03.411

Lever l'interdiction des courses de formule 1

Intervention de procédure

Antrag der Mehrheit

Der Initiative Folge geben

Antrag der Minderheit

(Teuscher, Allemann, Bäumle, Fehr Hans-Jürg, Hämmerle, Levrat, Marti Werner, Pedrina, Vollmer)

Der Initiative keine Folge geben

Proposition de la majorité

Donner suite à l'initiative

Proposition de la minorité

(Teuscher, Allemann, Bäumle, Fehr Hans-Jürg, Hämmerle, Levrat, Marti Werner, Pedrina, Vollmer)

Ne pas donner suite à l'initiative

Schenk Simon · Mit-M · Conseil national · Berne · Groupe de l'Union démocratique du Centre

Die Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen hat anlässlich ihrer Sitzung vom 10. Februar 2004 mit 14 zu 8 Stimmen beschlossen, der parlamentarischen Initiative sei Folge zu geben. Die Kommissionsmehrheit teilt die Ansicht des Initianten, das grundsätzliche Verbot für Rundstreckenrennen sei nicht mehr zeitgemäss.

Das Verbot steht seit 1954 im Strassenverkehrsgesetz und geht auf einen tragischen Unfall im französischen Le Mans zurück, bei dem über 80 Personen das Leben verloren. Die Sicherheit ist inzwischen allerdings viel besser geworden, ich komme später darauf zurück.

Es geht bei dieser Initiative vorerst nicht darum, gleich eine Rennpiste zu bauen. Es geht einzig darum, das grundsätzliche Verbot im Strassenverkehrsgesetz aufzuheben und so die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit überhaupt über eine Rennpiste für Rundstreckenrennen in der Schweiz nachgedacht werden kann. Bis konkret über den Bau einer solchen Rennstrecke diskutiert werden könnte, wäre es noch ein weiter Weg, denn eine entsprechende Anlage müsste durch private Investoren und allenfalls durch eine gemischtwirtschaftliche Gruppe realisiert werden. Für die Öffentlichkeit würden keine Kosten entstehen. Ob überhaupt die Schweiz irgendeinmal damit rechnen könnte, in den Formel-1-Rennkalender aufgenommen zu werden, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Das spielt aber für die Beurteilung dieser Initiative auch keine Rolle.

Wenn ich an die Diskussionen rund um das Fussballstadion Zürich denke, dann wäre es wohl noch ein weiter Weg, bis eine Autorennstrecke in unserem Land gebaut werden könnte. Ich denke, dieser Weg wäre wohl sehr steil und steinig, und es müssten noch einige Hindernisse und Hürden übersprungen werden. Hindernisrennen mit Formel-1-Boliden wären schon wieder eine ganz neue Sportart.

Für die Kommissionsmehrheit überwiegen ganz eindeutig die positiven Aspekte. So hat sich etwa die ganze Sicherheit im Vergleich zu den Fünfzigerjahren auf den Rennplätzen wesentlich verbessert. Weiter ist zu sagen, dass auch die zivile Autoindustrie von so einer Strecke profitieren könnte, denn die Fortschritte im Technologiebereich werden auf einer geschlossenen Rennstrecke gemacht. Eine Rennstrecke wird auch ausserhalb der Rennen von der Auto- und Nutzfahrzeugindustrie genutzt, und um Tests durchzuführen, ist eine solche Anlage sehr wichtig.

Eine Autorennstrecke würde viele neue Arbeitsplätze im Hightech-Bereich schaffen, denn neben der Sicherheit muss auch die Optimierung der Automotoren auf geschlossenen Rennstrecken getestet werden. Wenn es dann irgendwann noch gelingen sollte, einen Grossen Preis der Schweiz in den internationalen Rennkalender aufnehmen zu lassen, wäre dies natürlich ein sportliches Grossereignis erster Güte, das unserem Land in Sachen Wirtschaftskraft und Tourismus sehr gut täte.

Da sich rund um eine solche Rennstrecke Unternehmen der verschiedensten Branchen ansiedeln, wäre es durchaus möglich, einer Randregion neue Impulse zu verleihen. Man könnte mit einer solchen Rennstrecke einer ganzen Region eine Wertschöpfung im finanziellen Bereich und viele Arbeitsplätze zuführen.

Die Firma Sauber hat mit ihrem Rennstall viele Schweizer für den Automobilrennsport begeistert und ist ein gutes Beispiel dafür, welche wirtschaftliche Bedeutung dem Rennsport im Allgemeinen zukommt. Sie hat im Zürcher Oberland rund 300 Arbeitsplätze geschaffen und diesbezüglich Pionierarbeit geleistet. Eine Schweizer Rennstrecke könnte diesem Trend neue Dimensionen verleihen.

