vermieter frei entscheiden kann, wem sie oder er zu welchen Konditionen welches Mietobjekt zur Miete überlassen möchte. Bewerber haben keinen Anspruch, den Zuschlag bei einer Ausschreibung zu bekommen. Bei 30 Wohnungsinteressenten entscheidet sich der Eigentümer für einen und weist die anderen 29 ab. Er soll dem Staat keine Rechenschaft ablegen müssen, wen er aus welchen Gründen nicht berücksichtigt hat.
Wohnungsbesichtigungen im Beisein des Vermieters sind ein gängiges und je nach Vermieter auch manchmal unverzichtbares Instrument, um einen geeigneten Mieter zu finden. Bei Wohnungen, die so vergeben werden, ist die geforderte Anonymität bei der Bewerbung ohnehin ein Ding der Unmöglichkeit.
Täglich treffen Menschen Entscheide im Kaufrecht, auf dem Arbeitsmarkt, bei der Vergabe von Aufträgen und vielem mehr. Sie entscheiden sich für etwas und jemanden und gegen andere und anderes, dies ohne Einmischung des Staates. Ihnen bei ihrer Entscheidung Diskriminierung zu unterstellen, wäre wohl dann der nächste Schritt. Am Ende entscheiden Staat und Gerichte, wer mit wem einen Vertrag eingehen muss.
Die Kommission für Rechtsfragen beantragt Ihnen mit 15 zu 9 Stimmen bei 0 Enthaltungen, dieser parlamentarischen Initiative keine Folge zu geben.
Marti Min Li · Mit-F · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion
Liebe Frau Kollegin Steinemann, Sie haben gesagt, für den Vermieter sei es wichtig, dass ein Mieter nicht Ärger machen wird. Gehen Sie davon aus, dass die Herkunft eine Rolle dabei spielt, ob ein Mieter Ärger macht oder nicht?
Steinemann Barbara · Mit-F · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Die Herkunft oder die Ethnie nicht, aber es ist natürlich, wie ich gesagt habe, ein gängiges Instrument, potenzielle Mietinteressenten einzuladen, zu beobachten, wie sie sich bei der Wohnungsbesichtigung verhalten, und dann Rückschlüsse zu ziehen. Man merkt ein bisschen, welcher potenzielle Mieter Ärger machen könnte und welcher nicht. Man merkt ein bisschen, welcher sich vielleicht auch nicht unbedingt um die Hausordnung scheren wird und welcher schon. Ich habe diesbezüglich relativ viel Erfahrung.
Lüscher Christian · Mit-M · Nationalrat · Genf · FDP-Liberale Fraktion
C'est le 28 avril 2023 que la Commission des affaires juridiques de notre conseil a procédé à l'examen préalable de l'initiative parlementaire Dandrès, déposée le 29 septembre 2022. M. Dandrès demande deux choses: d'abord, l'établissement de statistiques sur les discriminations ethniques en matière d'accès au logement et, deuxièmement, la mise en place d'une procédure pilote de candidatures anonymes.
Le texte exact de l'initiative est le suivant - je l'énonce ici pour le Bulletin officiel: "A la suite de constats de terrain et du travail du groupe d'expert.es de l'ONU sur les personnes d'ascendance africaine, je dépose cette initiative destinée à lutter contre la discrimination sur le marché locatif: a. les statistiques élaborées par l'OFS et relatives au logement doivent permettre d'apprécier l'existence, la nature et l'ampleur de discriminations ethniques; b. mettre en place une procédure pilote, dans une ou plusieurs régions ou cantons et en collaboration avec les collectivités publiques concernées, basée sur des candidatures anonymes via une plateforme en ligne."
Autant l'auteur de l'initiative que la porte-parole de la minorité, Mme Marti Min Li, vous ont expliqué les motifs à l'appui de cette initiative, de sorte que je n'y reviens pas.
Quelles ont été les considérations de la commission? Tout d'abord, la commission reconnaît dans sa majorité l'existence de discriminations, mais pas forcément ethniques, en matière d'accès au logement. Cela étant, la commission ne voit pas comment les mesures préconisées pourraient être mises en oeuvre et déployer l'effet recherché. Il paraît effectivement délicat d'obtenir des données fiables en interrogeant les propriétaires; tout au plus pourrait-on faire réaliser une étude scientifique ou demander un rapport par voie de postulat. A ce propos, on peut s'étonner de l'outil parlementaire qui a été choisi par l'auteur de l'initiative. On aurait pu imaginer que, dans un premier temps, il fasse recours à une interpellation pour demander des chiffres au Conseil fédéral, ou qu'il dépose un postulat. Une initiative parlementaire a, a priori, pour but de modifier une loi ou d'instaurer une nouvelle disposition. On voit mal que les buts recherchés par l'auteur de l'initiative s'accommodent de la modification d'une disposition légale.
De même, en ce qui concerne l'anonymat préconisé par l'auteur de l'initiative, on ne voit pas comment on pourrait garantir l'anonymat des candidatures, dès lors que des visites de logement sont organisées. Nous ne sommes plus au temps du COVID-19 ou des bals masqués, et, de toute évidence, une personne qui vient visiter un appartement doit dévoiler son visage et, en fin de compte, son identité.
Pour la majorité de la commission, il est donc essentiel de préserver la liberté économique, en laissant le propriétaire choisir à qui il souhaite louer son bien. C'est comme ça que fonctionne notre Etat de droit.
Telles sont les considérations de la commission.
Abstimmung
Präsident (Candinas Martin, Präsident): Die Mehrheit der Kommission beantragt, der Initiative keine Folge zu geben. Eine Minderheit Marti Min Li beantragt, der Initiative Folge zu geben.
Abstimmung - Vote
Für Folgegeben ... 68 Stimmen
Dagegen ... 122 Stimmen
(0 Enthaltungen)