Die Kommissionsminderheit sieht das natürlich anders und möchte der Initiative keine Folge geben. Sie ist der Meinung, dass man mit der Zulassung von Formel-1-Rennen in der Schweiz insbesondere verkehrs- und umweltpolitisch ein falsches Zeichen setzen würde. Sie befürchtet grosse Abgas- und Lärmemissionen und möchte unzumutbare Belastungen für Anwohner verhindern. Ausserdem ist sie der Meinung, alle Bemühungen der Schweiz zum Klimaschutz würden im Falle einer Befürwortung der Initiative mit Füssen getreten. Natürlich stellt die Minderheit auch alle Vorzüge betreffend Wirtschaftlichkeit und Tourismusförderung infrage und sieht in erster Linie erhebliche Schäden auf uns zukommen.

Einigermassen überrascht bin ich über die Stellungnahme in "Standpunkte der Umweltorganisationen" im Hinblick auf die heutige Verhandlung. Dort wird von der Kontaktstelle Umwelt sogar darauf hingewiesen, dass es doch für Schweizer Motorsportfans begrüssenswert wäre, wenn in Zukunft allfällige Grosserfolge des Sauber-Rennstalls in der Schweiz mitverfolgt und bejubelt werden könnten, statt dass dazu jedes Mal lange und umweltbelastende Reisen ins Ausland in Kauf genommen werden müssten. Wörtlich heisst es: "Mit dieser Forderung rennt Nationalrat Giezendanner bei den Umweltorganisationen offene Türen ein." Wenn sogar Umweltverbände derartige Gedanken ins Spiel bringen, kann ich aus Überzeugung im Namen der starken Kommissionsmehrheit darum bitten, der parlamentarischen Initiative Giezendanner Folge zu geben.

Ich wiederhole zum Schluss: Es geht nicht darum, heute oder morgen eine Formel-1-Rennstrecke in der Schweiz zu bauen. Mit der Zustimmung zur Initiative würde einzig das antike und überholte grundsätzliche Verbot aufgehoben. Ich denke, dass das im Interesse von Wirtschaft und Sport machbar sein sollte.

Im Namen der Kommissionsmehrheit bitte ich Sie, der parlamentarischen Initiative Folge zu geben.

Hollenstein Pia · Mit-F · Conseil national · St-Gall · Groupe des VERT-E-S

Herr Schenk, sind Sie sich bewusst, oder haben Sie allenfalls nicht gewusst, dass die Umweltorganisationen die Medienmitteilung, die Sie jetzt zitiert haben, am 1. April dieses Jahres gemacht haben?

Schenk Simon · Mit-M · Conseil national · Berne · Groupe de l'Union démocratique du Centre

Wissen Sie, wir nehmen diese Sache sehr ernst; wir spassen nicht mit so etwas.

Germanier Jean-René · Mit-M · Conseil national · Valais · Groupe radical-libéral

Au nom de la Commission des transports et des télécommunications du Conseil national, nous avons procédé à l'examen préalable de cette initiative. Je vous donnerai tout d'abord le point de vue des opposants.

Du côté des opposants, on met en doute l'impact économique de l'organisation de courses de formule 1 en Suisse. On met en avant l'argument que la Suisse ne dispose d'aucune industrie automobile. Du point de vue de l'environnement, les opposants pensent que l'exemple des courses de formule 1 va à l'encontre de la technologie non polluante en matière de moteur à explosion. D'autre part, la pollution par le bruit représenterait un inconvénient majeur, même s'il s'agit d'organiser des courses durant une semaine par année.

D'autres opposants pensent qu'il n'y a pas lieu de se préoccuper de la levée de l'interdiction du moment qu'aucun projet concret de construction de circuit n'est connu à ce jour. D'autres encore argumentent que ce serait une attaque à notre environnement et à notre territoire national.

En reconnaissant la nécessité d'innovations en faveur de la croissance économique, certains opposants plaident contre la culture de la voiture, invoquant également l'image négative pour le tourisme, qui devrait invoquer la nature pour sa promotion. Ce serait, selon ces adversaires, un mauvais signal que la levée de cette interdiction.

Mais pour la majorité de la commission, qui est favorable, ce sont les arguments suivants qui ont été avancés.

En observant ce qui se passe dans le reste de l'Europe, on peut constater l'impact positif que représente l'organisation des courses de formule 1 d'un point de vue économique sur une région. On peut estimer un apport de 1400 à 2500 nouveaux postes de travail. Dans notre pays, certaines régions périphériques qui souffrent d'un point de vue économique pourraient ainsi bénéficier de cette nouvelle activité puisque chaque course amènerait à la région quelque 40 à 70 millions de francs de retombées économiques.

De plus, certaines anciennes places d'aviation militaires aujourd'hui désaffectées - et c'est important - pourraient être ainsi transformées, limitant l'impact sur le territoire. Un tel aménagement pourrait également servir de pistes d'essais et de recherches en nouvelles technologies pour des PME spécialisées. L'exemple d'Alinghi a pu démontrer que de petites entreprises suisses ont pu se faire mondialement connaître en participant à de grands projets de portée mondiale.

Aujourd'hui déjà, des entreprises suisses bénéficient de retombées liées à l'industrie automobile. L'organisation de courses de formule 1 serait un élément catalyseur d'activités industrielles pour des petites et moyennes entreprises. Nous avons déjà levé plusieurs interdictions "Sonderfall" en Suisse. Cette décision de lever l'interdiction unique en Europe permettrait de positionner notre pays et de supprimer ainsi une entrave à notre développement économique et à notre capacité concurrentielle. Lever l'interdiction permettrait ainsi à des régions de choisir ou non cette option de développement d'une activité. La mondialisation de l'événement, diffusé par la télévision, est une opportunité rare de rappeler l'existence de la Suisse chaque année lors du Grand prix de formule 1. Pour notre tourisme et pour la promotion de la Suisse en général, il n'existe aucune autre possibilité d'obtenir une mondovision, une telle diffusion, et ceci chaque année.

La pesée des intérêts entre l'impact sur l'environnement, limité selon la majorité de la commission, et la promotion du pays au niveau mondial plaide en faveur d'une levée de cette interdiction. En plus, il s'agirait d'argent privé, investi au bénéfice de tous. Il faut permettre d'un point de vue économique que les initiatives privées puissent se concrétiser dans notre pays et cesser de freiner ce goût d'entreprendre. En Autriche, notre principal concurrent en matière de tourisme, les preuves ont été faites de l'impact publicitaire d'une telle organisation. Finalement, le problème ne se pose pas de savoir s'il y a lieu ou non d'organiser une course de formule 1 en Suisse. Ceci relève plutôt de la volonté, comme je l'ai déjà dit, d'investisseurs privés qui jugeront de cette opportunité.

Ce que nous devons voter aujourd'hui, c'est la levée d'une interdiction - c'est une des rares déréglementations qui soient proposées au Parlement - afin de rétablir une distorsion de notre législation par rapport aux pays concurrents qui nous entourent.

Cette interdiction date des années 1950 et est entièrement liée à un événement dramatique survenu sur le circuit du Mans. A l'époque, aucun argument au sujet de l'environnement n'a motivé le législateur. Aujourd'hui, la situation a totalement changé au niveau de la sécurité, et d'ailleurs, il n'y a eu aucune remarque faite à ce niveau lors du débat en commission. On peut ainsi affirmer que si cette interdiction était maintenue, elle ne le serait en tout cas pas pour les raisons de sécurité invoquées dans les années 1950.

En conclusion, par notre vote d'aujourd'hui, il ne s'agit pas d'organiser une course de formule 1 en Suisse, puisque cette entreprise dépendrait entièrement de privés. Par notre vote d'aujourd'hui, il s'agit de lever une interdiction discriminatoire, une entrave parmi tant d'autres à l'initiative privée, qui font que notre capacité concurrentielle est mise à mal. Nous avons - et cela, c'est personnel - l'occasion de proposer au Parlement une déréglementation. A cette époque où l'on cumule les interdits, la majorité de la commission vous propose de lever une interdiction, cette interdiction étant motivée, comme je vous l'ai dit, par un seul événement qui a été unanimement reconnu comme dépassé.

Je vous propose donc, au nom de la majorité de la commission, de donner suite à cette initiative. La commission a pris cette décision par 14 voix contre 8 et 1 abstention.

Giezendanner Ulrich · Mit-M · Conseil national · Argovie · Groupe de l'Union démocratique du Centre

Der Motorsport hat sich in den letzten Jahren vom rein sportlichen Anlass zur innovativen Erprobung und Entwicklung von Hightech-Produkten der Fahrzeugindustrie gewandelt. Relevante Sicherheitsinstrumente wie ABS, ASR und das ganze Bremsequipment stammen alle aus dem Rennsport. Sicherheitsfahrgastzellen oder auch Pneus wurden im Motorrennsport entwickelt. Ein Rundkurs für die verschiedenen Sportanlässe, das wissen wir aus dem Ausland, bringt einer Region eine enorme Wertschöpfung. Pro Anlass verzeichnet eine Region - je nach Anlass, ob es eine Königsklasse ist oder nicht - zwischen 2 und 150 Millionen Franken. Denken Sie z. B. an den Nürburgring: Dieser wurde übrigens, meine Damen und Herren von der Linken, von Herrn alt Bundeskanzler Helmut Schmidt initiiert, weil es eine ärmliche Region war. Diese Region floriert jetzt. Die Bilanz nach zwanzig Jahren im Gebiet des Nürburgrings lässt sich sehen: Hotels, Restaurants und Gewerbebetriebe haben sich in dieser Region angesiedelt. Die Rundstrecke ist das ganze Jahr über belegt.

Nicht "nur" der Rennsport lastet die Anlage aus, nein, die Automobil- und Nutzfahrzeughersteller, Herr Schenk hat es bereits gesagt, lasten die Strecke für ihre Tests aus. Auch aus der Schweiz geht man ins Ausland, um die Produkte zu testen; wir haben viele Zulieferer. Nicht genug damit: Auch Openair-Anlässe, Events werden auf diesen Strecken durchgeführt. Warum? Weil die ganze Infrastruktur vorhanden ist. Eine solche Anlage kann breit genutzt werden, man muss nur Ideen haben. Sie kann für die Schulung von Autofahrern in Sicherheitsaspekten genutzt werden. Würde man eine gesicherte Strecke mit Kiesbeet und Crashzonen organisiert eröffnen, könnten auch private Nutzer diese Strecke befahren. Als Beispiel diene Ihnen Le Mans in Frankreich: Rund 20 000 Schweizer Autofahrerinnen und Autofahrer fahren nach Le Mans, um die Strecke zu nutzen, um ihre PW zu testen und zu schauen, wo ihre eigenen Grenzen liegen.

Wir denken an die Raser. Wäre es nicht eine Möglichkeit - wie übrigens Neubrandenburg oder Le Muy in Frankreich beweisen -, wenn man die jungen Leute, die auf unseren Strassen zum Teil sehr gefährlich fahren, ich gebe das zu, auf solchen Strecken fahren liesse und sie dann merken, wie wenig es braucht, bis ihr Auto "aus der Strasse fliegt"? Man könnte ihnen also die Möglichkeit geben, auf diese Art die Aggressionen abzureagieren.

80 000 Personen aus der Schweiz fahren mit ihren privaten PW auf internationalen Strecken; das ist das eine. Das andere ist aber auch die Schweizer Industrie. Sie haben es gehört: Rund 300 000 Arbeitsplätze in unserem Land sind abhängig von der Autoindustrie und ihren Zulieferern. Genau diesen Wirtschaftszweig könnte man mit einer Exporthalle auf einem Kurs ansiedeln, damit die Produkte gezeigt werden könnten. Wir müssen nicht den ganzen Tag jammern und uns wundern, wenn es unserer Wirtschaft nicht besser geht. Wir müssen endlich wieder etwas tun.

An den europäischen Rennstrecken - z. B. Le Muy, sehen Sie Spa in den Ardennen - haben sich überall Unternehmen aus der Fahrzeugindustrie angesiedelt. Die Synergien dieser Rennstrecken können nicht wegdiskutiert werden, auch von der Linken und den Grünen nicht. Auch technische Hochschulen können sich bei der Entwicklung dieser Produkte mitbeteiligen. Übrigens ist Alinghi das beste Beispiel: Da hat man in der Schweiz auch gelächelt. Die ETH von Zürich und Lausanne waren beteiligt, ein innovatives Textilunternehmen aus dem Toggenburg hat mitgeholfen und Unglaubliches geleistet. Das müssen wir wieder fördern! Es liegt auf der Hand, dass auch der Schweizer Tourismus von einer solchen Strecke massiv profitieren würde; meine Vorredner aus der Kommission haben es gesagt. Die ganze Welt würde von einem Grossen Preis der Schweiz profitieren. Das war schon früher so. Auch ist zu sagen: Der Grosse Preis von Brasilien lockt 100 000 Touristen an, die laut Statistik mindestens zwei Wochen in Brasilien bleiben. Ist das denn nichts? Rund zwei Drittel der Fans bleiben da.

Von Gegnern der Rundstrecke wird heute so locker gesagt: Ja die Umwelt, die Umwelt, es fahren an einem Wochenende 150 000 Leute hin. Es waren 250 000 Leute in Payerne, es sind im Winter wöchentlich 100 000 Leute, die durch das Prättigau nach Klosters und Davos hinauffahren, und da sagt man nichts.

Ich bitte Sie: Denken Sie an das Stadion in Zürich - wir haben uns dank dem VCS weltweit blamiert! Geben Sie diesem VCS keine Chance mehr, helfen Sie mit, dass wir in diesem Land wieder etwas tun können, helfen Sie mit, dass wir die erste Phase schaffen und Ja zu einer innovativen Wirtschaft und Nein zum VCS sagen!

Teuscher Franziska · Mit-F · Conseil national · Berne · Groupe des VERT-E-S

Sie können sich sicher alle noch an die Debatte rund um das Bankgeheimnis erinnern. Dort habe ich den Satz aufgeschnappt, wir seien bald gleich weit wie das Fürstentum Monte Carlo. Wenn dort nicht gerade Autorennen stattfinden, dann ist Monte Carlo eine einzige Wechselstube und ein Briefkastenparadies für Ausländer mit viel Geld. Das habe ich damals als Witz empfunden. Aber seit die Mehrheit der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen in der Schweiz wieder Formel-1-Rennen erlauben will, muss ich annehmen, dass gewisse Parlamentarier tatsächlich aus der Schweiz einen Operettenstaat wie Monte Carlo machen wollen. Mit dem Bankgeheimnis machen wir uns überall unbeliebt. Jetzt wollen wir mit Rundstreckenrennen unsere treuen Feriengäste auch vertreiben.

Im Namen der Kommissionsminderheit beantrage ich Ihnen, der parlamentarischen Initiative keine Folge zu geben. Gibt es denn wirklich keine gescheiteren Alternativen, als Formel-1-Rennen in einem Land zu organisieren, in dem in jeder Sekunde ein Quadratmeter Land unter Beton verschwindet? Glauben Sie wirklich, dass im Wallis, im Jura, im Tessin oder im Fricktal jemand eine solche Rundstrecke vor seiner Haustür haben möchte? Meine Herren Vorredner, Sie denken doch nicht im Ernst, dass ein buntes Fahrzeug, welches mit einem Höllengetöse vorbeiflitzt, ein ernst zu nehmendes Wirtschaftsprogramm darstellt? Hier geht es doch um nichts anderes als um einen massenweise aufgezogenen Kult der Raserei und in manchen Fällen um ein sensationelles, frivoles Spiel mit dem Tod und seine kommerzielle Ausbeutung.

Die Formel-1-Rennen sind der "Circus Maximus" der Neuzeit. Ich bezweifle, dass eine Randregion mit einer Formel-1-Rundstrecke einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben würde. Der Schweizer Tourismus lebt von der Schönheit seiner Landschaft und nicht von lärmenden und stinkenden Benzinmotoren, und die Industrie lebt vom Know-how und nicht von Rundstrecken.

Selbstverständlich sind Formel-1-Boliden Hightech-Maschinen. Aber wenn unsere Universitäten und unsere Forschungsanstalten in diesem Bereich heute nicht die Nase vorn haben, dann werden sie auch nach dem Bau einer Rundstrecke nicht so weit sein. Wir müssen nicht Formel-1-Anlagen bauen, sondern wir müssen Ingenieure ausbilden. Das Geld investieren wir besser in nachhaltige Projekte. Eine Formel-1-Anlage, die kilometerweit Lärm und Luftverschmutzung verursacht, die zusätzlichen Verkehr mit sich bringt, passt nicht zu unseren raumplanerischen Zielen. Wir wollen hochwertige Wohngebiete, wir wollen Naherholungsgebiete, und wir wollen ein attraktives Tourismusland sein.

Über giftige Abgase der Spezialtreibstoffe, über Reifenabrieb, über Lärm haben die Formel-1-Fans in diesem Parlament offenbar bisher noch nicht nachgedacht. Man war wohl zu sehr mit den möglichen Investoren und mit dem Zählen der Einnahmen beschäftigt. Ist die Formel-1-Strecke einmal gebaut, dann muss sie auch ausgelastet werden, und das heisst: noch mehr Autorennen, noch mehr Lärm, noch mehr Gestank und noch mehr Abgase. Hinzu kommen die horrenden Kosten, die Herr Giezendanner teilweise den Gemeinden und Kantonen aufbürden will. Wenn eine Strecke einmal steht, dann müssen noch weitere Millionen in den Unterhalt der Piste investiert werden. Die Strecke würde sich schnell verschulden. Da müsste dann der Staat intervenieren und die finanziellen Lücken schliessen - die Swiss lässt grüssen.

Playstation bietet seit zwei Jahren das ultimative Formel-1-Rennen als Spiel an. Mitsamt der Station kostet dieses Spiel ein paar Hundert Franken. Bei 300 Stundenkilometern saust die Strecke virtuell vorbei, und man hat tatsächlich das Gefühl, man sei mit dieser Geschwindigkeit unterwegs. Ich schlage Ihnen vor, dass sich die Formel-1-Fans im Parlament so ein Ding "posten". Die Wirkung ist fast wie im richtigen Leben. Wer damit nicht genug hat, kann die Rennen weiterhin am Fernsehen anschauen oder nach Hockenheim und Monza reisen. Beide Orte sind ganz nahe an der Schweizer Grenze.

Dank Playstation haben wir heute wirklich eine echte, kostengünstige und umweltverträgliche Alternative zur parlamentarischen Initiative Giezendanner. Die Kommissionsminderheit empfiehlt Ihnen, dieses Angebot von Playstation zu nutzen und der parlamentarischen Initiative Giezendanner nicht den Vorzug zu geben.

Binder Max · P-M · Conseil national · Zurich · Groupe de l'Union démocratique du Centre

Frau Teuscher, wir kommen nun zu Ihrer persönlichen Fragestunde. (Heiterkeit) Die Herren Giezendanner, Müller Walter, Borer und Ineichen möchten Ihnen eine Frage stellen. Ich bitte die Fragesteller, die Fragen reglementsgemäss kurz, präzis und ohne Begründung zu stellen.

Giezendanner Ulrich · Mit-M · Conseil national · Argovie · Groupe de l'Union démocratique du Centre

Frau Teuscher, Sie haben gesagt, keine Gemeinde in der Schweiz wolle ein solches Rennen. Warum hat die Bevölkerung von Chamoson Ja gesagt? Warum hat Turtmann 40 Millionen Franken an privaten Mitteln zur Verfügung gestellt? Warum besteht ein privates Projekt in Orbe und Payerne, bei dem alles privat finanziert und nichts vom Staat ist? Die Bevölkerung hat an zwei Orten Ja gesagt, und Sie sagen, sie wolle ein solches Rennen nicht. Wie kommen Sie zur dieser Falschaussage? Ist es das Gleiche wie bei Ikea in Spreitenbach?

Teuscher Franziska · Mit-F · Conseil national · Berne · Groupe des VERT-E-S

Herr Giezendanner, die Bevölkerung hat zu diesen Projekten Ja gesagt, aber Sie wissen genau: Das Projekt im Wallis ist keine normale Formel-1-Rundstrecke, sondern es gibt dort bestimmte Auflagen; sie ist auch für Solarmobile gedacht. Ich denke, die Bevölkerung hat vielleicht im Grundsatz Ja gesagt. Sie wissen aber so gut wie ich: Den Lärm will dann die Bevölkerung auch nicht vor der eigenen Haustüre haben!

Müller Walter · Mit-M · Conseil national · St-Gall · Groupe radical-libéral

Ich war vor zwei Jahren in Österreich zu Besuch auf dem A1-Ring. Ich habe mich dort erkundigt, was das für die Region bedeutet. Man hat mir erklärt, dass die ganze Region, der Tourismus, die Gastronomie, der Agrotourismus, die Jausenstationen usw. von diesen Veranstaltungen profitieren. Mittlerweile finden dort tatsächlich keine Formel-1-Rennen mehr statt, aber zahlreiche andere Motorsportveranstaltungen. Es wurde mir plausibel erklärt, dass das dort ein wirtschaftlicher Faktor für die ganze Region ist. Glauben Sie, dass das alles nur Märchen sind und dass das in der Schweiz so nicht stattfinden würde?

Teuscher Franziska · Mit-F · Conseil national · Berne · Groupe des VERT-E-S

Ich glaube schon, dass man Ihnen das so dargelegt hat. Ich muss einfach sagen: Ich habe mit Blick auf die gestrige Debatte über die Naturparks die Unterlagen von Schweiz Tourismus gelesen. Dort heisst es: "Der Schweizer Tourismus will sich mit Naturerlebnissen im Ausland positionieren." Ich denke, wenn wir die Formel-1-Rennen zulassen, müssen wir wahrscheinlich auch bei der Tourismusförderung über die Bücher gehen, denn dann hätten Naturerlebnisse in der Schweiz wohl keinen Platz mehr.

Borer Roland · Mit-M · Conseil national · Soleure · Groupe de l'Union démocratique du Centre

Frau Teuscher, dank Ihrem Dream-Team in Zürich schauen wir ja dann auch die Fussball-EM in Graz und in Linz und in Wien statt in Zürich.

Erklären Sie mir mal bitte, Frau Teuscher, wie viele Autokilometer im Zusammenhang mit der Tour de Suisse pro Jahr gefahren werden, wenn Sie schon so umweltbewusst sind. Stellen Sie erstens allenfalls den Antrag, dieses Fahrradrennen aufzuheben, und, zweitens, wo hat es in den letzten fünf Jahren mehr Tote gegeben, im "Circus Maximus" der Fahrradrennen oder im "Circus Maximus" des Motorsportes? Das möchte ich gerne von Ihnen wissen.

Teuscher Franziska · Mit-F · Conseil national · Berne · Groupe des VERT-E-S

Wo es mehr Tote gegeben hat, weiss ich nicht. Mit Formel-1-Rennen schaffen wir gerade in Bezug auf die Tendenz, dass man auf den Strassen immer schneller fahren will, ein schlechtes Vorbild - auch für die Jugend. Denn das Rasertum - das ist Ihnen allen bekannt - ist ein grosses Problem.

Zum Stadion Zürich: Hier möchte ich festhalten, dass es nicht sehr viel mit dem VCS zu tun hat. Das hat vor allem mit der Stadt Zürich zu tun, die ein nicht umweltverträgliches Projekt aufgegleist hat.

Ineichen Otto · Mit-M · Conseil national · Lucerne · Groupe radical-libéral

Frau Teuscher: China und Indien sind im Moment daran, riesige Rennstrecken zu bauen. Weshalb? Sie möchten alternative Energien fördern, und sie möchten zu Zentren von alternativen Energien werden. Sind Sie sich überhaupt im Klaren, dass die meisten heutigen alternativen Energietechniken, wie z. B. benzinarme Motoren, durch den Autorennsport gefördert wurden?

Ich habe Verständnis für Ihre Argumentation, aber ein solches Projekt könnte ein Aufschwung sein; das könnte ich mir durchaus vorstellen. Ich denke an unsere weltbekannte Schweizer Firma, die in diesem Bereich tätig und sehr aktiv ist - ich möchte keine Namen nennen, Sie wissen, von wem ich spreche. Geben wir doch der Schweiz die Chance! Ob jemals dann Formel-1-Rennen stattfinden, das steht in den Wolken; da gebe ich Ihnen Recht. Aber dass man von vornherein solche Projekte grundsätzlich verneinen kann, das verstehe ich eigentlich nicht. Ich weiss, dass Sie sonst sehr grosszügig denken; denken Sie vielleicht auch an diese Möglichkeiten, die auch Ihnen nützen würden.

Teuscher Franziska · Mit-F · Conseil national · Berne · Groupe des VERT-E-S

Ja, ich gehöre sicher auch zu denen, die sich in diesem Parlament seit Jahren für die Förderung der alternativen Energien einsetzen. Ich denke, wenn wir hier konkret etwas machen möchten, müssten wir doch "Energie Schweiz" ausbauen. Wir haben ein gutes Programm, investieren wir in das, was wir haben. Setzen wir nicht neue falsche Signale mit einem Formel-1-Rennen, bei dem der Nutzen für die Schweiz nicht da wäre, denn die Welt wartet nicht auf Formel-1-Rennen in der Schweiz. Fahren wir dort fort, wo wir bereits Know-how haben, beispielsweise eben mit dem Programm "Energie Schweiz".

Cuche Fernand · Mit-M · Conseil national · Neuchâtel · Groupe des VERT-E-S

Je suis le seul élu dans ce Parlement qui a le privilège d'habiter dans une commune qui était équipée d'un circuit automobile privé. Plusieurs d'entre vous, je crois, sont allés s'entraîner sur ce circuit.

Il y a quelques années, il est parti en faillite, avec des conséquences au niveau de l'environnement, avec des conséquences au niveau financier qui sont extrêmement lourdes. Il a fallu plusieurs années pour enfin retrouver un repreneur et c'est le Touring Club Suisse qui a racheté ce circuit. Alors pour celles et ceux qui ont la nécessité d'aller tester leur véhicule, je peux déjà vous annoncer que vraisemblablement l'année prochaine, vous aurez la possibilité de le faire sur le circuit de Lignières. Ce qui veut dire que par rapport aux besoins formulés par l'auteur de l'initiative, une partie de la réponse, ou la réponse à cette nécessité de tester, est déjà donnée sur le circuit de Lignières. Et vous pourrez venir le tester avec vos camions d'ici l'année prochaine!

Rey Jean-Noël · Mit-M · Conseil national · Valais · Groupe socialiste

Tout à l'heure, Monsieur Giezendanner a cité deux exemples en Valais: Chamoson et Rarogne. Je n'aimerais pas qu'on mêle ces deux projets à la course de formule 1. Je viens d'avoir des contacts avec les partenaires de ces projets. Il s'agit de centres de tests pour les véhicules; ils n'ont rien à faire avec un circuit de courses de formule 1. J'aimerais que vous choisissiez mieux vos exemples lorsque vous posez des questions.

Binder Max · P-M · Conseil national · Zurich · Groupe de l'Union démocratique du Centre

Herr Giezendanner, Sie dürfen eine Erklärung abgeben, aber erst, wenn Sie mich gefragt haben.

Giezendanner Ulrich · Mit-M · Conseil national · Argovie · Groupe de l'Union démocratique du Centre

Herr Rey hat wieder nicht gut zugehört; Sie müssen auch zuhören. Ich habe das Wort Turtmann nie in den Mund genommen. Hören Sie bitte zu!

Schenk Simon · Mit-M · Conseil national · Berne · Groupe de l'Union démocratique du Centre

Ich denke, nach den vielen Fragen, die an Frau Teuscher gestellt worden sind, erübrigt sich eigentlich ein Kommentar meinerseits im Sinne der Kommissionsmehrheit. Ich möchte nur sagen, dass jetzt doch etwas viel von der Formel 1 gesprochen worden ist. Es geht hier ja eigentlich um das grundsätzliche Aufheben des Verbots von Rundstreckenrennen.

Ich möchte an die Adresse der Minderheit einfach noch festhalten, dass die Motoren längst nicht mehr so stinken wie früher - nicht zuletzt deshalb, weil man eben im Ausland Testfahrten auf solchen Strecken machen konnte. Selbstverständlich bin ich auch dafür, dass man Ingenieure ausbildet, aber wo sollen sie denn Tests machen? Da brauchen wir eben entsprechende Strecken. Was den Vergleich von Playstation und Formel-1-Rennen betrifft, da erübrigt sich ein Kommentar; dieser Vergleich zeugt nicht gerade von Fachkenntnis.

Ich bitte Sie im Namen der Kommissionsmehrheit, der parlamentarischen Initiative Folge zu geben.

Recordon Luc · Mit-M · Conseil national · Vaud · Groupe des VERT-E-S

Monsieur Schenk, connaissez-vous la formule suivante: "Les petits garçons ne grandissent jamais, c'est le prix de leurs jouets qui augmente"? (Hilarité)

Schenk Simon · Mit-M · Conseil national · Berne · Groupe de l'Union démocratique du Centre

Ich denke, da könnte ich die gleiche Antwort noch einmal geben. Sie verwechseln da etwas; es geht nicht um eine Spielerei, sondern um eine ernste Sache.

Germanier Jean-René · Mit-M · Conseil national · Valais · Groupe radical-libéral

Très rapidement. Suite à ce débat passionné et quelque peu coloré, j'aimerais juste rappeler qu'au niveau de l'emprise sur le territoire, cela a été dit, on peut se restreindre à des aéroports militaires, par exemple, qui seraient désaffectés, donc pas d'argent public non plus. Et puis surtout ce que je voulais vous dire, c'est qu'il s'agit d'une levée d'interdiction. Une levée d'interdiction, ce n'est pas encore une autorisation. On sait, en Suisse, ce que cela veut dire d'obtenir une autorisation.

Alors comme le disaient nos amis de la gauche en mai 68: "Il est interdit d'interdire." Cette phrase me plaît aujourd'hui.

Binder Max · P-M · Conseil national · Zurich · Groupe de l'Union démocratique du Centre

Wenn die Autos dereinst tatsächlich auf einer Strecke verkehren sollten und nicht schneller fahren, als wir heute die Sache beraten haben, wird es nicht gefährlich werden.

Vote

Abstimmung - Vote

Für Folgegeben .... 88 Stimmen

Dagegen .... 75 Stimmen